MK9 am Postplatz - Neubauten an der Wallstraße (im Bau/in Planung)

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    • Ich kann mich nur Erbse anschließen und frage ich mich insbesondere beim Haus Merkur 2 warum die Fassaden mit den massiven Balkonen, die wie zu groß geratene Briefschlitze wirken, so genehmigt worden sind. Haben die heutigen Architekten eigentlich totale Narrenfreiheit? Das ist ja schlimmer als jeder DDR-Plattenbau! Wenigstens verbirgt das recht gelungene "Haus am Postplatz" optisch die neuesten Bausünden, vom Zwinger aus werden die Besucher den Schrott nicht sehen müssen.

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    • Bismarck# wrote:

      Ich kann mich nur Erbse anschließen und frage ich mich insbesondere beim Haus Merkur 2 warum die Fassaden mit den massiven Balkonen, die wie zu groß geratene Briefschlitze wirken, so genehmigt worden sind. Haben die heutigen Architekten eigentlich totale Narrenfreiheit? Das ist ja schlimmer als jeder DDR-Plattenbau!
      Ich muss wohl wieder einmal daran erinnern, dass Dresden die wahrscheinlich unfähigste Stadtführung Deutschlands hat. Das Ganze erreicht im Stadtplanungsamt seinen Höhepunkt.
      Wir dürfen uns also noch auf viele hübsche Betonbunker freuen.
      Wenn man sich vergleichend Bilder vom alten Dresden anschaut, kann man sich eigentlich nur noch erschießen.
    • Bismarck# wrote:

      Aus der Luftperspektive wird auch nicht einmal deutlich dass das "Haus am Postplatz" die schlimmsten Bausünden optisch verbirgt.
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      Einen guten Teil des Elends zu verstellen, ist tatsächlich der größte Verdienst dieses Gebäudes. Die "Mary Ann Apartments" können auch nicht schnell genug wachsen. Jeder Blick auf diesen gestrandeten Container namens Residenz am Postplatz ist ein Ärgernis. Es ist immer wieder unfassbar, welchen Schrott sich Dresden in die Innenstadt bauen lässt. Immerhin der zweite Knerer Entwurf konnte von der Gestaltunskommission entschärft werden, ich glaube sonst hätte ich diese ganze Ecke in Zukunft boykottiert.
    • Mattielli wrote:

      Ich muss wohl wieder einmal daran erinnern, dass Dresden die wahrscheinlich unfähigste Stadtführung Deutschlands hat.
      Ich habe eher den Eindruck, dass manche Dresdner zu übertriebenem Pathos neigen. Tatsächlich ist Dresden eine ganz normale deutsche Stadt - Stauffer hat schon drauf hingewiesen - mit Licht- und Schattenseiten.

      Ich finde die "güldenen" Balkonverkleidungen gar nicht so unpassend für Dresden. An den beiden Häusern stört mich mehr das trostlose Grau, das die "güldenen" Fassadenelemente umgibt. Dann das Haus Postplatz mit seinen hellen Ziegeln und die rötlichen Schiffscontainer - da entsteht schon ein eigenwilliges Ensemble. Aber das Schlechteste, was in den letzten Jahren in Deutschland gebaut wurde, ist es sicher nicht. (Mancher wird jetzt seufzen: Leider!)

      Etwas praxisfern erscheinen mir Bismarcks# Überlegungen bezüglich Sichtbarkeit vom Zwinger. Wenn ich vor dem Zwinger stehe, dann habe ich nur Augen für diesen. Oder ich wende meinen Blick in Richtung Residenzschloss und Taschenbergpalais. Da ist so viel Schönes, an dem man sich nicht satt sehen kann. Die Neubauten stehen an der Straßenbahnhaltestelle "Postplatz". Das ist die wichtigste Straßenbahnhaltestelle Dresdens. Sie hat große Bedeutung für die ÖPNV-Anbindung des historischen Zentrums. Insofern wäre es schwierig, einen Bogen um die Neubauten am Postplatz zu machen.

      Mattielli wrote:

      Wenn man sich vergleichend Bilder vom alten Dresden anschaut, kann man sich eigentlich nur noch erschießen.
      Ginge es um eine andere Stadt, so würde ich dir jetzt die Nummer eines Beratungstelefons nennen. Inzwischen kenne ich dieses übertriebene Pathos aber schon. Falls es doch ernst gemeint sein sollte, bieten sich in Dresden einige Alternativen zur psychologischen Betreuung. Du kannst zum Beispiel auf den Neumarkt, auf die Brühlsche Terrasse oder ins Residenzschloss gehen. Du könntest die Putten im Zwinger zählen. Das lenkt ab. Du könntest die Elbwiesen entlang spazieren gehen. Das beruhigt die Nerven. Du könntest einen Ausflug nach Pillnitz machen. Betrachte das Ganze einfach mal andersherum, Mattielli! Hässliche Neubauten gibt es überall in Deutschland. Dresden hat da immer noch den Vorteil seiner herrlichen Lage im Elbtal und vieler schöner Ecken, die vom alten Dresden erhalten blieben oder rekonstruiert wurden.
    • Ich betrachte den Postplatz und dessen Umgebung mittlerweile als das, was er ist und eigentlich auch schon immer war: Ein Platz mit einer klaren Funktion als Verkehrsknotenpunkt und mit einer untergegangenen ungeplant gewachsenen Umgebungsbebauung.

