Dresden - Postplatz

  • Quote from "Miwori"

    Ich würde auch sagen...
    Nach der letzten Visualisierung geht es mehr in Richtung 30er/40er Jahre, Paul Wolf.


    Mit DDR-Baustilen hat das nichts zu tun.


    Was, wenn kein Plattenbau, hat den Entwurf bestimmt?? Selbst der Schriftzug auf dem Dach ist DDR-typisch ("Dresden grüßt seine Gäste"). Einziger Unterschied, und da stimme ich dir zu, ist die Steinverkleidung, die für 30er-Bauten typisch war.

  • Sieht eher nach den frühen Fünfzigern aus, westdeutsche Fußgängerzone. Im Unterschied zur Gegenwartsarchitektur mit ihren Zappelfenstern orientierte man sich manchmal noch am "stripped classical" international style der Dreißiger. Also: Könnte vielleicht noch was draus werden.


    Thema Plattenbau: Ich meine, mal einen städtebaulichen Entwurf für den Postplatz aus Mitte der Achtziger gesehen zu haben - dieser hätte in Ansätzen die Qualitäten gewisser Berliner De-Luxe-Platten jener Zeit haben können. Das ist nicht ironisch gemeint - die Berliner 80'er-Neubauten an Friedrichstraße und Gendarmenmarkt (so mies die Verarbeitung im Detail; naja, späte DDR halt) waren gestalterisch auch für Dresden angemessener als die heutige CAD-Ödnis.

    Nein, die werden gedünstet

  • Ich weiß gar nicht, was ich an dem Hotel schlimmer finden soll. Die Riegelform oder die Amazonas-Hochwasserstelzen. An deren Innenseite kann man die I-Love-Mandy-Herzen und diverse Graffititags schon erahnen. Vielleichts liegt's nur an der unglücklich gewählten Perspektive, dass ich diesem Entwurf auch rein städtebaulich überhaupt nichts abgewinnen kann.

  • >>Amazonas-Hochwasserstelzen<<



    Die sind bei solchen Objekten ohnehin usus (Wenn Investoren mal schon so richtig repräsentieren wollen) - und sogar zu was nütze, wenn z.B. nach den heißen Sommerwochen, das Wetter ins komplette Gegenteil... :lachen:

    Nein, die werden gedünstet

  • Zum Zwinger, Schloß und Taschenbergpalais passen nur zurückhaltende, klassische Bauten mit hier und da Historismus.
    Stattdessen bekommt man Advanta-Riegel, Wilsdruffer Kubus, Altmarkt Galerie und jetzt dieses Hotel, dazu noch die monströse Schmetterlingstraßenbahnhaltestelle.
    Weshalb gerade an dieser eigentlich stadtbildmäßig wichtigsten Stelle der Innenstadt die "Moderne" (oder was es auch heute ist, klassische Moderne ginge dagegen noch) so ungehemmt toben darf? Auf jeden Fall die bisher größte stadtplanerische Enttäuschung seit der Wende in Dresden.

    VBI DOLOR IBI VIGILES

  • Seh ich nicht ganz so. In DD ist abseits von NM und Königstraße nach der Wende nur Mist aufgeführt worden.
    Oder gefallen dir die Synagoge, das Neue Palais, die Altmarkt Galerie, das Altmarkhotel, das Legohaus, der Bereich hinter dem Altmarkt bis in die Prager Straße, der Wiener Platz wirklich besser? Alles übelste BRD-Wiederaufbau-Tradition, wie wir es schon aus Nürnberg, München, hannover uva kennen und hassen.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Nein, deine andere Beispiele gefallen mir um kein Haar besser. Aber sie stehen an étwas weniger wichtigen Stellen. Unwichtig ist aber keine.
    Der Postplatz ist, da er direkt an Schloß und Zwinger liegt, für die Dresdner Innenstadt nicht weniger wichtig als der Neumarkt und die Königstraße. Freilich ist der Altmarkt auch genauso wichtig.

    VBI DOLOR IBI VIGILES

  • Quote

    Sieht eher nach den frühen Fünfzigern aus, westdeutsche Fußgängerzone. Im Unterschied zur Gegenwartsarchitektur mit ihren Zappelfenstern orientierte man sich manchmal noch am "stripped classical" international style der Dreißiger.


    Obwohl hier einmal hochformatige Fenster über Fenstern und Stützen über Stützen angeordnet sind, entsteht durch die durchgehenden Gurtgesimse und Brüstungsflächen eine starke horizintale Betonung. Die Architektur lässt einen sehr schnell an die späten 20'er (und sicherlich auch 30'er) denken. In Dresden kann man viele ähnliche Architekturen aus dieser Zeit sehen, wobei meiner Ansicht nach die "Posthäuser" an der Teplitzer Straße diesen Entwürfen am ähnlichsten zu sein scheinen.


