Berliner Schloss - historische oder idealisierte Rekonstruktion?

    This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our Cookie Policy.

    • Berliner Schloss - historische oder idealisierte Rekonstruktion?

      Welcher Art der Rekonstruktion wäre besser gewesen? 36
      1.  
        Idealisierte Rekonstruktion (4) 11%
      2.  
        Orginalgetreue Rekonstruktion (32) 89%
      Das ursprüngliche Berliner Stadtschloss stellte bekanntermaßen eine durch mehrere Jahrhunderte gewachsene Anlage dar. Keiner der beteiligten Baumeister und Architekten konnte seine Vorstellungen zur Gänze verwirklichen. Die Folge davon war eine große Unregelmäßigkeit des gesamten Gebäudekomplexes, wie man an dem Grundriss des Schlosses gut erkennen kann.

      Bei dem jetzt erfolgten Wiederaufbau hat man sich für eine ästhetisch unbefriedigende Hybridlösung aus barocker und moderner Architektur entschieden. Dieser wäre einer originalgetreuen Rekonstruktion mit Sicherheit vorzuziehen gewesen. Eine originalgetreue Rekonstruktion des Berliner Stadtschlosses hätte aber auch bedeutet, dass die „Fehler“ der ursprünglichen Anlage ebenfalls wiederholt worden wären.

      Allerdings hätte es aber aus meiner Sicht noch eine andere Möglichkeit gegeben, nämlich die einer idealisierten Rekonstruktion, welche der Anlage eine größere Einheitlichkeit und damit einen harmonischeren Gesamteindruck gegeben hätte. Hierzu hätte man sich auf die vorhandenen Entwürfe Schlüters oder Eosanders von Göthe stützen können.


      Welcher Art der Rekonstruktion wäre besser gewesen?
    • Brauchen wir dafür wirklich einen eigenen Thread?

      Meiner Meinung nach wird hier auf einem sehr hohen Niveau genörgelt. Das Leben ist eben kein Wunschkonzert, wenn es danach ginge, würde ich mir so einiges wünschen. Pragmatisch betrachtet ist aber dieses Humboldtforum mit 3/4 Fassade und Kuppel bereits ein historischer Erfolg, der hart erkämpft wurde.

      Daher sollte man jetzt erstmal das Ergebnis abwarten und kann dann immernoch nachbessern und sich vielleicht das eine oder andere Treppenhaus wünschen oder ähnliches. Alles andere grenzt in meinen Augen schon einem Wunschkonzert, aber soweit nur meine Meinung.
    • Ich denke, dass die derzeitig im Entstehen begriffene Version die einzig gangbare in der heutigen Zeit gewesen ist. Die idealisierte Version lehne ich ab. Sie hat es nie gegeben, sie war nur geplant, und was glaubst du, wie das Disneyland-Geschrei durch die Republik hallen würde! Die Vorkriegsversion der Spreefassade wäre natürlich das Beste gewesen aber von vornherein unwahrscheinlich. Ich bin damit zufrieden wie es kommt, allerdings mag ich die neue Spreefassade nicht. Dennoch kommt sie und wird uns viele Jahrzehnte beglücken.
      Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.
    • Ludolf wrote:

      Brauchen wir dafür wirklich einen eigenen Thread?

      Wurde die Frage denn schon einmal gestellt?


      Ludolf wrote:

      Alles andere grenzt in meinen Augen schon einem Wunschkonzert, aber soweit nur meine Meinung.

      Und warum ist das ein Problem?


      Pfälzer Bub wrote:

      Die idealisierte Version lehne ich ab. Sie hat es nie gegeben, sie war nur geplant, und was glaubst du, wie das Disneyland-Geschrei durch die Republik hallen würde!

      Beim Kölner Dom ruft auch niemand "Disneyland". Er gehört seit 1996 sogar zum UNESCO-Welterbe.
    • Ich habe schon von Anfang an nicht verstanden, wieso nur die drei Barockfassaden werthaltig genug für eine Reko sein sollten und Herr Boddien auch nur diese Karte gespielt hatte. Die vierte Seite war die Älteste und damit auch für die ganze Historie des Schlosses wichtig.
      Aber da es in unserem Land schon traurig genug ist, daß es bei einer Argumentation mit der Wiedererlangung deutschen Kulturgutes wohl seitens der Politik zu einer Ablehnung gekommen wäre und man den Umweg über ein Museum für außereuropäische Kunst gehen musste, so können wir über diese Zwitterlösung wohl noch froh sein.
      " Dem Wahren, Schönen, Guten "
    • Klinker wrote:

      Vom Prinzip her macht das keinen Unterschied.
      Hä? Über ein Jahrhundert und 2 Regierungsformen (für manche 3) später machen keinen Unterschied? Dann versuche mal deinem UrUrUrgroßvater, der die Domvollendung damals erlebte die heutige Zeit zu erklären wenn er heute wieder hier wäre. Es machte ja schon einen Unterschied als die Renaissance Einzug hielt. Keiner wäre damals, wie ja der Kölner Dom belegt, auf die Idee gekommen ihn im gotischen Stil fertigzubauen. Erst die Rückbesinnung auf vergangene nationale Größe im 19 Jahrhundert führte zur Vollendung. Von solch einer Rückbesinnung sind wir ja (Gott sei Dank) meilenweit entfernt.
      Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.
    • Jungens, auch dieser Käs´ ist doch schon lange gegessen. Solche Diskussionen sind doch Energieverschwendung. Der Rohbau steht. Nun geht es darum, wie die Finanzierung läuft, ob die Kuppel originalgetreu entsteht, die Innenportale und eventuell (mein großer Wunsch), ein, zwei Raumrekonstruktionen. Alles andere "hätte, wenn und aber" bringt uns da keinen Deut mehr weiter.
    • Pfälzer Bub wrote:

      Klinker wrote:

      Vom Prinzip her macht das keinen Unterschied.
      Hä? Über ein Jahrhundert und 2 Regierungsformen (für manche 3) später machen keinen Unterschied? Dann versuche mal deinem UrUrUrgroßvater, der die Domvollendung damals erlebte die heutige Zeit zu erklären wenn er heute wieder hier wäre. Es machte ja schon einen Unterschied als die Renaissance Einzug hielt. Keiner wäre damals, wie ja der Kölner Dom belegt, auf die Idee gekommen ihn im gotischen Stil fertigzubauen. Erst die Rückbesinnung auf vergangene nationale Größe im 19 Jahrhundert führte zur Vollendung. Von solch einer Rückbesinnung sind wir ja (Gott sei Dank) meilenweit entfernt.

      Da hast du etwas falsch verstanden.

      Es ging mir um den Widerspruch, dass der Kölner Dom, der ja größtenteils eine idealisierte Rekonstruktion aus dem 19. Jahrhundert ist, ein großes Baudenkmal darstellen kann, wohingegen ein idealisiertes Berliner Stadtschloss "Disneyland" sein soll.


      Heimdall wrote:

      Jungens, auch dieser Käs´ ist doch schon lange gegessen. Solche Diskussionen sind doch Energieverschwendung. Der Rohbau steht. Nun geht es darum, wie die Finanzierung läuft, ob die Kuppel originalgetreu entsteht, die Innenportale und eventuell (mein großer Wunsch), ein, zwei Raumrekonstruktionen. Alles andere "hätte, wenn und aber" bringt uns da keinen Deut mehr weiter.

      Es handelt sich hierbei sowieso um eine hypothetische Frage.
    • Sicherlich kann man darüber "diskutieren" und von Redeverbot war gar keine Rede.

      Diskutieren halte ich aber für unpassend, da wir hier nicht wirklich ernsthaft zukünftigen Handlungsweisen abstecken, sondern das ganze eher einem Wunschkonzert, bzw. "Was würdest du mit einem Lottogewinn tun" Fragespiel ähnelt.

      Die drei historischen Fassaden und die Kuppel sind noch nicht gesichert in ihrer Finanzierung, dies sollte nun das oberste Ziel sein. Dann später nach der Fertigstellung kann man diskutieren, welche Elemente und Räume man womöglich rekonstruieren kann. Die Ostfassade wird man garantiert nicht kurz nach der Fertigstellung wieder abreißen.

      Wenn wir schon vom Kölner Dom sprechen..., auch dieser ist über viele Jahre stückweise gewachsen, ähnlich kann es beim Humboldtforum bzw. Stadtschloss sein. Vielleicht sollte man sich hier auch nochmal vor Augen führen, was alles für Entwürfe im Rennen waren!

      Ich kann Heimdall da nur voll und ganz zustimmen. Es lässt sich vielleicht diskutieren, was man nach 2019 mit Spendengeldern vielleicht rekonstruieren kann, aber das übliche Genörgel hilft keinem weiter und die Frage bzw. diese Diskussion hatten wir sehr wohl schon im eigentlichen Schloss-Thread.

