Dresden - Postplatz

  • Ich weiß nicht was den Hr. Dr. Ufer geritten hat. Zum Thema Gewandhausareal hatte er immer vernünftige Ansichten und Kommentare.

  • Was den Herrn Ufer da geritten hat?
    In Dresden tröpfeln dieser Tage Kleingeist und Provinzialismus aus allen Poren. Das fängt bei einer bestimmten Elbquerung und den damit in Zusammenhang stehenden Folgen an, geht über die vollkommen inadäquaten Umbauvorstellungen eines für die Altstadt unverträglichen Veranstaltungsgebäudes, hin zu der Tatsache, dass das neue Motel One am Postplatz den Projektnamen Zwingerforum bekommen hat.
    Wenn ich daran denke, dass sich die Planer eigener Aussage zufolge am Zwinger orientiert haben und ihnen sicherlich auch nicht die Forumpläne Sempers entgangen sein werden, rollen sich mir die Fußnägel hoch. Das grenzt doch schon an Blasphemie!

    Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe

  • >>Auch die großen Markenfirmen haben das offensichtlich entdeckt, denn lange machten beispielsweise Kultfirmen wie Starbucks oder KFC einen Bogen um die Provinz an der Elbe. Mit ihrem Kommen steigt Dresden in der Liga der internationalen Städte. Und wenn jetzt in der Altmarkt-Galerie ein Apple Store entsteht, so ist das ein weiteres Zeichen für den Coolnessfaktor dieser Stadt.<<



    Au weia. Das ist überall in der alten Bundesrepublik blanke Normalität; selbst in Duisburg, Schweinfurt oder Salzgitter kann so flaniert werden. Vorwiegend ohne künstliche Beatmung. Überdies viel internationaler und "authentischer" als in einer Stadt, die nur deshalb auf die großen Flansche abfährt, weil die Freiflächen unbedingt gefüllt werden müssen - und dieses urbane Handicap penetrant ins Auge sticht. Es spricht jedenfalls Bände über den tatsächlichen Stand Dresdens im "internationalen Wettbewerb". Normale, wirtsch. halbwegs selbsttragende Städte könnten sich diese subventionsrüchige Verramschung wertvoller Kernstadtfläche so nicht erlauben.

    Nein, die werden gedünstet

  • Leipzig hat übrigens schon zwei Starbucks. Schade dass das nicht im Artikel erwähnt wurde. :lachen:

  • Aber ganz so unrecht hat er nicht. Auch sowas braucht Dresden, wenigstens ein bisschen. Die Kultur muss dennoch viel, viel präsenter im Stadtgeschehen sein (auch Szenekultur und natürlich Baukultur). Nur so sticht man zudem noch aus der Masse der "Starbucksstädte" raus, solche wie Duisburg oder Düsseldorf etc. Beim Thema baukultur verspielt man sich da gerade aber recht viel … =(

  • Dresden ist keine richtige Stadt mehr geworden - sondern ein barockes Schaubild geblieben, was aber natürlich toll aufgehübscht wurde. Als Stadt (außerhalb der Hof- und Kultbautenzone) kann es aber selbst mit Hildesheim, Nürnberg, Schweinfurt oder Würzburg nicht mithalten. Städte der Fünfzigerjahre freilich, aber als richtig empfundene Städte. Wo ein Starbucks nichts besonderes darstellt, weil fast jede Parzelle irgendeinen Laden beherbergt, in dem auch eingekauft (und darüber gewohnt) wird. Zeilenbauten markieren bereits den Beginn der...bereicherten...Zonen, von denen man sich fernhält. Wo dies mal innerhalb der Kernstädte zu finden war, wird es revidiert.


    Und die Prager Straße ? Die größere Variante der üblichen Gewerbeparks mit ihren Flanschen von Büro- und Einkaufspalästen vor der eigentlichen Stadt. Meist in Richtung der Autobahnausfahrten.

    Nein, die werden gedünstet

  • Das stimmt, zumindest was den linkselbischen (Haupt)teil betrifft.
    Interessant ist daran die Beobachtung, dass (vom Tourismus abgesehen) das alte Stadtzentrum funktional ausgedient hat. Ein Stadt funktioniert heute ebenso gut oder schlecht mit einem Zentrum oder ohne einen solchen. Wohnungen, Krankenhäuser, sonstige Infrastruktur, Ämter, Betriebe, Geschäfte, kulturelle Einrichtungen, Kirchen, Märkte ... alles da.
    ME ist das eines der Hauptprobleme des Wiederaufbaus - keiner braucht das, was da wiedererrichtet werden soll. Nach den Wohnungen ist keine Nachfrage, agorale Zentren haben sich offenbar schon in den Vorstadtbezirken etabliert.


