Köln - damals und heute (Galerie)

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    • Das kann ich einfach nicht nachvollziehen. Bei solch stark vereinfachten Wiederaufbauergebnissen wird immer wieder das "Not-Argument" ins Feld geführt. - Kein Geld, keine Zeit, keine Lust.
      Scheinbar hatte man jedoch genügend Ambitionen und finanzielle Mittel, um ein bereits wieder hergerichtetes Bauwerk nachträglich noch einmal umzubauen. Die Mentalität der Wiederaufbaujahre bringt mich regelmäßig auf die Palme. Das hätte alles nicht sein müssen.

      Schade, daß man auf dem Bild von 1950 nicht sieht, wie das Haus weiter rechts aussieht. Wahrscheinlich besaßen die Ecktürme bereits wieder ihre Hauben und man hat diese später wieder entfernt.

      Edit: Beim Vergleich der Bilder ist mir aufgefallen, daß diese Ansicht wohl die Rückseite des Gebäudes zeigt. Laut der Bing Karte , sieht die Vorderseite noch viel schlimmer aus. Zum Vergleich die Vorkriegssituation . :schockiert:

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Neußer ()

    • Neußer schrieb:

      Schade, daß man auf dem Bild von 1950 nicht sieht, wie das Haus weiter rechts aussieht. Wahrscheinlich besaßen die Ecktürme bereits wieder ihre Hauben und man hat diese später wieder entfernt.

      Tja, wenn die Datumsangaben stimmen und davon kann man in diesem Fall ausgehen, dann sieht es so aus als hättest du recht. Zumindest einer der vorderen Türme an der Seite "Burgmauer" war wohl noch vorhanden.


      Bilderbuch Köln

      Was ging den Leuten damals eigentlich durch den Kopf ?
      Vielleicht: "Wenn die ganze Stadt sowieso total kaputt ist, dann machen wir jetzt einfach noch ein wenig mehr kaputt, damit wir uns anschl. einreden können, wir hätten ja alles so gewollt und so sei es ohnehin besser."

      Wenn man die Zerstörungen der Stadt nicht selbst miterlebt hat, dann erscheint die ein oder andere "Kausalität" der paralysierten Bevölkerung unverständlich.
      Architektur ist nichts anderes als die Formensprache einer Kultur. Entweder sie lebt, oder sie ist tot.
    • Angesichts dieser häufigen Pauschalverurteilungen der Kriegs- und Wiederaufbaugenerationen und deren ihnen damit unterstelltes städtebauliches Versagen möchte ich zwei Zitate aus Jörg Friedrich "Der Brand" gegenüber stellen mit der freundlichen Aufforderung an alle hier, die so vorschnell urteilen, sich einmal ihres Verständnisses und Mitgefühls zu bedienen und sich in die existentiellen Nöte der Bevölkerung der deutschen Städte um und nach 1945 hinein zu versetzen. Ich hoffe, daß dann ein anderes Anschauen entstehen könnte.
      Wer den Bombenkrieg nicht selbst miterlebt hat (Gott sei Dank) sollte sich um ein differenziertes und informiertes Wahrnehmen bemühen. :lehrer:

      So, das war mir nun wichtig hier einen Korrekturimpuls zu setzen. Ich kenne die Auswirkungen der traumatischen Bombenkreigserlebnisse über die Generationen hinweg aus eigener Familie. Meine Mutter hat Dresden überlebt!

      Bitte den Text im Kasten beachten:






      Quelle: scans aus Jörg Friedrich: Der Brand - Deutschland im Bombenkrieg 1940-1945

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von SchortschiBähr ()

    • Trotz der scheinbaren Selbstverständlichkeit ein wichtiger Artikel!
      Die Menschen in der Nachkriegszeit hatten andere Sorgen als ein paar Giebeln und Halbsäulen.
      Deshalb muss man nicht den ganzen Wiederaufbau schönreden (vor allem nicht jenen der alten Mittelstädte), aber gerade bei so heimgesuchten Großstädten wie Köln oder Hamburg steht eine anderer emotionaler Zugang dahinter.
      Besonders albern ist das ewige Gequatsche von einer "zweiten Zerstörung".
      Auch Friedrich übertreibt dabei, wohl im (verständlichen Bemühen), den psychischen Zustand der Überlebenden darzustellen. Mehr Stein als die Bombe haben anschließend die Bewohner abgerissen: - das ist Unsinn. Dazu braucht man sich nur eines der berühmten Luftbilder von Köln oder Hannover anzuschauen. Wer hätte anschließend SOLCHE Flächen abreißen sollen? Trümmersprengung ist doch etwas anderes als Abriss!
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Schön und gut. Dieses, "Die Menschen in der Nachkriegszeit hatten andere Sorgen", will ich nicht so stehen lassen. Aber da muss man auch die unmittelbaren Nachkriegsjahre, von 1946 bis zirka 1952 - 53, von den 1960er und 1970er Jahren unterscheiden. Klar war es am Anfang nur wichtig wieder ein Dach über dem Kopf zu haben. Daß man da auf Kunst am Bau verzichtet, ist einleuchtend. Beim hier vorgestellten Gerichtsgebäude war die Reparatur des Daches jedoch schon, wie das Bild zeigt, 1950 abgeschlossen. Die anschließende Beseitigung der Giebel war, meiner bescheidenen Ansicht nach, absolut überflüssig. Und das hat rein gar nichts mit irgendeiner Notsituation zu tun.
      Vielmehr sollte das neue und moderne Stadtbild die Menschen sicher nicht mehr an die Vergangenheit und die damit verbundenen traumatischen Ereignisse erinnern. Ich vergleiche das immer gern mit einer Frau, die nach einer Trennung sofort ihre Frisur ändert, die Haare färbt und bei einer Shoppingtour neue Kleidung einkauft. Möglicherweise wird auch gleich die gesamte Wohnung umgestaltet, damit nichts mehr an die vergangene Zeit mit dem verflossenen Partner erinnert.
    • Sorry, aber bitte mehr beim Thema bleiben.

      Für die übliche Nachkriegsdiskussion oder die tiefgreifende Psychoanalyse der "geschundenen" Bevölkerung mit Armstarre ist das hier eigentlich der falsche Strang. Hier geht es mehr um eine städtebauliche Gegenüberstellung der Stadt Köln in den verschiedenen Jahrzehnten. Die Diskussion sollte daher mehr in diese Richtung gehen.
      Architektur ist nichts anderes als die Formensprache einer Kultur. Entweder sie lebt, oder sie ist tot.
    • Neußer schrieb:

      In einem Strang für gegenüberstellende Vorkriegs- und Nachkriegsphotos, muss man einfach damit rechnen, daß über die Gründe der entstandenen Veränderungen spekuliert/diskutiert wird.

      Da hast Du recht, aber man sollte den eigentlichen Schwerpunkt nicht aus dem Auge verlieren und keine völlig falsche Gewichtung in den Strang reinbringen. Da ich gerne noch mehr Ansichten posten möchte, habe ich nunmehr das Gefühl eine andere Diskussion zu zerschneiden, wenn ich "bei den Gebäuden" bleibe. Und genau das will ich eigentlich nicht.

      Und immerhin ist in den vergangenen 70 Jahren einiges passiert und in meinen Augen wäre es längst Zeit gewesen, eine positivere Haltung einzunehmen. Irgendwie hat man das in Köln noch nicht so richtig geschafft oder vielleicht auch ein wenig verschlafen. Wenn ich hier alte Bilder mit neuen vergleiche sind meine Gedanken nicht in der Nachkriegszeit, sondern eher in der Zukunft. Die meisten Menschen heute haben vergessen wie es hier mal aussah bzw. haben es nie anders gekannt. Wenn es anders wäre, dann sähe diese Stadt längst anders aus. Das Beste was man tun kann ist es denn Menschen näher zu bringen. In Berlin gibt es in den U-Bahnen z.B. viele großformatige Bilder von der alten Stadt. Das könnte man in Köln auch mal einführen.

