Rekonstruktion der Kellertorwache

  • Die Wasserseite ist gar nicht dokumentiert. Historisch war das die Stadtmauer, durch die schomn im 19. Jahrhundert aus Funktionsgründen Öffnungen gebrochen wurden (z.B. wollte der Steuerinspektur die ankommenden Boote sehen).
    Deshalb war auch hier die lange Falschiebetür möglich. Die eher 30er-Jahre-Fenster werden noch Holzläden bekommen, die Faltschiebe eine Terrasse mit Pergola, sodaß sich die Optik von der Wasserseite noch verändern wird. Das Grundstück wird wahrscheinlich mit einem einfachen Staketenzaun umwehrt, wie er ausserhalb der Stadtmauern im Havelland heimisch ist.

    „Kreativität entsteht nicht durch Überfluß sondern durch Mangel.“
    Richard David Precht

  • Noch eine Frage an den Bauherrn: Die Rückseite stellt ja einen sehr deutlichen Bruch gegenüber der Vorderseite dar, fast schon einen Kontrast. Hauptgrund ist wohl: Die historische Rückseite ist nicht dokumentiert; soweit ich mich erinnere, hattest Du ein Schwarzweißbild gezeigt, auf dem ein Stückchen von der Rückseite der Wache im Hintergrund mehr zu erahnen als zu erkennen ist. Offenbar hat damals aus irgendeinem Grund keine Sau dieses Gebäude jemals von der Rückseite fotografiert. Aber: War es keine Alternative, die Rückseite architektonisch zu "erahnen", also so zu entwerfen, wie sie ausgesehen haben könnte? Mich wundert etwas, dass neben einer "Riesengaube" diverse Dachfenster eingebaut wurden - warum nicht weitere kleine Gauben (die doch sowieso einen besseren Nutzwert haben als Dachfenster).

  • Die Rückseite ist seinerzeit nicht fotografiert worden, weil ein riesiger Schuppen der Spedition Grauel & Coqui davorstand. Das Endgeschoß war durchgängig Stadtmauer, willkürlich mit kleinen Fensterchen perforiert. Im Dach waren kleine Dachflächenfenster; die Wache hatte ja ein großes Kaltdach.


    Warum hier großzügig mit DFF belichtet wurde hatte ich schon berichtet: wir wollten diese auf der Westseite vermeiden. Eine zweigeschossige Gaubenreihe mit 7 Gaupen auf einem EFH wäre sicher etwas übermotorisiert gewesen und dem Bau einen ganz anderen Charakter gegeben. Eine Gaupe hat ja auch nur dann einen besseren Nutzwert, wenn sie groß genug ist. Zudem sollten auch die Seiten im obersten Geschoß keine Fenster bekommen, um die Fassade ruhig zu halten.


    Zudem: der Bau ist auch hier noch nicht fertig, das Areal noch Baustelle, obwohl ständig Leute mit einer Kamera durch den Bauzaun einbrechen und uns von der Wasserseite aus fotografieren. Insofern bitte ich für Schlußkritik noch um etwas Zeit :lehrer: . Wie sie gewesen sein könnte haben wir die Wache jedoch bewußt nicht entworfen - warum auch.

    „Kreativität entsteht nicht durch Überfluß sondern durch Mangel.“
    Richard David Precht

  • Ich als Laie sehe dieses Gebäude als sehr gelungen an. Schloßgespenst,nun sind se mal nicht so kleinlich,es ist doch nur die Rückseite.Es ist schließlich jetzt ein Wohnhaus mit zeitgemäßer Wohnnutzung.Auch die Rückseite mit den paar kleinen Dachfenstern ist meiner Meinung nach,Architektonisch völlig in Ordnung.
    Kleine architektonische Abstriche bei einem Reko vom Orginal,sollte man doch ein Auge zukneifen. ;)

  • Eine "Rekonstruktion des Originals" war auf der Rückseite nicht möglich, da unbekannt, Herr Herrmann. Das Schloßgespinst wünscht sich eine Fiktion, so wie er meinst dass es hätte sein können.


    Hier das einzige Foto der Ostseite:



    Und die Nordseite:



    Sowohl vom Bauzustand her als auch von den Fenstern her kann ich keinen Vorteil sehen...

    „Kreativität entsteht nicht durch Überfluß sondern durch Mangel.“
    Richard David Precht

  • Insgesamt gesehen finde ich die Rekonstruktion auch sehr gelungen :daumenoben::applaus:cclap:) . Mit der "Fledermausgaube" vorne kann ich gut leben, auch die Fensterdurchbrüche an den Seiten durch das Gesims ist ja in den historischen Fotos vorhanden gewesen, wenn auch eine Nummer kleiner. Nur muss ich leider gestehen, dass die Hinterseite nicht so ganz passend ist meiner Meinung nach: man hätte wenigstens die Fenster mit Kreuzstock oder Sprossen teilen können und etwas weniger Glasfläche planen sollen.

  • Mir gefällt die Rückseite. Sie verströmt den eleganten Wohnhauscharme der 1930er bis 1950er Jahre. Da sie ohnehin kaum dokumentiert war, hatte der Bauherr hier freie Hand und eine in meinem Augen gute Lösung gefunden.

  • Das Schloßgespinst wünscht sich eine Fiktion, so wie er meinst dass es hätte sein können.

    ... um nicht zu sagen Hirngespinst - aber vielleicht war's ja auch nur ein Tippfehler. Wünsche habe ich hier nirgends geäußert, das steht mir ja auch nicht zu. Ich hatte lediglich die Frage zu stellen gewagt, ob man nicht auch die Rückseite etwas mehr in der Formensprache der Vorderseite hätte entwerfen können, damit beides miteinander harmoniert. Damit meine ich natürlich nicht, dass zum Garten hin noch so eine Säulenreihe hingestellt wird; es ging mir eher darum, dass man sich an der Vorderseite hätte orientieren können, was die Form der Fenster und der Gaube(n) und die Fassadenfarbgebung angeht. Sprossenfenster, Fledermaus und königliches Rot hätten sich hinten bestimmt auch gut gemacht. Die Fledermausgaube ist zwar nicht historisch, aber doch immerhin nicht ohne Grund aufgesetzt worden, wie Du ja anhand von Beispielen aus der Nachbarschaft gezeigt hast. War nur ein Gedanke, sollte keine Kritik sein.

  • Die Rückseite ist seinerzeit nicht fotografiert worden, weil ein riesiger Schuppen der Spedition Grauel & Coqui davorstand. Das Endgeschoß war durchgängig Stadtmauer, willkürlich mit kleinen Fensterchen perforiert. Im Dach waren kleine Dachflächenfenster; die Wache hatte ja ein großes Kaltdach.

    Auf dem Luftbild von 1930 links oben auf der Innenseite Deines Flyers, den ich mir am Samstag von Dir mitgenommen hatte, ist die Rückseite, wenn auch sehr klein, zu sehen! Sieht aus wie eine geschlossene weiße Wand (= die Stadtmauer). Fenster in Wand und Dach erkenne ich da nicht, aber das Bild ist auch sehr klein - vielleicht kannst Du es ja mal größer hier reinstellen? Würde mich zumindest mal interessieren. :)

    Lûbeke, aller Stêden schône, van rîken Êren dragestu de Krône. (Johann Broling, Lübecker Kaufmann und Ratsherr, um 1450)

  • Auf dem Luftbild von 1930 links oben auf der Innenseite Deines Flyers, den ich mir am Samstag von Dir mitgenommen hatte, ist die Rückseite, wenn auch sehr klein, zu sehen! Sieht aus wie eine geschlossene weiße Wand (= die Stadtmauer). Fenster in Wand und Dach erkenne ich da nicht,

    Zumindest ein Fenster kann man hier erkennen:


  • Die Rückseite des Hauses stellt durchaus einen Bruch zur Vorderseite da. Wenn man den Fenstern und den Eingang der Terrasse einen weißen Rahmen gibt, so heben sich Fenster und Eingang von der Terrasse ab und es kann noch ein wenig harmonischer wirken.

  • Was die Annäherung an ein Original betrifft: Der Stadtkonservator Andreas Kalesse, dem in Potsdam vieles zu verdanken ist, zuletzt das Flächendenkmal "Barocke Innenstadt, definiert
    Stadschloß, Barberini, Neuer Markt 5, Palast Pompei, Noacksches Haus, Villa Jakobs, Villa Persius (u.v.a.m.) und das Kellertor als Erinnerungsbauten.


    Kalesses Definition: "Die Erinnerungsarchitektur ist keine Kopie eines verlorengegangenen Gebäudes. Sie ist vielmehr eine Ausdrucksform aktuellen Bauens, die am originalen Standort eines materiell untergegangenen Bauwerks durch Rückgewinnung bzw. Bezugnahme auf wesentliche Gestaltungselemente der verlorenen Architektur an diese zu erinnern versucht.
    Dabei hängt der erzielbare Näherungswert an das Original einerseits von der Überlieferungsqualität und -menge ursprünglicher Dokumente zeichnerischer, schriftlicher, fotografischer und baulicher Art ab.
    Andererseits kann zumeist nur eine den aktuellen Nutzungsbedürfnissen und den aktuellen Baunormen angepasste neue Architektur entstehen.
    Eine Rekonstruktion im klassischen Sinne ist also von vornherein ausgeschlossen und wird auch nicht angestrebt."

