Sonstige Meldungen aus Westfalen

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    Gründung des Berliner Ortsverbandes am 11. Mai - Bitte Kalender beachten
    • Heimlich still und leise wurde in Burgsteinfurt-Borghorst die ehemalige Weberei Arnold Kock abgerissen - eine von vielen Textilfabriken dieser doch eher kleinen Stadt, die in letzter Zeit vollständig abgeräumt wurden. Allerdings muss man dazu sagen, dass dieses verfallene Konglomerat von verschiedensten Industriebauten wohl nur schwer weiterzunutzen wäre. Wenigstens das Verwaltungsgebäude mit seinen sandsteinernen Fensterrahmen hätte man aber erhalten sollen.
      Eine Fotostrecke gibt es auf der Seite der Westfälischen Nachrichten.

      Am Markt der an sich ebenfalls recht schönen Stadt Lüdinghausen wird das Gebäude der ehemaligen Konditorei Hellmann abgerissen (Artikel auf WN.de). Der Bau sollte schon 1988 unter Denkmalschutz gestellt werden, der LWL lehnte jedoch aufgrund zu vieler Umbauten ab. Das Gebäude ist im Kern noch ein Fachwerkhaus, das Fachwerk ist zur Burgstraße hin sichtbar. Die Fassade wollte man erst stehen lassen, jetzt will man zumindest eine ähnliche Fassade errichten und die sandsteinernen Fensterbänke wiederverwenden. Wir werden sehen... auf jeden Fall wieder eine Schande für den westfälischen Denkmalschutz und auch die Stadt Lüdinghausen. Die Fachwerkfassade zur Burgstraße sowie alle Innereien des Gebäudes sind verloren.

      Und auch vor den Top-Denkmälern wird nicht Halt gemacht, in Nottuln gibt es Pläne, die Von-Aschebergesche-Kurie (von Johann Conrad Schlaun erbaut) barrieregerecht umzugestalten und dann direkt modern zu erweitern: Artikel auf WN.de


      Generell fällt auf, dass aktuell wieder vermehrt stadtbildprägende Bauten abgerissen werden (z.B. Haus Bathe, Café Hellmann), was mich sehr nachdenklich stimmt... irgendetwas muss man doch machen können.

      Darüber hinaus wundere ich mich immer wieder, warum im ländlichen Westfalen so wenige Industriegebäude zu Loftwohnungen umgenutzt werden. Auch hier gibt es junge Leute, die so etwas durchaus anziehend finden würden. Stattdessen immer wieder Neubaugebiete... spätestens in 10-15 Jahren werden aufgrund des demografischen Wandels so viele EFH in Dorfkernnähe frei, dass die neueren EFM in den Außenbezirken massig an Wert verlieren müssten...
      Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
      Karl Kraus (1874-1936)
    • Heimdall schrieb:

      Jedenfalls habe ich derzeit schon gar keine Lust mehr, einen Thread zu öffnen, über dem "Nordrhein-Westfalen" steht. Das verdirbt mir die Laune.
      Vielleicht ändert sich das, sobald die Bauarbeiten für das Duisburger Mercator-Quartier angelaufen sind. Da soll ja etwas rekonstruiert werden. ;)
    • Hallo Booni, vielen Dank auch für deine Hinweise, was die derzeitige Entwicklung in Brilon angeht. Ich war schon lange nicht mehr dort. Für das historische Stadtbild scheint man dort wirklich keinen Sinn zu haben, denn es wurde und wird heiter weiter abgerissen. Bereits nach 1960 hat dort die Abrissbirne regiert (besonders im Bereich des historischen Marktplatzes!) und viele der alten Fachwerkbauten getilgt. Bereits 2008 wurde das Pfarrezentrum in der Kirchstraße 1 in unmittelbarer Nähe der Propsteikirche fertiggestellt. Meine Meinung nach fügt es sich nicht besonders gut in die Umgebung ein:

      pastoralverbund-brilon.de/bril…g?m=23990&w=510&h=339&g=0

      pastoralverbund-brilon.de/bril…g?m=23989&w=510&h=339&g=0
      Welche Altbauten hierfür weichen mussten, konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen.

      Ein weiteres Bauprojekt steht derzeit in der Springstraße an. Für das so genannte Stadthotel wurde eine ganze Reihe älterer Fachwerkhäuser abgebrochen, die nach dem Stadtbrand von 1853 entstanden sein dürften: derwesten.de/img/incoming/crop…/63666917-552-656x240.jpg


      derwesten.de/staedte/nachricht…von-brilon-id8922759.html

      Das Gelände nach dem Abbruch: derwesten.de/img/incoming/crop…e-Brilon-Abriss-Penno.jpg

      Ersten Entwürfen zufolge sollte das Hotel ursprünglich so aussehen: derwesten.de/img/incoming/crop…adthotel-Brilon-Penno.jpg


      Nach Beschwerden einiger Anlieger, der Bau wurde als zu massiv empfunden, kam es zu einer Überarbeitung des Entwurfes, der zu einer Verschlimmbesserung führte:

      radiosauerland.de/typo3temp/pics/867d4274a1.jpg



      Zitat: Jetzt soll das Hotel auf dem sogenannten 34-er Weg nach Baugesetzbuch, also in Anpassung an die Umgebungsbebauung, errichtet werden. Was ins Auge fällt: Das Gebäude erhält ein Flachdach. Damit, so Architektin Lena Schmidt, ist das Gebäude nur noch rund 13 m hoch, rund dreieinhalb Meter weniger als zuvor. Damit orientiere es sich an der umliegenden Bebauung.

      Solche Aussagen sind mal wieder typisch! Also ich kann beim besten Willen keine Anpassung an die Umgebung erkennen, die ja nun mehrheitlich aus einer kleinteiligen, Wohnbebauung (zum Teil aus Fachwerk) besteht. Auf die wohl immer noch bestehende, sehr detillierte Gestaltungs- und Erhaltungssatzung wurde dabei offenbar gar keine Rücksicht genommen: brilon.de/buergerservice/formu…rhaltungssatzung_2007.pdf


      Auszug:
      § 8
      Baukörper
      Die Abmessungen der Baukörper sind aus der gegebene
      n historischen Parzellenstruktur zu
      entwickeln. Sollen zur Errichtung eines Gebäudes me
      hrere Grundstücke vereinigt werden, so ist
      der Bau so zu gestalten, dass der Eindruck von Einz
      elhäusern im ursprünglichen Parzellen-
      rhythmus gewahrt bleibt. Zur Festlegung der einzeln
      en Parzellenbreiten ist im Zweifelsfall die Ka-
      tasterkarte der Stadt Brilon von 1829/31 (Anlage 5)
      mit den dargestellten Urparzellen heranzu-
      ziehen. Soweit Baukörper im Einzelfall aufgrund ihr
      er besonderen Bestimmung die vorgegebenen
      Abmessungen nicht einhalten, sind sie durch geeigne
      te gestalterische Maßnahmen vertikal zu
      gliedern.


      Zwei weitere Artikel zum Bauvorhaben in der Derkere Straße (mit Bild von der Vorgängerbebauung):
      derwesten.de/staedte/nachricht…s-gesicht-id10540787.html

      Der Neubau ist wohl alles andere als gelungen und wurde abweichend von der Baugenehmigung gebaut:

      derwesten.de/staedte/nachricht…drueckend-id12138017.html

      Ob da die Verantwortlichen gepennt oder doch wohl eher ein Auge zugedrückt haben?
    • "Booni gefällt das" zwar überhaupt nicht, aber ich bin Dir für die Informationen äußerst dankbar, ansonsten gelangen solche Vorhaben ja selten in die Öffentlichkeit.

