Rekonstruktion des Narrenhäusels (in Planung)

    • Schloßgespenst schrieb:

      errichtet von einem Bauherrn, der nicht der Meinung ist, die Proportionen des historischen Vorbilds seien mies gewesen und er könne das besser
      Hm... von wem redest du da? So etwas hat es doch in Dresden noch niemals gegeben.... ;)
      Hannover ist eine mittelmäßige Stadt, aber dort sind viele, die sich große Mühe geben, etwas Besonderes daraus zu machen.
      Dresden ist eine besondere Stadt, aber hier sind leider viele, die alles versuchen, etwas Mittelmäßiges daraus zu machen (M. Roth)
    • Es gibt natürlich ein paar Sachen, die man diskutieren kann bzgl der Gestaltung des Gebäudes. Die Visualisierung mit den Zierschornsteinen finde ich gar nicht gut, es wäre besser auf diese zu verzichten.

      Frage für die Fassade wäre auch mit Wappenkartusche oder ohne als Kunst am Bau und wie man die gestalten könnte. Ob es ästhetisch geboten wäre dem Obergeschoss ein wenig mehr Höhe zur Traufkante zu geben oder auch den Geschossen insgesamt noch ein paar Zentimeter mehr Höhe zu gewähren. Die Fassung der Fenster im Obergeschoss. Wie breit soll man das ausführen. Wie genau die Abschränkung der Fensterklappen. Dach: Gerade und konkav wie in der Visu. Zuletzt die Balkonvergitterung. Braucht man Aufzüge oder Feuertreppen von außen?

      Farbliche Gestaltung. Selbst wenn man Weiß nimmt, welches Weiß. Wie verputzt, welche Materialität.

      Bestimmt benötigt werden technische Vorkehrungen zum Hochwasserschutz, die man gleich mitdenken sollte. Vielleicht auch bauliche Ertüchtigungen zur Straße hin, zum Beispiel im Hinblick auf mögliche LKW Unfälle.

      All diese Sachen kann man aber doch dem Bauherrn überlassen. Ein Fassadenwettbewerb ist in dem Zusammenhang ein Narrenstück.

      Gibt es Farbaufnahmen des Narrenhäusels? Sind alle Seiten der Fassade sicher dokumentiert?
    • Schloßgespenst schrieb:

      ...errichtet von einem Bauherrn, der nicht der Meinung ist, die Proportionen des historischen Vorbilds seien mies gewesen und er könne das besser.
      Im Falle des Narrenhäusels könnte man es wirklich besser. Ein Meisterwerk der Proportion und Gestaltung ist es nicht. Was ich schön an diesem Rekoprojekt finde ist das Unspektakuläre vom rekonstruierten Bau. Einfach ein Ausflugslokal an den Elbe. Ein Traum, wenn das wieder da steht.
    • Mehrfach kamen nun in den Beiträgen Bemerkungen zu den Proportionen des Narrenhäusls. Ich denke, wenn es nicht so wäre, wie es überliefert ist, wäre es nicht das Narrenhäusl. Ich könnte mir sogar eine total "schräge" Erscheinung vorstellen, im Sinne von unproportionierten Maßen als symbolischer Ausdruck des Hofnarren, dessen Wohndomizil dieses Häusl ja schließlich war. Nicht, daß ich die Proportionen nun in die andere Richtung verändert wissen möchte, sondern nur als Feststellung, daß dieses Häuschen ANDERS zu sein hatte, sonst wäre es nicht das des Hofnarren gewesen. Also die klassischen barocken Proportionen waren nicht die Meßlatte für das Lot der Bauleute. Letztlich wirkt es ja wie ein Miniaturschlößchen, mit den beiden Türmchen, den vielen kleinfenstrigen Etagen, ein Schrumpfschlössel sozusagen. Man denke an die barocken Darstellungen des Hofnarren in Porzellan oder Goldschmiedekunst. Ein Art Puppenstubenhäuschen ist es, ein Versatzstück aus einer närrischen Welt, das von der Freiheit des Hofnarren kündet "anders sein zu dürfen", ein Privileg seiner Funktion Unerlaubtes darzustellen. So mußte sich auch sein Haus absetzen vom Formenkanon der übrigen Stadt.
      Da sind wir dann nicht weit von einem Hofstaat des Großmoguls en miniature eines Dinglinger entfernt und der barocken Faszination für alles Exotische, Andersartige und Fremdes in einer doch sehr artifiziellen, höfischen Welt.
      (commons.wikimedia.org/wiki/Fil…stag_des_Großmoguls04.jpg)
    • Die "Narrenerscheinung" finde ich gut aber nicht, dass der "Narr" nicht auf der Brücke steht! Dass heutzutage eine 1/1 Reko an diesen absurden Vorschriften scheitert (es können nicht zwei Rollstuhlfahrer auf einmal an der Stelle vorbei) zeigt wie neurotisch unsere Gesellschaft in manchen Fragen ist.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von porc ()

