Mausoleum Wilhelms II.

  • Was wäre wenn ?
    In stürmische Zeiten – wie den unseren -, in denen sich viele landläufige Gewißheiten auflösen und bisher Utopisches plötzlich denkbar erscheint, habe ich mir einmal erlaubt, einige spielerische Überlegungen darüber anzustellen, wo – unter Voraussetzung der Erfüllung der in seinem Kodizill formulierten Bedingungen für eine Überführung in die Heimat – das von Doorn nach Berlin translozierte Mausoleum von S.M. innerhalb Berlins am besten wirken würde. Eine solche Translozierung möchte ich einer Beisetzung in der Hohenzollerngruft oder im Potsdamer Antikentempel vorziehen, da in diesen beiden Fällen die anrührende Bescheidenheit verloren ginge, die das kleine Doorner Mausoleum auszeichnet und die – wie ich finde – viel über den tatsächlichen Charakter des ja sonst oft als prunksüchtig verleumdeten, letzten Landesvaters Deutschlands aussagt. Eventuell könnte man darüber hinaus noch über eine ‚Familienzusammenführung’ mit I.M. nachdenken… Als Standort des kleinen Grabgebäudes kommen für mich eigentlich nur der Sockel des Nationaldenkmals oder das Zentrum des Lustgartens (von wo aus man Blickbeziehung zum Schloß und zum Dom hätte) in Frage. (Als musikalische Untermalung der Bilder empfehle ich folgende kurze alte Schellack-Aufnahme: https://www.youtube.com/watch?v=PuGfNx6MoyI ).


    Und nun werde ich sicherlich viel ironisches Kopfschütteln und empörtes Unverständnis ernten… :wie:


    Variation 1:
    Auf der Schloßfreiheit vor der Westfront des Stadtschlosses, auf dem Sockel des ehemaligen Nationaldenkmals.


    Ja, ich weiß, die Eingangsfront des Mausoleums müßte Richtung Eosanderportal zeigen !


    Variation 2:
    Im Zentrum des Lustgartens, dort wo sich heute der Springbrunnen befindet und ehedem das Denkmal von Wilhelms Urgroßvater (FW III.) stand.

  • *Lach*... echt lustig und gut gemacht... Ich hatte einen Moment lang wirklich geglaubt, du meinst das ernst....

  • Schöne Idee. Leider 1. derzeit unrealistisch. Dazu müsste erst ein Mentalitätswandel einsetzen bzw. ein unverkrampfteres Verhältnis der Deutschen zu ihrer Vergangenheit. Und 2. sind die Standorte nicht passend, da etwas zu zentral. Standort I. wird nun vom neuen National- bzw. Einheitsdenkmal belegt (von Kritikern als "Wippe" bezeichnet), Standort II. ist zu sehr Freizeitareal, als dass ein Mausoleum (das an den Tod erinnert) dort Platz hätte. Ein dezenterer Standort, z.B. neben dem Dom wäre denkbar. Aber wie gesagt, derzeit unrealistisch. Und eigentlich ist seine Majestät ja in Doorn ganz schön und angemessen gebettet.
    (@"Oktavian". Wenn´s nur ein Witz gewesen sein soll, bin ich drauf reingefallen... )

  • Das Grabmal von Karl Wilhelm von Baden-Durchlach, dem Gründer Karlsruhes, befindet sich auch mitten auf dem Marktplatz der Stadt. Zentraler und mehr vom Leben umbrandet geht wohl kaum.
    Man geht aber wohl nicht falsch in der Annahme, daß 90% aller Deutschen und 99,9% aller Politiker / Feuilletonisten / Intellektuellen etc. ganz froh sind, daß Willi Zwo seine letzte Ruhestätte im Ausland gefunden hat, das macht das Distanzieren noch viel einfacher.

  • Zitat wiki:
    "Er selbst hat verfügt, dass eine „Umbettung seiner Gebeine in deutsche Erde“ erst nach der Wiedererrichtung der Monarchie in Deutschland durchzuführen sei."


    Daher und aus anderen Gründen, abzulehnen.

  • anderen Gründen


    Welche da wären?


    Der einzig denkbare und würdige Ort für eine Translozierung wäre m.E. nur der Park von Sanssouci in Potsdam. Es ist aber auch ganz gut so dass das Mausoleum in Doorn ist und bleibt, dort wird es wenigstens gepflegt und in Ordnung gehalten.

    Labor omnia vincit
    (Vergil)

  • nur der Park von Sanssouci in Potsdam.


    Der Park von Sanssouci in Potsdam mag eine Möglichkeit sein, nahe am Schloß Sanssouci dürfte eher ein spezifischer Ort sein, der mit Friedrich II. verbunden wird; eine Kontinuität würde sich z.B. ergeben, wenn man ihn in das Mausoleum im Schlosspark Charlottenburg bestattet, nahe bei Königin Luise, Friedrich Wilhelm III, Wilhelm I und Kaiserin Auguste. Die Magnetnadel dürfte nach seinen Vorstellungen aber wohl am ehesten in Richtung der Friedenskirche gehen. Ansonsten bliebe auch optional die Garnisonkirche. Man müßte sie halt nur wieder aufbauen. Die St. George´s Chapel in Windsor scheidet ja wohl eher aus. Aber da seine Rückkehr an die Bedingung der Wiedererrichtung der Monarchie geknüpft ist und so manche gesehene Bilder aus Potsdam während der Hochzeit von Georg Friedrich und Sophie eine arge Schand´ für Potse und seine inhabitants waren, hat man das Gefühl, daß Wills II sich noch ganz ganz lange an dem schönen Park von Huis Doorn erfreuen darf. Plan B wäre, sich an seinen letzten Worten: "Ich versinke" Ich versinke!" zu orientieren. Wir sehen: es läuft auf eine Seebestattung vor Kiel hinaus.

  • Zunächst einmal herzlichen Dank für alle bisherigen Antworten ! Viele werden sich beim Lesen aber sicherlich gefragt haben, ob es denn eigentlich nichts Wichtigeres gibt, als diese Thematik - gerade auch hier im Forum ?


    Nun ist der Gedanke einer Umbettung aber nicht neu. Bereits führende Vertreter der Berliner Kirche haben sich mit ihm befaßt, wie ein Artikel von Alexander Pajevic aus dem Berliner Tagesspiegel vom 22.11.1999 beweist. Dort heißt es u.a.:


    „Auch die Gebeine des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. sollten in die Hohenzollerngruft im Berliner Dom umgebettet werden. Dafür hat sich jetzt der Präsident des Kirchenbüros der Evangelischen Kirche der Union und Vorsitzende des Domverwaltungsrates, Wilhelm Hüffmeyer, ausgesprochen. Wilhelm II. ist im holländischen Doorn begraben, wo er 1941 im Exil starb. Laut Hüffmeyer wurde nach seinem Tod die Zuständigkeit für die Gruft von der Hohenzollern-Familie auf die Kirche übertragen.
    Derzeit gebe es erst einmal die Anregung, den ‚Soldatenkönig’ Friedrich Wilhelm I. von Potsdam nach Berlin zu überführen, sagte Hüffmeyer. Doch auch die Gebeine von Wilhelm II. seien in die Überlegungen über die Zukunft der Domgruft miteinzubeziehen. ‚Das ist ja sein Bau, da liegt das nahe’, sagte Hüffmeyer. Bislang lägen erst zwei der neun preußischen Könige dort. Bei einigen, so Hüffmeyer, verbiete es sich aber, sie in zukünftige Planungen miteinzubeziehen, da sie vor ihrem Tod ausdrückliche Willensbekundungen abgelegt hätten, wo sie liegen wollten - wie etwa Friedrich der Große, der verfügt hatte, in Sanssouci begraben zu werden.
    Grundsätzlich, so Hüffmeyer, müssten jedoch sowieso alle Pläne mit den zuständigen Gremien abgesprochen werden. Dazu gehörten die Verwaltung der Preußischen Schlösser und Gärten, der Senat und die Hohenzollern-Familie. Wo es bei den Hohenzollern historisch sinnvoll erscheine, lohne es sich aber, über eine Umbettung nachzudenken. Dies ist seiner Meinung nach im Falle des Soldatenkönigs und bei Wilhelm II. der Fall. ‚Ich glaube, der Familie ist auch daran gelegen, dass ihre Angehörigen an nicht zu vielen verschiedenen Orten ihre letzte Ruhe finden.’ Bei der Eröffnung der neu restaurierten Gruft an diesem Wochenende hatten sich Vertreter der Familie positiv zu den Überlegungen geäußert. ‚Eine gewisse Zusammenführung scheint denen einzuleuchten’, sagte Hüffmeyer. Man solle zwar gewachsene Traditionen nicht gewaltsam zerstören, doch stelle sich die Frage, warum der letzte deutsche Kaiser ‚auf ewig in Doorn’ liegen solle.“


