Stuttgart in alten Bildern (Galerie)

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    • Stuegert wrote:

      Im Krieg unbeschadet geblieben, wurden zur Bundesgartenschau 1961 sowohl der Rosengarten als auch der ovale Theatersee beseitigt und mit recht viel Beton "zeitgemäß" umgestaltet,
      Eine der schlimmsten städtebaulichen Freveltaten im Nachkriegsdeutschland. Ein solches Ensemble von innerstädtischen Architekturperlen, die eingebettet waren in Gartenanlagen mit hochstämmigem Baumbestand, königlichen Alleen und skulpturengeschmücktem Teich konnte man nicht leicht ein zweites Mal in Deutschlland finden. In einem Akt unvergleichlicher Barbarei wurde sowohl der Obere als auch der Mittlere Schlossgarten geopfert, um einen modischen Stadtgarten nach damaligem Geschmack anzulegen. Der Vergleich ist nicht zu weit hergeholt, wenn man sich vorstellt, die Pariser hätten damals die Tuileriengärten abgeräumt, um der neuen Zeit gerecht zu werden. Aber der Geschichtshass wütete eben nur in Deutschland.

      Vor vielen Jahren wurde einmal - in einem Moment historischer Besinnung - in der Lokalpresse die Frage gestellt: "Was ist schöner, der Eckensee oder der ovale See?" Als ginge es um solche geschmäcklerische Fragestellung! Damals wurde betont, dass der 60er-Jahre-Gestaltung mittlerweile auch eine gewisse schützenswerte Historizität zukomme. Da muss wohl erst eine andere Generation das Sagen bekommen, zu deren geistiger Vorbereitung wir alle unser Teil beitragen.
    • In dem Fall macht es Dir auch Spass, historische Fotos zu neuem Leben zu erwecken. Das ist auch statthaft, sofern man am Bild nichts verändert. Insbesondere bei ausgebleichten Fotos ist die Überraschung jeweils gross, wenn man wieder Kontrast dazu gibt und mit den Grauwerten experimentiert, und so "neue" alte Fotos erhält. Falls Du ein grosses Repertoire an alten Ansichten hast, kannst Du auch versuchen, zwei benachbarte Fotos zusammenzufügen, und erhältst so ein völlig neues Panoramabild. Ich besitze drei Ansichtskarten vom Egidienplatz mit dem Pellerhaus in Nürnberg, die ich mal zu einem 180°-Panorama zusammenfügen möchte, doch vorher muss ich mir einen neuen Scanner zutun.

      Retuschiert wurde übrigens schon seit der Frühzeit der Fotografie. Ich denke da an eine Fotografie von 1900 vom Marktplatz in St. Gallen vom regen Markttreiben, wo es im Vordergrund auch zwei Hunde miteinander "treiben" :) . Dieselbe Fotografie gibt es in einem Buch, aber mit halbwegs ausretuschiertem Liebesspiel, und der Bildkommentar des Autors endete am Schluss in Klammern "kleine Retouche am Hunde-Alltag durch die Photographen".
    • Interessanterweise gibt es von der Stuttgarter Altstadt - die ja durchaus beachtlich war - kaum Ansichtskarten. Wenn, dann sind es hauptsächlich Motive vom Marktplatz und von jenem - noch heute erhaltenen - Viertel der Altstadtsanierung, das ja damals ganz neu war. Ich vermute, man war nicht eben stolz auf die engen, teilweise schmutzigen Gassen und Hinterhöfe, man wollte hauptsächlich die glanzvolle, repräsentative Seite einer Stadt zeigen. So ändern sich die Zeiten.
      In dubio pro reko
    • Stuegert wrote:

      Interessanterweise gibt es von der Stuttgarter Altstadt - die ja durchaus beachtlich war - kaum Ansichtskarten.
      Das scheint zu den Glanzzeiten der Postkarte nicht nur in Stuttgart so gewesen zu sein. Man versuche einfach mal, bei Ebay Karten der Dresdner Altstadt abseits von Schlossstrasse, Altmarkt, Theaterplatz, Brühlsche Terrasse etc. zu finden - hoffnungslos! Wenn sich dann doch mal eine Gasse dazwischenmogelt, so sind die Preise entsprechend astronomisch....
    • Königsbau (1859) und Hotel Marquardt (1895) Mitte der 30er Jahre. Beide Gebäude sind erhalten geblieben, der Marquardt-Bau wurde allerdings nach dem Krieg - ganz im Sinne des Zeitgeistes - "abgeschmückt" und zum Geschäftshaus umgestaltet. Die Straßenbahn verkehrt am Schlossplatz heute auch nicht mehr oberirdisch, die Königstraße ist jetzt Fußgängerzone.

