Hamburg - Sanierungs- und Rekonstruktionsprojekte

  • Aus verschiedenen Gesichtspunkten, unter anderem aus kulturhistorischer Sicht, ist die Reko dieser Orgel eine abschließende Spitzenleistung, die in dieser Form wahrscheinlich kaum mehr realisiert werden wird, wenn es in Lübeck keine besseren Zeiten für die Totentanzorgel, die Große Marienorgel oder die Schnitgerorgel im Dom geben sollte. Der Vergleich mit der vor 20 Jahren abgeschlossenen Rekonstruktion der Schnitgerorgel in St. Jakobi zeigt erstaunlich viele Parallelen auf. Hier war die Ausgangslage eigentlich nicht besonders wesentlich besser, denn es existierten auch hier nur noch die Windladen und ca. 80 % des Pfeifenwerks, allerdings in teilweise extrem malträtierter Form. Insofern ist in Katharinen die Ausgangssituation mit noch um die 500 erhaltener Pfeifen auch nicht so schlecht - man erinnert sich, daß in Marien Stralsund ebenfalls nur noch in etwa diese Pfeifenanzahl erhalten ist.
    St. Katharinen war bis zum ersten Drittel des letzten Jahrhunderts eine feste Größe in der Orgelwelt; und man wünscht der Kirche wirklich sehr, daß in ein, zwei Jahren diese Orgel als allgemeine Größe anerkannt und unbestritten ist. Gleichzeitig wird es sehr interessant sein, die Einweihung mitzuverfolgen, da man etwas vergleichbares wohl kaum mehr erleben wird. Freuen wir uns also auf eine unendliche und mannigfaltige neue Klangwelt - so ist z.B. die Vorstellung eines Holzprincipal 8´im Brustwerk gemeinsam mit der Quintadena 4´, dazu evtl. noch eine Waldtfloit 2´, eine äußerst reizvolle Vorstellung.

  • Es ist sehr erfreulich, daß ein Stück dieser Hochkultur wieder an einem der Orte zurückkehrt, wo sie am meisten beheimatet war. Überhaupt ist die norddeutsche Barockorgelmusik eine der größten kulturellen Leistungen Norddeutschlands, wenn nicht die größte.


    War der Orgelprospekt denn ursprünglich bemalt und vergoldet (wahrscheinlich schon)? Und wenn ja, warum wird das jetzt denn ausgelassen?

  • Die Rekonstruktion der Bachorgel in der Kathrinenkirche wurde jetzt abgeschlossen. Sieht gut aus, leider wird sie nicht bemalt oder vergoldet.



    Vielen Dank fuer die Nachricht und das Bild der praechtigen neuen Orgel, Daene! Was mich daran stoert ist das die Empore umgebende Metallgitter. :schockiert:

  • Pilaster, sehr richtig. So seine schöne Orgel und dann, als Zeichen unserer Zeit, so eine hässliche Empore, die den Gesamteindruck doch stört. Schade.


    Wenn ich mir übrigens Vorkriegsaufnahmen wie hier ansehe, vermute ich aufgrund der unterschiedlichen Glanzeffekte auf dem Schwarz-Weißphotos, dass die Orgel vor dem Krieg vergoldet und wahrscheinlich auch bemalt war. Alles andere hätte mich auch überrascht.

