Termin bitte vormerken: Am 9. November findet unser großes Initiativentreffen in Frankfurt am Main statt- Jeder ist willkommen.

Der Postplatz - Geschichte, Gegenwart und Zukunft

    This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our Cookie Policy.

    • Der Postplatz - Geschichte, Gegenwart und Zukunft

      Ich habe mich dazu entschlossen, das Postplatz-Thema etwas zu bündeln. Alle entsprechenden Themen ab jetzt bitte in diesen Thread. Ich spreche da besonders auf historische Aufnahmen und die Diskussion zur zukünftigen Bebauung an. Interessant für mich wären auch Bilder des Bestandes nach 45. So habe ich mir sagen lassen, dass vor dem Schauspielhaus bis in die 60er Jahre noch Gebäude standen.


      Ich zäume das Pferd mal von hinten auf und berichte über die geplante Bebauung des Postplatzes, wie sie heute (3.3.05) der Sächsischen Zeitung zu entnehmen sind.

      Ersteinmal ist zu konstatieren, dass dieses Jahr nur der Umbau des Schienennetzes beginnt. Die Straßenbahn wird aus der Marien- in die Wallstraße verlegt. Zugleich erfolgt der Bau einer neuen Zentralhaltestelle mit Schmetterlingsdach an der Ecke Wilsdruffer-/Wallstraße. Die Wilsdruffer soll zur Freiberger verlängert werden, womit sich hoffentlich der Verkehr vor dem Zwinger etwas entspannt.

      Der Schürmannentwurf scheint vom Tisch. Genaues steht dazu nicht in der Zeitung. Es werden wohl die Grundstücke peu a peu verkauft, also kein Gesamtentwurf wie Schürmann ihn präsentierte. Die Schweriner soll als Fußgängerzone ausgebaut werden, die Straßenbahnen über die Hertha-Lindner-Str. geführt werden. Zum Abriss vorgesehen sind die Baracken auf dem Gelände des Telegraphenamtes und die Kaufhalle schräg gegenüber, wobei "darüber noch verhandelt" wird. Klingt für mich, als bliebe der Spätkauf erst einmal noch erhalten. Die Platzbebauung sieht eine Ladenstraße an der Wallstraße vor. Laut Zeitung ist die Investorenlage noch immer sehr schwierig, es lägen lediglich Anfragen vor: "Eine betreffe die Zeile an der Wallstraße. Bei der zweiten gehe es um das Dreieck zwischen Annen- und Freiberger Straße vor dem Telekom-Gebäude. Hier gebe es Interesse an einer Hotel- und Ladennutzung.".

      Also kurzfristig und auch mittelfristig wird wohl nicht sehr viel passieren. Zwar ist dieser Platz gleich neben dem Zwinger eine Schande, jedoch plädiere ich dafür, nicht jedem Investor hinterherzurennen, der dann mit seinen Kommerzbunkern den Platz zerstört, sondern lieber etwas zu warten, bis ein überzeugender Entwurf vorliegt.
    • Hallo,

      ich habe auch soeben den SZ-Artikel gelesen. Das ist ja wirklich grausam was die da vor haben, vorallem auch die DVB. Zum einen soll die Schweriner Straße vom Postplatz zur Hertha-Lindner-Straße geschlossen und zur Fußgänger-Zone umgewandelt werden. Und dann noch dieses scheussliche Schmetterlingsdach was wohl mit dem Lindehaus verankert werden soll, was also soviel heißt das auch in näherer Zukunft dieses hässliche Etwas von Lindeklotz nicht verschwinden wird. Das schöne Straßenbahndreieck verschwindet leider auch.

      Es ist eine Schande was in dieser Stadt bebauungsmäßig passiert. Der Sinn alte Strukturen wieder herzustellen bzw. zu erhalten ist überhaupt nicht vorhanden. Nein es wird alles noch mehr verunstaltet als es eh schon ist. Hoffentlich kommt irgendwann/bald die Zeit wo die Entscheidungsträger ein anderes Bewußtsein haben und wieder zu alter architektonischer Schönheit finden!
    • Hi Leutz,

      also mit den Bilderuploadservices komme ich noch nicht so klar. Ich hoffe das sieht hier jetzt nach einigermaßen was aus.



      Das hier ist ein Blick in die Annenstr. vom Postplatz aus um 1930. Die Annenkirche ist ja klar und deutlich zu erkennen. Sie ist das noch einzige Gebäude das existiert. Im Gebäude rechts neben der Staßenbahn war das Verlagsgeschäft A&R Adam welches den Großeltern meiner Schwiegermutter gehörte.



