Nürnberg - Hauptpost

  • Quote from nordbayern.de

    Historiker Gulden erkennt am geplanten Abriss ein „allgegenwärtiges Problem“: Investoren stülpten ihre Pläne vorhandenen Objekten einfach über, statt zu schauen, was man aus der Substanz machen könne.


    Das ist der Kern. Selbst wenn die Fassade erhalten bliebe, wird der Rest des Gebäudes durch ein 08/15-Betondingens mit Wärmedämmung ersetzt. Natürlich industriell gegossen anstatt handwerklich aufgemauert. Eine Vielzahl von Gebäuden, auch aus späteren Epochen (v.a. den 50ern) verdienen es, über eine Umnutzung nachzudenken. Es bleibt zu hoffen, dass möglichst viel von diesem stadtbildprägendem Bau erhalten bleibt.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Die Bausubstanz ist ja hervorragend erhalten, die Räume sind groß, hell, und auch der Denkmalschutz macht vermutlich nur wenig Probleme, da er ja nur Fassade und Stiegenhaus erhalten will. Ein 90-Prozent-Neubau erscheint ja wesentlich teurer als die Erhaltung. Aber natürlich: Gerade an einer so markanten Ecke wäre ein repräsentativer Neubau höchst wirkungsvoll. Und eine 30er-Jahre Fassade mit zweigeschossiger Aufstockung, Glasvorbauten, neuer Hoffassade, etc... geht ja schon fast als repräsentativer Neubau durch. Hoffentlich können die Altstadtfreunde sich durchsetzen.

  • In dieser ohnedies geschundenen Stadt sollte man denken, dass zumindest die Vorkriegsbauten mit interessanter Geschichte erhalten werden können. Denkmalschutz hat einmal wieder geschlafen und stellt lieber Nachkriegskuben vorrangig unter Schutz. Nürnberg, das nun wahrlich keine Schönheit ist, sollte sich das gründlich überlegen, aber wahrscheinlich holt der Investor ordentlich mehr Rendite mit Abriss und Billigneubau heraus. Da ein Hotel sich nach 15-20 Jahren spätestens gerechnet haben muss, wird die Qualität entsprechend nach Abschreibungsarchitektur aussehen.


    Die Altstadtfreunde sind der Tropfen auf den heißen Stein.

  • In Nürnberg steht an prominenter Stelle ein empfindlicher Eingriff in das Stadtbild bevor: Der Kopfbau der Hauptpost, zugegebenermaßen nicht der schönste Bau des 20. Jahrhunderts, aber wohl ein einzigartiger Bau des 20. jahrhunderts soll nach dem Willen des Münchner Immobilienentwicklers Hubert Haupt abgerissen und durch ein Hotelhochhaus oder einen Büroneubau ersetzt werden.


    Die Stadtbildinitiative Nürnberg hat wichtige Argumente für einen Erhalt des Kopfbaus zusammengetragen und tritt nun dafür ein, die Stadt Nürnberg und den Investor für den Erhalt des Kopfbaus aufzufordern:


    http://stadtbild-initiative-nuernberg.de/?page_id=190


    Zeitgleich wurde heute die Petition gestartet, die sich an den Nürnberger OB und den Stadtrat wendet, um hier die Weichen in die richtige Richtung zu stellen:


    https://www.openpetition.de/pe…s-nurnberger-wahrzeichens


    Wer der Meinung ist, dass man ein so einzigartiges Gebäude, an dem die Baugeschichte der Weimarer Zeit, des Nationalsozialismus und der Wiederaufbaujahre so gut ablesbar ist, nicht einfach für ein banales und auf Profit maximiertes Hotelprojekt hergeben darf, der schließe sich der Petition an den OB an. Denn der Nürnberger OB braucht Druck, um aktiv zu werden.


    Es geht um den Bau rechts:

  • Armes Nürnberg, hat nur die Wahl zwischen diesem langweiligen Bunker und einem modernistischen Hochhaus. :weinenstroemen:

    " Dem Wahren, Schönen, Guten "

  • Hmm... Ich habe zwar die Petition unterschrieben (einfach aus Prinzip), aber in dem Fall bin ich nicht sicher, ob der Erhalt das Sinnvollste wäre. Das Gebäude ist so ästhetisch anspruchslos und banal, dass das Argument "sonst kommt womöglich eine Bauhauskiste" wirklich nicht zieht ^^ Der Platz vorm Bahnhof ist doch eh so grau und schirch, ich glaube ein Neubau mit einer die gegebenen Dimensionen nicht völlig sprengenden Höhe täte ihm gut. Und ein bisschen Begrünung!

  • "Schiach" nicht "schirch".

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Nachdem die Petition der Stadtbildinitiative-Nürnberg leider nur wenige Menschen für den Erhalt des Postbaus am Hauptbahnhof gewinnen konnte, wird das wohl nun das Ergebnis des Architektenwettbewerbs erledigen. Der Gewinner des Wettbewerbs:



    Beitrag 1003, Entwurf: Max Dudler, Berlin:



    Ebenso den ersten Preis erhalten hat
    Beitrag 1001, Entwurf Weber Auer GmbH, München:



    Es gab nur einen Vorschlag, der einen Erhalt des historischen Kopfbaus vorgesehen hat:


    Beitrag: 1007, Entwurf: Morger + Dettli Architekten AG, Basel:




    weitere Entwürfe im DAF: http://www.deutsches-architekt…php?p=487262&postcount=44


    Ich finde die Entwürfe sind gut geeignet die Erhaltungswürdigkeit des Kopfbaus zu unterstreichen.

