Ja, der Postplatz ist für unser Anliegen erstmal verloren. Das Gute ist aber, dass es vom Postplatz nicht weit zu gehen ist, um allerschönste Architektur zu sehen
Dresden - Postplatz
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Wollen wir mal von der Altmarkt-Galerie oder dem Wilsdruffer Kubus reden? Da finde ich die geschuppten bzw. gefalteten Dachabschlüsse des „Post Kontor“ doch wesentlich angenehmer.
Ich sehe da keine höhere Qualität, es fehlt z. B. weiterhin eine Traufe und überhaupt eine sinnvolle Gebäudegliederung. Aber wie gesagt lohnt sich aus meiner Sicht bei diesem grundsätzlich anderen Ansatz von Architektur keine Beurteilung einzelner Elemente - deswegen habe ich ja auch "mit viel gutem Willen" bei den anderen Gebäuden krampfhaft nach Vergleichbarkeiten gesucht. Und wie lächerlich das am Postplatz eigentlich ist, hast du ja selber aufgezeigt.
Das Schauspielhaus ist derart monströs und maßstablos, dass kein Gebäude am Platze ihm irgendeine Konkurrenz machen kann, nicht einmal der Zwinger.
Das stimmt nur zum Teil, das Gebäude hat (trotz natürlich größerer Gesamthöhe) eine Traufhöhe, die sich in den Rest der städtischen Bebauung einfügt(e), ohne seine (berechtigte) Solitärfunktion als öffentliches Gebäude mit Ausdruck starken bürgerlichen Selbstverständnisses und als Kulturbau zu verleugnen; auch das Stadthaus fügt sich ein, obwohl es (funktional begründet) durch seine lange Fassade und ikonische Rundung eine Art Solitär ist.
Gegenüber dem Zwinger ist der Maßstab natürlich verfehlt, aber hier wurde auch der Unterschied zwischen alter barocker Stadt im Festungsring und neuem bürgerlichen Selbstbewusstsein in der Vorstadt im Stadtbild zelebriert. Was auch immer im "Post Kontor" an Nutzung kommen wird, sie wird nicht die gesellschaftliche Bedeutung von Stadthaus oder Schauspielhaus haben und sollte sich deswegen auch architektonisch nicht so aufführen.
Ich wohne ja in Leipzig: Kleinteiligkeit ist relativ. Das historische Leipzig wurde vor 150 Jahren durch Handelspaläste ersetzt, die ganze Blocks einnehmen. Die Maßstäblichkeit in Leipzig ist riesig. Und was soll ich sagen, die Leipziger Innenstadt ist großartig und auch Gebäude aus dem 20. Und 21. Jahrhundert tragen dazu bei. Über einen Entwurf wie den von Larsen würde ich mich auch in Leipzig (ein bisschen) freuen.
Interessanter Punkt, allerdings: Dresden ist nicht Leipzig und hat immer vom Kontrast der wichtigen Solitärbauten (Residenzbauten, Kirchen, später Profanbauten wie Rathäuser und Kultureinrichtungen) gegenüber der bürgerlichen Masse an harmonischem "Fleisch" der Stadt gelebt. Leipzig war immer (nur) Bürger- und Handelsstadt und hat daher auch eine ganz andere Herleitung des Stadtbilds.
Ich denke, mit Fassadenaufwertungen und einer Rekonstruktion des Adamschen Hauses als Pendant zum Zwinger ließe sich da schon sehr viel erreichen.
Auch wenn ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, wie man bei den Gebäuden nur mit Änderungen an den Fassaden was erreichen will, ohne dass höchstens sowas wie an der Schweriner Straße herauskommt, stimmen wir ansonsten natürlich überein. Den Postplatz zur historischen Seite am Zwinger hin zu schließen wäre z. B. mit dem Adamschen Haus und evtl. einem Palast-Hotel Weber aber sinnvoll.
Wo sollte das stehen? 1-2 m neben dem "Kubus"?
Der Abstand wäre ca. 7 Meter auf Flurstück 705, siehe Stadtplan - der Wilsdruffer Kubus hat die laut B-Plan zulässigen 23 Meter, glaube ich, nicht ausgereizt, d. h. das könnte sogar mit 0.4H lt. Sächsischer Bauordnung hinkommen.
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Der Abstand wäre ca. 7 Meter auf Flurstück 705, siehe Stadtplan - der Wilsdruffer Kubus hat die laut B-Plan zulässigen 23 Meter, glaube ich, nicht ausgereizt, d. h. das könnte sogar mit 0.4H lt. Sächsischer Bauordnung hinkommen.
Nun ja, wenn du meinst. M. M. n. wird dir niemand dieses Ding hinsetzen.
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Der Städtebau am Postplatz folgt dem Schürmannplan, wobei es starke Abweichungen gab.
Der "Wilsdruffer Kubus" ist 23,5 Meter hoch. Der Vorgänger, der DDR-Fresswürfel, hatte nur 16 Meter.
Das Adamsche Haus war nicht und wäre auch heute nicht als "Ding" zu bezeichnen, stattdessen wählt z. B. Dr. Stefan Hertzig lieber die Bezeichnung "Meisterwerk". Es war architektonisch und vor allem städtebaulich sehr bedeutend und wäre das auch heute. Auf mehreren Canalettos ist es prominent zu sehen. Heute sieht man stattdessen, den Zwingergraben in Richtung Kronentor entlanglaufend, schon aus großer Entfernung den Kubus.
Ob es wirtschaftlich, aber vor allem politisch möglich ist, es wiederzuerrichten, eines Tages, ist natürlich eine ganz andere Frage. Den Gedanken wachhalten möchte ich aber schon.
