München - Altstadt

Im neuen Jahr bittet der Vorstand euch, frühzeitig nach neuen Bauprojektplänen in eurer Stadt Ausschau zu halten. Wo lässt sich durch traditionelle Architektur oder Rekonstruktionen euer Stadtbild verbessern? Teilt uns eure Ideen mit! Je eher wir mit Ideen an die Öffentlichkeit gehen, umso höher sind unsere Chancen, dass die Ideen von den Verantwortlichen ernstgenommen werden!
  • Der "Lückenschluss" tut nicht massiv weh, fällt also nicht allzu arg negativ auf. Aber dennoch frage ich mich, wie gruselig es um die Phantasie eines Architekten bestellt sein muss, in einer solchen Lage, in einen solchen Straßenzug eine derartig langweilige, vollkommen belanglose Fassade hineinzustellen. Da ist nicht einmal ein kleiner Ansatz von Lebensfreude oder Gestaltungswillen erkennbar. Für mich ist dieses künstlerische Ergebnis einfach nur armselig.

    Yep, sieht wie ein billiger 50er Jahre Lückenfüller aus. Traurig.


  • Der "Lückenschluss" tut nicht massiv weh, fällt also nicht allzu arg negativ auf. Aber dennoch frage ich mich, wie gruselig es um die Phantasie eines Architekten bestellt sein muss, in einer solchen Lage, in einen solchen Straßenzug eine derartig langweilige, vollkommen belanglose Fassade hineinzustellen. Da ist nicht einmal ein kleiner Ansatz von Lebensfreude oder Gestaltungswillen erkennbar. Für mich ist dieses künstlerische Ergebnis einfach nur armselig.


    Dies ist einer der besten Sätze, die ich je zu diesem Thema gelesen habe! Genauso ist es. Ich hab mich auch schon oft gefragt, wie es wohl im Seelenleben so mancher Architekten ausschaut...
    Leider halten sich die meisten Architekten an das Diktat der Modernität, d.h. dass an jedem neuen Bauwerk erkennbar sein muss, dass es aus unserer Zeit stammt. Die Sensibilität, ob etwas zu den bestehenden Gebäuden passt oder nicht, scheinen sie aber leider nicht zu besitzen...

  • Leider halten sich die meisten Architekten an das Diktat der Modernität, d.h. dass an jedem neuen Bauwerk erkennbar sein muss, dass es aus unserer Zeit stammt. Die Sensibilität, ob etwas zu den bestehenden Gebäuden passt oder nicht, scheinen sie aber leider nicht zu besitzen...

    Ein Gebäude kann aber auch so errichtet werden, dass es in die bestehende Umgebung passt und trotzdem erkennen lässt, dass es aus der Zeit seiner Erbauung stammt. Dies muss sich nicht widersprechen.


    Das dies geht, sieht man zB. bei einigen der Neubauten der Frankfurter Altstadt.


    Der hier gezeigte "Lückenschluss" zeigt auch nicht aus welcher Zeit er stammt, sondern ist einfach nur phantasielos und langweilig (was unser Zeit sicher nicht per se ist!).

  • Rindermarkt 13 und 14


    Neubau Sport Schuster


    http://www.abendzeitung-muench…b8-8ada-6f5282367d27.html


    http://www.abendzeitung-muench…c7-81e9-1ad56489283d.html




    Abbruch im September, Durchblick auf St. Peter



    mit Rosenstr. 6 (Rosenapotheke)



    2008



    1903
    Baustelle Ruffini-Haus. Rechts der Vorgänger der Rosenapotheke (mit seitlicher Aufzugsgaube, „Ohrwaschl“, wie auch am Nachbarhaus), links davon das verzierte Roseneck, die südliche Bebauung vom Rindermarkt, Ecke Pettenbeckstraße, rechts angeschnitten. Im Hintergrund wächst gerade das Neue Rathaus.




    Rindermarkt nordwärts, infolge des Abbruchs geht der Blick durch zum Neuen Rathaus



    Die extrem erbärmliche Nachkriegsbebauung am Rindermarkt (2008).