      Das manche sagen, dass sie sich nach 2019 als erstes am liebsten eine Rekonstruktion vom Rittersaal oder irgend einem Treppenhaus wünschen würden, dies könnte man womöglich sogar nach 2020 realisieren, das Projekt generell schlechtreden hilft jedoch nicht. Mir gefällt die Ostfassade auch nicht sonderlich, aber ich bin mir durchaus bewusst, dass auch dieser Kompromiss durchaus ein Glücksfall ist.
    • Hier redet niemand etwas schlecht, niemand nörgelt. Projezierst du irgendwas hier hinein, Ludolf? :)

      Wir haben ja einige Flottikarotti-Tipper unter uns, die haben so einen Zweizeiler wie ich in 20 Sekunden fertig. Von "verschwendeter Energie" will ich da nicht sprechen, wir brauchen alle hin und wieder mal ein Ventil. In Auerbachs Keller ist ja nischt los.
    • Das ist ein Scherz, oder? Du selbst hast dieses Forum immer als realitätsfern und ewig in der Vergangenheit schwelgend im SSC bezeichnet...

      Muss ich jetzt ernsthaft diese ganzen "melancholischen" (um nicht weinerlichen zu sagen) Sätze die es ja zu häufen gibt zitieren? Es wird schon erstaunlich viel geklagt, auch das Herr Boddien doch viel mehr erreichen hätte sollen/können, etc.

      Dafür fehlt mir so ziemlich das Verständnis in Anbetracht dessen, was überhaupt möglich war und was für andere Entwürfe von anderen Kräften in diesem Land eher befürwortet wurden. Dieser Kompromiss mit der historischen Kuppel und drei Fassaden ist dabei ein hart erkämpfter Erfolg.

      Das Geld reicht momentan noch nicht einmal für Kuppel und die Fassade und meinst du ernsthaft, dass man über eine neue Ostfassade jetzt zu dem Zeitpunkt diskutieren soll? Das kommt Braunfel sehr ähnlich.

      Der Kompromiss wurde hart erkämpft und wird realisiert und das ist meiner Ansicht nach auch gut so. Alles andere kann noch werden und was davon werden sollte und kann, das kann man sicherlich diskutieren, nur pauschal immer wieder die nicht vollzogene 100%-Rekonstruktion beklagen, dies hilft keinem weiter.
    • Nichts von dem sagte ich. Und das tat auch sonst niemand. Es ging in der Tat um reine Wunschvorstellungen, keine Forderungen für die Gegenwart oder die Zukunft. Verstehe nicht, warum du da nun so viele Worte verlieren musst. ;)

      Engagement jedenfalls lässt sich nur durch Austausch wecken. Ich bin da auch entspannter geworden. Ich kann "dem Forum" hier schwerlich etwas vorwerfen, es sind ganz unterschiedliche Leute auf ihre Art engagiert, und nicht jeder zeigt das öffentlich (wenn auch anonym). Ich prahle hier ja auch nicht mit jeder Spende und jedem Engagement, bei dem ich etwas beigesteuert habe.

      Es muss das Beste aus der Stella-Lösung herausgeholt werden. Mindestens die Barockfassaden müssen gesichert werden und gut gelingen, ohne größere Rückschläge. Dazu trägt auch bei, das Thema in all seinen Facetten präsent zu halten. Und sei es, dass man das "es hätte einmal so schön werden können" diskutiert. Das gehört für mich einfach dazu, denn jeder kann seinen Teil tun, dass es dann doch eines Tages so schön werden kann! :thumbup:

      Hier entlang bitte, tut noch etwas Gutes in der Vorweihnachtszeit!
    • Klinker wrote:

      Es ging mir um den Widerspruch, dass der Kölner Dom, der ja größtenteils eine idealisierte Rekonstruktion aus dem 19. Jahrhundert ist, ein großes Baudenkmal darstellen kann, wohingegen ein idealisiertes Berliner Stadtschloss "Disneyland" sein soll.
      Der Dom ist nicht idealisiert. Im 19.JH wurden die Originalpläne unter mysteriösen Umständen auf einem Dachboden wiederaufgefunden. Die Fassade wurde 1 zu 1 umgesetzt. Wie das Schiff aussehen sollte, hat man ja durch den schon gebauten Chor vor Augen gehabt.
      upload.wikimedia.org/wikipedia…/WP_Kölner_Dom_Riss_F.jpg

      Ich meine auch nicht, dass ein Bauwerk, dass im 19 Jahrhundert vollendet wurde, wie das Ulmer Münster auch, kein großartiges Bauwerk sein kann. Im Gegenteil. Heute jedoch einen nie gebauten Entwurf für das Stadtschloss umzusetzen halte ich hingegen für problematisch. Es gab solche Debatten übrigens schon früher. Beim Straßburger Münster hat man sich gegen die Vollendung und den Bau des 2. fehlenden Turmes entschieden, obwohl das angeregt wurde. Man gab der Authentizität den Vorzug.
      Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.

