Bremen - Schwachhausen - Parkallee + Nebenstraßen

  • Wie man auf der Ansichtskarte gut erkennnen kann, zitiert die Denkmalsanlage Aspekte von Michelangelos Kapitols- und Berninis Petersplatz. Aber diese Gründung in den bis zu Marc Aurel zurückreichenden Tiefen der europäischen Kulturgeschichte ist den heutigen Banausen natürlich egal...

  • Ich möchte auf einen lesenswerten Beitrag in `WK-Geschichte´ hinweisen.

    https://wkgeschichte.weser-kurier.de/der-bagger-rue…nem-freitag-an/

    Offensichtlich gab es die heutigen Probleme schon 1990.

    Besonders gefallen hat mir folgende Textpassage:

    die SPD regierte mit absoluter Mehrheit. Doch nicht wenige Stimmen sahen im Vorgehen des Senats ein untrügliches Zeichen wachsender Machtarroganz. So auch Wigbert Gerling, der den Abriss der Senatsgästevilla als „wichtigen Mosaikstein“ auf dem Weg zum nachhaltigen Vertrauensverlust sieht. Tatsächlich musste die SPD beim Wahlgang im September 1991 empfindliche Stimmeneinbußen von knapp zwölf Prozent hinnehmen, eine absolute Mehrheit hat die Partei seither nie wieder erreicht.

    Hierin besonders nett der Ausdruck `wachsende Machtarroganz´

    Mittlerweile hat sich die in Bremen regierende SPD in der Wählergunst kontinuierlich nach unten entwickelt, regiert aber weiterhin völlig schmerzfrei am Wählerwillen vorbei.

    Ich bin nicht politisch, habe auch keine Parteipräferenz, ich stelle nur fest.

    Ich glaube Bremen ist verloren.

  • Unter der Nr. 73 hier im Strang kündigte ich das 30jährige Jubiläum des Abrisses der Senatsvilla an. Nun habe ich das glatt selbst verpasst, denn ich wollte noch einen Artikel aus der TAZ vom 4.4.1990 rechtzeitig zum 30.3.20 einstellen. Jetzt aber mit Verzögerung und zum gleichthemigen Beitrag BremerManns zu einem der größten Politskandale Bremens seit Kriegsende, der den Geschmack von Korruption und Bürgerbetrug aufkommen lässt.:

    „Bitte Senat, nimm das Gästehaus zurück“

    ■ Maritim wollte Gästehaus nicht mehr haben, dann schneller Abriß / CDU: Sondersitzung und Mißtrauensantrag gegen Kunick

    Der Abriß des Senatsgästehauses soll Konrad Kunick seinen Senatorenkopf kosten. Das will zumindest die versammelte Opposition. Nach FDP und Grünen legte sich gestern auch die CDU auf ein Mißtrauensvotum gegen den Bausenator fest. Fraktionsvorsitzender Peter Kudella gestern auf einer Pressekonferenz: „Das eklatante politische Versagen von Kunick ist innerhalb kürzester Zeit auffällig geworden.“

    Der „Tropfen, der das Faß zum Überlaufen brachte“, ist aber auch für die CDU Kunicks Geheimdiplomatie mit dem Abbruchbagger. Wie schon bei der Kostenexplosion beim Maritim-Kongreßzentrum fühlt sich die CDU beim Maritim -Gästehaus hinters Licht geführt. Kudella: „Einen solchen Machtmißbrauch gab es in der deutschen Nachkriegsgeschichte nur noch durch die Staatspartei in der DDR.“ Anlaß für die gewagte Parallele: Noch am 23. März war im Grundstücksausschuß der Antrag des CDU-Abgeordneten Günter Klein, den Abriß nicht zu vollziehen und mit Maritim neu zu verhandeln nicht befaßt worden. Begründung der SPD -Ausschußmehrheit nach Rücksprache mit dem Fraktionsvorsitzenden Claus Dittbrenner: Überflüssig, da ein ähnlicher Antrag der FDP-Fraktion im Mai der Bürgerschaft befaßt werde und es keine Eilbedürftigkeit gebe. Drei Tage später unterschrieb Bausenator Kunick die Abbruchgenehmigung. Kudella: „Die Parlamentarier wur

    den hinters Licht geführt.“

    Auch der CDU kommen die Geschäftbeziehungen zwischen dem Unternehmen aus Bad Salzuflen und dem Bremer Senat allmählich merkwürdig vor. Kudella: „Die Geschäftsbeziehungen nehmen ein Maß an Ungereimtheiten an, daß einen mehr als stutzig werden läßt.“ Doch mehr als Mutmaßungen über dunkle Geschäfte im Hintergrund hat die CDU bislang nicht. Deshalb will sie mit einer großen Anfrage herausfinden, welche Zusammenhänge zwischen dem

    Kongreßzentrum und dem Verkauf des Gästehauses bestehen. Damit eine möglichst große Öffentlichkeitswirkung dabei herauskommt, will Kudella eine Sondersitzung der Bürgerschaft beantragen.