      Die Vielzahl an Abrissen in Brilon sind bedenklich. Insbesondere das Bauvorhaben in der Derkerer Straße, direkt in Sichtweite zu Brilons einzigen erhaltenen Stadttor, finde ich bedenklich. Vier regionaltypische Altbauten auf einmal... und das für so eine fiese Investorenkiste. Ich hoffe nur, dass die Stadt den Bauherrn zum Rückbau verpflichtet, nicht dass ein solches Verhalten auch noch Schule macht.

      Brilon ist ja eher durch Wegzug als durch Zuzug geprägt, von daher kann ich schon verstehen, dass man froh ist, wenn hier investiert wird. Allerdings kann aus meiner Sicht nur ein Invest in den Erhalt des historischen Stadtbildes zielführend und vor allem zukunftsweisend sind. Um als Stadt für junge Leute, die nach einigen Berufsjahren in der Großstadt zurückwollen, attraktiv zu sein, ist ein schönes Stadtbild ein nicht unwichtiges Kriterium. Wenn die gesamte Altstadt für barrierefreie Neubauwohnungen eingeebnet wird mag das vielleicht kurzfristig für einen Schub sorgen, weil viele alte Leute ihr Einfamilienhaus oder ihren Hof aufgeben und dorthin ziehen, langfristig kann dies aber nicht die Lösung sein.
      Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
      Karl Kraus (1874-1936)
    • Ravensberger schrieb:



      Nach Beschwerden einiger Anlieger, der Bau wurde als zu massiv empfunden, kam es zu einer Überarbeitung des Entwurfes, der zu einer Verschlimmbesserung führte:

      radiosauerland.de/typo3temp/pics/867d4274a1.jpg
      Dieser Hotelbau ist wirklich eine ganz widerliche Kiste. Da ist gar nichts von Einpassung zu spüren.
    • So läuft das auf kommunaler Ebene mit dem Denkmalschutz: Westfälisch stur bleiben und ggf. nachhelfen?
      Ein Lehrstück für Kommunalpolitiker, heute aus Drensteinfurt, OT Walstedde.

      Landgasthaus Kessebohm: Einsturzgefahr – Abriss genehmigt - Westfälische Nachrichten
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
    • An die Stelle des schmucken Hauses wird sicher bestenfalls ein belangloser Neubau treten. Vermutlich hat man nicht mal den Erhalt oder die Rekonstruktion der Fassade im Sinn. :daumenunten:

      Wenn man sich die Artikel-Links unter diesem Artikel anschaut, sieht es im Umland nicht besser aus. Durchs Münsterland und Westfalen rauscht derzeit der Abrissbagger, ohne dass es die Bevölkerung groß zu stören scheint.


      Abriss läuft
      Der letzte Giebel von Haus Geismann ist gefallen
      wn.de/Muensterland/Kreis-Coesf…aus-Geismann-ist-gefallen

      Albersloh
      Neubaupläne finden Gefallen
      Das Ende der „Roten Schule“ rückt näher
      wn.de/Muensterland/Kreis-Waren…oten-Schule-rueckt-naeher

      Steinfurt
      Borghorster fordern Freigabe der Arnold-Kock-Straße
      Anwohnern geht die Geduld aus
      wn.de/Muensterland/Kreis-Stein…hnern-geht-die-Geduld-aus
    • Das ist wirklich jammerschade um die schönen Backsteinbauten...

      Die "Rote Schule" im Münsterland, Kreis Waren, gefällt mir allemal besser als der banale Neubau, der anstattdessen himkommen soll. Die Schule wurde bestimmt Ende des 19. Jahrhunderts erbaut, denn sie sieht meiner damaligen Grundschule ein bisschen ähnlich. Dass die Denkmalschutzbehörde den Abriss genehmigt hat, ist ungeheuerlich, und dass die Bevölkerung keinen Widerstand leistet, bereitet einem Kopfschütteln. :kopfschuetteln: Da es eine ehemalige Schule ist, kann man doch annehmen, dass viele Einwohner viele emotionale Verbindungen/Erinnerungen an das Gebäude haben (sollten).