      The post was edited 1 time, last by Pfälzer Bub ().

    • Pfälzer Bub wrote:

      Klinker wrote:

      Es ging mir um den Widerspruch, dass der Kölner Dom, der ja größtenteils eine idealisierte Rekonstruktion aus dem 19. Jahrhundert ist, ein großes Baudenkmal darstellen kann, wohingegen ein idealisiertes Berliner Stadtschloss "Disneyland" sein soll.
      Der Dom ist nicht idealisiert. Im 19.JH wurden die Originalpläne unter mysteriösen Umständen auf einem Dachboden wiederaufgefunden. Die Fassade wurde 1 zu 1 umgesetzt.

      Bis auf die fehlenden Stellen.


      Pfälzer Bub wrote:

      Wie das Schiff aussehen sollte, hat man ja durch den schon gebauten Chor vor Augen gehabt.
      upload.wikimedia.org/wikipedia…/WP_Kölner_Dom_Riss_F.jpg

      Die Querschiffe sind dennoch eine idealisierte Neuschöpfung der damaligen Zeit, da ihr keine Orginalpläne zugrunde lagen.


      Pfälzer Bub wrote:

      Ich meine auch nicht, dass ein Bauwerk, dass im 19 Jahrhundert vollendet wurde, wie das Ulmer Münster auch, kein großartiges Bauwerk sein kann. Im Gegenteil. Heute jedoch einen nie gebauten Entwurf für das Stadtschloss umzusetzen halte ich hingegen für problematisch.

      Und wo ist da der Unterschied?

      Nochmals, das Rad soll nicht neu erfunden werden. Es geht nur darum einige Unstimmigkeiten des ursprünglichen Schlosses, wie z.B. die fehlende barocke Spreefassade, die sich durch die historischen Umstände leider ergeben haben, wie z.B. dem Tod König Friedrichs I., zu "berichtigen".


      Pfälzer Bub wrote:

      Es gab solche Debatten übrigens schon früher. Beim Straßburger Münster hat man sich gegen die Vollendung und den Bau des 2. fehlenden Turmes entschieden, obwohl das angeregt wurde. Man gab der Authentizität den Vorzug.

      Wenn es danach ginge, sollte man Restaurierungen oder gar Rekonstruktion grundsätzlich ablehnen, weil das Ergebnis nicht mehr "authentisch" wäre.
    • erbse wrote:

      Nichts von dem sagte ich. Und das tat auch sonst niemand.
      Also Erbse, jetzt wird es echt lächerlich, aber nun gut. Erst einen Tag zuvor hast du wieder ähnliches geschrieben , im SSC kann ich dir gerne deine Posts raussuchen, wenn du dich nicht mehr erinnerst. Das Herr Boddien sich doch für eine andere Ostfassade mehr einsetzen hätte können/ müssen wurde auch eine Seite zuvor geschrieben und im anderen Schloss-Thread taten dies sehr wohl auch andere. Ich denke halt, dass sich viele scheinbar gar nicht bewusst sind, wieviel Herr Boddien und der Förderverein und andere erreicht haben mit dem Stella-Entwurf.
    • Du drehst mir die Worte im Munde um. Such bitte nicht krampfhaft einen Streit, darauf will wohl niemand einsteigen. Es ging um die Relevanz der Diskussion für die Gegenwart. Niemand behauptete hier, dass jetzt irgendetwas unternommen werden müsste, damit die Stella-Fassade noch verhindert wird oder dergleichen. Wie gesagt, der Diskussionsfaden ist ein Wunschkonzert. Aber so drehen wir uns im Kreise.

      Ich hege ja die Hoffnung, dass wir eines schönen Tages halbwegs problemlos noch den Flügel der Schlossapotheke ergänzen können, um das Ensemble zum Lustgarten hin besser einzufassen. Kann dazu mal jemand die Grundrisse des heutigen Entwurfes über die Vorkriegspläne legen? Wäre dieses überhaupt möglich? Sicher müsste ein Teil des Stella-Baus umgebaut werden.