    Postsiedelung-Dresden - Postsiedlung


    Einer "modernen Zutat" konnten sich K&L aber scheinbar nicht enthalten, was ja wohl bei einer "zeitgemäßen Interpretation" der 20'er auch nicht fehlen darf. So sind die Stützen zwischen den Fenstern um einige Grad aus der Fassadenachse verschoben, was man bei der Visualisierung anhand der Schatten recht gut erkennen kann.

    Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe

  • @brma
    Der Postplatz als solcher ist in meinen Augen völlig unwichtig. Womit du recht hast, ist die unsägliche Wirkung von Riegel und würfel von Theaterplatz uva Zwinger aus. Da kann man nur verzweifeln ob soviel Dummheit.
    Das Neue Palais ist aber auch nicht ohne. Es verschandelt eine ziemlich originär erhaltene Stelle restlos.
    Überhaupt ist die ganze Salzgassengestaltung skandalös - was hätte sich hier machen lassen, mit relativ wenig Rekoaufwand: eine ganz spektakuläre und noch dazu authentische Stelle im Stadtgefüge.
    Aber hinter dem eigentlichen NM-Bereich muss in DD wohl Schluss sein, zuviel Schönheit ist gesundheitsgefährlich.
    Warum sollte man da just für den Postplatz Hoffnungen haben?

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Quote

    die unsägliche Wirkung von Riegel und würfel von Theaterplatz uva Zwinger aus. Da kann man nur verzweifeln ob soviel Dummheit.


    Die meine ich auch ganz vorrangig. Wenn man dieses Gegenüber des Zwingers mit dem von der Residenz in Würzburg vergleicht, so wirst selbst Du, Ursus, zugeben müssen, daß Würzburg in diesem Vergleich klar vorn liegt.
    Mit dem Neuen Palais hast Du recht- nachdem das Coselpalais rekonstruiert war, durfte mehr Schönheit zunächst nicht sein, und die Ecke mußte natürlich unbedingt wieder kaputt gemacht werden bzw. es bleiben. Disharmonie und Kontrast mußten auch hier den Zeitgeist Einzug geben.

    VBI DOLOR IBI VIGILES

  • Quote from "ursus carpaticus"

    Alles übelste BRD-Wiederaufbau-Tradition, wie wir es schon aus ..., München, ... kennen und hassen.


    Naja... München ist nach wie vor die "Rekonstruktionshauptstadt" Deutschlands. Allerdings wurden die Rekonstruktionen in den 50ern durchgeführt. Übrigens auch damals schon gegen erhebliche Widerstände.

  • Na ja, in den protogründerzeitlichen Ausfallsstraßen und um die Residenz vielleicht. Dort aber, wo es wirklich drauf ankommt, in der jahrhundertealten Innenstadt herrscht das gleiche Elend wie überall.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
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  • Mhm...was mich an diesem Bau am meisten stört, ist der Riegel. Riegel und Kuben. Das Ideal der autogerechten Stadt. Die Fassade an sich ist für sich genommen gar nicht so übel. Wenn die Säulen etwas feingliedriger gestaltet würden und ein richtiges Dach die Vertikale mehr betonen würde, dann wäre schon viel gewonnen (Der Vergleich mit der Postsiedlung geht m. E. schon allein deshalb ins Leere) . Aber, und das ist das Wichtigeste...das Ergebnis sollte weggehen vom Riegel!!!!! So verziert er auch sein mag ein Riegel, bleibt ein Riegel! Stimme hiermit also Vitruv zu...GDR ist back. :augenrollen:


    Gruß DV

    "We live in the dreamtime-Nothing seems to last. Can you really plan a future, when you no longer have a past." Dead Can Dance - Amnesia


  • Schsische Zeitung [online] - Dresden: Dresdens Zentrum wird immer cooler


    :augenrollen:


    Schsische Zeitung [online] - Dresden: Apple-Store ffnet in der Altmarkt-Galerie

  • Hui, Kaffee in Pappbechern ist schon echt cool. Damit ist man Weltstadt! Endlich hat man das was alle haben! :lachen:

  • Es fällt tatsächlich schwer sich dieses Geseire der SZ-Schreiberlinge noch anzuhören. Aber sicherlich werden nicht wenige bestätigen, dass das grenzenlose Einkaufsvergnügen tatsächlich eine der größten Errungenschaften der letzten Jahre in Dresden ist. Neben dem etwas miefigen Titel einer Barockmetropole, kann man sich nun auch stolz als Einkaufs-. Weihnachts- und Sportstadt bezeichnen. Na wenn das nichts ist...


