Abrißstadt Bremen: Parkallee + Nebenstraßen

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    • Städtebauliches Tabula Rasa entsprang vielerlei Quellen ...

      Heinzer wrote:



      Dieser Aspekt der eben nicht geradlinig zu machenden Verknüpfung von links = gleich böse für alte Häuser und rechts = gut wird hier aus meiner Sicht bei aller berechtigten Kritik an manchen Auswüchsen und Folgen der Studentenbewegung gerne ausgeblendet. In Bremen waren etwa CDU, FDP, Teile der "alten", konservativen Nachkriegs-SPD und Handelskammer FÜR die Mozarttrasse, die eine brutale Zerstörung eines der heute beliebtesten und schönsten Bremer Altbauviertel zur Folge gehabt hätte (es folgten erbitterte Kriege in Zeitungen, Zeitschriften und im Parlament und es gab noch in den 90er Jahren konservative Politiker, die die Nichtrealisierung des Tangentenvierecks um die Bremer Innenstadt für den größten politischen Fehler der vergangenen Jahrzehnte hielten), während die bürgernäheren, ja moderneren linkeren Teile der SPD zusammen mit den frühesten Gruppierungen, die man später Grüne nennen würde GEGEN die Abrisspolitik waren.

      Mal wieder ist es alles nicht so einfach, wie es sich manche machen wollen...



      Da stimme ich von ganzem Herzen zu.
      Soweit es "links" - was immer das sein soll - ist, ein Defizit bzw. einen Vorbehalt gegenüber einer vermeintlichen Verschwendung zu konstatieren die den Altbauten innewohnen würde, soweit war es "rechts", der Parole "Freie Fahrt für freie Bürger" zum Durchbruch zu verhelfen. Zu der Aufzählung möchte ich noch Hamburg-Ottensen hinzufügen, ursprünglich ein Dorf, in der Phase der Frühindustrialisierung zu einem dichtbesiedelten Stadtteil erwachsen, in seinem Südteil zur Elbe hin sogar mit noch schönerer und ästhetisch üppigerer Bebauung und den nachfolgenden Plänen, daraus eine Bürostadt a la City Nord wie nördlich des Hamburger Stadtparks zu machen. Selbstverständlich mit sechsspurigem Autobahn-Zubringer und einem vier- bzw. sechsspurigen Hochstraßenkreuz anstelle von jetzt glücklicherweise gebliebenen zweispurigen Straßen.

      In Hamburg hieß die Initiative Bürgerinitiatve Verkehr Ottensen, BIVO, nicht weit entfernt von der BIRL, Bürgerinitiative Rettet Lübeck und jener Initiative ggen die Mozarttrasse in Bremen.
    • OK, dann weiter mit der Parkallee.
      Das Bild der Parkallee 115 habe ich aus dem Buch des früheren Denkmalpfleger Hans-Christoph Hoffmann: "Erforschen, Pflegen, Schützen Erhalten" entnommen. Hoffmann beklagte, dass das Haus Parkallee 115 während der Beratungen über die Bremer Denkmalliste 1973 abgebrochen wurde. Im Bauamt hatte man zwar schon die vorläufige Denkmalschutzliste, winkte den Abbruch dann aber doch einfach durch. Der Abriß dieses Prachtbaus hätte verhindert werden können.
      Architekt und Bauherr war Albert Dunkel, der in Bremen bedeutende Bauwerke geschaffen hatte. Der erste Eigentümer war Konsul Johann Friedrich Hackfeld.

      Zum Bild: Auf den Fenstern steht "Dieses Haus wird abgerissen" und "Veto heute". Das lässt sich wohl so interpretieren, dass es von Seiten der Bevölkerung Widerstand gegen den Abriß gegeben hatte.
      Auf dem Schild vorne ist verschwommen der Name Bongartz zu erkennen. Bongartz war ein Bremer Immobilienmakler und Bauentwickler, der in den 1990er Jahren verstarb. Wahrscheinlich hatte er den Abriß sowie den Neubau vorangetrieben.


