Kurioses und Skurriles

Die Wahl des Gebäudes des Jahres 2020 findet statt. Bis 28.02. habt ihr Gelegenheit abzustimmen. Vereinsmitglieder schauen mal in ihrem Email-Postfach nach, Forenmitglieder können hier im Forum auf Abstimmung des Gebäudes 2020 abstimmen.
  • Wie schon aus dem Artikel hervorgeht, werden diese sog. Nagelhäuser im ganzen Land wacker verteidigt.

    Der Wikipedia-Artikel mit weiteren Beispielen dazu ist lesenswert:


    https://de.wikipedia.org/wiki/Nagelhaus


    Im Englischen heißen solche Häuser "Holdouts", teilweise konnten sie erhalten werden, nicht hübsch, aber doch sehr skurill:


    Wickham%27s_Department_Store_Mile_End_Road.jpg

    https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en by SilkTork



    Macy%27s_Herald_Square_LC-USZ62-123584.jpg

    (gemeinfrei)


    In Ibbenbüren (dem westfälische Abrissmekka) gibt es auch ein Beispiel für ein Holdout-Haus, die Rosenapotheke am Unteren Markt.

    Ibbenbueren_Rosen-Apotheke_01.jpg

    https://en.wikipedia.org/wiki/GNU_Free_Documentation_License by J.-H. Janßen


    Im Hintergrund das Magnus-Kaufhaus, früher Overmeyer. Overmeyer hat in den 70ern bei der Erweiterung des Kaufhauses intensiv und öffentlichkeitswirksam versucht, die kleine Rosenapotheke abzureißen um die fehlende Ecke des Kaufhauses schließen zu können. Overmeyer/Nückel/Magnus ist mitlerweile fast auf den Tag genau sett 10 Jahren abgerissen (die Fläche liegt seitdem brach) doch die Rosenapotheke hält sich bis heute tapfer.

    Overmeyer um 1900, einen Haushaltsladen gibt es dort durchgehend seit 1840, das alte Ackerbürgerhaus aus dem 18. oder gar 17. Jahrhundert wurde, wie es für Ibbenbüren selbstverständlich ist, für die Erweiterung abgerissen, das Haus rechts der Rosenapotheke ist Kaufhaus Overmeyer:


    22_09_unterer_markt_1905_700.jpg


    (gemeinfrei)

    Links wurde vor wenigen Jahren übrigens das älteste Haus der Stadt abgerissen, das zweistöckige Giebelhaus, das im Kern von Sechzenhundertirgendwas stammte. Heute sind links vielleicht noch zwei alte Häuser erhalten. Ohne Kriegszerstörung oder Verfall.

    Hier noch einmal Overmeyer kurz vor dem Beginn des großen Umbaus. Die anderen Häuser stehen selbstredend auch nicht mehr. Zu viel Geld kann auch sehr arm machen. Bereits 1949 wurde das Erdgeschoss entkernt und ein einziger großer Raum ist entstanden, zusammen mit den beiden Schaufensterbögen links und rechts des ehemaligen Dielentores.


    Zur Geschichte mit vielen Artikeln aus allen Zeiten zu Overmeyer:


    http://www.stadtmuseum-ibbenbu…schichte_aufsaetze_49.htm


    Img0054_4_unterer_markt_overmeyer_700.jpg

    Foto: Sammlung Klaus Dreverhoff

  • In Offenbach musste seinerzeit das Off-City-Center mit dem Cinemaxx-Kino um ein Gründerzeit-Haus herum gebaut werden, dessen Eigentümer nicht verkaufte. Das fällt als "Nagelhaus" nicht so auf, weil das Haus in der Straßenflucht steht. Das Off-City-Center hat sich mittlerweile als eine der typischen Problemimmobilien entwickelt. Eigentlich wissen wir das alles vorab, im Jahrzehnte lang von der SPD regierten Offenbach waren die verantwortlichen Politiker aber nie so weitsichtig. (Siehe hier)