    Vor dem Hintergrund dieser Aussagen möchte ich mich im Folgenden mit den potentiellen Hindernissen einer Umbettung Wilhelms in die Hohenzollerngruft aber auch mit den (baulichen und stadtbildnerischen) Modalitäten einer Rückkehr des letzten Königs von Preußen in seine Haupt- und Residenzstadt auseinandersetzen:


    A. Überführung des Kaisers in die Hohenzollerngruft in Berlin

    1. Wille des Kaisers


    Da mein obiger einleitender Beitrag (Nr. 1 dieses Themenstranges) sowie die Anmerkungen von Kaoru und Weingeist insinuieren, daß der Wille des Kaisers einer Überführung seiner sterblichen Überreste in ein republikanisch verfasstes Deutschland ausschließt, halte ich es für sinnvoll, den Lesern zunächst einmal den kompletten Wortlaut der - Wilhelms Testament nachträglich angehängten, einschlägigen - Verfügung (Codizill) zur Kenntnis zu bringen, auf der diese landläufige Annahme fußt:


    An den Minister des Königlichen Hauses


    Doorn, 25.12.1933
    am ersten Weihnachtstage


    Codizill zu meinem letzten Willen


    Sollte Gottes Rathschluß mich aus dieser Welt abberufen zu einer Zeit, da in Deutschland das Kaisertum noch nicht wieder erstanden, d.h. eine nicht monarchische Staatsform noch vorhanden ist, so ist es mein fester Wille, da ich im Exil, in Doorn zur ewigen Ruhe eingehe, auch in Doorn beigesetzt zu werden.
    An der Stelle des Hauses gegenüber wo vor dem Rhododendrons meine Büste steht, soll vor ihr der Sarg unter dem vom Bildhauer Bezner entworfenen, von mir genehmigten Sarkophag aufgestellt werden unter einem zum Schutz gegen das Wetter von Bezner zu entwerfenden Baldachin. Blumenbeete leuchtender Farben-Cinarien, Salvia soll es geben.
    Die Feier schlicht, einfach still, würdig. Keine Deputationen von zu Hause. Keine Hakenkreuzfahnen.
    Keine Kränze. Dasselbe gilt für I.M. im Falle eines Heimganges in Doorn.


    Sterbe ich in Potsdam, so sollen meine Gebeine in dem oben erwähnten Sarkophag im Mausoleum am Neuen Palais beigesetzt werden, derart, daß er zwischen den beiden Kaiserinnen zu stehen kommt. Militärische Feier, keine Hakenkreuzfahnen, keine Trauerrede. Gesang, Gebet.


    gez. Wilhelm I.R.


    a. Überführung nach Deutschland


    Die Verfügung beschreibt ausschließlich die unmittelbar nach einem Ableben in Doorn bzw. Potsdam umzusetzende Form der Bestattung. Sie enthält keine Aussage darüber, ob diese Bestattungen Ewigkeitsstatus haben oder vom Autor lediglich als veränderbare Provisorien angesehen wurden. Auch ist dem Codizill kein Anhaltspunkt dafür zu entnehmen, daß eine Änderung der Staatsform in Deutschland überhaupt notwendig sein soll, um eine in Doorn erfolgte Bestattung späterhin zur Disposition zu stellen. Ganz ausdrücklich wichtig war dem Kaiser hingegen das Fernhalten der Symbole des nationalsozialistischen Regimes, welches zu überleben er mit seinen vierundsiebzig Jahren Ende Dezember 1933 – statistisch gesehen – nicht mehr sicher sein konnte. Meines Erachtens ist es tatsächlich das Hautpanliegen dieser Verfügung, eine Instrumentalisierung von Leichnam, Begräbnisfeier und Grab zu Zwecken der Legitimierung der NS-Herrschaft zu unterbinden. Vor diesem Hintergrund führt die offenbar bewusste Unschärfe hinsichtlich der Gestaltung der Verhältnisse in einer ferneren Zukunft in Verbindung mit der Tatsache, daß der Kaiser im Jahre 1921 keine Einwände gegen die Überführung der Kaiserin in die Weimarer Republik erhob, zu der vertretbaren Vermutung, daß Wilhelm lediglich eine Umbettung seiner Gebeine in den anti-monarchischen nationalsozialistischen Staat verhindern wollte, eine Rückführung nach Ende der braunen Barbarei hingegen nicht unbedingt ablehnend gegenüberstand, selbst wenn das Staatsoberhaupt ein gewählter Präsident sein sollte. Diese kurze ‚Kontextualisieurng’ des Codizills ergibt somit, daß der Wille des Kaiser einer Überführung seiner Gebeine in das heutige Deutschland nicht entgegensteht !
    (Und an Alle, die die Wiedereinführung der Monarchie weiterhin als ‚conditio sine qua non’ aus dem Text herauslesen wollen: Ich persönlich hätte nach den Erfahrungen, die wir mit den Bundespräsidenten nach dem Ende der Amtszeit von Roman Herzog so machen konnten, keine Einwände gegen eine parlamentarische Monarchie im Sinne der Oktoberreformen von 1918 mit Georg Friedrich von Preußen als [auf repräsentative Aufgaben beschränktem] Staatsoberhaupt einer revitalisierten Demokratie. Daß er als gebürtiger Bremer ein Landsmann von mir ist, tut natürlich ein Übriges…).


    b. Bestimmung des Begräbnisortes in Deutschland


    Das Codizill legt für den Fall des Ablebens des Kaisers in Potsdam das ‚Mausoleum am Neuen Palais’ als Ort der Bestattung fest. Es greift damit seit 1918 verfolgte und mit der Beisetzung Auguste Viktorias 1921 manifestierte Bestrebungen auf, das ehemalige Antikenkabinett Friedrichs des Großen zu einem weiteren festen Punkt innerhalb des Reigens der zahlreichen Grablegen der preußischen Hohenzollern zu machen. Hierzu paßt auch die Tatsache, daß bei der provisorischen Beisetzung Wilhelms in der kleinen Kapelle nahe dem Doorner Torhaus (er ruhte dort bis das Mausoleum für ihn errichtet war) drei Hände Potsdamer Erde aus der Gegend des Antikentempels auf seinen Sarg gestreut wurden (siehe zu diesem zeremoniellen Detail: Wilhelm Schüssler: Kaiser Wilhelm II. Schicksal und Schuld. Musterschmidt, Göttingen 1970, S. 130f).
    Mindestens bis zur Abfassung des Codizills gab es aber noch andere Pläne bezüglich der letzten Ruhestätte Wilhelms in Deutschland, wie man dem Bericht ‚Mauern hinter denen Geschichte schläft’ von Ludwig Sternaux über die Hohenzollerngruft unter dem Berliner Dom - veröffentlicht im ‚Berliner Lokal-Anzeiger’ vom 25. März 1932 - entnehmen kann:

    „ […] Wo stehen wir jetzt ? Unter dem Kuppelraum, die Rundung zeigt’s. Rings ein Kranz von Nischen, die oben, ganz in Nacht begraben. Und rings gleichförmig ein Gitter. Einmal in diesem Gitter ein Portal. Eine Kapelle für sich, von blindem Fenster matt erhellt. Das ist oben die Altarnische, der halbrunde Vorbau an der Spree. Und hier unter dem Altar wird einst, so hat er es selbst bestimmt, der Kaiser ruhen, neben der Kaiserin, die dann aus dem Antiken-Tempel in Potsdam ebenfalls hierhergebracht wird. Als Letzter auf dem Thorn der Hohenzollern, für den alle, die gelebt, gekämpft, gestorben, die Sarg für Sarg so schweigsam, so stumm hier seiner warten… […]“.


    (siehe: Brozat, Dieter: Der Berliner Dom und die Hohenzollerngruft. Haude & Spener, Berlin 1985, S.110).


    Und interessanterweise beauftrage Wilhelm II. 1935 – also etwa zwei Jahre nach dem Codizill -einen Künstler mit der Anfertigung einer Zeichnung, die den Platz unter dem Altar der Predigtkirche des Berliner Domes und damit die Stelle, an der sein Sarg stehen sollte, zeigt. (siehe: Brozat, Dieter: Der Berliner Dom und die Hohenzollerngruft. Haude & Spener, Berlin 1985, S.112). Somit ist sein letzter Wille in dieser Hinsicht auf den ersten Blick nicht ganz eindeutig. Aber vielleicht gibt uns das Codizill hier einen Wink, denn es spricht ja davon, daß der Antikentempel der Ort der letzten Ruhe sein solle, wenn der Kaiser in Potsdam stirbt. Über die Frage welcher Bestattungsplatz zu wählen sei, wenn der Kaiser andernorts (also z.B. in Berlin, Rominten, Homburg v. d. Höhe, Kassel, an Bord der Hohenzollern oder auf Korfu in seinem geliebten Achilleion) gestorben wäre, schweigt es sich aus ! Und da kommt dann eben – gewissermaßen – subsidiär die Hohenzollerngruftplanung zum Zuge. Und wie wir wissen, ist der Kaiser eben nicht in Potsdam gestorben….
    Somit bleibt festzuhalten, daß das Codizill einer Überführung des Kaisers in die Hohenzollerngruft nicht entgegensteht.


    Darüberhinaus sprechen für die Wahl dieses Ortes noch die folgenden beiden Aspekte:
    Zum einen ist der Antikentempel als Mausoleum nach wie vor ein Provisorium – und wirkt leider auch so ! Wären die Umbauplanungen von 1918 realisiert worden, würde das Innenleben dieses Gebäudes heute ein anderes Gepräge haben. Die Hohenzollerngruft ist demgegenüber gerade für den Zweck der würdigen Totenruhe errichtet worden; man muß also in Potsdam nicht erst teuer herstellen, was in Berlin schon vorhanden ist !
    Zum anderen kann man es durchaus als Defizit empfinden, daß die ‚deutsche Kaiserstadt’, also Berlin in den Grenzen vor dem ‚Groß-Berlin’ Gesetz von 1920, keinen deutschen Kaiser in ihren Mauern ruhen hat: Der ‚alte Kaiser’ befindet sich mit seiner Gemahlin in Charlottenburg und Kaiser Friedrich nebst Kaiserin Victoria erwarten im Mausoleum an der Potsdamer Friedenskirche den jüngsten Tag. Berlin in den alten Grenzen der monarchischen Zeit geht somit bisher leer aus ! Potsdam, welches mit den Gräbern der beiden großen Könige (auf der Terasse von Sanssouci und – hoffentlich bald wieder – in der Gruft der Garnisonkirche) und der Gruft des ‚Romantikers auf dem Thron’ (nebst Königin Elisabeth) unter der Friedenskirche, mit bedeutenden Gedenkorten wahrlich reich gesegnet ist, würde somit kein ‚Zacken aus der Krone’ fallen, wenn es zugunsten von Berlin auf unser – vorerst – letztes Kaiserpaar verzichten würde…
    Problematisch ist allerdings die Frage der konkreten Verortung innerhalb der Hohenzollerngruft, denn an dem vom Kaiser für die Kaiserin und sich vorgesehenen Ort in der Gruft-Apsis unterhalb des Altars der Predigtkirche steht heute der Sarkophag des Großen Kurfürsten. Aber vielleicht findet sich das Haus Preußen ja bereit, einer nochmaligen Veränderung der Aufstellung der Ahnensärge zuzustimmen, wie es das ja bereits bei dem Neuarrangement Anfang der 90er Jahre getan hat, da dieses Arrangement ja nicht der historischen Vorkriegsanordnung entspricht. Wenn nicht, so bäte sich eigentlich nur die fast leere sog. ‚Adalbert-Gruft’ direkt nördlich der Gruftapsis an. Diese Lösung hätte zwei Argumente für sich. Zum einen die Symbole in den Fenstern: Während die drei Fenster der zentralen Gruftapsis mit dem gräflich-hohenzollernschen Stammwappen, dem Kurhut und dem Stab des Erzkämmerers des Heiligen Römischen Reiches auf die schwäbisch-fränkisch-brandenburgische Tradition verweisen und das Fenster in der südlich der Gruftapsis gelegenen Gruft Friedrichs I. und Sophie Charlottes mit der Königskrone auf die royale preußische Epoche abhebt, bezieht sich die (heraldische) Kaiserkrone in der Adalbert-Gruft auf die imperiale Zeit seit 1871. Zum anderen befindet sich in der Adalbert-Gruft ja seit einigen Jahren ein großes Gemälde, welches Wilhelm II. und Auguste Viktoria trauernd am - in einer Seitenapsis der Potsdamer Friedenskirche aufgebarten – Sarg Kaiser Friedrichs III. zeigt. Insofern ist die Adalbert-Gruft jetzt schon mit unserem letzten Kaiserpaar verbunden.


    Unabhängig von der Aufstellung innerhalb der Gruft, ergibt sich dann noch die Frage nach der ästhetischen Einheitlichkeit der ‚Wilhelm-Auguste-Viktoria-Grabanlage’, denn die Kaiserin ruht im Antikentempel momentan in einer Replik des Charlottenburger Gruft-Sarkophages (wohlgemerkt nicht des berühmten, leeren Schau-Sarkophages) und der im Codizill angesprochene, für den Kaiser vom Bildhauer Max Bezner zu schaffende Sarkophag ist bisher nicht realisiert worden. Der Kaiser ruht in Doorn stattdessen in einem rot bespannten / lackierten (?) einfachen Sarg. Da aber die in Apsisnähe aufgestellten, ‚großen’ hohenzollernschen Ehepaare (also der Große Kurfürst und seine Frau, König Friedrich I. und Sophie Charlotte) in aufeinander abgestimmten Sarkophag-Paaren ruhen, sollte man auch beim letzten König von Preußen und seiner Gemahlin eine Einheitlichkeit herstellen.


    2. Wille des Deutschen Volkes


    Wie Heimdall sehr richtig anführt, ist für die Rückkehr des Kaisers auch ein ‚Mentalitätswandel’ und ein ‚unverkrampfteres Verhältnis der Deutschen zu ihrer Vergangenheit’ notwendig.
    Ich denke, daß sich hier in jüngster schon einiges getan hat: Denn die seit 1918 vorhandene Ablehnung der Person Wilhelms, welche von der abstoßende Verächtlichmachung durch die Nationalsozialisten noch befeuert wurde und leider von ganzen Historikergenerationen in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg fortgeschrieben wurde – zuletzt in den Werken von John C. G. Röhl – beginnt seit den Forschungen von Nicolaus Sombart und Christopher Clark aufzubrechen. Es wird nun zunehmend erkannt, daß es Wilhelms genuine Leistung war, die beim genialen Einigungswerk Bismarcks im In- und Ausland geschlagenen Wunden durch versöhnende Taten geheilt zu haben (nur in Bezug auf Frankreich blieb ihm der Erfolg versagt – die Unerbittlichkeit von Clemenceau war dort stärker, mit den bekannten fatalen Folgen für Europa). Und durch seine – oft bespöttelte Reisetätigkeit im Reich – wurde er zum eigentlichen Vater eines gesamtdeutschen Patriotismus, wo es vorher nur partikulare Identifikationen gegeben hatte. Letzteres schlägt sich in immer zahlreicher werdender landeskundlicher Literatur nieder, in der Besuche oder (insbesondere auch baukünstlerische) Aktivitäten des Kaisers in der jeweiligen Region stets mit Hochachtung und auch Stolz dokumentiert werden. Die so entstehende ‚Graswurzelbewegung’ aus tausenden von wohlwollend konnotierten lokalhistorischen Nebenbemerkungen über den Kaiser, ergeben in ihrer Gesamtheit ein mosaikartiges, positives Bild, welches sich diametral von dem durch die bisherige deutsche ‚Meta-Geschichtsschreibung’ gezeichneten unterscheidet.
    Noch wichtiger als das Voranstehende ist für uns nachgeborene Deutsche natürlich die Frage, wie sich Wilhelm gegenüber der Verfolgung unserer Landsleute mosaischen Glaubens positioniert hat (Aussagen über das Menschheitsverbrechen der Vernichtung der europäischen Juden konnte er nicht tätigen, da er den Holocaust nicht mehr erlebt hat – es ist aber stark anzunehmen, daß sich seine Meingung über diesen nicht von seiner Bewertung der Reichspogromnacht unterschieden hätte !). Eine Antwort auf diese Frage liefern die Tagebucheinträge des letzten – ihm ins Exil gefolgten – Flügeladjutanten des Kaisers, Siegurd von Ilsemann, der am 14. November schreibt:


    Sehr bedauerlich sind die augenblicklichen Judenverfolgungen in Deutschland. Nach den ernsten Mitteilungen äußerte der Kaiser: „Es ist ja eine Schande, was da jetzt zu Hause vor sich geht. Jetzt wird es höchste Zeit, daß die Armee eingreift, viel hat sie sich gefallen lassen, dies darf sie unter keinen Umständen mitmachen, da müssen die alten Offiziere und alle anständigen Deutschen Protestieren. Aber alle sahen dieses Morden und Brennen – und rührten keinen Finger. Bisher war das ganze Nazitum der versteckte Bolschewismus, jetzt aber ist es der offene geworden. Länder müssten ihre Gesandten und Vertretungen abberufen, dann würden die Nazis schon klein beigeben. Auch die Auslandsdeutschen müssen sich jetzt von allen Naziverpflichtungen frei machen, dann werden die in Deutschland auch folgen.“


    (siehe: Ilsemann, Sigurd von: Der Kaiser in Holland. Aufzeichungen aus den Jahren 1924 – 1941. Monarchie und Nationalsozialismus. Biederstein Verlag. München 1968, S.313.)


    Und Christopher Clark überliefert die auch auf die Pogromnacht bezogenen Aussage Wilhelms:


    „Zum ersten Mal in meinem Leben schäme ich mich, ein Deutscher zu sein !“


    (Siehe: Clark, Christopher: Kaiser Wilhelm II. A Life in Power. Penguin Books. London 2009, S.335).


    Letztendlich überrascht diese Verdammung der verbrecherischen Taten der nationalsozialistischen Schergen nicht, wenn man sich in Erinnerung ruft, daß in keinem längenmäßig vergleichbaren Zeitraum in der deutschen Geschichte so viele und so prachtvolle Synagogen entstanden sind, wie in den dreißig Jahren seiner Regentschaft. Viele dieser Gotteshäuser wurden sogar durch Sach- oder Finanzspenden von ihm gefördert (z.B. die Synagoge an der Charlottenburger Fasanenstraße, deren Hochzeitssaal er mit Majolika-Kunstwerken aus Cadinen ausstatten ließ) !


    Zwecks Überdenken der von Kaoru angesprochenen ‚anderen Gründe’, die gegen eine Rückkehr Wilhelms sprechen können, sei im Übrigen auf die folgenden beiden Videos mit Christopher Clark und Jan von Flocken verwiesen, zu denen ich hier die ‚Links’ setzte:




    Würden all diese Tatsachen der deutschen Öffentlichkeit von den dazu eigentlich berufenen Institutionen (Schule, Universitäten, Medien) endlich einmal vermittelt werden, anstatt dieser in einer ‚Endlosschleife’ die abgestandenen – längst widerlegten – negativen Stereotypen wieder und wieder einzuhämmern, hätte die unvoreingenommen urteilende überwiegende Mehrheit des deutschen Volkes mit Sicherheit nichts dagegen, ihren letzten Landesvater würdig zu empfangen und ihn in der Berliner Gruft seiner Ahnen zur ewigen Ruhe zu betten !


    B. Errichtung eines Gedächtnis-Pavillons im Berliner ‚Domgarten’


    Die Grünanlage nördlich des Domes, zwischen (hoffentlich dereinst wieder erstehender) Denkmalskirche, Spree, Bodestraße /Einmündung der Friedrichsbrücke und Altem Museum hat, seitdem sie ihre kaiserzeitliche, wohl aus den Jahren der Erbauung des Raschdorff-Doms stammende Fassung - im Zuge der unsäglichen Dammeierschen Umgestaltung des Lustgartens zu Steinwüste – in den Jahren 1935/36 verloren hat, nie wieder eine adäquate Gestaltung erfahren. Auch das Ergebnis des landschaftsplanerischen Wettbewerbs aus dem Jahre 2001, in welchem dieser Bereich als ‚Domgarten’ tituliert wird, wurde bisher nicht umgesetzt. Mann kann die Fläche als ‚Grünbrache’ bezeichnen, die dieser exponierten Lage im Herzen der Hauptstadt unangemessen ist. Mein Vorschlag wäre, dem Platz – unter Ausnutzung und Beibehaltung des ihn umgebenden hohen Baumbestandes, der im Sommer für eine parkähnliche, nach drei Seiten abgeschiedene Atmosphäre sorgt – seine kaiserzeitliche Gestaltung zurückzugeben. Lediglich das zentrale Blumenrondell, sollte durch ein kleines Gebäude ersetzt werden, welches den umgebenden Bauten (Dom, Altes Museum, Nationalgalerie) zwar nichts von ihrer Wirkung nimmt, aber dennoch eine eigene Aussage hat und sein unmittelbares Umfeld mit einem eigenen Charakter versehen würde.
    Dieses Gebäude stelle ich mir als Replik des 1942 im Auftrag von Kronprinz Wilhelm und nach eigenen Zeichnungen des Kaisers von dem – durch die Nationalsozialisten schon 1933 aus dem Amt gedrängten - ehemaligen Ministerialdirektor der Hochbauabteilung des Preußischen Finanzministeriums, Hans Martin Kießling (1879-1944), im Garten von Haus Doorn errichteten kaiserlichen Mausoleums vor. Für diesen Gedanken sprechen eine Reihe von Gründen: Zunächst einmal würde es die räumliche Nähe zum Berliner Dom, der ja allgemein als Inbegriff wilhelminischer Prachtentfaltung gesehen wird, dem Betrachter ermöglichen, die ganze Bandbreite des baukünstlerischen Geschmacks Wilhelms zu erfassen, der eben durchaus auch zarte und bescheiden stille Elemente hatte, was leider allzu oft und gerne übersehen (oder bewusst verschwiegen) wird. Wenn man des weiteren den Bau der Erinnerung an Wilhelm als Förderer der Wissenschaft, der Museen und der Kunst widmen würde, dann wäre er eine gediegene Überleitung zwischen dem ‚Campo Santo’ von Fürstengruft sowie Denkmalskirche des Domes einerseits und dem Komplex von Museumsinsel und westlich folgender Universitätsbauten andererseits. Die Blickbeziehung zu der im Kolonnadenhof der Nationalgalerie aufgestellten ‚Amazone’ von Louis Touaillon wäre schließlich ein Verweis auf das tragisch gebrochene Schicksal des Kaisers und damit auch Deutschlands, da eine Kopie dieses Kunstwerk (gestiftet von kaisertreuen, ostpreußischen Frauen) ebenfalls zwischen Huis Doorn und dem dortigen Mausoleum steht. Das Innere des Gebäudes sollte ebenfalls die originale Form wie in Doorn enthalten (allerdings ohne die Kandelaber und die Anbringungsvorrichtungen für Kränze). An der fensterlosen Rückwand ein großformatiges Bild, welches den Kaiser bei einer Sitzung der wissenschaftlichen ‚Doorner Arbeitsgemeinschaft’, als interessierten Zuhörer zeigt. Auf dem leicht erhöhten zentralen Podest im Boden– auf dem bei Bedarf Blumengebinde aufgestellt werden könnten -
    wäre die folgende Inschrift (Wilhelms selbst gewählter Grabspruch) denkbar:



    „Lobet mich nicht, denn ich bedarf keines Lobes;
    Rühmet mich nicht, denn ich bedarf keines Ruhmes;
    Richtet mich nicht, denn ich werde gerichtet werden.“


    Möglicherweise wäre noch ein Hinweis anzubringen, daß der Sarg des Kaisers von 1942 bis zur Überführung in die Hohenzollergruft in einem identischen Gebäude in Doorn geruht hatte. Den gleichen Hinweis könnte man auch in dem dann leeren Mausoleum in Doorn anbringen. Als Vorbild hierzu kann man die KPM-Kachel anführen, die seit der Bestattung des ‚Alten Fritz’ auf der Terrasse von Sanssouci an der Stelle der protestantischen Kapelle der Burg Hohenzollern eingelassen ist, auf der der Sarg des großen Königs über mehrere Jahrzehnte im schwäbischen Stammland seines Hauses stand und die die Besucher über die ‚Verlegung’ informiert.


    Epilog


    Was bleibt nach allem noch zu sagen ?


    Vielleicht dies: Die Franzosen haben ihren ersten Napoleon, von dessen ununterbrochener, aggressiv-imperialistischer Kriegsführung sich die sechsundzwanzigjährige Friedensepoche Wilhelms vorbildlich abhebt, schon nach zwanzig Jahren von St. Helena nach Hause geholt, und in pompöser Weise im Invalidendom beigesetzt, obwohl er doch infolge seiner mehr als durchwachsenen historischen Bilanz umstritten und deshalb einer solchen Ehrung nicht würdig sein sollte. Nehmen wir uns ein Beispiel daran und entkrampfen wir unser Verhältnis zu einem Mann, von dem schon Winston Churchill kurz vor Ende des 2. Weltkriegs sagte, es sei ein Fehler gewesen, diesen abzusetzen, da dieser u.a. niemals Hitler zum Reichskanzler ernannt hätte. Befreien wir also Wilhelm aus der immer noch bestehenden ‚Geiselhaft’ Hitlers, gegen den allein sich das Codizill richtet. Lassen wir nicht zu, daß die Österreicher uns mit ihren Bemühungen Kaiser Karl aus Madeira in die Wiener Kapzuinergruft zu überführen überholen und lassen wir S.M. bald heimkehren !


    Der 9. November 2018 wäre, so finde ich, ein geeignetes Datum für die würdige Beisetzung von ihm und Kaiserin Auguste Viktoria in der Adalbert-Gruft des Berliner Domes. Am selben Tage sollte auch der Gedächtnis-Pavillon im Domgarten eröffnet werden.


    So, und nun danke ich Allen, die bis hierher lesend durchgehalten haben und hoffe auf rege Kritik !


    Zu den Abbildungen:


    Lage des Mausoleums im Garten von ‚Huis Doorn’


    Der ausführende Architekt Hans Martin Kießling


    Ein Video über Kießling. In diesem wird von min. 19:55 bis 21:29 das Mausoleum vorgestellt.


    Außenansichten des Mausoleums. Wie man sieht handelt es sich um einen quadratischen Hauptbau mit angefügtem, pilastergeschmücktem Portikus.



    Der Portikus


    Das Giebeldreieck mit dem Stammwappen der Hohenzollern


    Das Stammwappen


    Das Kreuz auf der Dachspitze des Hauptbaus.


    Das Türblatt des Eingangsportals.


    Der Innenraum mit dem erhöhten Sockel auf dem der schlichte Sarg ruht.


    Der ‚menschliche Vergleichsmaßstab’ offenbart die humanen und bescheidenen Dimensionen des Gebäudes.


    Der Antikentempel im Park von Sanssouci.


    Innenansicht des Antikentempels. Der weiße Marmorsarkophag vor dem Türdurchgang im Hintergrund ist derjenige von Kaiserin Auguste Viktoria. Man erkennt das Provisorische dieses Arrangements…


    Ostseite des Berliner Domes. Das Fenster der Adalbert-Gruft ist rot umrandet.


    Schematischer Plan der Hohenzollergruft. Die in die Adalbert-Gruft überführten Särge/Sarkophage von Wilhelm II. und Auguste Viktoria sind rot umrandet.


    Die Adalbert-Gruft in ihrem gegenwärtigen Zustand.



    Die Adalbert-Gruft mit den überführten Särgen/Sarkophagen von Kaiser und Kaiserin. Man sieht: Hier wäre eine größere Einheitlichkeit von Nöten. Der Kaiser müßte also auch einen Sarkophag erhalten, im Idealfall den von Max Bezner entworfenen.


    Die Adalbert-Gruft mit dem angeschnittenen Fenster zur Spree hin.


    Die Fenster des Gruftbereichs unterhalb der Apsis der Predigtkirche (Hohenzollernwappen, Kurhut, Erzkämmererstab) und das Fenster der Adalbert-Gruft (heraldische Kaiserkrone).


    Der alternative – vom Kaiser eigentlich selber für seine Bestattung vorgesehene Gruftbereich unter der Apsis (beim Wiederaufbau mit dem Großen Kurfürsten belegt).




    Berliner Dom und ‚Domgarten’ in der jetzigen Gestaltung.


    Situation nach Ergänzung der Kuppellaternen, Wiederaufbau der Denkmalskirche und Errichtung des Gedächtnis-Pavillons im ‚Domgarten’.


    Der Gedächtnis-Pavillon vor dem Hintergrund der Nationalgalerie und eines Pylons der Friedrichsbrücke.


    Das Innere des Gedächtnis-Pavillons mit einem Bild einer Tagung der wissenschaftlichen ‚Doorner Arbeitsgemeinschaft’ in der Doorner Orangerie.


  • Kaum baut man das Schloß wieder auf wollen manche auch schon wieder Willy zwo ausgraben :augenrollen:


    Gebt den Rekogegnern doch nicht noch Wasser auf die Mühlen. Das Schloß wird nie wieder Residenz eines Monarchen sein und das ist auch gut so.
    Der alte Kriegstreiber hat drüben in Doorn seine Totenruhe, in mehr Würde als sie den meisten anständigen Menschen zusteht. Ich sehe keinerlei Veranlassung diesen Zustand irgendwie noch aufzuwerten durch eine Umbettung in das Herz der Hauptstadt.

  • Wow, was für ein Beitrag Pagentorn! Großartig. Du hast eine umfassende Kenntnis und auch die Quellen zu den Themen.


    Du solltest auf jeden Fall an den entsprechenden Wikipedia-Artikeln mitarbeiten, dort kann noch so einiges ergänzt werden.
    Wikipedia ist die am meisten abgerufene Webseite und Quellensammlung zu allen genannten Themen.


    Hier gehts los, die Starthilfe: https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Starthilfe

  • Das kann'ste alles vergessen, in einer Zeit in der deutschlandhassende Alt-68er, ständig moralisierende Grüninnen und Grüne (Trümmerfrauen-Denkmäler abreißen...) sowie völlig weichgespülte Ex-Konservative landesweit den Ton angeben. Interessanter Beitrag, dennoch vollkommen illusionär.
    Zum Thema 'Domgarten' habe ich hier vor einigen Tagen auch schon mal einen Beitrag verfasst, siehe >> hier

    „Die Freiheitsliebe ist bei den Deutschen nicht entwickelt“ (Madame de Stael)

  • Abgesehen davon liegt er m.E. in Doorn ganz gut. Die Grenzen sind offen, die Niederländer unsere Freunde. Man kann also einfach rüberfahren. Irgendwie gibt es für mich kein einziges Argument dafür, warum er umgebettet werden sollte. Statt solcher Aktionen sollte man lieber die Errichtung der Denkmalskirche sowie die Wiederherstellung der umstrittenen Kuppeln forcieren.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Lieber Booni ! Sie mahnen zurecht an, daß es nicht ausreicht, die Argumente die gegen eine Überführung des Kaisers von Doorn nach Berlin sprechen aus dem Weg zu räumen, sondern daß man darüber hinaus auch eine positive Begründung für ein derartiges Vorhaben liefern muß. Im Folgenden werde ich versuchen, das kurz nachzuholen.


    Eine Umbettung wäre zunächst einmal ein Akt gebotener Gleichbehandlung: Nachdem nämlich Christopher Clark mit seinem wegweisenden Werk ‚Die Schlafwandler’ überzeugend nachgewiesen hat, daß die Verantwortung am Ausbruch des Ersten Weltkrieges ziemlich gleichmäßig auf den Schultern aller späteren Konfliktparteien verteilt war und Wilhelm – wenn man es genau nimmt – der einzige der damaligen Staatslenker war, der quasi bis zur letzten Minute den Krieg noch verhindern wollte (siehe die Telefonate mit dem Zaren Ende Juli), er nun aber – nach der Überführung der Gebeine von Zar Nikolaus II. von Jekaterinburg in die Petersburger Peter-und-Pauls-Festung - andererseits der einzige der damaligen Monarchen ist, der noch nicht in der repräsentativen Gruft der jeweiligen Dynastie ruht, so wäre es eigentlich hohe Zeit, hier ‚gleichzuziehen’. Für mich gibt es einfach kein stichhaltiges Argument mehr dafür, daß man das, was man Georg V., Franz Joseph I. und Nikolaus II. wie selbstverständlich gewährt, Wilhelm II. vorenthält !


    Eine Umbettung wäre sodann auch ein Akt überfälliger Anerkennung: Während seiner Amtszeit erlebte Deutschland einen unerhörten – und bis heute unübertroffenen – kometenhaften Aufstieg in ökonomischer, wissenschaftlicher und kultureller Hinsicht, eine Entwicklung, die natürlich nicht allein auf den Kaiser zurückging, aber dennoch von ihm, im Rahmen seiner Möglichkeiten, nicht unwesentlich gefördert und unterstützt wurde. Unter ihm wurde das in der damaligen Welt einzigartige – von Bismarck begründete – Sozialsystem weiter ausgebaut (seine Aussgage ‚ich will lieber der Kaiser der Armen, als der der Reichen sein’ ist leider viel zu wenig bekannt), das Rechtssystem und damit der Rechtsstaat florierte (z.B. Einführung des BGB) und – zumindest – auf Reichsebene gab es hinsichtlich der Wahlen und den Mitgestaltungsrechten des Parlamentes bei den politischen Entscheidungsprozessen, im Vergleich etwa mit den USA, keinerlei Demokratiedefizit, im Gegenteil ! Der große Preuße und deutsch-jüdische Patriot, Hans-Joachim Schoeps, der im schwedischen Exil das Nationalsozialistische Terrorregime überlebte, stellte schon vor Jahrzehnten fest: ‚Wenn Wilhelm 1913 verstorben wäre, würde das Urteil über ihn gänzlich anders ausfallen’. Es ist deshalb irrig, seine dreißigjährige Regentschaft ausschließlich aus der Perspektive der letzten vier Jahre zu betrachten. Daß er den Krieg letztlich nicht verhindern konnte, kann man ihm alleine nicht vorwerfen. Aber die Ära, die ja nicht von ungefähr seinen Namen trägt, war in der Bilanz jedenfalls eine der besten Epochen in der jüngeren deutschen Geschichte. Auch dies sollte man mit der Niederstellung seines Sarges - in einem nach den Entwürfen Bezners anzufertigenden Sarkophag - in der Adalbert Gruft würdigen.


    Eine Umbettung wäre darüberhinaus auch ein Akt nötiger Wiedergutmachung: Trotzdem er in vieler Hinsicht weitsichtiger war, als seine jeweiligen Zeitgenossen (etwa was den Ausbruch des 1. Weltkriegs oder die Beurteilung der Gefahr des Nationalsozialismus [Zitat: „Die Deutschen werden die Fahne mit dem Hakenkreuz noch verfluchen und eines Tages verbrennen“] betraf) und Deutschland und Europa viel erspart geblieben wäre, hätte man sich rechtzeitig seinen Sichtweisen angeschlossen, so ist er in den vergangenen knapp hundert Jahren zum Sündenbock für fast alles Unbill gemacht worden, das Mitteleuropa zu erdulden gehabt hat. Man verleumdete und mißbrauchte ihn als größenwahnsinnigen Kriegstreiber und unfähigen Psychopaten. Unsere israelischen Freunde und Verbündeten haben schon lange erkannt, daß dieses Zerrbild arg in die Irre führt. Wie sonst hätte bei Ihnen vor gar nicht all zu langer Zeit ein vollplastisches Reiterdenkmal des Kaisers entstehen können, welches ihn zusammen mit Theodor Herzl bei ihre berühmten gemeinsamen Begegnung in der Nähe des späteren Tel Avivs zeigt ? Ich finde, es ist deshalb überfällig, daß auch wir durch die Überführung nach Berlin, Wilhelm endlich Gerechtigkeit widerfahren lassen.


    Eine Umbettung wäre desweiteren ein Akt erforderlicher Aussöhnung des deutschen Volkes mit seinem ehemaligen Staatsoberhaupt, mit seiner Geschichte zwischen 1888 und 1918 und mit sich selber. Ich will gar nicht groß Siegmund Freud heranziehen, um auf die Bedeutung des ‚verdrängten Vatermordes’ hinzuweisen, mit den seelisch sowie geistigen Verstümmelungen und Verkrampfungen, die dieser hervorrufen kann. Die untilgbaren Lasten des Menschheits-Verbrechens Holocaust wiegen schwer genug. Da wäre es im Sinne einer geistigen Gesundung und vor allem vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen vor denen wir alle stehen, äußerst hilfreich wenn unser Volk ein ausgeglichenes, entspanntes und positives Verhältnis zu seiner übrigen Geschichte haben könnte. Eine zwar nicht idealisierende aber historisch objektive Sicht auf Wilhelm könnte da helfen und würde durch die Verlegung seiner sterblichen Hülle in die Heimat ohne Zweifel gefördert werden.


    Eine Umbettung wäre schließlich ein Akt der Dankbarkeit, den man gerade hier im Forum verstehen dürfte: Viele bedeutende Gebäude, die mittlerweile zu prominenten Symbolen, ja zu baulichen Ikonen geworden sind, gehen auf Wilhelms Anregungen zurück (nicht nur der unter ihm entstandene Raschdorffsche Dom, sondern auch z.B. die Gedächtniskirche, das Deutsche Eck, der Kyffhäuser, die Mosaikausschmückung der Pfalzkapelle in Aachen). Ohne diese ist das heutige Deutschland nicht denkbar und sie stellen einen erheblichen Wirtschaftsfaktor dar, ziehen sie doch jedes Jahr hunderttausende von zahlungskräftigen Besuchern an. Übrigens wissen auch die Polen, die ‚ihr’ Kaiserschloß von Posen geradezu lieben und auch die Israelis, welche Wilhelms Großbauten in Jerusalem und Bethlehem sehr hochschätzen, was sie am ‚Erbe des Kaisers’ haben. Mit den von ihm geförderten Rekonstruktionen der Saalburg, der Hochkönigsburg im Elsaß (und der Förderung der Fertigstellung des Wiederaufbaus der Marienburg in Westpreußen) hat der Kaiser endlich gezeigt, daß er eines Geistes mit uns hier im Forum ist. Viele Projekte, die wir debattieren, hätten sein lebhaftes Interesse und auch seine Unterstützung gefunden. Er wäre einer von uns !



    Das letzte bekannte Bild des lebenden Kaisers am Rande des Gartens von Huis Doorn. Von den Nationalsozialisten interniert und von der deutschen Jugend vergessen.
    Sind wir bereit für ein Happy End ?


  • Wahnsinnig viele gute Argumente für eine Überführung. Leider gibt es dafür keine Mehrheiten. Vielleicht ein Volksentscheid? Überlegungswert bestimmt!

    In der Architektur muß sich ausdrücken, was eine Stadt zu sagen hat.
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten

  • Hallo Pagentorn,


    vielen Dank für die Auflistung der Argumente. Grundsätzlich sehe ich es auch so, dass Wilhelm der II. immer noch zu negativ dargestellt wird, allerding verstehe ich nicht, warum eine Umbettung hier hilfreich sein könnte. Ich vermute mal, dass dies keine große mediale Präsenz erfahren würde, außerdem wirkt es m.E. doch etwas rückwärtsgewandt. Daher bin ich auch nicht der Meinung, dass eine Umbettung des Kaisers die von Dir aufgeführten Ziele erreichen würde. Abgesehen davon kann ich mir nicht vorstellen, dass man das Mausoleum mitnehmen würde, im Falle einer Umbettung würde entweder eine bestehende Gruft genutzt werden oder eine "moderne Lösung" gefunden werden. Ich selber kann mich jedenfalls nicht dafür erwärmen.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Super! Ich glaube, ich habe hier in dem Forum noch keinen Strang gesehen, in dem es um Reko (Denkmalskirche/ Kuppellaternen) und Stadtbildgestaltung (Domgarten) ging und SO viele historische und gesellschaftliche Hintergrundinfos enthielt, inklusive ausführliche Argumentationen und bildliche Veranschaulichungen. Wie viel Zeit das wohl gekostet haben mag? :applaus:


    Also viel Kritik habe ich nicht vorzubringen, außer, dass meiner Meinung nach das Mausoleumshäuschen im Domgarten doch recht grotesk wirken würde. Nicht wegen der größe, sondern eher wegem dem Stil. Das Ziegeldach lässt die Gruft doch wie eine dörfliches Haus aussehen, was zwischen Sandstein und Kupferkuppeln fehl platziert wirkt. Der Nutzung/ Innengestaltung stimme ich jedoch vollkommen zu.


    Das kann'ste alles vergessen, in einer Zeit in der deutschlandhassende Alt-68er, ständig moralisierende Grüninnen und Grüne (Trümmerfrauen-Denkmäler abreißen...) sowie völlig weichgespülte Ex-Konservative landesweit den Ton angeben.

    Zustimmung, auch wenn ich es nicht unbedingt auf Alt-68er, Grüne und Pseudokonservative begrenzen würde. Ich denke die Mehrheit der Bürger über 30 dürfte sich in diesem desolaten Zustand befinden. Es wäre aber auch ein Ding, wenn eine Gesellschaft 2 verlorene Weltkriege, eine faschistisch, exklusiv nationalistische, sozialistische, anschließend eine kommunistisch, sozialistische Diktatur mit Teilung und diversen Wirtschaftskrisen, innerhalb von nur 100 Jahren, einfach so wegstecken würde.

    Es gibt eine Architektur, die zur Landschaft gehört, sowie eine andere, die sie zerstört.

    Edited once, last by Fusajiro ().

  • Lieber Booni !


    Natürlich würde sich durch eine Umbettung das Verhältnis der Deutschen zu Wilhelm II. nicht automatisch, gewissermaßen ‚über Nacht’, entkrampfen. Jeder Einzelne muß vielmehr persönlich für sich selber entscheiden, ob er bereit ist, sich unvoreingenommen auf das Leben und Wirken dieser historischen Gestalt einzulassen und gegebenenfalls auch eingefahrene Ansichten zu überdenken. Sie haben völlig recht, wenn Sie anmerken, daß es dafür eigentlich unerheblich ist, wo Wilhelm II. konkret bestattet ist. Aber darum geht es hier primär auch gar nicht. Unabhängig von dem Urteil, welches jeder persönlich über den Kaiser fällt, sollte es - trotz dessen zweifellos vorhandener Defizite und nicht bloß wegen dessen oben geschilderten Meriten, sondern aus allgemein menschlichen Erwägungen heraus – der deutschen Gesellschaft ein Bedürfnis sein, Wilhelm gegenüber nach Ablauf von fast einhundert Jahren ein Zeichen der Zugehörigkeit auszusenden, ihm zu signalisieren: „Du bist nicht mehr der Ausgestoßene, Du gehörst mit all Deinen Schwächen und Stärken zu uns“. Nichts würde dies besser unterstreichen als seine Aufnahme in die Gruft seiner Ahnen, die er ja immerhin – wenn auch in Ausführung von Plänen seiner Eltern – selber bauen ließ. Dies hat nichts mit rückwärtsgewandten, gar monarchistischen Anwandlungen zu tun, sondern wäre ein Stück gelebte Erinnerungskultur, eine Maßnahme zur Aufarbeitung einer bisher noch offenen Wunde. Und nebenbei bemerkt: Auch die Überführungen von Nikolaus II. und Friedrich dem Großen hat man primär ‚der guten Ordnung’ halber gemacht. Ich denke, nicht nur mich befällt ein leicht schales Gefühl, wenn man mit ansehen muß, wie unser heutiger Staat sich völlig selbstverständlich des Berliner Doms für seine großen Staatsakte bedient (z.B. Trauerfeiern für Johannes Rau und Richard von Weizsäcker) – was ich, um da gar keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, sehr gut finde – aber derjenige, auf den dieser bauliche Rahmen ja zurückgeht, fernab und vergessen im Exil ruhen muß.
    Und nun noch kurz zum Mausoleum von Kießling: Ich denke es dürfte aus meinen obigen Beiträgen deutlich geworden sein, daß ich den Doornern das Original-Gebäude nicht wegnehmen, sondern lediglich eine exakte Baureplik im Domgarten errichtet wissen möchte. Und diese ist eben nicht als Ruhestätte (dafür ist ja die Adalbert-Gruft vorgesehen), sondern als Gedächtnis-Pavillon gedacht (ich bitte Sie dies gegebenenfalls oben nochmals nachzulesen, vielen Dank !). Ich bezweifele zwar, Sie überzeugen zu können, habe es hiermit aber zumindest versucht… Jedenfalls beste Grüße an die Wittelsbacher-Metropole an der Isar !

  • Lieber Fusajiro, wie wäre es, wenn man die schwarzen Dachpfannen des ‚Gedächtnis-Pavillons’ durch ein dezentes Kupferdach ersetzten würde ? Nach einigen Jahren ergäbe sich dann der schöne Dreiklang von Back- und Natursteinen sowie der Patina des Daches. Diese in den Niederlanden häufig anzutreffende Kombination wäre nebenbei dann auch noch eine Erinnerung an die erste richtige Anlage des Lustgartens, der während der Regentschaft des Großen Kurfürsten von dem Hofgärtner Michael Hanff nach dem Vorbild niederländischer Gärten gestaltet wurde…


    Sodann möchte ich der Vollständigkeit halber noch zwei Filme beisteuern, die die Trauerzüge für die Kaiserin 1921 und für den Kaiser 1941 dokumentieren.


