Potsdam in alten Bildern

  • ... die aus der Burgstraße haben ja genügend freie Parkplätze vor ihren Hauseingängen. So sah's aus:


    1964:


    „Kreativität entsteht nicht durch Überfluß sondern durch Mangel.“
    Richard David Precht

  • Immer wieder faszinierend, was alte Gewerbebauten für eine natürliche Anmut und Schönheit hatten. Ein Bild, das begeistert.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Die Partie an der Alten Fahrt wurde um 1840 von Persius nach malerischen Gesichtspunkten überarbeitet.

    „Kreativität entsteht nicht durch Überfluß sondern durch Mangel.“
    Richard David Precht

  • Potsdamer Neuste Nachrichten (PNN) hat sich in einem Artikel vom 18.11.2017 mit dem "alten" Potsdam befasst. Siegfried Lieberenz hat zu DDR-Zeiten die Abrisswut dokumentiert. Aus Hunderten Fotos ist jetzt ein Buch entstanden. Das Buch heißt "Bevor der Abrissbagger kommt".


    Am Montag, dem 27. November, soll das neue Buch um 18 Uhr in der Französischen Kirche öffentlich vorgestellt werden. Der Ort ist mit Bedacht gewählt. Gleich daneben wurden Ende der 80er-Jahre mehrere Holländerhäuser abgerissen. Sie wurden erst kürzlich wiederaufgebaut.


    http://www.pnn.de/potsdam/1235050/


    Die Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ) hat sich ebenfalls mit dem "alten" Potsdam befasst und auch einen Artikel dazu verfasst. Schon in der Vorschau finden sich einige beeindruckende Bilder, der Breiten Straße. Es wurde einfach viel zu viel alte, erhaltenswerte Substanz vernichtet.

    http://www.maz-online.de/Lokal…alte-Potsdamer-Innenstadt
    (Quelle: Märkische Allgemeine Zeitung, 27.11.2017)

    Edited 3 times, last by Meister Lampe: Ergänzung vorgenommen. ().

  • Hallo, liebe Potsdam-Kenner,
    diese alte Aufnahme stammt aus unserem Familiennachlass. Die Aufnahme ist etwa von 1900, findet jemand Hinweise auf ein genaueres Datum? Der Turm zwischen der Nikolaikirche und dem Rathaus gibt mir Rätsel auf. Zu welchem (ehemaligen?) Gebäude gehört er? Ich bin gespannt auf Eure Meinungen.
    Bernhard


    P.S. Ich habe das Bild in der Galerie (Potsdam) bereits als .jpg hochladen können. Dort kann man es auch betrachten.


    Potsdam-Panorama

  • Hallo Bernhard,
    können Sie bitte die Datei, sprich das digitale Bild, unkomprimiert und ungezippt in Ihrem Post veröffentlichen?


    Ich möchte Ihnen nichts unterstellen, aber ich sauge mir ungern ein zip auf meinen Rechner, in dem alles Mögliche komprimiert sein kann. Erst recht nicht von einem Novizen, der hier gerade mit einem Post aktiv wurde...


    Und bei unseren geliebten Gegnern wäre das ein nicht unzuerwartendes Verhalten: mal eben über dieses Forum Würmer, Trojaner oder Anderes an genau deren Gegner zielgenau zu verbreiten...


    Grüße
    Luftpost

  • @ Luftpost
    Du musst Dir halt nur einen Mac zutun, dann hast Du dieses Problem nicht mehr. ;)


    Das Bild muss vom Turm dieser "Kaserne" auf dem Havelblick oben aus gemacht worden sein. Wenn man markante Gebäude auf einem Bild, die senkrecht übereinander stehen, in einem Stadtplan miteinander verbindet, findet man den Standort des Fotografen heraus. In ihrem Fall verband ich so die Mittelaxe des Ostrisalits des Schlosses mit der südwestlichen Ecke der St. Nikolaikirche. Den Mittelpunkt der Rathauskuppel verband ich mit der Mittelaxe der Südwestfassade des Südwestflügels des Barberinis. Dort, wo sich diese Linien kreuzen, war der Standort des Fotografen. So kommt man auf den Turm der "Kaserne". Die Nachprüfung erfolgte dann mit dem Schloss Belvedere auf dem Pfingstberg. Der Mittelpunkt zwischen beiden Türmen liegt auf ihrem Bild genau über der Ostecke des Südwestflügels des Barberinis. Verbindet man diese beiden Punkte, kommt man in der Verlängerung wiederum genau auf den Turm der "Kaserne". Auf diese Weise mache ich oft "Reisen" oder "Stadtrundgänge", indem ich mir neben das Bild einen Stadtplan aus der gleichen Zeit oder zur Not eine Google-Ansicht lege.