    Es gibt dort aber ein noch weit "auffälligeres" "Nagelhaus", wenn man sich denn einmal in den Hinterhof des Komm-Einkaufscenters am Aliceplatz (eine weitere Problem-Großplanung; siehe hier und hier) verirren sollte. Ein Fachwerkhaus-Eigentümer verkaufte seinerzeit nicht. Somit ist das kleine Häuschen nun von drei Seiten von den hohen Betonbrandmauern des Einkaufscenters umbaut. Man kann das auf Luftbildern gut sehen. (Siehe hier, das kleine Häuschen rechts der Bildmitte)

  • Urherberrecht... gute Frage! ich habe es mit Screenshot "geholt" und entsprechend bearbeitet. Leider finde ich es bei Instragram nicht wieder...


    Aber immerhin hast Du ja den Standort bzw die Quelle gefunden. Klasse!!!!!

  • Bei meiner heutigen beruflichen Tour durchs Ruhrgebiet stand ich an einer Ampelkreuzung und entdeckte diese zwei interessanten Häuser:


    Bild vom 21. 10. 2020, von mir.


    Bei ersten Anblick musste ich lachen, aber dann fand ich es nur noch traurig. Einerseits tut es mir um das linke Haus sehr leid. Einen amputierten Eckturm, dazu noch mit hässlichen Kunststoffplatten verkleidet. Völlig entstellt.

    Das rechte Haus bräuchte dringend mal einen neuen Anstrich, das Unkraut sollte entfernt werden und die Fenster könnten auch mal einen feuchten Lappen vertragen...


    Aber leider war dieser Anblick kein Einzelfall!!! Das gesamte Ruhrgebiet, von Dortmund bis Duisburg und von Datteln bis Bochum, Essen und Recklinghausen steht voll mit alten, zum Teil sogar seeehr alten Häusern. Aber niemand, oder zumindest wenige Personen vor Ort kümmern sich um diese "Schmuckkästen". Weil einerseits das Geld fehle, aber andereseits auch kein Interesse da ist. Über die Besitzer möchte ich an dieser Stelle lieber kein Wort verlieren ... Das gäbe nur wieder Diskussionen.


    Wir hier im Forum freuen uns über das wiederaufgebaute Berliner Schloss, die FfM - Altstadt, Dresden, etc.. aber hier im "Pott" ist noch sooo viele originale Substanst, die vergammelt, verstümmelt wird und irgendwann nur nocjh abgerissen werden kann. Deutschland ist an einem Punkt der Gleichgültigkeit angelangt, die immer noch extremer wird. Auf der einen Seite Geld, Macht, Neubauten und Rendite - Kisten, auf der anderen Seite Armut, Arbeitslosigkeit, 0815 - Siedlungen, herruntergekommene Häuser, aber die sogenannte "Grauzone"? Sie wird immer kleiner!


    :gutenacht: Deutschland


    Abschließend noch etwas zum Schmunzeln (obwohl es traurig ist):



    Das rechte Haus "neigt" freiwillig schon seinen Giebel zur Seite, da sein häuslicher Nachbar leider inzwischen nicht mehr so hübsch ist wie vor 100 Jahren. Fazit: Finger weg von Schönheits - Chirurgen ablachen:)

  • Ich weiß nicht so richtig ob ich hier im passenden Strang bin, aber interessant ist diese Meldung durchaus: Offenbar scheint Herr Putin an der Schwarzmeerküste einen riesigen Palast zu besitzen, dessen Luxus an die Zeit der Romanows erinnert. Das "Konzept Versailles" ist einfach nie out. :biggrin:

    >> Link zur Bild

  • Für die folgende Meldung hätte ich eigentlich einen neuen Strang namens "Irrsinn", "Totalitäre Versuchungen" o.ä. eröffnen müssen.