    Statt des Brunnens im Vordergrund standen vor dem 2. Weltkrieg diese Häuser (Gegen-Blickrichtung):
    München - Kriegs- und Nachkriegsverluste

  • Oha, da tut sich ja einiges in der Ecke. Allerdings ist der Neubau nur eine minimale Verbesserung in Form kleinteiliger Fassaden, wenn ich es sehe. Ansonsten leider wieder mal unkreativ und banal. Es hätte aber noch schlimmer kommen können. Gespannt bin ich auf die Renovierung des Hugendubel, das müsste definitiv eine Verbesserung sein.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • München - Marienplatz


    Über die neue Fassade des Hugendubelhauses wurde ja im Forum bereits heftig diskutiert. Hier nochmal eine Gesamtansicht, aus der sich aus meiner Sicht die nachhaltige Verbesserung zum Vorzustand gut erkennen lässt.



    Wendet man dann den Blick nach rechts, erfreut sich dann aber das Auge am Neuen Rathaus.



    Besonders sehenswert ist der neogotische Innenhof:





  • Ein Edelstein - diese Theatinerkirche.
    Nun wäre das Rathaus aber auch mal fällig. So schmutzig schwarz muss heute kein Kleinod mehr ausschauen.
    Dazu noch dieser zugepflasterte Langweilerplatz. Mehr Natur wäre hier sehr wünschenswert.

  • Quote from Stephan Riedel



    Dieser Gesichtsausdruck entstand sicher beim Bau des Kaufhofs, an der Ecke des Platzes ;-)


    Der Nachfolgebau des Hugendubel ist schon besser als der Vorgänger. Aber natürlich wäre er auch ganz leicht noch viel besser zu machen gewesen. Man hätte nur die Rundbögen des linken Nachbarn aufgreifen müssen.

  • Ich bin gestern auch am Marienplatz vorbeigekommen und hab noch ein paar Fotos des neuen Hauses gemacht:






    Es ist sicher eine Verbesserung im Vergleich zum Vorgänger, aber ich finde es immer noch schrecklich banal... anstatt mit der notwendigen Reparatur des Stadtbildes am zentralsten und historisch wichtigsten Platz der Stadt zu beginnen, zementiert man die völlige Belanglosigkeit und Tristesse der Südseite. Das ist einer alten Kultur- und Kunststadt wie München nicht würdig.


    P.S. Wie man auf den Fotos sehen kann, fehlen bei den kleinen applizierten Pyramiden in unregelmäßigen Abständen immer ein paar, das soll wahrscheinlich cool ausschauen.

  • "Es ist sicher eine Verbesserung im Vergleich zum Vorgänger, aber ich finde es immer noch schrecklich banal... anstatt mit der notwendigen Reparatur des Stadtbildes am zentralsten und historisch wichtigsten Platz der Stadt zu beginnen, zementiert man die völlige Belanglosigkeit und Tristesse der Südseite. Das ist einer alten Kultur- und Kunststadt wie München nicht würdig."


    Ich hätte es nicht besser ausdrücken können! Genau so ist es.


    Ganz ähnlich sieht es übrigens in Wien aus. Auch der zentrale Stephansplatz hat eine derart unwürdige Bebauung, sogar noch etwas schlechter:
    http://photos.wikimapia.org/p/00/02/14/57/75_big.jpg

    In dubio pro reko


    Die Deutschen sind ein Volk, das auf die Regierung hört. Die Franzosen sind ein Volk, auf das die Regierung hört.

    Edited once, last by typo2708 ().

  • Dder Verweis auf den Stephansplatz war zu erwarten. Aber er trifft nur teilweise zu.
    1) Der Stephansplatz ist kein richtiger Platz, geschweige denn ein agorales Forum. Er ist eigentlich nur da, um einen halbwegs freien Blick auf den Dom zu ermöglichen. Kein Mensch schaut sich die Westseite an.
    Der Marienplatz ist hingegen die bürgerliche Mitte, die von wunderbar vielen Türmen beherrscht wird. Für einen Städtebauer oder Architekten muss es eine Traumaufgabe sein, so einen Platz gestalten zu dürfen oder auch nur ein Haus drauf zu stellen. Es wird oft was gefaselt von "schönsten Plätzen Europas". Der Marienplatz hätte das Zeug dazu. Von demher, was um ihn herum alles steht - nicht aufgrund seiner Bebauung, die ist eine einzige vertane Chance.
    2) Das verlinkte Bild vom Stephansplatz ist natürlich fürchterlich. Man muss jedoch einräumen, dass es realiter sooo schlecht wieder nicht bestellt ist. Man hat sich sozusagen den Kotzbrocken rausgesucht. Links das Haas-Haus ist so übel nicht, vor allem im städtebaulichen Zusammenhang nicht. Und rechts schließt ein historisierender Bau an, der stadtbildmäßig enorm wichtig ist, den er schließt den nördlichen Platzteil, der von Dom, Erzbischöflichem Palais und Bürgerhäusern umrahmt ist, stimmig gegen Westen ab. Von diesem Platzteil aus sind die hässlichen Neubauten nämlich nicht zu sehen.
    diese Häuserzeile ist also eine Art sinnfälliger Übergang vom ultramodernen Haashaus zu traditionellem Bauen. Derlei ermüdet das Auge nicht so wie die uferlose BRD-Wiederaufbau Tristesse am Marienplatz, wo die grob vereinfachten und im Grunde kitschigen Häuser an der Westseite schon so etwas wie einen Lichtblick darstellen!
    Die zentralen Plätze Wiens sind Graben und Am Hof. Die sind - glücklicherweise mit dem Marienplatz nicht vergleichbar. Der Platz Am Hof kann als wunderbare Wiederaufbauleistung angesehen werden, wie es sie in der BRD allenfalls selten gibt. Leider gibt es auch ein gegenteiliges Beispiel: der Hohe Markt, er als Stadtraum den schlimmsten Kriegsverlust Wiens darstellt.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Hallo Ursus, bzgl. des Marienplatzes stimme ich dir zu, nur kann ich deine Aussagen bzgl. des Stephansplatzes nicht ganz nachvollziehen.