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Ach, was der Alte da immer schrieb. Ob das wohl alles so richtig ist.....

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Meine Verbesserungsvorschläge sind ohne Kenntnis der genauen Gegebenheiten. Statt der Stadt wäre der Architekt der richtige Ansprechpartner, um noch Feinheiten vorzunehmen. Kolonnaden oder Geschosshöhen sind aber keine Feinheiten, sondern gehen richtig ans Geld.
Welche Verbesserungvorschläge könnte ein Architekt denn jetzt noch umsetzen, was meinst du? Wenn es sich lohnt, mit dem Architekten/Bauherrn das Gespräch zu suchen, sollten wir es versuchen. Wir haben uns ja schon damals beim Beteiligungsverfahren beteiligt.
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Etwas anderes - besseres hatte ich an dieser Stelle nicht erwartet.
Wer nix erwartet, kann auch nicht enttäuscht werden. Das schont vielleicht die Nerven. Aber unabhängig von unseren eigenen Gefühlen *müssen* wir diese Erwartungen an alle Akteure herantragen, aus Pflichtgefühl dieser großartigen Stadt gegenüber. Wir müssen. Sonst lassen wir die Verklotzung Dresdens außerhalb winziger Inseln ungehindert zu.
Daher die Frage: was stand dort früher, kann jemand Bilder teilen? -
Ich vermute, es geht um die Gebäude links vom Schauspielhaus (aus Richtung Zwinger betrachtet)?
Das wäre dann wohl dieses Ansicht: -
Das jetzt zu bebauende Grundstück lag vor der Zerstörung nicht direkt am Postplatz, sondern an der Großen Zwingerstraße, die durch "Webers Hôtel", bzw. ab 1911 das "Palast-Hotel Weber", ein Entwurf von Lossow & Kühne - genauso wie das Schauspielhaus, und die Gambrinus-Gaststätte vom Postplatz abgetrennt war. Dahinter befand sich das Gerberviertel, das bis auf die Ecke zur Großen Zwingerstraße hin bis zur Zerstörung seine vorstädtische Bebauung behielt und daher keine Postkartenansicht bot. Eine Entwicklung wurde erst um 1880 angestrebt, als auch der dort ansässige Schlachthof auf die Leipziger Straße umgezogen war. Eine gute Zusammenfassung findet sich im Wikipedia-Artikel zum Palasthotel Weber.
Das heutige Grundstück nimmt auch einen Bereich der Wettiner Straße (heute Schweriner Straße) ein, die vor der Zerstörung bis zum Postplatz gründerzeitlich bebaut war. Sie wurde auch erst in den 1880er Jahren quer durch den alten Stadtgrundriss hindurch angelegt, s. auch Stadtwiki Dresden. Links zum Themenstadtplan mit Hervorhebung des zu bebauenden Flurstücks:
- auf dem Stadtplan von 1866 vor Anlegen der Wettiner Straße
- auf dem Stadtplan von 1899 nach Anlegen der Wettiner Straße - man erkennt u. a. den Weißeritzgraben, der durch das Grundstück des späteren Schauspielhauses verläuft
- auf dem Stadtplan von 1927 nach Bau des Schauspielhauses
Folgend ein paar Aufnahmen der Gegend (mit Direktlink zu altesdresden.de - die gibt es übrigens, indem man bei Ansicht einer Adresse auf den "teilen"-Knopf drückt und dann auf die Schaltfläche "Link auf dieses Haus öffnen", bzw. Symbol mit "URL").

Blick in die Gerbergasse (heute Theaterstraße) an der Einmündung des Maler-Gäßchens (rechts), heute hinter dem Schauspielhaus
Bildnachweis: altesdresden.de
Postkarte mit Ansicht der Gerbergasse (heute Theaterstraße) mit Aufnahmestandort näher zum Postplatz
Bildnachweis: altesdresden.de
Blick in die Gerbergasse aus Richtung Postplatz ungefähr am Ende des heutigen Grundstücks (Eckhaus links, Gerbergasse 3)
Bildnachweis: altesdresden.de
Postkarte mit Ansicht des Eckhauses Wettiner Straße/Große Zwingerstraße, sowie Blick vom Postplatz auf Gambrinus-Gaststätte und "Webers Hôtel"; der besprochene Bereich ist dahinter zu erahnen - rechte Seite der rechten Teilansicht.
Bildnachweis: altesdresden.de
Ansicht von "Webers Hôtel" vor dem Umbau zum "Palast-Hotel Weber" vom Zwinger aus und vor dem Bau des Schauspielhauses; rechts die alte vorstädtische Bebauung, die später teilweise abgerissen wurde.
Blick vom Zwinger auf das neue "Palast-Hotel Weber" und in die Große Zwingerstraße, rechts angeschnitten das Schauspielhaus.
Bildnachweis: altesdresden.de -
Offensichtlich brauchte es das mal in dieser Deutlichkeit. Bräsigkeit, Gleichgültigkeit und Arroganz führt ja leider an vielen Stellen der Stadt zu sehr bescheidenen Lösungen.
QuoteDahinter befand sich das Gerberviertel, das bis auf die Ecke zur Großen Zwingerstraße hin bis zur Zerstörung seine vorstädtische Bebauung behielt und daher keine Postkartenansicht bot.
Also ich finde die gebotenen Ansichten allesamt sehr postkartentauglich
Und sie wären mit Sicherheit heute unter den Lieblingsecken der Stadt.Mich erinnert das an die kleine Oase am Schießhaus.
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