      Hier die ehrwürdige Hauptpost zu Dresden. Das Bild zeigt den Postplatz Ecke Marienstr./Annenstr. Die Annenstr. geht geradeaus, die Marienstr. links weg. Die Gebäudeecke ganz links am Bild war das Telegrafenamt. Vom Hauptportal der Post ist heute nur noch die Grundmauer übrig. Dort henkt eine Gedenktafel vom 17.06.53 (Dresdner kennen es vielleicht)

      Beide Originalfotos befinden sich in meinem Privatbesitz.
    • primax,
      ich habe deinen beitrag modifiziert, so dass jetzt gleich die großen bilder zu sehen sind. schau dir am besten mal an (auf ändern klicken), wie es aussehen muss.

      ansonsten: danke für die beiden bilder! war schon städtebaulich eine nette ecke. und man hätte sie nach dem krieg sehr gut wieder aufbauen können. :(
      Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
      Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
      Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.
    • Jooo,

      habe die Thumbs noch entfernt. Und hier noch gleich eins draufsetzen.
      Obere linke Ecke die Hauptpost mit Annenstr. nach oben aus dem Bild verlaufend. In der Mitte die Käseglocke. Die Schweriner Str. läuft aus der Bildmitte nach oben rechts aus dem Bild. Genau an der Kreuzung die Gaststätte Gambrinus. Das Dach im Vordergrund dürfte zum Stadtausschank der Radeberger Brauerei gehört haben. Bin mir aber nicht ganz sicher.


      Quelle: mein Bild
    • naja, sieht etwas "zersiedelt" aus...

      ich bin immer wieder erstaunt, wie viel doch früher auf den straßen los war. überall menschen (und meistens auch noch gut gekleidet).
      Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
      Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
      Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.
    • Wann sollen denn die Bauarbeiten anfangen? Soll die Käseglocke auch noch irgendwann verschwinden? Ich hoffe doch nicht.

      In meinen Augen müssen Hauppostamt, Telegrafenamt und die Häuserzeile zwischen Schauspielhaus und Postplatz rekonstruiert werden, ebenso das Gebäude was du als Stadtausschank der Radeberger-Brauerei bezeichnest (ich meine aber, es wäre irgendetwas mit Waldschlösschen im Namen). Hotel Weber wäre auch nicht schlecht, fürchte aber dass das nicht gehen wird wg. Neubebauung.

      Kann mal wer, der sich auskennt mit der Neubebauung einer Leserbrief an die SZ schreiben zu dem Artikel?
    • @Booni

      Die Erschließungsarbeiten für die Verkehrsbauwerke laufen bereits. Die Straßenbahn + ÖPNV werden in die Wallstraße verlegt. Der Individualverkehr wird über die Marienstr. geführt.

      Am Kopf der Wildruffer Str. wird eine neue Zentralhaltestelle gebaut die den Wust an Haltestellen am Postplatz ablösen wird. Soviel ich weiß wird Diese modern (!) mit Überdachung gebaut. Die Käseglocke steht meines Wissens unter Denkmalschutz. Was aus ihr wird ist allerdings ungewiss.

      Das die alte Post rekonstruiert wird halte ich für extreeeem unwahrscheinlich. Das Telegrafenamt existiert gar nicht mehr. Beide Grundstücke sind als Baugrundstücke im Stadtmodell ausgewiesen. Besonders historisierend wird dort aber niemand mehr bauen.
    • Ja, die "Käseglocke" steht unter Denkmalschutz, jedoch ziehen die Verkehrsbetriebe laut dem heutigen Zeitungsbericht dort aus. Vielleicht kann dort ein kleiner Kiosk oder der Zeitungsladen von nebenan einziehen. Wäre schade, wenn dieses letzte Zeugnis des alten Postplatzes vor sich hin gammelt.

      Ja, Primax, leider wird wohl nicht historisierend gebaut. Bei dem Krampf, selbst ein 4 stöckiges Gebäude am Neumarkt historisierend zu bauen (oder eben nicht), wird im großen Maßstab am Postplatz nicht viel herauskommen. Daher würde es mich auch nicht stören, wenn die Bebauung noch etwas auf sich warten liese. So ein Townhouses Projekt wäre nicht schlecht...
    • Entgegen einem andern Thread in diesem Forum ist dieses Bild nicht die Hauptpost am Postplatz. Es handelt sich zwar um den gleichen Gebäudekomplex ist aber die Kreuzung Annenstr./Am See die nicht am Postplatz liegt sondern ca. 100m entfernt. Es wurde um 1878 errichtet als Oberpostdirektion. Als später die Hauptpost "vor" an den Postplatz zog wurde es zur Paketpost. Die Hauptpost wurde also ca. 25 Jahre später "rangebaut". Die Grundmauern und die rechte Seite auf diesem Bild existieren noch im sehr geflickten Zustand. Die rechte Front ist Am See und steht soviel ich weiß unter Denkmalschutz.