    Der Stephansplatz mag vielleicht kein klassischer Platz oder agorales Forum sein, aber er ist trotzdem einer der zentralsten Plätze Wiens und durch die Präsenz des Stephansdomes auch einer der bedeutendsten, wenn nicht sogar der bedeutendste. Auf Wikipedia steht: "Trotz der permanenten Bautätigkeit am Dom war der Stephansplatz ein zentraler Ort der Kommunikation der Stadtbevölkerung, und zwar als Ort von Leichenbegängnissen, Prozessionen zu hohen Festtagen (Ostern, Pfingsten, Weihnachten und Allerheiligen), Passionsspielen, Schaustellungen, Märkten und wahrscheinlich auch Gerichtsprozessen." Des weiteren (ebenda): "Um 1500 waren Dom und Domplatz bereits als Zentrum der habsburgischen Residenz- und Festungsstadt etabliert." Das kann in einer katholischen Stadt auch gar nicht anders sein. Von daher finde ich es nicht nur vom Ästhetischen her sehr störend, wie die Westseite heute ausschaut, sondern auch der Bedeutung des Platzes und der Stadt Wien als das geistige und kulturelle Zentrum Mitteleuropas äußerst unangemessen. Dass sich die Westseite "eh kein Mensch anschaut", könnte man übrigens auch im Falle des Marienplatzes behaupten (nur halt dort von der Südseite), weil eh alle nur das riesige neue Rathaus anschauen und der Südseite immer den Rücken zukehren. Das ist keine Entschuldigung. Dass die fürchterliche Häuserzeile auf dem verlinkten Bild in der Realität nicht ganz so schlimm ins Gewicht fällt, liegt für mein Dafürhalten nicht daran, dass sie einen "sinnfälligen Übergang vom ultramodernen Haashaus zu traditionellem Bauen" darstellt, sondern daran, dass das Haashaus in seiner mastodontischen Scheußlichkeit alles überstrahlt, was sich in der Nähe befindet - d.h. auf der Seitn is eh scho ois wurscht. Das Haashaus ist eine genauso große Bausünde wie der Kaufhof am Marienplatz. Verzeih die Frage, aber wie kannst du dieses Gebäude als "so übel nicht, vor allem im städtebaulichen Zusammenhang nicht" bezeichnen - an einer der wichtigsten Stellen Wiens, gegenüber vom Dom? Das verstehe ich nicht.


    Du hast aber natürlich recht, dass es in Wien schönere und städtebaulich wertvollere Plätze gibt (und immer schon gegeben hat) und das Schöne an Wien ist ja, dass es eine - man möchte fast sagen unendliche - Fülle an wunderschönen Gassen und Plätzen aufzuweisen hat, so dass man sich mit dem Stephansplatz gar nicht länger abgeben muss. Aber unwürdig ist es trotzdem.

  • Mit dem Kaufhof am Marienplatz sollte man das Haas-Haus nicht vergleichen. Mögen beide Fremdkörper sein, ist doch die Anmutung des Haas-Hauses ungleich höherwertiger. Der Kaufhof am Marienplatz stellt mit seiner Brutalität einen für die Münchener Innenstadt singulären Eingriff in das Stadtbild da. Der damalige Münchener Oberbürgermeister Hans Jochen Vogel bereut heute noch in Interviews, nicht mehr getan zu haben, diese Fassade zu verhindern.