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    Richard David Precht

    Edited once, last by Konstantindegeer ().

  • Einige Fotos von der nun fertig gestellten und bewohnten Kellertorwache von heute, von mir:



    Man nähert sich an der Straße Am Kanal und die Kellertorwache bietet einen grandiosen Abschluss:




    Etwas näher:





    Das Schild mit der alten Brücke an der Kellertorwache:








    Ähnlicher Blick heute:








    Von Nahem:








    Blick in den Eingangsbereich:





    Privat:






    Ob das was nützt?:






    Das Tor auf der nördlichen Seite (noch gesperrt) und Blick auf die Landspitze:








    Fenster im Eingangsbereich:





    Seitenansicht von Süden mit Stadtmauer:





    Eingangstür:




    Seitenansicht von Osten mit Stadtmauer: und Durchgang:





    Gartenansichten:










    Am Kanal:







    Von der Landspitze am Übergang von Havel und Stadtkanal:









    Blick zum Altenstift anstelle der Heilige-Geist-Kirche:




    Fremder Gast bei @Konstatindegeer:


  • Bin heute wieder mal am Wohnhaus von Konstantin vorbei spaziert.Ich wusste bis heute gar nicht das der hintere Teil des Grundstücks größtenteils Öffentlich ist,und somit von allen Seiten einsehbar(Big Brother).Darum wunderte mich bisher das einige Foristen Fotos der Rückseite des Gebäudes schossen,mit dem Gedanken sind die etwa einfach auf sein Grundstück gegangen?Das Gartengrundstück ist sehr kurz und hat ja gerade mal Hausbreite.

  • Er kann ja jetzt, wie seine Vorgänger, am Tor stehen und Zoll verlangen. Zu denen die nicht zahlen sagt er dann: "Du kommst hier net rein (durch)!". :P


    PS: Das Stop-Zettelchen ist sehr amüsant.

    Es gibt eine Architektur, die zur Landschaft gehört, sowie eine andere, die sie zerstört.

  • Das Stop-Zettelchen ist sehr amüsant.

    Vielleicht kann der Eigentümer statt des Zettelchens ein Gitterchen oder eine aushängbare Kette zwischen den Säulen installieren, um allzu neugierige Passanten fernzuhalten.

  • In Anbetracht der Oeffentlichen Lage des Hauses muessen wir Konstantindegeer sehr, sehr Dankbar sein.
    Die Kritik an der Gartenseite teile ich nicht. Das ganze Haus ist sehr, sehr schoen geworden!


    Das Schild koennten wir uebrigens tauschen gegen eins das vor dem Bisswuetigen Herrchen warnt.

  • Vielleicht kann der Eigentümer statt des Zettelchens ein Gitterchen oder eine aushängbare Kette zwischen den Säulen installieren, um allzu neugierige Passanten fernzuhalten.

    Ich dachte ja das der Hauseingang normal an der Front ist, aber so wie ich das jetzt verstanden habe ist dieser an der Seite und die Straßenseite ist quasi eine Terrasse. Für die neugierigen Passanten hat sich der Herr G. aber bestimmt etwas einfallen lassen.

    Es gibt eine Architektur, die zur Landschaft gehört, sowie eine andere, die sie zerstört.

  • So wie ich den Eigentümer kenne, ist der Zettel wohl eher ein Provisorium als eine abschließende Lösung :biggrin:


    Ich denke, dass man das Problem mit einer Kette in Kombination mit einer Schrifttafel relativ einfach lösen kann. Und seien wir ehrlich, dass die Leute sich das gerne anschauen ist doch zunächst einmal ein großes Lob für den Bauherrn. Aber ich kann natürlich verstehen, dass man nicht ständig Leute an den Fenstern kleben haben möchte.


    Auf der anderen Seite kann man es den Leuten nicht verübeln, auch ich wäre nicht direkt auf die Idee gekommen, dass es sich hierbei um ein tatsächlich bewohntes Haus handelt, dafür ist der Bau zu speziell und zu besonders. Und dann wollen Leute sich das natürlich anschauen. Aber ich denke, dass sich das mittelfristig beruhigen wird und dass man eine Lösung findet, die sowohl für die Optik des Baus als auch die Interessen des Eigentümers annehmbar ist.

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