    Nur solche sentimentalen Snobs wie wir (noch dazu in den überwiegenden Fällen nicht aus DD) scheint etwas zu fehlen, wir wollen uns mit der zentralen Brache nicht abfinden, weil diese nicht dem Idealbild, das wir von DD 'im Herzen tragen', nicht entspricht. Und für Touristenmassen war ja selbst die Elbkulisse samt Zwinger und Oper völlig ausreichend, wie man gesehen hat (und in Städten wie Nürnberg und Würzburg immer noch sieht).


    Eine Frage noch: Wo kaufen die DDer eigentlich ihre Bücher bzw kulturelle Gegenstände wie Schallplatten, Musiknoten oder Antiquitäten? Vielleicht in Leipzig?
    Dem gestandenen DD reicht wohl die Elbkulisse als

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Quote

    Eine Frage noch: Wo kaufen die DDer eigentlich ihre Bücher bzw kulturelle Gegenstände wie Schallplatten, Musiknoten oder Antiquitäten? Vielleicht in Leipzig? Dem gestandenen DD reicht wohl die Elbkulisse als


    So, können wir das Gleis der Polemik nun wieder verlassen?

    "We live in the dreamtime-Nothing seems to last. Can you really plan a future, when you no longer have a past." Dead Can Dance - Amnesia

  • Quote from "ursus carpaticus"


    Eine Frage noch: Wo kaufen die DDer eigentlich ihre Bücher bzw kulturelle Gegenstände wie Schallplatten, Musiknoten oder Antiquitäten? Vielleicht in Leipzig?
    Dem gestandenen DD reicht wohl die Elbkulisse als


    als berliner, der 2 jahre lang in dresden gewohnt hat und auch leipzig ziemlich gut kennt, kann ich dir das gerne sagen. schallplatten, musiknoten und antiquitäten kaufte ich quasi im "zentrum" von dresden. nämlich in der neustadt oder in der äußeren neustadt(antonstadt), in der ich auch wohnte. 8) apropos, für gute schallplatten und antiquitätenläden solltest du in leipzig meines erachtens auch eher beispielsweise in die südvorstadt fahren.

  • Das war keine Polemik, DV. Diese Waren sind in aller Regel in Stadtzentren erhältlich, und so ist es wohl auch kein Zufall, dass sie lt omnio in DD in der Restaltstadt angeboten werden.
    Man darf ja nicht vergessen, dass DD ja noch eine 'echte' Altstadt hat, auch wenn sie sehr klein ist. Allerdings wäre man in Würzburg und Nürnberg über ein so zusammenhängendes Viertel froh.
    Dass der Neumarkt diese Funktion übernehmen wird, dürfte noch etwas dauern.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • >>ME ist das eines der Hauptprobleme des Wiederaufbaus - keiner braucht das, was da wiedererrichtet werden soll. Nach den Wohnungen ist keine Nachfrage, agorale Zentren haben sich offenbar schon in den Vorstadtbezirken etabliert.<<


    Dresden ist da, wie bei anderen Gelegenheiten, ein Sonderfall; auch, was das Weiterleben als Torso angeht. Magdeburg kann seine totale Kaputtheit nicht verwischen und mangels Lobby nicht damit fertigwerden ("Magdeburg" - steht für so einiges, aber nicht für jene grandiose Stadt, die es einst war - zudem fehlt der "zentrale Bezirk" als stadträumlicher Angelpunkt einer markanten historischen Bebauung; der Domplatz gibt dergleichen nicht her....die Permosersche Bischofsresidenz fehlt hier einfach...*fg*). Dresden kann es offenssichtlich. Daher wäre z.B. mein persönliches Konzept für Magdeburg (eine Art Hellerau zwischen den vielen Kirchen) für Dresden überhaupt nicht anwendbar. Dresdens elbseitige Kulturbauten verlangen nach einer anschließenden Stadt von derartiger Qualität und Dichte, die kein Investor außerhalb der harten Satzungsgebiete um den Neumarkt leisten mag. Wo soll es herkommen ? Und in welchem Style sollen wir bei diesen Vorbildern bauen ? Die Welle der nichtswollenden Nicht-Architektur außerhalb von Neumarkt und Schloßviertel wird mit diesem Unvermögen u. der Furcht, es mit dem Erbe aufzunehmen, zu tun haben. Parzellenbau geht nicht, also muß per se groß geplant werden, verlangt entweder nach Geste oder dem genauen Gegenteil davon. Ein Gebäude wie der Wilsdruffer Kubus oder das Altmarkthotel verweigert sich der Auseinandersetzung einfach bzw. hält nur die jeweilige Satzung zur Orientierung; die Rekonstruktionen hingegen sind an vorgegebenen Entwürfen orientiert.