    Dass die Gestaltung der Südseite der Bedeutung des Platzes unangemessen ist, dürfte außer Frage stehen. Die Schäbigkeit der Bebauung am Stuttgarter Rathausplatz wird trotzdem jedoch nicht annähernd erreicht. Fairerweise muss man auch sagen, dass die Westseite (z. B. Donisl) der eigentlich typische Münchner Wiederaufbaustil ist.
    Mit dem neuen Hugendubel besteht zumindest eine mehr oder weniger einheitliche Zeile unauffälliger Füllbauten. Wie Leonhard anmerkt, glaube ich auch, dass die Südseite wenig wahrgenommen wird. Der Marienplatz wird geprägt und überstrahlt von der Dominanz des Neuen Rathauses. Der von der Kaufingerstraße auf den Marienplatz zukommende Passant wird davon eingenommen. Die Bauten an der Rückseite (Südseite) werden kaum eines Blickes gewürdigt. Faszinierend finde ich immer, dass es die Touristen gar nicht stört. Diese frequentieren ja in Massen die Straßen und Plätze (Stachus, Neuhauser Straße, Kaufingerstraße, Marienplatz), die ich eher zu meiden versuche.


    Auch wenn sie nicht das alte bürgerliche Zentrum der Stadt sind: Auch in München kann man in unmittelbarer Näher mit dem Odeonsplatz und dem Max-Joseph-Platz entschädigt werden. Das Bewusstsein, das dort und andernorts in München in der Nachkriegszeit sehr viel richtig gemacht wurde, lässt mich über manches andere milder hinwegsehen.

  • Man sieht auf dem von mir verlinkten Foto übrigens rechts vom Haashaus die von Königsbau vorher gezeigte Häuserzeile; wie man glaube ich unschwer erkennen kann, fällt die, sagen wir mal sehr höflich, "fehlende Schönheit" der drei Häuser gar nicht mehr sonderlich auf angesichts der fast schon grotesken Unförmigkeit des Haashauses. Aber wie gesagt, jedem seine Meinung.
    (Im Übrigen sollten wir vielleicht diesen Strang, der sich ja eigentlich mit dem Baugeschehen in der Innenstadt München beschäftigen sollte, nicht zu sehr missbrauchen für Konsiderationen der Wiener Bausituation...)

  • Nein, vom Standard des Stephansplatz ist der Marienplatz meilenwert entfernt. Auch das Hungertubel oder wie das heißt ist letztlich schwach und mickrig. Etwas weniger schiach als seine rechten Nachbarn, das ist schon alles. Keine große Leistung. Es wäre nach wie vor besser, es stünde nichts an dieser Stelle, um die Westfront des Alten Peters besser wirken zu lassen.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Inzwischen ist das Haus gebaut, hier ein paar Fotos vom Neubau:





    Sicher eine kleine Verbesserung im Vergleich zum Vorgängerbau (was aber auch nicht schwer war), aber wieder nichts wirklich Gutes...
    es scheint einfach nicht mehr möglich zu sein, in der Altstadt etwas Besseres und Würdevolleres hinzustellen und somit endlich mit der dringend benötigten Reparatur des Stadtbildes zu beginnen.


    Zum Vergleich das Vorkriegs-Haus, welches trotz der unsensiblen Schaufenstereinbauten ein typisches, herziges Münchner Rokokohäuserl war:



    Those were the days... dieses städtebauliche Niveau werden wir leider nie wieder erreichen... auch wenn dieses Häusl natürlich für sich genommen rein architektonisch überhaupt nichts Außergewöhnliches war. Aber gerade diese ortstypischen Füllbauten bildeten die Seele einer Stadt. Bei diesen Gebäuden konnte man das Bemühen der Erbauer spüren und sehen, etwas Schönes und Bleibendes zu schaffen, denn es handelte sich ja schließlich um das eigene Wohnhaus und da wollte man zeigen, dass man auch etwas darstellt im Kreise der Bürgerschaft. Heute geht es den meisten Investoren nur noch um Rendite und somit um maximale vermietbare Geschossfläche bei minimalen Kosten, keiner geht mehr mit Liebe an ein solches Hausbauprojekt heran. Wir befinden uns somit am Schlusspunkt einer ökonomischen Entwicklung, die bereits in der Gründerzeit begonnen hatte und schon auf diesem alten Foto sichtbar ist: die Umwidmung von Wohnhäusern in der Innenstadt in vermietete Geschäftshäuser. Damals beschränkte sich diese Nutzungsänderung meistens noch auf das Erdgeschoß und die 1. Etage und die Vitrineneinbauten waren häufig noch mit gewissem Geschmack und Eleganz gemacht, doch schon in den 20er und vor allem in den 30er Jahren kannte man zunehmend kein Pardon mehr: die Erdgeschoßzonen wurden zubetoniert oder mit flächigen Stahl/Glaskonstruktionen versehen und von jeglichem Schmuck und Charme befreit, siehe meine Fotoserie zur alten Theatinerstraße im Galerieforum. Nach dem 2. Weltkrieg war es dann endgültig aus mit jeglichem Versuch, Schönheit und Schmuck zu schaffen, alles Alte war "out" und wurde zwecks einer falsch verstandenen Vergangenheitsbewältigung radikal über Bord geworfen (man lese "Die 2. Zerstörung Münchens" von E. Schleich!). In letzter Zeit kann man zwar teilweise wieder ein Umdenken feststellen, da es wieder das Bedürfnis nach Glanz und Eleganz gibt (man hat Geld und will es auch in angemessenem Ambiente ausgeben), nur leider äußert sich das Ganze immer in einer glatten und kühlen Formensprache, deren ausschließliches Ziel die "Coolness" zu sein scheint. Überhaupt scheint Coolness das einzige Gefühl zu sein, welches die meisten Leute heute noch zu empfinden imstande sind; ich stelle immer wieder fest, dass die einzige Reaktion auf viele Dinge "cool" oder "uncool" ist, nicht nur bei jungen Menschen. In diesem Ambiente der Gefühlsverarmung entstehen dann leider die ganzen architektonischen Belanglosigkeiten, weil sie niemanden stören und keiner darauf achtet (d.h. wenn man Glück hat und es nicht gleich eine ausgemachte Scheußlichkeit ist).


    Der oben gezeigte Neubau ist übrigens auch schon der zweite Entwurf; der erste war noch nüchterner, worauf die Stadtbaukommission mit dem Hinweis, dass es sich bei dem Bauplatz mit Blick auf die Frauenkirche doch schließlich um eine wichtige Blickachse handele, einen zweiten, angemesseneren Entwurf verlangte...
    In den Neubau kommt als Mieter selbstverständlich ein Global Player (der übrigens schon zweimal in der Innenstadt vertreten ist), jemand anderer könnte sich die horrende Miete auch nicht leisten: H&M. https://www.immobilien-zeitung…arket-zieht-zum-marienhof

  • Noch ein Neubau am Rande der Altstadt, der schon 2015 fertiggestellt worden ist, bis jetzt hier aber noch nicht vorgestellt wurde: Am Einlass 1a und 3 (hier war ehemals ein Stadttor der zweiten Stadtmauer des mittelalterlichen Münchens, daher der Name). Laut Beschreibung des Architekturbüros handelt es sich hierbei um die Schließung einer Baulücke (http://kaufmann-architekten.co…jekte/neubau/am-einlass-3); es war defacto allerdings nur teilweise unbebaut, nämlich auf der Fläche der neuen Nr.1a, während sich auf dem Grundstück Nr.3 der Rest eines Altbaus befand, der nach den Bombardierungen im 2. Weltkrieg übriggeblieben und hernach als zweistöckiges Haus wiederhergestellt worden war, siehe ein älterer Artikel in der tz und Google Maps. Laut Zeitungsartikel handelt es sich um Sozialwohnungen, in welchen der qm nur ca. 5€ kosten soll - für München, zumal an dieser zentralen Stelle, ein irrsinniger Preis, fast g'schenkt! Das Grundstück gehörte bereits der Stadt München, von daher konnten sie so etwas machen. Der Zweck ist sehr löblich, da kann man nix dagegen sagen.


    Schade ist es um den Altbau, man hätte die Gelegenheit nutzen können, das alte Haus mit den ursprünglichen oberen Etagen wieder herzustellen, aber dann hätten sie wahrscheinlich zu wenig Wohnflächen für die Sozialwohnungen gehabt...


    Die Architektur ist zwar langweilig, stört aber nicht sehr bzw. fügt sich einigermaßen anständig in die Umgebung ein.


    Hier 2 Fotos: