Umgang mit dem Bestand

  • In der aktuellen Bauwelt beschäftigt sich Frank Maier-Solgk, Düsseldorf mit dem Positionspapier und den Fragen nach dem Bauen MIT dem Bestand. Neben aktuellen Zahlen zum Denkmalbestand hinterfragt der Autor auch den Umgang mit Gebäuden abseits der Denkmallisten und überlegt, ob in Kategorien mit diesen zu verfahren sei. Inwieweit diese, seine Haltung von modernistischer Ideologie gefärbt ist oder nicht, davon dürfen sich geneigte LeserInnen in seinem Artikel ein Bild machen:


    http://www.bauwelt.de/themen/b…schon-da-ist-2436614.html


    Jeder, der sich die Fähigkeit erhält Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.
    www.archicultura.ch

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  • Folgender Beitrag zeigt, wie das gemeine Volk mit dem hiesigen Bestand umgeht.


    Festhalten und vorher nochmal tief durchatmen:


    Beispiele für zerstörte Bögen im Westerwald


    Eine interessante Zusammenstellung von Karl-Ludwig Diehl. Sie zeigt (unter anderem)
    wie wichtig uns das Auto geworden ist und was alles versucht wird um ihm einen
    geeigneten Stellplatz zu schaffen.


    Mit oftmals sehr unangenehmen Ergebnissen.

  • Da kommt man echt ins Zweifeln, ob die Menschen auch nur einen Funken Schönheitsempfinden haben. Für mich ist diese Zusammenstellung aber auch nicht gerade überraschend. Ich bin, gerade in ländlichen Regionen, nichts Anderes gewohnt...

  • Merkwürdig, neben den offensichtlichen Scheußlichkeiten haben einige dieser Beispiele auch eine eigentümliche Schönheit von "gelebter Geschichte". Immerhin sind dort ja die Bögen noch erkennbar, und mit ihnen oft gleich mehrere Zeitschichten. Schlimmer finde ich immer, wenn die Geschichte des Hauses komplett entsorgt oder zugekleistert wird.

  • Lieber Maßwerk, ich hoffe du meinst mit "eigentümliche Schönheit" und "Zeitschichten sichtbar
    lassen" nur folgende Beispiele:
    Bild, Bild, Bild, Bild, Bild.


    ...und nicht etwa die wirklich abstoßenden Beispiele wie:
    Bild, Bild, Bild.


    Letztere lassen nämlich die Schichten genauso gut erkennen. Sogar die Bögen sind meist noch sichtbar,
    aber sie wurden ad absurdum geführt. Ein schlüssiger Lastabtrag wird bei solchen Umbauten nicht mehr
    vermittel, weshalb wir wohl immer das Gefühl haben "Hier stimmt doch etwas nicht :/ "


    Nun habe ich schon so viele Bilder verlinkt, da möchte ich noch zwei Lichtblicke zeigen.


    _Note "Sehr gut" für diesen Neueinbau eines schmalen Fensters. Die Steine dunkeln schnell nach.
    _Note "Gut" für diese Garage in der Scheunendurchfahrt. Wille erkennbar! Jederzeit reversibel.

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  • Es ist doch traurig, wie normal dieser Anblick für uns schon geworden ist. Ich persönlich habe eigentlich gar nicht weiter darüber nachgedacht. Aber auch in meiner Umgebung gibt es dafür natürlich unzählige Beispiele. Es ist ja auch einfach kostengünstiger, ein sprossenloses eckiges Baumarktfenster zu verwenden. Wäre der Preis für optisch passende Fenster vergleichbar, käme es sicher nicht so oft zu diesen ästhetischen Entgleisungen.

  • Ein interessanter Text, entnommen der Facebook-Seite 'Historical Imst', welcher von der Jahreszeit, aber vor allem thematisch hier rein passt:



    "... Damals bildeten das über Jahrhunderte gewachsene Brauchereignis und der noch weitgehend von seinem historischen Erscheinungsbild geprägte Straßenzug eine harmonische Einheit. Doch wie sieht das heute aus und wie wird das in Zukunft aussehen, sollte die Zerstörung weiter so voranschreiten wie bisher und sollte bei Um- und Neubauten weiterhin so wenig Wert auf qualitätvolle und angemessene Architektur gelegt werden? Muss die Fasnacht dann nicht zwangsläufig zu einem Fremdkörper in dem Ort werden, aus dem sie einst herausgewachsen ist, zu einem Kind, das sein Elternhaus nur noch von Bildern kennt und mit dem Nachfolgebau nichts anfangen kann?
    Dies ist keineswegs als Plädoyer für Stillstand zu sehen. Veränderungen hat es immer gegeben, und das ist auch gut so. Aber noch nie zuvor waren sie so radikal, so alles Vorhergehende hinter sich lassend und gleichzeitig so konzeptlos wie in den letzten Jahrzehnten."


    Quelle: https://www.facebook.com/histo…581975760/?type=3&theater


    Jeder, der sich die Fähigkeit erhält Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.
    www.archicultura.ch

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  • Schöne Auflistung eines bekannten, aber wenig diskutierten Problems. In den 1960er und 1970er-Jahren war vielerorts Eigenleistung angesagt und für die meisten war es einfacher, ein modernes eckiges Baumarktfenster in einen Rundbogen zu bekommen als ein doppelt verglastes Rundbogenfenster hinzubekommen. Heutzutage vermute ich, dass die Kosten etwa gleich ausfallen, so dass in der Regel das Rundbogenfenster gewählt wird. Auf Wiederherstellungen wird jedoch meist verzichtet, erfordert es doch sowohl neue Fenster als auch Änderungen im Mauerwerk.


    Ich denke, hier könnte Aufklärung viel helfen. Vielleicht können wir von SD ja mal eine Arbeitsgruppe starten, die sich mit Themen befasst, wie private Altbaubesitzer mit vertretbaren Aufwand viel gewinnen können - und dies dann in einer Broschüre (PDF) aufbereiten, um es zu verbreiten?

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)