      Ich war heute unterwegs um den heutigen Zustand der zukünftigen "Via Culturalis" zu inspizieren. Wann immer sie denn kommen möge, denn wie ich nachgelesen habe, werden hier schon seit 2005 Pläne geschmiedet, aber viel passiert ist bislang noch nicht. Mittlerweile verschwinden aber die störenden Buddel-Mulden vor dem Rathaus. Daher könnte es also sein, dass sich tatsächlich mal was tut in dieser Gegend. Das macht es umso interessanter wie ich finde.

      Es fielen einige Bilder an um hier etwas anzufügen:


      ist dieses Bild wirklich von 1996 ?


      So sieht es heute aus.























      Historische Fotos: Bilderbuch-Köln
      Architektur ist nichts anderes als die Formensprache einer Kultur. Entweder sie lebt, oder sie ist tot.
    • Auch wenn es "Silvester72" ärgert, möchte ich doch noch ein paar kurze Worte zu der vorangegangenen Diskussion verlieren. "SchortschiBähr", es ging zumindest mir mit Sicherheit nicht darum, die Kriegs- und Nachkriegsgeneration pauschal zu verurteilen. Dergleichen überlasse ich den Alt-68ern, die sich zeitlebens an ihren Eltern abarbeiten. Gleichwohl gab es ja bestimmte Architekten und Stadtplaner, die für bestimmte Entwicklungen Verantwortung tragen. Und die sollte man nicht völlig aus der Verantwortung für ihre Planungen entlassen. Dass gerade auch "ursus carpaticus" plötzlich erklärt, dass die Leute dieser Zeit andere Sorgen als Architektur und Stadtplanung hatten, überrascht mich etwas, bin ich doch aus dem Strang über die Nachkriegsgestaltung Nürnbergs ganz andere Töne von ihm gewohnt. Auch ich sehe natürlich die Prioritäten der Nachkriegsnot. Insofern habe ich auch immer mäßigend auf manche Enthusiasten der Frankfurter Altstadt geantwortet, die bedauerten, dass man einige ruinöse Relikte der Altstadt nach 1945 abgeräumt habe. Schließlich waren Rekonstruktionen in der Nachkriegsnot fast nicht möglich. Im konkreten Kölner Fall würde ich aber schon von jener "zweiten Zerstörung" sprechen. Schließlich hat man ja sogar Energie dafür verwendet, ein offenbar weitgehend erhaltenes bzw. wiederhergestelltes Gebäudes gemäß den geschmacklichen Vorgaben der Nachkriegszeit zu verstümmeln. Das liegt auf einer Linie mit den Entstuckungen in Berlin, die man nicht mit materieller Not erklären kann. Mit einem psychischen Trauma vielleicht - aber soll ich das heute deshalb gutheißen? Es gab ja sogar teils in der unmittelbaren Nachkriegszeit wiederhergestellte Gebäude, die man später trotzdem abriss, um der Stadt ein moderneres Image zu geben, z.B. die alte Reithalle in Stuttgart oder das Schauspielhaus in Frankfurt. In Offenbach war man in der dortigen Lutherkirche zum Glück nicht so gründlich. Die im Krieg kaum beschädigte Kirche wurde in den 50er Jahren innen mit viel Aufwand "modernisiert", dass heißt mit Lamellenbrettern zugenagelt. Glücklicherweise bliebt aber darunter die originale Jugendstilausschmückung erhalten, so dass man diese in den 80er Jahren freilegen und restaurieren konnte. (Man muss sich den Raum ganz schlicht in cremeweiß-grau mit schmalen Holzlamellen verkleidet vorstellen; so sieht er heute wieder aus: fr-online.de/image/view/2014/2…therkirche1_120314_4c.jpg) Also, bei diesem Aufwand der Entstuckung und "Modernisierung" kann man nicht nur von einer Behebung von Not sprechen. Das entsprach klaren Überlegungen. Natürlich gibt Jörg Friedrich dafür eine Erklärung. Das sollte aber nicht dazu verleiten, den Ist-Zustand als unantastbar anzusehen. Rekonstruktionen haben durchaus ihre Berechtigung, um solche Traumata endlich hinter sich zu lassen. Köln ist davon nicht ausgenommen.
    • Der Wiederaufbau in den diversen deutschen Städten wurde hauptsächlich durch einzelne Personen und ihr ideologisches Leitbild geprägt. Viele Architekten und Stadtplaner, die sich auf eine angebliche Abkehr von der deutschen muffigen Geschichte beriefen, setzten eigentlich nur die schon unter Rüstungsminister Speer entwickelten Wiederaufbaupläne um.
      Es wird immer vergessen, daß das Dritte Reich und das Wirtschaftswunder zwischen 1948 und 1955 von ein und derselben Generation getragen wurden.
      Es gab aber auch den sogenannten Münchner Weg als Wiederaufbaukonzept. Ohne diesen Konsens würde München heutzutage vielleicht auch in der Innenstadt so aussehen wie Kassel.