    Auch wenn ich noch nie einen Fuss in diese wunderbare Stadt gesetzt habe, kann ich sagen, dass dieser fragliche Turm zum heutigen Postbankcenter an Am Kanal und Platz der Einheit gehört hatte. Man sieht den mit einem schwarzen Notdach abgedeckten Turmstumpf rechts auf folgender Ansicht:
    https://www.google.ch/maps/@52…,35y,39.48t/data=!3m1!1e3


    Es ist mir klar, dass unsere Spezialisten vor Ort ein fragliches Gebäude wahrscheinlich im Handumdrehen identifizieren können, aber mit meiner Methode habe ich in fremden Städten schon viele verschwundene Gebäude ausmachen können.


    Zur Datierung: der Gründerzeitbau "vor" St. Nikolai rechts am stadtseitigen Ende der Havelbrücke, wo heute der Neubau mit der "L'Osteria Potsdam" steht, ist dort gerade im Bau.

  • Dazu habe ich vor zwei Jahren ein ähnliches Foto geschossen. Das ist direkt von Turm des "Kremls" (ehem. Kriegsschule) aus aufgenommen (höher gings nicht mehr). Wie man sieht, ist der Standort wesentlich weiter links von dem Standort des alten Fotos gelegen. Wir sehen deshalb links an der Nikolaikirche vorbei (und nicht zwischen den beiden fraglichen Türmen hindurch). Und wir schauen aus deutlich größerer Höhe auf die Stadt und können dadurch mehr Einzelheiten erkennen. Dadurch sehen wir auch ganz deutlich, das die Kuppeln zum heutigen Stadthaus gehören. Der Standort des Fotografen des alten Bildes könnte evtl. ein Raum rechts vom Turm im OG. der Kriegsschule sein. Oder möglich wäre auch der Standort "Kaiser Wilhelm-Blick" am Fuß des Hauses.
    Die Kuppeln vom Postgebäude wurden übrigens erst im Dritten Reich abgetragen. Zur Entstehungszeit des Fotos muß ich mich zurückhalten. Da brauchte man noch ein bisschen Zeit.



    Foto: Autor, 2015

  • Also auch wenn ich noch nie in Potsdam gewesen bin, bleibe ich bei meiner Version, dass dieser Turm nicht jener des Stadthauses ist, sondern zum Postbankcenter gehörte. Durch die Verschiebung des Fotografenstandortes um ein paar Räume kann sich die Perspektive in weiter Ferne gar nicht so stark verändern. Und schon gar nicht, dass die fragliche Kuppel von rechts von St. Nikolai nach links springt. Das Stadthaus wurde ja erst 1902/07 gebaut und ist auf der historischen Aufnahme noch gar nicht vorhanden. Und das Datum der Aufnahme gibt doch der Gründerzeitbau am stadtseitigen Brückenende an, der noch im Baugerüst steckt.

  • Das Palasthotel neben dem Stadtschloss wurde 1896-1900 erbaut, das heutige Stadthaus zwischen 1902 und 1907 errichtet und das Postgebäude zwischen 1894 und 1900.
    Da auf das Hotel auf dem Foto kurz vor der Vollendung steht würde ich die Aufnahme auf 1899/1900 datieren. Das Stadthaus war damals noch nicht errichtet. Es könnte also der besagte Treppenturm der Post sein, nur war dieser Turmhelm niemals so hoch, dass er derart dominant gewesen wäre. Man konnte ihn aus der Entfernung nicht sehen. Mit ist so, als habe man den Turm reinretuschiert. Wenn am genau hinschaut sieht er auch etwas eigenartig aus - das würde auch die etwas eigenartige Position im Stadtgefüge erklären. Gemeint ist der Turm des Stadthauses. Das hat man in dieser Zeit gerne gemacht: projektierte oder im Bau befindliche Gebäude reinzuretuschieren.

  • Hallo zusammen,


    dass die Position nicht der Turm der ehemaligen RKS | SED Bezirksleitung | Ex- BB-Landtag ist, wurde schon richtig erkannt. Auch der Kaiser-Wilhelm-Blick kann es nicht sein, da dieser Blickwinkel in etwa identisch, nur etwas niedriger ist. Meiner Meinung nach handelt es sich um einen Blick vom ehemaligen Belvedere auf dem Brauhausberg (Wackermanns Höhe), welches in den 70er Jahren des vergangenen Jh. -ohne Not- abgerissen und nun durch einen Anbau an die RKS überbaut werden soll.


    Korrektur: der Standort für das Foto muss sich rechts von der RKS befunden haben. Erkennbar am Belvedere auf dem Pfingstberg in Relation zum Alten Rathaus. Würde es sich um das Belvedere auf dem Brauhausberg handeln, würde das Pfingstberg-Belvedere sich auf dem Foto zwischen Altem Rathaus und Nikolaikirche befinden.