      Das Hauptgebäude am Postplatz, das Telegrafenamt, hatte übrigens ursprünglich nur seine Rückseite zum Postplatz gewandt und wurde bereits zehn Jahre nach seiner Errichtung erstmalig umgebaut, und so auch immer wieder, bis sein ursprüngliches Bild kaum noch erkennbar und das Gebäude eben einfach funktional war. Ein Hingucker wäre heute die Oberpostdirektion, deren kompletter Wiederaufbau in diesen Zeiten aber nicht vermittelbar war und ist. Auch die ehemalige Bebauung an der Wallstraße war nichts besonderes. Eine Reminiszenz an die Markthalle auf dem Antonsplatz hätte es geben können, wenn die Altmarkt-Galerie nicht innerhalb des Rings gebaut worden wäre.

      Ergo: Am Postplatz ist nun erstmals eine Gesamtplanung umgesetzt worden, die ihre Vorteile aber eben auch sehr viele Nachteile hat. Dort ist jedenfalls keine Chance im Sinne von Wiedergewinnung etwas Gewesenen vertan worden, sondern dort wurde mit den heutigen Vorstellungen von Städtebau und Architektur ein Ensemble geschaffen. Dass dessen Qualität zu wünschen übrig lässt, ist natürlich bezeichnend für das Metier der Ausführenden - aber etwas anderes wäre unter den gleichen Umständen hier nicht entstanden. Dafür hätte man wohl nochmal 10 oder 20 Jahre warten müssen. So haben hier eben alle, die "mutig", "modern" und "zeitlos" fordern, ein Anschauungsbeispiel bekommen, was das heutzutage heißt. Insofern kann die Existenz dieser Gebäude dem Anliegen, schöne Städte zu schaffen, dann doch irgendwie dienen.
    • Rastrelli wrote:

      Etwas praxisfern erscheinen mir Bismarcks# Überlegungen bezüglich Sichtbarkeit vom Zwinger. Wenn ich vor dem Zwinger stehe, dann habe ich nur Augen für diesen. Oder ich wende meinen Blick in Richtung Residenzschloss und Taschenbergpalais.
      Wenn die nähere Umgebung eines herausragenden Bauwerks so gleichgültig ist und die Blicke nicht rundum kursieren, dann könnte man in Potsdam doch eigentlich das Rechenzentrum neben dem Turm der Garnisonkirche erhalten.
      Zu Dresden: Vom Zwinger aus hat mich früher der Blick in Richtung Fresswürfel und Postplatz extrem verärgert (Foto), die sozialistische Tristesse war furchtbar. Jetzt ist dieser Blick ein wenig erfreulicher geworden (Foto); aber auch nur ein wenig, weil der SAP-Bau und das "Haus am Postplatz" ganz OK sind, aber keinesfalls berauschend als Nachbarn eines Meisterwerks des Barocks. Ich hoffe das war jetzt genug Praxisbezug.
    • Wenn nicht anders angegeben, sind alle Bilder von mir.

      Da das Einbinden externer Bilder nicht mehr im Forum gestattet ist, leidet etwas die Quaität meiner Bilder. Sorry :(
    • Wie bereits erwähnt, finde ich den Postplatz nicht so schlimm. Für mich zählt ,dass dort endlich wieder Stadt stattfindet und keine dörfliche Wiesen-Parkplatzatmosphäre mehr versprüht wird. Mit der Fertigstellung der MaryAnn Appartments wird sich dort auch eine recht stimmige Ensemblewirkung abload.de/img/p11904915oj2h.jpg Foto siehe Bismarck
      entfalten und es kommt sogar sowas wie Harmonie auf und kein Bruchgewitter. Von daher - alles halb so schlimm. Natürlich wäre mir ein komplett von Nöfer Architekten entworfener und realisierter Postplatz tausendmal lieber aber es ist wie es ist.

      The post was edited 1 time, last by Henry ().