      Hier ein interessanter Artikel zu dem Thema:

      muenchen.de/rathaus/Stadtverwa…bau-plan/sbp_phase_5.html
      " Dem Wahren, Schönen, Guten "
    • Übrigens, immer wenn ich mich über den Wiederaufbau deutscher Städte und die verlorene Pracht aufrege, dann schaue ich mir zum Vergleich aktuelle Bilder britischer Innenstädte an. Dann weiß ich, daß es noch wesentlich schlimmer hätte kommen können und wir zumindest noch eine Chance auf die Reparatur unserer Städte haben. Die Meisten hier kennen vermutlich eher London mit seinen Vor- und Nachteilen. Aber wer wissen möchte, wie Innenstädte auch aussehen können, wenn man sie völlig gewissenlosen Stadtplanern und zynischen Architekten anvertraut, der betrachte sich mal diese Bilder:

      Manchester:

      manchesterentrepreneurs.org.uk…05/manchester_pano_11.jpg

      Birmingham:

      the72project.files.wordpress.c…tos-survey-birmingham.jpg

      Sheffield:

      carocat.files.wordpress.com/20…heffield-from-wheel-1.jpg

      Liverpool:

      tommr.de/wp-content/gallery/li…l/uberblick-liverpool.jpg


      Das ist wirkliche Tristesse!! Doch natürlich will ich deshalb in Deutschland nicht weniger Rekonstruktionen, sondern erst Recht möglichst viel von der alten Pracht wiederhaben.
      " Dem Wahren, Schönen, Guten "
    • Volle Zustimmung zu GB! Hässlichere Großstadt-Innenstädte findet man kaum in Europa. Man darf nie vergessen, dass der Historismus erst seit max. 30 Jahren die Wertschätzung genießt, die er heute hat. Der Kriegsgeneration galt er schlichtweg als Kitsch. Eine Bereinigung oder sogar die Zerstörung ohne Not eines solchen Gebäudes galt dieser Generation ähnlich legitim wie heutzutage uns der Abriss eines 70er-Jahre-Bunkers. Gerade in Köln wurde viel schwerzerstörte Bausubstanz gerettet, nicht nur die Kirchen. Z.B. das Haus zum St Peter am Heumarkt:
      de.academic.ru/pictures/dewiki…t-Peter-Heumarkt-Köln.JPG
      so sah das Haus 1945 aus:
      in1.bilderbuch-koeln.de/bilder…b90288683_600x450xfr.jpeg
      Da gibt es in Deutschland etliche Städte, die besser erhaltene Ruinen abrissen, z.B. München oder Lübeck.
      Überhaupt:
      Was soll angesichts dieser Ausgangssituation:
      atelier-eifelart.de/heumarkt-G…44StadtkonservatorKln.jpg