    Nein, die werden gedünstet

  • Dresden hat sich durch die Zerstörung der Innenstadt zu einer polyzentralen Stadt entwickelt,
    und es gibt im Moment keine ökonomischen Triebkräfte, die eine Zurückentwicklung zum alten Zentrum begünstigen würden. Im Gegenteil - zu hohe spekulative Erwartungen der Immobilienbesitzer blockieren eine solche Entwicklung. Dabei sind ihre vermeintlichen "Filet"stücke nur Kotelett mit viel Knochen und wer daraus ein echtes Filet machen will, muß wie am Neumarkt viel Geld und Geduld mitbringen.


    Wenn ich mir z.B.ein Klavier kaufen möchte, einen Flügel für meinen Salon,
    den bestelle ich nicht bei Amazon in Leipzig, sondern suche mir einen Fachhändler.
    In Dresden wird man schnell fündig. Es gibt etliche: Pianosalon, Pianogalerie, Klavierhaus usw.
    Vor dem Krieg hätten die allesamt zumindest ihre Verkaufsdependancen in der inneren Altstadt gehabt. Heute nur einer, der Piano-Salon im Coselpalais am Neumarkt.
    Die anderen sitzen in den Villenvierteln: Karcherallee, Comeniusstraße, Weißer Hirsch.


    Umgekehrt, wenn ein Klavierhändler ein geeignetes Ladengeschäft in Dresden sucht, wird er in der Innenstadt schlichtweg nicht fündig. Denn er wird mit seinem Laden kaum in die "Centrum-Galerie" ziehen wollen.
    Also geht er auch z.B. auf den Weißen Hirsch, wo bereits viele Geschäfte für Antiquitäten, Stilmöbel, Künstlerbedarf und Galerien ein interessantes "Cluster" gebildet haben und das Ambiente stimmt.
    Der weiteren Innenstadtentwicklung ist das natürlich abträglich, aber wenn dafür Blasewitz und Loschwitz erblühen, kann ich es verschmerzen...

  • Quote from "ursus carpaticus"

    Das war keine Polemik, DV. Diese Waren sind in aller Regel in Stadtzentren erhältlich, und so ist es wohl auch kein Zufall, dass sie lt omnio in DD in der Restaltstadt angeboten werden.
    Man darf ja nicht vergessen, dass DD ja noch eine 'echte' Altstadt hat, auch wenn sie sehr klein ist. Allerdings wäre man in Würzburg und Nürnberg über ein so zusammenhängendes Viertel froh.
    Dass der Neumarkt diese Funktion übernehmen wird, dürfte noch etwas dauern.


    Nicht ganz. Gerade im Neumarktbereich gibt es sogar ein Antiquariat, dass es sogar in Wien nur mit Nebehay aufnehmen könnte! Es befindet sich zwar in einem der 60er Jahre Bauten an der Wilsdruffer, aber seine Auswahl ist erste Sahne (habe dort selbst mein Smonatliches Studentenbudget mehrere MAle überschreiten müssen...). Außerdem gibt es im QF in der oberen Etage einen ebenfalls sehr exquisiten Antiquitätenhändler der mit wundervollen alten Dresden Gemälden handelt! Wer weiß wo, der kann auch im rudimentär wiedererstandenen Dresdner Zentrum die "richtigen" Dinge kaufen, die es in der Neustadt so nicht gibt.

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Aber ursus, jetzt mal ganz ehrlich: in welcher größeren Stadt ist denn das so anders? Überall gibt es autarge Stadtteilzentren. In die Innenstadt fährt man als Einheimischer nicht mal um sich am Stadtbild zu erfreuen sondern weil es dann dort doch noch ein größeres Angebot gibt. Die einzigen Städte, die mir jetzt einfallen, wo man auch als Einheimischer in die "Altstädte zieht" um sich zu vergnügen sind Köln und Düsseldorf.
    Und mit Verlaub, In Wien kam es mir auch so vor, als wenn die Wiener den 1. komplett den Touris überlassen haben...