  • Ehrlicherweise hätte ich mich sehr gewundert, wenn auch nur ein Neubauentwurf annähernd die Qualität des Baus der frühen Moderne gehabt hätte. Dudler ist ja schon öfter durch unpassende Entwürfe aufgefallen. Ich hoffe, dass sich das Blatt in Nürnberg noch wendet, wäre wirklich schade um diesen doch sehr schönen Bau neben dem Hauptbahnhof. Eine ähnliche Situation von Gründerzeitbahnhof und Hochhaus der frühen Moderne kenne ich sonst nur aus Aachen.


    Wie ist denn die Stimmung in Nürnberg? Gibt es noch Gegenwind gegen den Abriss?

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Nach den Entwürfen war der Wettbewerb war mal wieder ein Griff ins Klo. Auer und Weber könnten, wie ZeitMaschinist richtig anmerkt, aus den 70ern stammen. Mit all den Fehlern die man damals auch schon bewusst gemacht hat - diffuse Erdgeschosssituation, die dem Platz keinen Halt gibt, ansonsten Rastereinerlei, die asymmetrische Flachdachsituation auf dem kleineren Bau ... städtebaulicher Müll vom Feinsten - in 30 Jahre spätestens wieder ein Abrisskandidat. Halt! man hat sich immerhin an die Traufkante des Altbaus gehalten - ein recht schwacher Trost für den Rest aber immerhin^^. Da gefällt mir Dudler etwas besser, aber der Entwurf ist viel zu grob, elegant geht anders; bei Morger und Dettli ist natürlich lobend zu erwähnen das sie den Bau aus den 30er erhalten wollen, aber das ist auch schon das einzig Gute.
    Ansonsten fällt noch Wandel Lorch auf, der den Altbau fortführt, aber dann am hochhausartigen Anbau scheitert; Bär Stöcker Stadelmann Architekten und Ortner & Ortner Baukunst haben ihre Würfel in der Kubatur etwas aufgelockert. Und was Kohlmayer Oberst Architekten abgeliefert hat geht ja mal gar nicht. Schämen sich die eigentlich nicht so etwas zu präsentieren?? das ist nochmals 10 Jahre vor Auer und Weber, 60er Jahre Architektur aus Stuttgart. :augenrollengruen:
    Wäre interessant wie die restlichen Entwürfe aussehen, die nothor nicht fotografiert hat - aber wahrscheinlich waren die gezeigten schon die besseren, obwohl das Niveau ja eigentlich nicht recht viel tiefer sinken kann.

  • Es gab nur 16 Beiträge, allerdings wurden einige teils sehr ausführlich präsentiert, mit mehreren Perspektiven. Aber was nutzt es, wenn es im Innenhof akzeptabel ist, wenn man außen von Bauklötzen erschlagen wird. Viele einzelne Entwürfe haben die eine oder andere gute Idee, aber keiner ist wirklich gelungen. Vermutlich scheitern sie alle an der Vorgabe, die geforderte Quadratmeterzahl bei einer Maximalhöhe von 40 Metern zur verwirklichen. Die meisten verlieren sich dann ein einem Gewirr aus Kuben und Quadern oder geben sich gar keine Mühe und schaffen einen monolithischen Riegel. Einige Entwürfe wie 1001, 1005, 1008, 1009 und 1012, 1013, 1014 und 1015 sind zum fremdschämen. Architektursprache der längst überwundenen 70'er Jahre.

  • Die von "nothor" in Beitrag 17 verlinkten Entwürfe sind alle sehr schwach. Da sind der Entwurf von Dudler und das 60er-Jahre-Retro-Gebäude von Weber Auer wirklich noch besser. Zwar ist die alte Hauptpost keine Perle der Architektur, aber unter diesen Umständen ist ein Erhalt das beste. Insofern kommt hoffentlich der Kompromiss-Vorschlag von Morger + Dettli durch.

  • (...) ...aber unter diesen Umständen ist ein Erhalt das beste. Insofern kommt hoffentlich der Kompromiss-Vorschlag von Morger + Dettli durch.


    Bitte nicht! Bei dieser Variante bleibt der Altbau zwar erhalten, dafür bekommt Nürnberg aber einen Hochhausklotz nach Art der Hamburger "City Hochhäuser ".


    Je länger ich mir die Visualisierung von Dudler ansehe, desto besser gefällt mir die Idee. Das gelbliche Fassadenmaterial sieht nach einem hochwertigen Stein aus. Die abgerundeten Gebäudeteile an der oberen Kante sind ganz nett. Wenn ich mich nicht täusche, sind sogar Kolonnaden im Erdgeschoss. Der Entwurf hat den Wettbewerb zu Recht gewonnen. Dagegen verstehe ich es überhaupt nicht, daß Weber Auer ebenfalls den ersten Preis gewonnen haben.