  • Ach, das ist die selbe Geschichte wie im Lübecker Dom. Als man vor Jahren die Reko der Schnitgerorgel ins Gespräch brachte, gab es starke Diskussionen zum einen mit der Denkmalpflege aufgrund des Westfensters als auch mit dem Nachfolgebüro von Sandtmann und Grundmann, und zwar mit dem Herrn Hirche. An den Verbindungsfeldern zwischen Hauptwerk und den beiden Pedaltürmen entzündeten sich heiße Diskussionen, da das damals (1699) geläufige Praxis war und diese Felder lediglich eine optische Begrenzung bildeten, ohne daß sie in einer Funktion gestanden hätten. Stattdessen war geplant, das Gehäuse rein konstruktiv ohne jeglichen barocken Zutaten oder z.B. auch nicht die optisch so wichtigen Kranzprofile der Türme von Hauptwerk, Rückpositiv und Pedal nachzubauen; und wen wunderts auch den Krämerchor ja nicht zu rekonstruieren, damit das "bedeut.äh dingsbums" Westfenster ja irgendwie noch durch die Gehäuseteile erkennbar ist. Weltmusiker wie Ton Koopman setzten sich leidenschaftlich für die vollständige Reko der Orgel ein und wurden von besagem Architekten als "Barockfans" abgekanzelt. Zufall oder nicht, aber ich war Ohrenzeuge, als der besagte Architekt zu Pastor Rohmeyer sagte "Wenn mein Entwurf nicht so angenommen wird, wird die Orgel nicht gebaut". Der besagte Architekt ist übrigens ein Oesterlen-Schüler, gebundener Kontrast und so weiter :kotz: :kotz: :kotz: :kotz:
    In Katharinen lief es im Prinzip in der gleichen Weise, daß man sich mit der originären Gestalt der Orgel arrangieren konnte under der Prämisse, daß ja nichts, was nur irgendwie an das 18. Jhd. erinnert, nachgeschaffen wird - Renaissance ja, Barock nein; und nur ja einen erkennbaren Hinweis auf die jetzige Zeit wegen der Authentizität usw.
    Aber man sollte desungeachtet über diese Glanzleistung mehr als glücklich sein. Für mich persönlich ist die Rekonstruktion der Hamburger Katharinenorgel die bedeutendste kulturhistorische Leistung nach dem Wiederaufbau der Frauenkirche.

  • Dort steht wirklich:
    von: Nadja Aswad veröffentlicht am 14.05.2019 - 06:44 Uhr


    Hannover– Endlich tut sich was im Alten Elbpark!

  • Da hat sich wer ein draus draus gebaut, mit Fenstern Tür und Schornstein. Schon faszinierend, da war wer kreativer als enfach platt machen.

  • In Wohldorf-Ohlstedt (Bezirk Wandsbek) wird das ehemalige Bahnhofsgebäude saniert. Züge fahren hier seit 1961 keine mehr; beheimatet ist heute ein kleines Museum des Vereins Verkehrsamateure und Museumsbahn e.V., welches leider vor einem Jahr wegen Baufälligkeit geschlossen werden musste.

    Die Sanierung soll Anfang 2021 abgeschlossen sein.


    Nördlichstes Hamburger Bahnhofsgebäude "Wohldorf" wird saniert


    Fotos des Bahnhofes

  • Das Fernsprechamt Schlüterstraße in Hamburg-Rotherbaum wird derzeit auf die Nutzung als Universitätsgebäude der UHH vorbereitet und soll in dem Zuge umfassend saniert werden. In Zukunft soll das Gebäude zur Unterbringung der Geistes- und Sozialwissenschaften dienen.


    Entsprechend der Beschreibung auf der Homepage des Architekturbüros "Andreas Heller Architects & Designers" sowie den dazugehörigen Visualisierungen (s. hier) des Fernsprechamts blicken wir hier einer denkmalgerechten Wiederherstellung der prächtigen neogotischen Fassade entgegen.

  • Ich befürchte, dass klingt auf der Homepage besser als es am Ende des Tages dann werden wird...seht Euch einmal die letzten beiden Vollgeschoße an und wie die Architekten die jetzigen Fenster durch zwei Geschoße überspannendes schräge Metallraster ersetzen...außerdem verschwinden auf der (hoffentlich nur) schlechten Visualisierung die Unterteilungen der einzelnen Fenster! Ich bete, dass das einfach nur eine ganz schlechte Visualisierung ist, aber wenn das so kommt wie auf dem Bild im Link, dann wird das eine Sanierung wie aus den 1970ern...(hoffe, ich irre mich trotzdem).

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Bei dem Raster in den Obergeschossen handelt es sich nicht um eine modernistische Zutat, es war bereits Teil des Erbauungszustands, wie man auf historischen Ansichten erkennen kann (Wikipedia). Das trifft im Weiteren auch auf die durchgehende Fensterreihe im Dachgeschoss zu.


    Die fehlende Teilung der Fenster ist hoffentlich auf den sowieso recht geringen Detailgrad der Visualisierung zurückzuführen.