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    • Hier der Nachfolgebau Parkallee 115. Wir erkennen 4 Etagen auf der Vorderseite, 4 Wohnungen befinden sich vorne, weitere 4 im hinteren Teil, macht acht (Eigentums-)Wohnungen. Der wirtschaftliche Aspekt des Abbruchs als Motiv steht wohl außer Frage. Oder gibt es jemand, der das Hohelied der Moderne anstimmen möchte nach dem Motto: Jede Zeit braucht ihren Ausdruck.

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    • In einem Interview äußerte sich am 16.3.91 der bereits erwähnte Immobilienmakler Michael Bongartz in den Bremer Nachrichten. Seine Einschätzungen sind deshalb interessant, weil Sie nicht bremenspezifisch sind sondern für die gesamte Immobilienbranche stehen. Bemerkenswert seine Ausführungen am Ende (siehe unten): Entweder man zersiedelt den Stadtraum und verschwendet damit Ressourcen oder aber man "bemüht" sich um "humane" Verdichtung des bestehenden Siedlungsraumes, auch wenn dabei ästhetische "Kompromisse" zu machen sind. Die Botschaft ist klar: eine "bemühte" und "humane" Immobilienwirtschaft zeigt sich "kompromissbereit". Eine weitere Botschaft ist, dass es nicht um, wie immer wieder von Architekten gefordert, "zeitgenössische" Architektur geht, sondern um ökonomische Aspekte. Das Stadtbild interessiert lediglich, wenn es um das eigene Haus geht.

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    • Absender: Landesamt für Denkmalpflege - Der Landeskonservator -


      Wie könnte sich der Abrisskrimi zugetragen haben. Eventuell folgendermaßen:


      Die Baubehörde bekommt vom Architekten Wolf einen Brief vom 03.01.1973 mit der Bitte um eine Abrissgenehmigung.
      Die Baubehörde sieht in die bestehende Denkmalliste. Da steht Parkallee 115 nicht drin.
      Da genehmigt die Baubehörde den Abriss am ? ohne irgendwelche Auflagen.

      Am 07.04.1973 erscheint in den Bremer Nachrichten ein Artikel:junge Liebe zu "alten Kästen"
      Ein Leser GIBT dem Denkmalamt den Tipp, dass die Parkallee 115 abgerissen werden soll und vermerkt das Rokoko-Teil.

      Da erst schaltet sich das Denkmalamt ein mit Brief vom 09.04.1973 und verweist auf die vorläufige Denkmalliste, die aber noch nicht in Kraft
      ist, aber der Baubehörde schon vorgelegen hat.

      Dann sieht auch die Baubehörde, dass sie jetzt handeln muss.
      Mit Schreiben vom 10.04.1973 erteilt sie ein Verbot für den Abriss.

      Als dann die schützenswerten Teile geborgen sind, ist das Haus frei für die Abrissbirne.
      Wäre der Abrissantrag etwas später gekommen und wäre dann die Denkmalliste schon in Kraft gewesen, ja, dann stände das Haus heute womöglich noch.

      Irgendwie bleibt der Eindruck, da haben bestimmte Personen geschlafen und es ist schiefgegangen, was nur schiefgehen kann. "ABRISS AUS VERSEHEN" sozusagen!
      Später wird der Landeskonservator erklären, dass während der Beratungen über die Denkmalliste das Gebäude abgerissen wurde (siehe oben).

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    • JETZT geht es hier weiter mit der Parkallee 83 - 85.

      Das Doppelhaus war durch Kriegs-Bomben ausgebrannt d. h., die Außenwände standen noch,
      das Dach war zerstört, aber man hätte es wieder herrichten können.
      Das Architekturbüro Morchel-Henke-Hodde stellt am 12.12.1953 eine Bauvoranfrage, um auf Basis des
      Altbaus einen Neubau zu erstelle, mit 20% Baukostenersparnis
      (siehe Antrag weiter unten).
      Die Antwort vom Bauamt vom 28.01.1954 ist positiv. Das, was beantragt wurde, wird jedoch nicht
      ausgeführt.
      Stattdessen wird irgendwann ein "ordentlicher Kasten" hingesetzt.

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