    Der Focus und die "Welt" berichten über das offenbar bevorstehende Verbot von Neuerrichtungen von Einfamilienhäusern in Hamburg (!). Das könne zudem bundesweit eine Signalwirkung haben:

    Im Bezirk Hamburg-Nord herrscht Flaute beim Bau von Einfamilienhäusern. Zu dem Teil der Hansestadt gehören etwa Eppendorf, Fuhlsbüttel und Langenhorn. Verantwortlich für die Entwicklung ist Werner-Boelz, wie die „Welt“ berichtet. Der Grünen-Politike ist seit Februar 2020 Bezirksamtschef im Hamburger Norden. Boelz sorgt dafür, dass in seinem Bezirk eine Vorgabe aus dem rot-grünen Koalitionsvertrag von 2020 strikt umgesetzt wird. Darin vereinbarte die Politik, keine neuen Einfamilienhäuser mehr zuzulassen. Hintergrund des Verbots: Der Gebäudetyp ist bei der Energienutzung ineffizient und braucht zu viel Platz. So sieht das der Senat der Hansestadt. (…) Aufgrund all der Daten und Vorgaben tendieren Kommunen und Architekten dazu, auf neuen Bauflächen möglichst viele kompakte Wohnformen unterzubringen.

    So so, „kompakte Wohnformen“? Könnte das vielleicht eine Renaissance des Plattenbaus werden? Die Frage ist nur, ob die öko-sozialistischen Kollektivierer aus der Hamburger Politik-Elite und die örtliche linksgrüne Schickeria demnächst mit gutem Beispiel voran gehen werden??

    :gehtsnoch::gehtsnoch:

  • Das ist aber keine Neuheit, sondern eine alte Position "grüner" Politik. Eine Freundin hat sich vor sicher mindestens 20 Jahren mit Tarek Al-Wazir von den "Grünen" unterhalten. Dabei, so erzählte sie mir, hätte er für den Bau großer Hochhaus-Block-Siedlungen plädiert. So könnte Fläche eingespart werden. Das war aber übrigens das einzige Interesse an Ökologie, dass sie damals bei ihm feststellen konnte. Sein Fokus lag vielmehr auf der Einwanderungsgesellschaft, so ihr Bericht.


    Um die Wählerschaft nicht zu sehr zu verschrecken, dürfte das heute mit blumigen Worten und einigen Efeu-Girlanden an der Fassade schmackhaft zu machen versucht werden.


    Für die Hamburger, die sich ein Einfamilienhaus leisten möchten, dürfte aber die Hansestadt in den allermeisten Fällen ohnehin mittlerweile zu teuer geworden sein, vermute ich. Schon die Preise werden die Suche im Umland (z.B. Pinneberg?) sinnvoller machen. So lange dort nicht "grün" regiert wird. :zwinkern:

  • Ich bin zwar wahrhaftig kein Grüner, aber solangsam finde ich reicht es schon mit den Neubaugebieten. Gerade in Westdeutschland bestehen doch manche Ortschaften so gut wie nur noch aus Siedlungen ab 1945. Diese "Zersiedelung" geht teilweise so weit, dass die Dörfer dadurch sich immer näher kommen und teilweise schon ineinander übergehen... Gerade in der Region Stuttgart, in NRW, Rhein-Main-Gebiet, Rhein-Neckar aber auch im Saarland... habe ich das bemerkt schon heftig! Deutschland ist so dicht besiedelt wie kaum ein anderes Land auf der Erde! Es braucht wirklich nicht jeder ein NEUES EFH, zuerst sollten die Leute, wenn es in der Gemeinde alten Hausbestand gibt, der heruntergekommen ist, diesen sanieren. Das wäre dann wirklich nachhaltiger als jedes Jahr neue (gesichtllose) Häuser zu bauen (auch wenn die meisten ein Satteldach haben sehen die doch alle gleich aus). Da sollte der Staat wirklich was machen, eine Prämie erteilen oder was weiß ich, Anreize jedenfalls schaffen, damit unser Baukulturerbe nicht weiter verfällt statt den Siedlungsbrei noch zu fördern...


    Moderation:


    Daraus ergaben sich zwei Diskussionen:


    Zersiedlung der Landschaft


    und


    Stadtplanung