Hamburg - Sanierungs- und Rekonstruktionsprojekte

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    Das wäre eine super Sache. Vor allem könnte man damit beweisen, daß Museumsbauten nicht immer hässlich sein müssen.

    Zwar ist die bauliche Entwicklung in Hamburg an vielen Orten echt positiv. Aber eine größere Rekonstruktionsmaßnahme fehlt noch. Hoffentlich klappt es wenigstens noch mit der Bornplatzsynagoge.

  • Die Hamburger AfD schlägt den Wiederaufbau des Kirchenschiffs der Hamburger Nikolaikirche vor, Link zur Meldung. Da dieser Wunsch von den Parias kommt regt sich natürlich schon eine heftige Empörungswelle, so dass das Vorhaben von vornherein ein Hirngespinst bleiben dürfte. Als Motiv für die Ablehnung kommt sicherlich auch noch die unverändert kaum vorhandene Wertschätzung für Bauten des Historismus hinzu.

    Nikolaikirche001.jpg

    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/comm…aikirche001.jpg

  • Ja, eine Idee ist automatisch "tot", wenn sie von der AFD kommt. Die Partei kann somit nichts aktiv gestalten, sondern nur Vorhaben verhindern, in dem sie sie vorschlägt.

  • St. Nicolai zu Hamburg erinnert mich, wiewohl vermutlich deutlich größer und höher, doch sehr an die gleichfalls neugotische Johanneskirche auf einer Halbinsel am Feuersee in Stuttgart-West.

    In Hamburg ist nur noch der Turm da, in Stuttgart ist zwar die Kirche vorhanden, doch in Stuttgart fehlt der durchbrochene, filgrane Turmhelm. In Stuttgart war die Johanneskirche ca. 10 Jahre eine Kriegsruine, bis man sich entschloss, sie wieder aufzubauen. Leider hat man bei der Johanneskirche in Stuttgart im Mittelschiff das Gewölbe nicht wieder hergestellt, so dass sich seither dort eine weiße, flache Decke befindet, was die Wirkung des inneren Kirchenraums doch sehr beeinträchtigt.

  • Es gibt noch andere Kirchtürme ohne ihr Schiff :-Die Marienkirche in Wismar oder die Maria-Magdalenen Kirche in Budapest sind in der gleichen baulichen Situation wie St.Nicolai in Hamburg.

  • Tatsächlich wäre der Wiederaufbau gar nicht so abwegig, so war die Kirche das einzige Werk von George Gilbert Scott auf deutschem Boden. Neben Pugin der wohl bedeutendste Vertreter des Gothic Revival. U.a. stammt St. Pancras Station in London von ihm.

    Eigentlich ein idealer Ansatzpunkt für die AFD gegen die üblichen Verleumdungen und Reflexe, die kommen so wie das Amen in der Kirche: der "ausländische" Architekt :wink: Der Charakter eines Mahnmals kann auch bei einem Wiederaufbau beibehalten werden und z.B. die Kunst, die momentan vorhanden ist, in ein wiedererrichtetes Kirchenschiff integriert werden.

    An dieser Kirche sieht man einmal mehr - so schwer sie auch im Krieg beschädigt wurde - die Abrisswut in der Nachkriegszeit.

  • Die Kirche St. Nicolaus in Hamburg-Alsterdorf wurde im Jahre 2021 deutlich umgestaltet.

    Die Kirche zuvor:

    Bei diesem Umbau wurde die Kirche nicht etwa ihrer ursprünglichen Grazie angenähert, vielmehr wurde in einem für das Wokeland-Germoney typischen Akt prompt die ganze Altarwand manuell herausgeschnitten.

    Der Umbau:

    Grund hierfür ist ein Altarbild aus der NS-Zeit, dass als Ausschließend für behinderte Menschen gesehen werden kann (Haben keinen Heiligenschein auf dem Bildnis). Ob diese Tatsache die Verschandelung einer Kirche aus dem 19. Jahrhundert rechtfertigt, soll jeder Forist für sich selber entscheiden.

    Die Kirche mit neuem Glaschor und der zum Gedenkort umgewidmeteten Chorwand:

    https://www.nordkirche.de/nachrichten/na…ns-werk-befreit

    Lübeck, mein Lübeck, an der Waterkant
    Königin der Hanse, Perle am Ostseestrand.

  • Hmmm, ich erkenne keinen Behinderten auf dem Bild. Muss dann in Zukunft jedes Altarbild, auf dem keine Behinderten zu sehen sind, weg?...

    Und ist das Blindenschrift auf der riesigen weißen Tafel links? Oder mongolisch?