      In dubio pro reko
    • Allerdings hat das neugotische Haus links auf dem Foto im II. Weltktieg sowohl seine Dachgauben, als auch seinen Zwerchgiebel eingebüßt. Heute gibt es nur ganz kleine Dachfenster. Ferner ist die Dachneigung des Nachkriegsdaches ziemlich flach im Vergleich mit dem Vorkriegsdach. Die Wirkung des Hauses ist daher leider beeinträchtigt. So war zumindest der Stand 2012, als ich aus Stuttgart wegzog.

      The post was edited 2 times, last by Villa1895 ().

    • Zustand heute:
      goo.gl/maps/VKzZfZ72qi72

      Das Haus hat durch den Verlust der drei Dachaufbauten einen englischen oder amerikanischen Charakter erhalten, weil das durchgehende markante Traufgesims in den Vordergrund gerückt ist. Natürlich nicht wegen des Fassadenschmucks, sondern vielmehr von der äusseren Form her.

      Das letzte Bild von der Fritz-Elsas-Straße ist Urbanität par excellence - schöne Häuser aus diversen Epochen, die einander nicht konkurrenzieren, lebhaft verteilt und dadurch einen interessanten Strassenraum schaffend. Zwei gemütlich fahrende Trams anstelle der heutigen Tatzelwürme. Dann das kleine Pärklein mit Ruheoase...
    • Ein seltener Blickwinkel von der Stiftskirche auf die Umgebung: Im Vordergrund links das Alte Schloss, rechts die Markthalle, es folgt der baumbestandene Karlsplatz, dahinter das Alte Waisenhaus und das Wilhelmspalais (alles erhalten). Nicht erhalten blieben die Karlsakademie sowie das Gebäude des Hauptstaatsarchivs an der Neckarstraße (linke Bildhälfte). Wann vor 1945 die Aufnahme entstand weiß ich leider nicht.

      In dubio pro reko
    • Gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit und während des laufenden Weihnachtsmarkts stelle ich mir die Frage, warum die 'in.Stuttgart Veranstaltungsgesellschaft mbH & Co. KG' bisher nicht in Erwägung gezogen hat, den baulichen Rahmen des Marktplatzes in den Abendstunden durch Projektionen der in Fotografien überlieferten, herrlichen Bürgerhäuser und des zerstörten Rathaus wieder aufleben zu lassen? Sicher ein 'Highlight'. Dass solch eine Maßnahme auch für Stuttgart finanziell zu stemmen sein sollte, zeigt das internationale Schokoladenfestival chocolART im benachbarten Tübingen - dort die Projektionen allerdings unter anderen Vorzeichen, da Tübingens bauliches Erbe das 20.Jahrhundert glücklicherweise zum großen Teil überdauert hat.


      Jeder, der sich die
      Fähigkeit erhält Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.

      www.archicultura.ch

    • Warum?.... Diese Gesellschaft ist eine 100% städtische Tochter. Du denkst doch nicht, dass irgendein regierender Politiker durch allzu viel Erinnerung an das alte Stuttgart schlafende Hunde wecken will? Am Ende noch mit Rekonstruktionsideen konfrontiert werden möchte, die viel kosten und nur Konfliktpotenziale schaffen? Was meinst Du, was dann für Schlachten in der Presse losgehen zwischen begeisterten Bürgern, die Initiativen gründen, auf der einen und Architekturfunktionären, -professoren und Kulturjournalisten auf der anderen Seite. Und dazwischen der Oberbürgermeister, auf den sie alle einreden? Zumal es sich um einen "Grünen" handelt. Die Einen rufen "Warum denn nicht? Du bist doch für uns Bürger da?", die Anderen rufen "Wollen Sie Stuttgart lächerlich machen? Es geht doch um den internationalen Ruf unserer modernen Stadt". Und Dritte schlagen wegen der Kosten die Hände über dem Kopf zusammen.... Dann mal lieber alles so lassen, wie es ist und auf die Pensionierung warten, denken die sich.
      Ich hoffe, dass damit Deine Frage beantwortet ist.