      Dass bei dem Gebäude in der Arnold-Kock-Straße die Borghorster Einwohner sich dessen Abriss sogar sehnlichst herbeiwünschen, ist schon sehr krass... Als wäre es ein hässlicher Schandfleck. Dabei könnte man dieses schöne Backsteingebäude wieder richtig gut herrichten! Schandflecke sehen anders aus!
    • Den Abbruch von Haus Geismann sowie der Arnold Kock-Weberei hatten wir schon weiter oben, das sind scheinbar momentan die aktuellen Trends im Münsterland.

      Ich bin ehrlich gesagt ziemlich froh, dass in Borghorst noch mit dem Abriss des Verwaltungsgebäudes gezögert wird - hoffentlich findet sich noch ein Investor für dieses doch wichtige Gebäude der Borghorster Stadtgeschichte. Wenn man sich allerdings die Tragödie der Villa Heimann vor zwei Jahren anschaut, ist Borghorst wahrlich kein Nährboden für den Erhalt historischer Bausubstanz. Die oben aufgeführten Kommentare der Anwohner tun ihr übriges. Dann lieber ein paar Kilometer weiter in den sehenswerten Ortsteil Burgsteinfurt fahren, wo ein Großteil der historischen Altstadt noch erhalten ist. Vielleicht komme ich über die Weihnachtsfeiertage dazu, ein paar Fotos zu machen... ansonsten gern im kommenden Jahr.

      Die Weberei Kock hat in den 1930er Jahren noch ein modernes Fabrikgebäude an der Altenberger Straße gebaut, dass aktuell noch den Fabrikverkauf (produziert wird wie überall im Ausland) beherbergt. Hoffentlich bleibt uns dieses Gebäude erhalten, aus meiner Sicht ist es ein Kandidat für den Denkmalschutz als Fabrikbau der frühen Moderne im Münsterland.

      Der wohl anstehende Abbruch der Roten Schule in Albersloh ist tragisch, aber aufgrund des unspektakulären Gebäudes nicht ganz so schwerwiegend wie die anderen Fälle, die aktuell im Münsterland so passieren. Der Neubau scheint eine gegliederte Ziegelfassade zu erhalten... gar nicht mal so schlecht.

      Allgemein muss aber meines Erachtens in dieser Region dringend was passieren. Bürgerprotest gibt es nur ganz selten, Neubauten werden bejubelt und ein paar Jahre später heißt es dann, was ein Frevel es war, das alte Gebäude einfach so abzureißen. Rekonstruktionen? Fehlanzeige... auf so Ideen kommt hier niemand (wobei es in den meisten Fällen aufgrund der meist einfachen Fassaden nicht so teuer sein sollte).
      Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
      Karl Kraus (1874-1936)
    • Im Kreis Soest stehen einige Brückenpfeiler eines nie vollendeten Kanals zwischen Hamm und Lippstadt aus dem frühen 20. Jh. Nachdem zwei dieser Brückenpfeiler kürzlich abgerissen wurden, wird bei den noch verbliebenen Pfeilern jetzt der Denkmalstatus geprüft:

      Zwei Artikel aus dem Soester Anzeiger:
      Bund lässt die alten Kanal-Brückenköpfe hinter dem Heintroper Bahnhof abreißen
      Denkmalstatus der alten Kanalbrücken-Pfeiler soll geprüft werden


      Freunde historischer Verkehrsanlagen können in der Umgebung auch die Überreste der Reichsautobahnstrecke 77, die das Ruhrgebiet mit Kassel verbinden sollte. Abzweigend von der heutigen A2 bei Hamm-Rhynern sollte diese im Bogen nördlich an Soest vorbeiführen. Wesentlich später wurde stattdessen die heutige A44 zwischen Dortmund und Kassel gebaut. Die Relikte der alten Trasse stehen unter Denkmalschutz. Fotos gibt es u.a. auf geschichtsspuren.de sowie auf dieser privaten Seite.
      Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
      Karl Kraus (1874-1936)