  • kv2D
    Aber das meinte ich doch. Wofür man wirklich die Innenstadt braucht, das sind Bücher- und Musikaliengeschäfte uä. Dazu fährt man in die Innere Stadt

    Quote

    weil es dann dort doch noch ein größeres Angebot gibt

    . Deshalb auch meine Frage an die Dresdner.
    Gastronomisch kannst du s vergessen, da ist die Vorstadt meilenweit voran.
    Allerdings ist die Innere Stadt als Treffpunkt nicht ganz zu vernachlässigen. Wenn ich mich mit jemandem treffen will, dann ist es meistens ein Café im Ersten. Und der Graben als agorales Forum ist auch nicht so zu verachten.


    Dass die einzelnen Bezirke in Wien autarke Zentren (Kretzln oder Grätzeln)bildeten, hab ich eigentlich nie so empfunden. Draußen in Favoriten vielleicht, wobei hier ein ethnisches Element im Spiel ist, ev. auch in der Josefstadt, was ein Klassenphänomen darstellt.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Quote from "Exilwiener"

    Gerade im Neumarktbereich gibt es sogar ein Antiquariat, dass es sogar in Wien nur mit Nebehay aufnehmen könnte! Es befindet sich zwar in einem der 60er Jahre Bauten an der Wilsdruffer, aber seine Auswahl ist erste Sahne .... Außerdem gibt es im QF in der oberen Etage einen ebenfalls sehr exquisiten Antiquitätenhändler der mit wundervollen alten Dresden Gemälden handelt! Wer weiß wo, der kann auch im rudimentär wiedererstandenen Dresdner Zentrum die "richtigen" Dinge kaufen, die es in der Neustadt so nicht gibt.



    Tatsächlich entwickelt sich das Neumarktgebiet zu einer schönen Shoppingzone.


    Die von dir erwähnten Geschäfte findest du auch im Netz. Das Antiquariat in den 60er Jahre Bauten an der Wilsdruffer: http://www.zentralantiquariat.de/filialen.html (gibt es dort schon lange) und auch den Antiquitätenhändler in der oberen Etage im QF: http://www.galerie-koenitz.de/

  • Quote

    Ab Mitte September beginnen Grabungen am Postplatz
    Die TLG Immobilien GmbH hat einen Bauantrag für ein Hotel- und Bürogebäude zwischen der Freiberger und der Schweriner Straße gestellt. Auf dieser Postplatzfläche sollen das Zwinger-Forum mit einem Motel One-Hotel und Büros entstehen. Die TLG Immobilien rechnet damit, im Frühjahr 2011 mit dem Bau beginnen zu können. Sie geht von einer Bauzeit von 18 Monaten aus. Die reine Bauinvestition betrage 20 Millionen Euro.


    Schsische Zeitung [online] - Nachrichten Dresden: Lokale News, Politik, Veranstaltungen, Wirtschaft

  • Habe gerade gelesen, dass der Wilsdruffer Kubus nun vollkommen vermietet ist.


    Ob das an seiner Eigenschaft als architektonisches Kleinod, oder nur an seiner zentralen Lage liegt, war dem Artikel nicht zu entnehmen.


    Das Problem am Kubus finde ich nicht seine funktionalistischen Fassaden, auch nicht seine plumpe Form. Sondern dass man erkennt, dass die Stadtplanung hier völlig ohne Konzept ein isoliertes Einzelgebäude an einen Platz setzte, dem fast alle 4 Seiten seit 1945 fehlen und die in den nächsten Jahrzehnten mit ziemlicher Sicherheit wiederaufgebaut werden. Um einen gesamte Platz wiederherzustellen, braucht man einen Plan. Deswegen heisst es ja auch Stadt-Planung, und nicht Stadt-irgendwiebauen. Einen solchen Plan kann ich hier nicht erkennen. Der Kubus ist stadtplanerisch Ausdruck von völliger Konzeptlosigkeit und Inkompetenz, wirtschaftlich aber ein voller Erfolg.