      Quelle: bildindex der Kunst und Architektur
    • Ich hatte im Herbst letzten Jahres mal Bilder von den noch erhaltenen Fragmenten gemacht. Leider ist die Qualität der Bilder nicht berauschend, da ich das Gebäudeteil mit der Digi-Videokamera abgefilmt und daraus frames extrahiert hatte. Aber falls du Bilder mit besserer Auflösung und richtigem Bildwinkel machen willst, würde ich mich auch sehr freuen.

      Hier jedenfalls die Bilder vom letzten Jahr nochmal:

      Blick in die Straße "Am See":






    • Da steht ja doch eigentlich noch 'ne ganze Menge! In der Tat - das könnte als Ausgangsbasis für eine Reko dienen, auf jeden Fall eher, als wenn alles komplett neu gebaut werden müßte.
      Aber dazu müßte erstmal der gute Wille da sein. Und gründerzeitliche Gebäude haben heutzutage zwar, wenn sie noch stehen, einen ganz guten Ruf, aber für Rekonstruktionen kann sich glaube ich, kein Investor bzw. Politiker erwärmen. Und gerade in DD wird man eher Ruinen wie das Kuländer Palais aufbauen 8wenn überhaupt...)
    • Ich finde, daß man Rekonstruktionen sparsam einsetzen sollte.

      Wenn man historische Bauformen gut und passend findet, kann man doch seine Neubauten im Historismus entwerfen, so wie das König Ludwig mit Schloß Neuschwanstein gemacht hat oder Wilhelm Kreis 1910 mit der Augustusbrücke!
      Warum müssen es 1:1 Rekonstruktionen sein?
      Zumal - wenn die Vorlagen selbst Historismusbauten sind - also eigentlich nichts Originales, sondern phantasievoll kombinierte Zitate früherer baulicher Epochen?
    • Ich halte die Kombination von verschiedenen historischen Stilen für sehr problematisch. Wenn man wenig von Form und Ästhetik, auch den Geist der Stile versteht, kann das zu grauenhaften Ergebnissen führen. Gotik und Klassizismus beispielsweise oder Byzanz und frz. Renaissance. Gabs alles, gerade im Deutschland des späten 19. Jahhrunderts; ein Grund, weshalb ich der Gründerzeit immer noch sehr skeptisch gegenübersehe. Beispiel hierfür die Kunstakademie. Sicher sehr prachtvoll, aber unausgewogen, schwer und stilkombinativ nicht zu Dresden passend. Die Semperoper dagegen ist zwar klassisch gestaltet, aber dennoch keine bloße Replik früherer Stilformen. Es war ja Sempers zweiter, verbesserter Entwurf, nachdems mit dem ersten bald Asche war. Man muß "Stil" gezielt einsetzen, das schließt natürlich Neuschöpfungen ausdrücklich mit ein.

      Wobei man aus der deutschen Renaissance bzw. dem Stil der Reformationszeit, noch so viel rausholen kann, vor allem mehr als beim ausgereizten Klassizismus. Gerade die charakteristische Form des steilen Treppengiebels, eines der wenigen wirklich originären deutschen Traditionen, sollte man weiterentwickeln, wie dies auch im Jugendstil und Expressionismus geschehen ist. Vor allem muß der entsprechende Geist dahinterstehen. :)
    • Also ich finde Historismusbauten sollte man durchaus rekonstruieren dürfen. Nur weil es kein neuer Stil ist sind diese Bauten doch nicht minderwertig. Und über Bauten wie den Anhalter-Bahnhof in Berlin oder den Dresdener Kaiserpalast heulen wir doch heute noch. Natürlich, eine historistische Wohnhauszeile mit 2 Nachkriegsbauten muss man nicht rekonstruieren sondern kann selber kreativ werden... historistisch natürlich. Aber einst stadtbildprägende Bauten die auch noch besonders schön waren sollte man durchaus rekonstruieren - auch wenn sie vielleicht nur 40 Jahre standen.

      Außerdem... ich denke je mehr rekonstruiert wird desto höher wird die Akzeptanz.
    • Stimmt natürlich. Der Dresdner Kaiserpalast z.B. war ja keine klassizistische Adaption wie viele Gründerwohnbauten , sondern ein regelrechtes Ornamentfeuer, was selbst für dresdner Verhältnisse ein außergewöhnliches Einzelstück war und weit über die historistische Entwurfspraxis hinausging. Bei näherer betrachtung fällt z.B. die exzessive Weiterentwicklung der Roccailleform im Sinne des Jugenstils auf. So weit ging man damals sehr selten, daher sollte man das Ding als rekonstruktionswürdig einstufen, selbst wenn man jetzt keine Mittel hat.