    Quo vadis, Dresden? » Blog Archive » Metropolis 21


    ...aber manchmal müssen dem "Fortschritt" auch Opfer gebracht werden. Dank der selbsternannten bürgerlichen Mehrheit in unserem Stadtrat, dürfen wir uns nun auch wieder verkaufsoffener Sonntage im Advent erfreuen, um uns dann im neuen Jahr die Frage zu stellen, warum die Feiertage dermaßen hektisch und wenig feierlich waren.

    Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe

  • Quote

    Dresden hat ein Image-Problem. Es gilt als gemütlich, barock und ein bisschen bequem.


    Quote

    Auch die großen Markenfirmen haben das offensichtlich entdeckt, denn lange machten beispielsweise Kultfirmen wie Starbucks oder KFC einen Bogen um die Provinz an der Elbe. Mit ihrem Kommen steigt Dresden in der Liga der internationalen Städte. Und wenn jetzt in der Altmarkt-Galerie ein Apple Store entsteht, so ist das ein weiteres Zeichen für den Coolnessfaktor dieser Stadt.


    Genau so muss es auch funktionieren

    .


    So einen hirnamputierten Schundjournalismus gibt es nicht einmal in Ö. Wenn die Krone so was schreiben würde, wäre in den nächsten Tagen die Leserbriefseite: 'Das freie Wort' voll mit Schmähungen. Lässt man sich in D alles kritiklos vorsetzen? Oder anders gefragt: für welche Leserschaft schmiert dieses Blatt? Als Vorlesemateriel, um analphabetisiert gebliebene Sonderschulabbrecher in den Schlaf zu wiegen?


    Aber als Ösi darf man da gar nicht mitreden, da wir noch gar nicht so weit wie im barocken (schon das ist angesichts von WC und DDR ein Witz) DD sind. Dass KFC kein Schreibfehler ist (statt des Klagenfurter Eishockeyclubs KAC) weiß ich auch nur von meinen Tschechienaufenthalten - bei uns gibt es dieses Shysfood nämlich gar nicht, so provinziell sind wir! Aber auch in Böhmen wähnte ich das als schäbige Armetrottelabspeisung und niemals als Kultfirma... Und der Starbucks kann sich auch nur halten, wo völlig verblödete (US-)Massentouristen hinkommen (wenn das keine pleonastische Ballung war!), im freien Wirtschaftsleben der freien österr. Provinz hätte der Saftladen keine Überlebenschance.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Der Artikel ist, harmlos formuliert, von einer entwaffnenden Naivität. Der Dresdner Autor stellt in diesem Erguss tatsächlich die ihm eigene Provinzialität, die er so gerne für seine Stadt überwunden sieht, zur Schau.


    Quote

    Die Generation Cool schlendert lässig zwischen H&M, Media Markt, Starbucks und Sting hin und her. Das macht richtig Spaß.


    Wie hinterwäldlerisch muss man sein, um die Anwesenheit oben genannter Ketten als Zeichen für "Coolness" aufzufassen?


    Einer über Zwickau - oder beliebig anderen Mittelstadt - schreibenden Schülerzeitung (Mittelstufe) könnte man solch einen Artikel allenfalls durchgehen lassen. Aber der größten Tageszeitung der Landeshauptstadt?!?


    Na ja, eigentlich könnte man darüber schmunzeln oder einfach nur kurz den Kopf schütteln.
    Allerdings wird in diesem „Geschreibsel“ die Banalität eines offensichtlich großen Teils der lokalen Medien und letztendlich auch der Dresdener Entscheidungsträger deutlich.


    Wenn demnächst ein weiterer uninspirierter „moderner“ Beton-Stahl-Glas-Würfel, eine weitere „Shopping mall“ irgendwo in die Stadt gezimmert wird, dann werden ähnliche Jubelarien zu vernehmen sein.

    "Wenn wir die ehemalige Schönheit der Stadt mit der heutigen Gemeinheit verrechnen, kommen wir, so die Bilanz, aufs direkteste in den Schwachsinn." (E.H.)

  • Noch etwas zum Autor des "Cool"-Artikels: Der Autor Dr. Peter Ufer leitet die Stadtredaktion Dresden der Sächsischen Zeitung. Er beschäftigt sich seit Jahren mit der Geschichte Sachsens und schrieb 1995 seine Dissertation zur Entwicklung der Leipziger Presse zwischen Französischer Revolution und Befreiungskriegen, die 1998 als Buch erschien. Na dann...

    MODERNExit: Mehr Altstadt wagen!

  • KFC hab ich in den 90er Jahren im Urlaub in Amerika als gute, weil preiswerten Fastfoodkette kennengelernt, wo man für zwei, drei Dollar richtig was zu mampfen bekam.


    In der Centrumgalerie wird das gleiche Hühnermast-Zeug jetzt als eine Art Lifestyle-Produkt verkauft zu deutlich höheren Preisen. Bin gespannt, ob das Experiment aufgeht.
    Ich für meinen Teil gehe lieber an eine ehrliche Broilerbude.