    Die Beisetzungsfeierlichkeiten für die Kaiserin:


    Wenn man bedenkt, daß die Bestattung der Kaiserin weniger als drei Jahre nach der Revolution stattfand, so sind die enorme Menschenmasse am Neuen Palais und deren offensichtlich große Anteilnahme schon bemerkenswert.
    Ähnliches ereignete sich nochmals neunzehn Jahre später, als sich am 29. Mai 1940 anlässlich der Beisetzung des im selben Monat seinen Kriegsverletzungen erlegenen ältesten Enkel des Kaisers, des Prinzen Wilhelm von Preußen (dem ‚verhinderten Kaiser Wilhelm IV.’), zwischen der Friedenskirche und dem Antikentempel ein ‚stummes Spalier’ aus über 50.000 Trauernden formierte. Dieses Ereignis gilt als die größte unorganisierte Demonstration in der Regierungszeit Hitlers. In dieser Demonstration wurde deutlich, dass die ehemals regierenden Fürstenhäuser in weiten Bevölkerungskreisen immer noch große Sympathie und Anteilnahme genossen. Dies war den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge, da sie eine organisierte Opposition monarchistischer Kreise fürchteten. Das Ereignis bildete daher den Anlaß für den sogenannten ‚Prinzenerlass’, durch den Hitler allen der Wehrmacht angehörenden Mitgliedern der bis 1918 regierenden Fürstenhäuser den Einsatz an der Front im Zweiten Weltkrieg untersagte. Dadurch wollten die Nationalsozialisten verhindern, dass es zu weiteren ähnlichen Sympathiekundgebungen bei anderen Todesfällen in deutschen Fürstenhäusern käme.


    Die Beisetzungsfeierlichkeiten für den Kaiser:


    Vor diesem Hintergrund ist es deshalb nicht verwunderlich, daß die obigen ‚Wochenschau’-Aufnahmen, welche den Trauerzug und die Beisetzung des Kaisers in der kleinen Kapelle in der Nähe des Doorner Torgebäudes im Juni 1941 zeigen, nur in den besetzten Niederlanden und im neutralen Schweden ausgestrahlt werden durften. Vermutlich auf das direkte Geheiß von Goebbels wurden den Deutschen diese Aufnahmen vorenthalten ! Warum wohl ….?
    Nun, einerseits aus den eben beschriebenen Gründen. Andererseits aber auch, um die Demütigung zu kaschieren, die der Kaiser den Nationalsozialisten beigebracht hatte, indem er eben eine Beisetzung in Deutschland während ihrer Herrschaft testamentarisch ausgeschlossen hatte. Hitler soll getobt haben, als er davon erfuhr… Wie man in den Aufnahmen sehen kann, konnte er es sich aber nicht verkneifen, entgegen der ausdrücklichen Bestimmung des kaiserlichen Codizills, nach der keine Kränze bei der Bestattung erlaubt waren, einen bombastischen Kranz zu schicken, der – Gott sei Dank in ausreichend großer Entfernung – dem Auto mit dem Katafalk voransgetragen wurde. Auch, die vom Kaiser nicht gewünschte militärische Abordnung der Wehrmacht mußte der Kronprinz – zähneknirschend – akzeptieren.


    Desweiteren möchte ich die in meinem Beitrag Nr. 2 erwähnte Zeichnung aus dem Jahre 1935 nachreichen, welche den zentralen West-Ost-Gang der Hohenzollerngruft abbildet. Wenn man diesen mit der gegenwärtigen Perspektive vergleicht, wird die veränderte Anordnung der Särge offensichtlich. Nimmt man dann noch eine Vorkriegsaufnahme des Nord-Süd-Ganges hinzu, auf dem deutlich die großen Marmorsarkophage des Großen Kurfürsten, Luise Henriettes, König Friedrichs I. und Sophie Charlottes zu erkennen sind, so wird vollends deutlich, daß Wilhelm ganz offensichtlich den östlich an der Spree, hinter den Ziergittern gelegenen Gruftbereich für seine engere Familie vorgesehen hatte, sodaß man Kaiserin Auguste Viktoria und ihn (und eventuell auch noch Kaiserin Hermine, Prinz Wilhelm, Prinz Eitel Friedrich und Prinz Joachim [alle momentan im Antikentempel]) mit gutem Gewissen in die Adalbert-Gruft verbringen könnte (wenn das nicht räumlich zu eng werden sollte).


    Die Zeichnung von 1935, welche den West-Ostgang mit Blickrichtung Bereich unter der Apsis der Predigtkirche zeigt:


    Der Vergleich mit der gegenwärtigen Situation:


    Photographie aus der Vorkriegszeit mit dem Nord-Südgang und den an diesem aufgestellten großen Marmorsarkophagen des Großen Kurfürsten, Luise Henriettes, König Friedrichs I. und Sophie Charlottes:


    Durchsicht vom Gruftbereich unter der Apsis zur Adalbert-Gruft:


    Abschließend habe ich dann noch ein kleines Video, welches – ohne großen inhaltlichen Anspruch – mehr auf der ‚emotionalen Ebene’ fährt und illustrieren soll, wie man sich die Überführung von Doorn nach Berlin in etwa vorstellen könnte. Vielleicht erreicht man mit derartigen kurzen Filmen gerade auch diejenigen Bevölkerungskreise, welche Berührungsängste hinsichtlich langatmiger historischer Abhandlungen haben…
    (Als musikalische Untermalung habe ich den berühmten, der Melodie von Bortjanski beigesellten Choral ‚Ich bete an die Macht der Liebe’ gewählt, da er auf ausdrücklichen Wunsch des Kaisers, bei seiner Beisetzung in Doorn gespielt wurde. Die hier verwendete Aufnahme einer Interpretation durch einen Kosakenchor spiegelt nicht nur die Geschichte des Musikstücks wieder, sonder ist auch eine Hommage an den übernächsten Nachfolger des Kaisers im Amt des Chefs des Hauses Hohenzollern, Prinz Louis Ferdinand, der ja mit der größten Zustimmung seines Großvaters eine Prinzessin aus dem Hause Romanow, Kira, heiratete und damit eine starke Geste der Versöhnung zwischen beiden kaiserlichen Häusern nach den Wunden des 1. Weltkrieges setzte.)


    Edited 3 times, last by Pagentorn ().

  • So sympathisch der Vorschlag ist, den Kaiser nach Berlin zu überführen - wo er meiner Meinung auch hingehört - , so muß dieser Wunsch doch von der Familie ausgehen.
    Schlagen Sie das doch einmal Prinz Georg Friedrich von Preußen vor.
    Ein geeigneter Termin wäre der 75. Todestag des Kaisers am 4. Juni 2016. Freilich dürfte es hierzu schon zu spät sein.
    Berliner Senat und Politik werden mit Sicherheit etwas dagegen haben und gewaltig gegen diese Idee anstänkern. Doch der weitere und zuständige Ansprechpartner ist die Domgemeinde. Wenn man es ganz preußisch schlicht durchführte, dürfte die Gemeinde eigentlich keine Einwände haben. Eine große Öffentlichkeit ist im linkschaotischen Berlin wohl auch nicht ratsam. Die würden glatt den Sarg umwerfen. Das hätte der Kaiser nicht verdient.
    Vor allem wäre die Bereitschaft der Domgemeinde auch ein Dank an den Erbauer des Domes. Bekanntlich ist er das ganz eigene Werk des Kaisers, wo er sich gleichsam um jede Fenstersprosse gekümmert hat.
    Die Öffentlichkeit vielleicht zu überrumpeln, die Umbettung einfach still und leise vorzunehmen, über Nacht steht der kaiserliche Sarg eben an seiner Stelle, das dürfte wegen verbreiteter Schwatzhaftigkeit wohl nicht gelingen.
    Aber das sind alles unnütze Gedanken. Erst muß die königliche preußische Familie das wünschen.