    • In der Tat haben die späteren Bauten den Postplatz etwas aufgewertet. Insbesonsere das Zwingerforum und das Haus Postplatz sind durch den Schriftzug, die Klinkerfassade, Sandsteinoptik, Hochrechteckfenster, etc. um Gestaltung bemüht. Die größten Bausünden waren die ersten: Kubus und Altmarkt Galerie. Ein gewisser Fortschritt in Richtung moderne großstädtische Eleganz ist seit den Zeiten eines Feßenmayer doch erfolgt.
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      WOW! Ich hätte nicht gedacht, dass aus dem Postplatz noch etwas wird. Das runde Gebäude ist das beste. Allerdings ist es wirklich schade, dass auch hier so karg gebaut wird (Austeritätspolitik , die leeren Kassen der insolventen EU-Staaten ausdrückend?). Auf dem ersten Bild (#270) dachte ich in spontan, es handele sich um einen Gründerzeitbau. Das liegt daran dass das Gerüst eine Fassadengliederung, eine andere Farbe und ein "Gesims" vorstäuscht. Obwohl das Gebäude eher gut ist, ist die Tatsache dass ein Gebäude mit Gerüst interessanter wirkt als ohne, auch Ausdruck des Versagens der Architektenschaft.... Hätte man diese Fassadengliederung in real durchgeführt, wäre das Gebäude hervorragend. Mit der langweiligen Fassade ist es immerhin "befriedigend". Man muss zugestehen dass die Proportionen sehr gut sind. Dies halbrunde Gebäude ist wirklich einer der ganz seltenen Fälle, in denen ein "moderner" Architekt Sensibilität, Einfühlungsvermögen und sogar Talent beweist.

      Seltsamerweise sieht sogar der knallrote Chinesische Schiffscontainer von Knerer halbwegs gut aus, das kann aber möglicherweise auch daran liegen dass er eher versteckt liegt und nicht direkt am Platz......Der Kubus ist nach wie vor viel zu gross, und eine besondere Scheusslichkeit ist die ECE-Altmarktgalerie (ebenso Bild #270), eine selten dümmliche Formensprache. Hier hilft nur noch Sprengung.

      Sagen wir mal so: Der Postplatz ist zwar besser als ich erwartet hätte, aber leider immer noch nicht vollständig überzeugend. Ein einzelnes gutes Gebäude (das Halbrunde) macht noch keinen Platz. Zumindest zeigt der Platz aber nun auf, was mit moderner Formensprache an guter Architektur möglich wäre ( Betonung liegt auf "wäre"). Ich muss nicht überall Gründerzeit haben. Aber mit nur wenigen Veränderungen wäre der Platz, auch mit moderner Architektur, richtig gut. "Wäre".... Optimal ist das noch lange nicht. Aber ich muss zugeben, das halbrunde Gebäude gefällt mir. Es ist mir richtig sympathisch.
      "Die Modernisten sollten sich endlich eingestehen, dass sich die Qualität einer Stadt konventioneller Architektur verdankt" - (H. Kollhoff).
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      Goldstein wrote:

      Dieser Platz ist ein Paradebeispiel für die Prägung durch zwei abgewirtschaftete Systeme:
      Totalitärer Sozialismus gefolgt vom Effizienzkapitalismus
      Effizienzkapitalismus?

      Ausufernde Regulierungen wie die Energieeinsparverordnung und Brandschutz (u.a) erhöhen die Baukosten. Deswegen ist es für den Bauunternehmer immer schwieriger innerhalb des Budgets seiner Käufer zu bleiben, sodass er zuerst Abstriche bei Schönheitserwägungen machen muss. Wäre das Regelungswerk günstiger, würden Bürger und Bauherren es sich leisten können schöner zu bauen.
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      Goldstein wrote:

      Dieser Platz ist ein Paradebeispiel für die Prägung durch zwei abgewirtschaftete Systeme:
      Totalitärer Sozialismus gefolgt vom Effizienzkapitalismus
      Ich will ja wirklich nicht dein Weltbild zerstören, aber die Gründerzeit hieß nicht Gründerzeit, weil es da so antikapitalistisch zuging...

      Ginge es nach den Gesetzen des Marktes, würde auch heute noch schön gebaut werden. Schließlich haben geschlossene Altbauquartiere regelmäßig einen höheren Wert als billige Neubauten. Angezeigt wird die hohe Nachfrage der Allgemeinheit hier vor allem durch die hohen Mietpreise in Altbauwohnungen, die eben genau deshalb entstehen, weil die Nachfrage nach schönem Wohnraum nicht ausreichend befriedigt wird - und das vor allem wegen dämlicher Ideologien und staatlicher Vorschriften, für die der Kapitalismus nun wirklich nichts kann.
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      Auf dem 3. Dresdner Stadtbausymposium der GHND am 13. Mai 2019 wurde von Herrn Prof. Dr. Friedrich Thießen eine Studie vorgestellt, in welcher zumindest ein Zusammenhang zwischen der dekorativen Fassadengestaltung eines Gebäudes und der Zahlungsbereitschaft potentieller Mieter hergestellt wurde. Die Ergebnisse werden auch im Aufsatz "Fluch und Segen des Bauhausstils" in der Zeitschrift Immobilien & Finanzierung, Ausgabe vom 15.07.2017, präsentiert.

      Vergleicht man nun die Fassadenausgestalltung gründerzeitlicher Architektur mit modernistischen Neubauten, liegt Galba mit seiner Behauptung also gar nicht falsch.

      The post was edited 3 times, last by Klotzenstein ().