    Dann kann sich das Parlament auch mit einer Aussage des Maritim-Bevollmächtigten Horst-Gerhard Schewelies auseinandersetzen, die dieser gestern gegenüber der taz machte. Zum Zeitpunkt des Abrisses der alten Villa hatte Maritim nämlich das Interesse an dem Objekt bereits weit

    gehend verloren. Da der Abrißantrag vom 22.12.1989 immer noch nicht beschieden gewesen sei, habe man bei Maritim bereits entschieden gehabt, dem Senat das Gästehaus zum Rückkauf anzubieten. Schewelies: „Wir haben gesagt: 'Bitte Senat, nimm das Gästehaus zurück.'“ Ein Erhalt des Hauses wäre also ohne größere Schwierigkeiten möglich gewesen. Nach Schewelies war das Interesse Maritims an dem Objekt ohnehin nie sehr groß. Nachdem der Senat zwei Jahre vergeblich versucht habe, das Haus zu ver

    kaufen, habe man schließlich „schweren Herzens angebissen.“ Der Biß erfolgte übrigens zu genau der Zeit, als die Qualitätsverbesserungen bei der Kongreßzentrumsausstattung vereinbart wurden. Schließlich die Begründung von Schewelies, warum der vereinbarte „pflegliche Umgang“ mit der historischen Bausubstanz zum Abbruch wurde: Eine Renovierung des Hauses wäre teurer gewesen, als Abriß und Neubau.

    Trotz Urlaubszeit beginnt es jetzt auch in der SPD-Fraktion zu rumoren. Die Abgeordnete Barbara Noack, die vom Ortsverein Schwachhausen beauftragt war, das Thema Gästehaus -Abriß in die Fraktion zu bringen, ist „unheimlich sauer.“ Noack: „Wieder Maritim und wieder so kurzfristig. Ich werde das nicht auf sich beruhen lassen.“ Und ein lieber ungenannter SPD-Parlamentarier kündigte an, daß in der Fraktion „die Fetzen fliegen werden.“ Vorwurf an Kunick: Der sei während des Abrisses einfach weggetaucht und für niemanden zu sprechen gewesen.

    Bürgermeister Klaus Wedemeier findet die Nacht- und Nebelaktion voll in Ordnung. Nachdem er am Montag vor kritischen Fragen davon gelaufen war, ließ er gestern schriftlich mitteilen, daß der Senat den Bau von Eigentumswohnungen begrüße, um den Wohnungsmarkt zu entkrampfen. Wedemeier: „Dies kommt schließlich auch sozial schwächeren Mietern zugute.“

    Holger Bruns-Kösters

  • Fährt man die Parkallee weiter, mündet diese in die Universitätsallee, an der - nomen est omen - die Universität Bremen liegt. Wir befinden uns im an Schwachhausen angrenzenden Stadtteil Horn-Lehe. Hinter der Universität liegt das Hollerland, ein Gebiet, dass vor Jahrhunderten von Holländern urbar gemacht worden war. Deshalb der Name.

    In den 50/60er Jahren sollte Bremen auf 800 000 bis 1 Million Einwohner wachsen. Dazu wurden Wohnungen gebraucht. Das Hollerland stand im Fokus. Treibende Kraft war hier das wohl mächtigste Bremer SPD-Mitglied Richard Boljahn, auch König Richard genannt, der es schaffte, den langjährigen und beliebten Bürgermeister Wilhelm Kaisen zu Rücktritt zu nötigen. König Richard war auch ein mächtiger Gewerkschaftler, der das damals größte Bauprojekt Europas. die Neue Vahr, anstieß. An Literatur Interessierte wird in diesem Zusammenhang bestimmt das Buch des gebürtigen Bremers Sven Regener: Neue Vahr Süd , bekannt sein. Bauherr der Neuen Vahr war die gewerkschaftseigene Neue Heimat, die den Architekten und Stadtplaner Ernst May für die Planung und Durchführung dieses monsterhaften Bauprojekts beauftragte.

    Schon öfter habe ich in verschiedenen Beiträgen den Verdacht geäußert, dass Korruption auch in Bremen ein wichtiges Schmiermittel zur Durchsetzung bestimmter Projekte sein könnte. Beweisen kann man das ja meistens nicht, das ist ja geradezu das Kennzeichen von Korruption. Manchmal dringt aber trotzdem was durch. Wie im Falle König Richards. Dass dann gerade besagter Richard Boljahn, dieses unverdächtige SPD-Urgestein mit Gewerkschaftsbezug ("für die kleinen Leute und Arbeitnehmer") in einen Baulandskandal verwickelt war - undenkbar.

    Zum korruptionsanfälligen König Richard und dem Bremer Baulandskandal hier ein Bericht von Radio Bremen, der uns zeigt, dass es auch im so anständigen sozialdemokratisch regierten Bremen Korruption gab (und evtl auch immer noch gibt):

    https://www.ardmediathek.de/radiobremen/pl…auland-skandals

  • Parkallee Nr. 149.

    Die Parkallee war mal als Prachtallee mit sehr großen Villen geplant und ausgeführt. Im Krieg wurden lediglich 2 dieser Villen zerstört. Die eigentlich Zerstörung - die Zweite Zerstörung - geschah nach dem Krieg. Eine etwas eigenartige Zerstörung einer dieser Villen konnte ich kürzlich in der Parkallee entdecken. Es geht um die Parkallee Nr. 149.

    Zu sehen ist eine Vorderfassade, die das Gebäude stilistisch in die 60er-Jahre legt. Die Dreiecke über den Fenstern sind offensichtlich einer Erinnerung an historische Architekturepochen geschuldet. Wäre, ja wäre da nicht das Fachwerk im Giebel, wie es in Bremen bei Gebäuden des Jugendstils und der Reformarchitektur angewendet wurde. Geht man an die rechte Seite, klärt sich das Ganze auf. Es handelt sich noch um das Originalgebäude, die Vorderfassade wurden durch kleinere Fenster verändert (das zeigt auch, wie wichtig die Fenster für die Fassadenästhetik sind).

    Es könnte sein, dass hier entweder aus stilistischen Gründen - das alte Erscheinungsbild interessierte nicht mehr, es sollte moderner werden - oder aus Heizungsgründen diese unpassenden Fenster ausgewählt wurden, auch Lärmschutz will ich nicht ausschließen.

  • Geschmacklos und unverständlich. Vielleicht kann man die Vorderfassade mal wieder im Sinne der alten Proportionen umgestalten.

  • Vordere Wachmannstraße

    Über die baulichen Veränderungen in der vorderen Wachmannstraße, einer Parallelstraße zur Parkallee, habe ich schon mal berichtet (#62/#64). Das Schwachhausen Archiv stellte mir jetzt wieder einige Bilder zur Verfügung, die ich hier im Forum gerne mit den anderen teilen möchte.

    Früher

    Heute

    Die letzten zwei Altbremer Häuser an diesem Streckenabschnitt

    Hier nun die Abrisskandidaten in den 70er-80er-Jahren

  • Das Problem bei so einer dichten nicht eingepassten Bebauung ist, dass es kaum Chance auf Besserung gibt. Derjenige, der hier einen Abriss vollzieht, wird natürlich mit den gleichen oder mehr Flächen rechnen, die er bewirtschaften kann. Es gibt kaum Beispiele, wo eine Verdichtung zurückgesetzt wurde, auch von regulatorischer Seite. Ich wüsste nicht einmal, ob dies möglich ist. Deshalb ist auch jedes Hochhaus eine dauerhafte Prägung des Stadtbilds, die praktisch unumkehrbar ist.

  • Das Problem bei so einer dichten nicht eingepassten Bebauung ist, dass es kaum Chance auf Besserung gibt. Derjenige, der hier einen Abriss vollzieht, wird natürlich mit den gleichen oder mehr Flächen rechnen, die er bewirtschaften kann. Es gibt kaum Beispiele, wo eine Verdichtung zurückgesetzt wurde, auch von regulatorischer Seite. Ich wüsste nicht einmal, ob dies möglich ist. Deshalb ist auch jedes Hochhaus eine dauerhafte Prägung des Stadtbilds, die praktisch unumkehrbar ist.

    Dem kann ich nur zustimmen, Majorhantines - und ergänzend hinzufügen: Und der Baustil, mit dem sich die meiste Fläche generieren lässt, ist die Moderne. Dabei ist sie auch noch kostengünstig, es fallen für die Gestaltung der Fassaden keine weiteren, die Baukosten hochtreibenden Investitionen an, Bauteile können vorher schon gefertigt werden, was die Bauzeit verkürzt und wirtschaftlicher ist und sie liefert einen theoretischen Überbau, der, von der letztlich ökonomisch motivierte Gestaltung ablenkend, die neue Architektur in einen bauphilosophischen Kontext stellt: Reduktion auf das Wesentliche! Dadurch wird die Verschandelung ganzer Stadtteile neu konnotiert und überhöht zu einer bewussten, der neuen Zeit verpflichteten und alte Zöpfe abschneidenden Gestaltung

    Zur Information: Ich habe meinem Beitrag #88 - gleich am Anfang - noch ein historisches Foto der Wachmannstraße hinzugefügt. Dadurch fällt der Vergleich mit der heutigen Situation leichter.