    • porc schrieb:

      (es können nicht zwei Rollstuhlfahrer auf einmal an der Stelle vorbei) zeigt wie neurotisch unsere Gesellschaft in manchen Fragen ist.
      Viel absurder finde ich, dass man die Fahrbahn an dieser Stelle nicht um anderthalb Meter verengen kann (bei dem zukünftigen minimalen Verkehrsaufkommen). Es wird sicherlich zu keinem Verkehrskollaps kommen, wenn auf ein paar Metern die Trasse der Straßenbahn von Taxen, RTWs und Stadtrundfahrten mitbefahren wird (und das hier ist etwas vollkommen anderes, als das neueste Narrenstück, dass man sich mit dem Radweg auf der Dresdner Straße in Leipzig geleistet hat).
      "Schönheit wird die Welt retten" - Dostojewski
    • SchortschiBähr schrieb:

      Mehrfach kamen nun in den Beiträgen Bemerkungen zu den Proportionen des Narrenhäusls. Ich denke, wenn es nicht so wäre, wie es überliefert ist, wäre es nicht das Narrenhäusl.
      Naja, aber die barocke Erscheinung (da gab es mal eine Visu von arstempano und diese Abbildung) wirkte für mich in seinen Proportionen schon recht schlüssig mit dem barocken Mansarddach. Man erkennt sogar noch die Putzspiegel auf der Abbildung. Erst die Aufstockung im 19. Jh (hier die Version vor der Restaurierung der 30er in Okatvians Beitrag) und schließlich die unsensible Restaurierung in den 30ern mit den hellen, glatten Putzflächen ohne Gliederung (nicht einmal mehr die Fenster sind abgesetzt wie noch zuvor), den Dekofensterläden (da in der Breite viel zu klein um eine Hälfte eines Fensters vollständig abzudecken), und nicht zuletzt die Veränderungen der Dachlandschaft führten zu dem etwas verunglückten Anblick. Das wirkt dann mit weiteren zeitgeistigen Details dieser Zeit außen und innen mehr als Touri-Restaurant der 30er denn als barockes Haus. Das positive war vielleicht die Vervollständigung des rechten "Turms". Auch wenn es unwahrscheinlich ist, die barocke Variante wäre mir persönlich die liebste. :)
      Die Moderne verleugnet ihre Herkunft, weil sie fürchtet, die Auseinandersetzung mit ihr könnte sie überfordern - oder ihr gar ihre eigene Banalität vor Augen führen. — Dr. Melanie Möller
    • Kaoru schrieb:

      porc schrieb:

      (es können nicht zwei Rollstuhlfahrer auf einmal an der Stelle vorbei) zeigt wie neurotisch unsere Gesellschaft in manchen Fragen ist.
      Viel absurder finde ich, dass man die Fahrbahn an dieser Stelle nicht um anderthalb Meter verengen kann (bei dem zukünftigen minimalen Verkehrsaufkommen). Es wird sicherlich zu keinem Verkehrskollaps kommen, wenn auf ein paar Metern die Trasse der Straßenbahn von Taxen, RTWs und Stadtrundfahrten mitbefahren wird (und das hier ist etwas vollkommen anderes, als das neueste Narrenstück, dass man sich mit dem Radweg auf der Dresdner Straße in Leipzig geleistet hat).
      Es war ja historisch betrachtet nie geplant dass es ein Stück auf der Brücke steht - nur durch den Neubau der bzw. Verbreiterung der Brücke kam es zu diesem Zustand. Finde ich zwar auch recht spassig aber so kann man sich ein bisschen über die Translozierung hinweg trösten. Schade aber dass es dann auf jeden Fall nicht mehr direkt am historischen Standort steht - gibt es eigentlich noch die Kellerräume?
    • Kaiserpalast schrieb:

      gibt es eigentlich noch die Kellerräume?
      Wenn es denn überhaupt Keller gegeben hat, müssten diese bei der Errichtung der Tunnelrampen zu DDR-Zeiten verschwunden sein.

      thommystyle™ schrieb:

      die barocke Variante wäre mir persönlich die liebste. :)
      Diese würde ich mir auch wünschen. Wobei ich mit der letzten Version auch sehr gut leben kann.
    • Wie schnell steht das Narrenhäusel?14. März 2018
      Sächsische Zeitung vom 14.03.2018

      Investor Frank Wießner drängt auf den Kaufvertrag für das Grundstück an der Dresdner Augustusbrücke. Er will das historische Narrenhäusel für 2,5 Millionen Euro wieder aufbauen.

      Wenn Bauunternehmer Frank Wießner es beeinflussen könnte, würde alles ganz schnell gehen. Im November hat er als Meistbietender den Zuschlag für das Grundstück an der Augustusbrücke erhalten, auf dem das historische Narrenhäusel wieder entstehen soll. Im vergangenen Stadtrat hat Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) erläutert, dass noch einige offene Punkte zu klären sind, bevor der Kaufvertrag unterschrieben werden kann. Ende des Jahres – nach einer weiteren Runde im Stadtrat – könnte es so weit sein, meinte er.
      Frank Wießner hofft, dass es schneller geht. Denn ohne gültigen Kaufvertrag kann er nicht planen. Auf die noch offenen Fragen habe er Antworten. Ein wichtiger Punkt ist der in der Ausschreibung für das Grundstück geforderte Fassadenwettbewerb. Auf den zeitintensiven Prozess möchte Wießner verzichten und stattdessen auf Grundlage historischer Ansichten das Narrenhäusel wieder aufbauen. Kürzlich hat er auch eine Ansicht für die zum Neustädter Markt hin liegende Rückseite gefunden. Allein ein kleiner, damals von einem anderen Haus verdeckter Bereich, ist nicht bekannt. Hier würde er sich bei der Gestaltung an den angrenzenden Gebäudeflächen orientieren. Den ebenfalls geforderten öffentlichen, behindertengerechten Fahrstuhl, der von der Augustusbrücke zum Untergeschoss des Narrenhäusels führen soll, hält Wießner für wartungsintensiv. Er würde ihn trotzdem bauen – stellt jedoch die Wartungskosten in den Raum. Auch die geforderten Parkplätze will er einplanen, genauso wie einen Zufahrtsweg von der Wiesentorstraße. Klärungsbedarf sieht er noch in der Aussage von Schmidt-Lamontain, dass das gesamte Haus etwas von der Brücke weggerückt werden soll.
      Historische Aufnahmen zeigen, wie es vor der Zerstörung im Krieg etwa ein bis zwei Meter auf den Brückenfußweg geragt hat. „Dass Häuser auch mal etwas herausstehen, ist ein Merkmal schöner alter Städte“, meint Wießner. Doch das kollidiert mit der Meinung der Behörden, den Gehweg möglichst frei zu halten. Hinzu kommt, dass genau an jener Stelle der Brücke eine behindertengerechte Straßenbahnhaltestelle für die Linie 8 gebaut werden soll.
      Obwohl vermutlich noch einige Abstimmungen mit den Behörden nötig sein werden, bereut Wießner das Projekt nicht. „Die Lage ist sensationell und mich überrascht immer wieder das Interesse der Bevölkerung.“ Ob er dort aus Prestigegründen baut, verneint er. Zudem weist er noch einmal darauf hin, dass er das Haus nach 60 Jahren kostenlos an die Stadt übertragen wird. Dann sei es definitiv abbezahlt.
      Auf rund 2,5 Millionen Euro schätzt er die Gesamtkosten für Grundstückskauf und Bau. Doch wie geht das, bei einem viergeschossigen historischen Nachbau? Zum Vergleich: Das Pinguincafé im Zoo, ein formschöner, aber zweckdienlicher Flachbau, soll inklusive der Außenflächen bereits 1,6 Millionen Euro kosten. Wießner gibt sich zuversichtlich: „Das geht. Und das wird tipptopp. Mit Biberschwänzen, Holzkastenfenstern und Sandsteinfassungen.“ Da die vermietbare Nutzfläche des gesamten Hauses nur rund 500 Quadratmeter betragen soll, würden die Kosten im Rahmen bleiben. Wießner hat in Dresden bereits zahlreiche Gebäude realisiert, darunter viele Neubauten in Striesen oder zurzeit an der Uferstraße. Auch die Sanierung des Schlosses Übigau geht er nun mit zwei Partnern an. Ein historischer Nachbau dieser Dimension ist allerdings neu für ihn.
      Für die Nutzung des Narrenhäusels gibt es bereits konkrete Ideen, die größtenteils auch durch die Ausschreibung des Grundstücks vorgegeben sind. So soll im Untergeschoss und dem Erdgeschoss wieder ein Restaurant einziehen. So, wie es vor der Zerstörung war. Gutbürgerlich, für ein breites Publikum, keine abgehobene Gastronomie. Das Restaurant sollen die Betreiber des benachbarten Augustusgartens übernehmen. Das bestätigt Chef Berthold Kalisch. In der Etage darüber entstehen vermutlich Büroräume. Ebenso wie für die Gaststätte habe sich Wießner hier nicht vor Anfragen retten können. Leere Büros gibt es in der Dresdner Innenstadt zur Genüge. „Aber die Aussicht, der Blick“, meint Wießner. Für die Ferienwohnungen eine Etage darüber rechnet er mit einer ähnlich großen Nachfrage. Zweifel am Erfolg des Projekts hat er nicht. Aber er will mit Bauen beginnen, solange die Zinsen niedrig sind. Am liebsten würde er in wenigen Wochen den Kaufvertrag unterschreiben, hätte noch in diesem Jahr die Baugenehmigung und könnte Anfang 2019 beginnen.
      neumarkt-dresden.de/wie-schnell-steht-das-narrenhaeusel/