    Wobei wir uns aber im Klaren sein müssen, dass "Erfolg" hier definiert wird als Vorteil einer Minderheit von reinen Privatleuten, die sich weder dem Allgemeinwohl noch der Baukunst noch dem Wiederaufbau einer Kunst-und Kulturstadt verpflichtet fühlen. Definiert man aber "Erfolg" nicht nur als Vorteil für eine kleine Minderheit reicher Privatleute sondern als Vorteil für die Öffentlichkeit - besonders wenn man weiss wie der Platz vor der Zerstörung aussah - dann halte ich den Erfolg für zweifelhaft.

    "Die Modernisten sollten sich endlich eingestehen, dass sich die Qualität einer Stadt konventioneller Architektur verdankt" - (H. Kollhoff).

  • Quote

    Um einen gesamte Platz wiederherzustellen, braucht man einen Plan. Deswegen heisst es ja auch Stadt-Planung, und nicht Stadt-irgendwiebauen. Einen solchen Plan kann ich hier nicht erkennen.


    Um der gefühlten Planlosigkeit im Bezug auf den Postplatz abzuhelfen, kann ich die Seiten der Stadt Dresden wärmstens empfehlen.


    Postplatz - Stadtentwicklung & Umwelt - Dresden


    Und da jede Medaille bekanntermaßen zwei Seiten besitzt, möchte ich auch einen Beitrag mit kritischen Aspekten zu den Schürmannplanungen nicht verschweigen.


    Postplatz Dresden: "Zwingerforum" -Neubau Bro und Hotel "Motel one" 2010-11


    Zum Zwingerforum:


    Neben der Hotel- und Büronutzung soll das Gebäude über Flächen für Gastronomie und Handel verfügen, die sich aufgrund der mangelnden Lagegunst wahrscheinlich nicht sonderlich vermieten werden lassen. Das ist insofern tragisch, da im Bereich des Postplatzes die Schweriner Straße zu einer Art Fußgängerzone ausgebaut werden soll, die mit attraktiven Angeboten durchaus zur Stärkung der bisher vernachlässigten innerstädtischen Ost-West-Achse beitragen könnte. Leider aber wird diese Möglichkeit aller Wahrscheinlichkeit nach nicht wahrgenommen, da es der Stadt an der dafür nötigen Durchsetzungsfähigkeit gegenüber dem Investor mangeln wird.
    Die Pläne der TLG deuten auch schon an, dass wohl ausschließlich die Erdgeschossflächen entlang der Freiberger Straße mit ihren Arkaden eine repräsentative Gestaltung erfahren und sich deshalb eventuelle Handelsflächen wohl nur in diesem Bereich befinden werden. Somit könnte tatsächlich einer der größten Nachteile des Schürmann-Plans betoniert werden, nämlich die Abkopplung der Schweriner Straße, die im schlimmsten Fall nur als Anlieferzone für das Motel One und die anderen Nutzer "missbraucht" werden könnte.


    http://www.tlg.de/uploads/tx_c…s/DD_Zwinger-Forum_BA.pdf

    Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe

  • Ich finde den Schürmanplan am Postplatz unter aller Sau. Ich kann da ausser der Dichte (Welche aber eh doof verteilt ist) nichts wirklich überzeugendes entdecken. Ich verstehe nicht, wie sich sowas in einer Stadt mit europäischem Anspruch durchsetzen kann.


    Der Kubus mag architektonisch okay sein, ABER NICHT AN DER STELLE! Den Teilsatz kann man eigentlich nicht oft genug den Leuten vor den Latz knallen. Besonders bei den Platzfronten, die Dresden so hat, sollte man sich besonders Mühe geben. Das wertet die Stadt ungemein auf (siehe Neumarkt, wieso geht es nur da??) und das zieht dann Gewinne in die Vermieter, weil man dauerhaft wirklich Juwele hat. Der Kubus wird schnell so oll aussehen wie das, was davor stand. Demgegenüber prachtet der Zwinger seine Jahrhunderte vor sich hin. Ich weiss nicht, hätte der Investor die Ecke nach historischem Vorbild gefüllt, hätte er wohl mehr Quadratmeter zum vermieten gehabt und die Leute aus dem Kern um den Schlossplatz würden sich gerne auf den Postplatz hinschlendernd verirren. Aber so? Viel ist nicht los auf dem Postplatz. Und ein funktionierender Postplatz (wie eben der Neumarkt funktioniert, der is sowas von voll) wäre super für die angrenzenden Gebiete, wo heute Ödnis herrscht. Ich versteh diese Stadtplanung nicht.