    Was hat dieser Spaß denn gekostet? Nur mal als Information für die Kirchensteuerzahler (zu denen ich ja nicht gehöre).

  • Mir fehlen die Worte. Mein Gott, es ist ein kirchliches Altarbild. So viel Aufwand wegen irgendeiner Interpretation, die da übereifrige Inquisitoren da wieder sehen? Die Millionen für diese peinliche Bausünde hätte dem örtlichen Behindertenheim vermutlich mehr geholfen, aber um Behinderte ging es hier wohl in erster Linie nicht. Warum müsst „Ihr“ Deutschen in allem so extrem sein - vor allem so destruktiv (bitte keine Antwort darauf)

  • Ist das wieder eine kranke Aktion. Da fehlen auch mir die Worte. Einfach unglaublich, was manche Leute sich für Gedanken machen.

    Steht jetzt automatisch jedes Werk, jeder Gegenstand, der zwischen 1933 und 1945 in Deutschland entstanden ist, in Verbindung mit dem NS-Regime? Das ist einfach lächerlich.

    Hier ist übrigens eine deutlichere Abbildung des entfernten Altarbildes (lässt sich größer clicken):

    https://www.strasse-der-inklusion.de/wp-content/upl…/Altarbild1.jpg

    Auch hier sieht man, wenn das Bild angeclickt wird, deutlicher:

    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/comm…denkort_ESA.jpg

    Ganz rechts die Frau trägt ja offenbar ein Baby. Wo soll da bitte eine Behinderung sein?

    Man hätte das Bild auch einfach entfernen und durch einen anderen Künstler neu anfertigen lassen können. Dann wäre diese Zerschneidung der Kirche erspart geblieben.

  • Die Frage ist doch, wer ist da dargestellt, und wie ist es gemeint gewesen? Dazu muss es doch Unterlagen geben. Ich sehe hier offenkundig Heilige (auch wenn ich keinen konkret erkenne, scheint es sich anhand der Tonsur ganz links um historische Persönlichkeiten zu handeln). Eine Person hat ein Baby, eine begleitet anscheinend ein Kind, nur die dritte kümmert sich um jemanden, der alt, krank oder beeinträchtigt ist. Problematisch auf den ersten Blick ist maximal diese letzte Gruppe rechts unten. Aber wenn dies eine historische (heiliggesprochene) Person darstellt, die genau dies getan hat, wo ist das Problem? Sich um Menschen zu kümmern, ist doch an sich was gutes??

    Aber vielleicht gibt es ja tatsächlich eine NS-nahe Programmatik, die hier intendiert wurde?

  • Zur Geschichte der Kirche, dem Umbau von 1938 und der Interpretation des auf dem Bild gezeigten ist der Wikipedia Artikel ganz informativ.

    https://de.wikipedia.org/wiki/St._Nicol…burg-Alsterdorf)

    Hiernach ist es wohl nicht ganz klar, welche Botschaft das Bild haben soll (te). Das die heutige Kirchengemeinde das Bild nicht mehr in der Kirche haben möchte, kann ich akzeptieren, wenn gleich es auch sicher so interpretierbar ist, dass hieraus kein nationalsozialistisches Gedankengut spricht. Wen man das aber so sieht, würde ich es auch nicht jeden Sonntag im Gottesdienst sehen wollen.

    Die Chorwand wieder mit einem Fenster zu versehen, halte ich für prinzipiell gut. Man hätte sich hier aus meiner Sicht nur näher an dem ursprünglichen Zustand der Kirche orientieren können. So ist es halt nicht sehr künstlerisch.

    Die Wand mit dem Bild "abzuschneiden" finde ich auch keine so schlechte Idee. Alternativ hätte man es zerstören müssen um das Fenster wieder einzubauen.

  • Grundsätzlich kann ich mich deinem Beitrag, lieber Andreas, vollumfänglich anschließen.

    Eine Ergänzung der fehlenden Heiligenscheine wäre aber möglicherweise auch eine Alternative gewesen.

    Aber ich empfinde es definitiv eine kreative Lösung und es ist auch richtig, dass das Bild nicht zerstört sondern offensichtlich "kontextualisiert" wurde.

  • Danke Andreas für den Hinweis. Das Thema scheint ja doch eher eine nicht mehr zeitgemäße Theologie zu sein, die betont, nur Konfirmierte hätten Teil an der Gemeinschaft Gottes, und Kinder und Schwerstbehinderte folglich nicht.

    Gegen zusätzliche Heiligenscheine hatte offenbar das Denkmalamt was (sollte als Zeichen erhalten werden), also blieb wohl nur diese Lösung ...