    Der Turm ist auch historisch nicht dort gewesen. Es scheint sich wahrhaftig um eine Retusche zu handeln. Vielleicht um die Proportionen des damals künftigen Amtsgebäudes des Regierungsbezirks Potsdams - des heutigen Rathauses, in deren Wirkung zusammen mit der Umgebung abzuschätzen.
    Die Turmaufbauten auf den Ecken der ehemaligen Reichspost sind es jedenfalls nicht: diese waren in der Ausführung eine Stahlskelett-Glaskonstruktion, ähnlich der historischen "Kuppel" des Berliner Reichstages.


    Edit nach Korrektur: damit wird die These der Retusche für die Kuppelwirkung des Rathauses wahrscheinlicher, da nur in dieser Position die Kuppel an dieser Stelle sichtbar wird.


    Grüße
    Luftpost |

  • Das mit der Retusche hat natürlich etwas. Da müsste man aber etwas mehr über die Fotografie erfahren, denn Retuschen wurden im allgemeinen nur bei Fotos vorgenommen, die für den breiten Verkauf bestimmt waren. Solche Fotos waren dann aber meistens auf Karton aufgezogen, was bei diesem Bild nicht der Fall ist (Knick links unten). Wenn ich aber die Bauten im Vordergrund betrachte und die helle Brandmauer in Bildmitte, glaube ich wiederum weniger an ein Souvenirbild.


    Wenn man die Fotografie sehr stark vergrössert (nicht das eingebundene Bild, sondern die zip-Datei), erkennt man rechts unten am Turmschaft sowie genau darüber an der Kuppel zwei helle Flecken, die auf eine Retusche hinweisen könnten. Um Bauten am Brauhausberg wird es sich dabei kaum handeln, da dieser unbebaut ist. Eine Aufnahme der Reichspost mit noch erhaltenen Kuppeln auf den Eckrisaliten (links von St. Nikolai) findet sich im Bildindex, wo man sieht, dass weder diese noch der Treppenturm einen so hohen Schaft hatten wie auf der Foto von Bernhard H.



    Bildquelle: http://www.bildindex.de

  • Was soll denn die "RKS" sein?

    „Kreativität entsteht nicht durch Überfluß sondern durch Mangel.“
    Richard David Precht

  • Es wäre schön, wenn nicht immer solche Abkürzungen geschrieben würden. Man muss auch bedenken, dass Beiträge nicht nur für Einheimische geschrieben werden.


    Ich mag mich noch erinnern, als vor einigen Jahren dauernd "KP" geschrieben wurde, eine Abkürzung, die für drei Objekte stand: Kulturpalast Dresden, Kurländerpalais Dresden und noch ein dritttes Objekt, an das ich mich nicht mehr erinnere.

  • Eine "Reichskriegsschule" hat es nie gegeben. Errichtet wurde der Bau auf dem Brauhausberg als Königl. Preußische Kriegsschule - das Militär war im Deutschen Reich von 1871-18 bundesstaatlich. In den 1920 Jahren wurde der Bau zum Reichsarchiv, da die Kriegsschulen nach dem Versailer Vertrag geschlossen wurden.


    Gggf. ist bei den Handelnden einfach die Assoziation zwischen "Reich" und "Krieg" so groß, dass man dies zusammenzieht. Es bleibt trotzdem historisch Unsinn.

    „Kreativität entsteht nicht durch Überfluß sondern durch Mangel.“
    Richard David Precht

  • Richtig, aber der Name scheint so geläufig zu sein, dass gar der Wiki-Artikel drunter läuft. https://de.wikipedia.org/wiki/Reichskriegsschule
    Begründet wird das in der dazu stattgefundenen Diskussion übrigens mit einem dementsprechend lautenden Eintrag in der Potsdamer Denkmalliste des brandenburgischen Landesamtes. (aktuellle Liste PDF)


    Quote

    Potsdam
    Am Havelblick 8
    Straßenseitige Fassaden der Reichskriegsschule (später Reichsarchiv bzw. Landtag)
    ID 09155830

  • Dadurch wird´s nicht richtiger.


    Das Foto eines Stadtplanes von 1910 hatte mir vor einiger Zeit Poztupimi zur Verfügung gestellt.


    Das Belvedere befindet sich links vom Turm der Kriegsschule. Ich hätte also einen völlig anderen Blickwinkel auf die Stadt. Deshalb war ich auch immer davon ausgegangen, dass der Fotograf ganz rechts vom Turm seinen Standort hatte. Nur so hatte diese interessante Durchschau zwischen Rathaus und Kirche. Der Kaiser-Wilhelm-Blick ist hier noch nicht eingezeichnet. Er liegt links vom Turm auf der Straße Am Havelblick (hier auch noch nicht so genannt). Die Sache mit der Retusche klingt einleuchtend...