      bilderbuch-koeln.de/bilder/köl…33149607_978x1304xin.jpeg

      an diesem Wiederaufbau:
      staedte-fotos.de/1024/der-heumarkt-koeln-17-maerz-19203.jpg

      upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/8/8f/Fischmarkt.jpg

      static.panoramio.com/photos/large/8246541.jpg

      upload.wikimedia.org/wikipedia…/4/44/Alter_Markt_001.jpg

      so schrecklich und gedankenlos sein?
      Westlich des Doms stand dort, wo heute wieder die Altstadt liegt, so gut wie nichts mehr, selbst Groß-St-Martin ist auf Frauenkirchenruinenformat geschrumpft:
      4.bp.blogspot.com/-PlgZhtZgPZE…1IGIbg0/s1600/Mission.jpg

      Bevor man also die Generation verdammt und gedankenlos nennt, der wir unseren heutigen Lebensstandard verdanken, sollte man erst mal innehalten und überlegen, dass sie vielleicht aus ihrer Ist und Erfahrung durchaus richtig handelten, auch wenn wir heute nicht mehr alle Beweggründe verstehen.
      Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Pfälzer Bub ()

    • Nun, ich empfinde es auch als ziemlich "beruhigend", daß Deutschland kein Monopol für hässliche Nachkriegsstädte hat. Wie ich bereits früher erwähnte, sehe ich auch einige Städte in den Niederlanden oder Belgien als eher unattraktiv.

      Beispiel: Eindhoven - Nijmegen oder Lüttich .

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Neußer ()

    • @Heimdall

      Nein, an meiner Ansicht zu Nürnberg ändert sich nichts.
      Köln ist da etwas anders gelagert, schon alleine von den Opferzahlen her.
      Auch lagen, was Nürnberg betrifft, die schlimmsten Sünden in späteren Zeiten.
      Köln war nicht des Reiches Schatzkästlein usw...
      Das von dir kritisierte, diskussionsauslösende Beispiel betraf wirklich nichts Sensationelles, irgendein beliebiges Historismusgebäude, das übrigens nicht entstellt sondern bloß vereinfacht wurde.
      Wahrscheinlich wird Friedrich nicht mit allen recht haben, seine Zeilen sind, wie seinerzeit Philon ausgeführt hat, oft literarisch zu werten und keineswegs aus dem Zusammenhang gerissen für bare Münze zu werten!
      Dass man etwa die Städte bombensicher bauen wollte, ist sicher Unsinn. Die Menschen nach 1950 fürchteten keine konventionellen Bomben mehr. Damals gab es eine ganz andere Bedrohung, vor der nichts schützte. Dass man die alten Städte nicht mehr sehen wollte, weil sie an den Schmerz der Zerstörung erinnerten, ist ein neues, interessantes Argument, eine Abwandlung des antideutschen Diktums, dass man mit seiner ewig faschistischen Geschichte brechen wollte. Ich glaube beide Varianten nicht. Das ist zuviel Philosophie, Zuerst kam die wirtschaftliche Entbehrung, dann die Geldgier.
      wie gesagt, ich verdammen den ganzen Wiederaufbau nicht als solchen. Ich denke, dass in Bezug auf Köln einfach realistischerweise nichts Besseres zu erwarten war. Die Stadt war schlimm traumatisiert, schon vor dem Krieg als ganzes nicht besonders berühmt und weitgehend überformt gewesen, dazu eine Großstadt, die den neu entstehenden Bedürfnissen angepasst werden musste. Dazu ist man in dem kleinen ALtstadtviertel ziemlich schonend verfahren.
      In Würzburg und Nürnberg hätte eine ästhetische Kraftanstrengung ungleich bessere Ergebnisse erzielen können, ja, erzielen müssen. Zumindest in zentralen Bereichen, so wie es in Köln südlich von Groß Sankt Martin gelungen ist. In Nürnberg vermisst man ein so gut aufgebautes Viertel völlig. Überall finden sich grobe Verschandelungen, dabei wäre um St. Sebald sehr viel zu machen gewesen.

      Außerdem fordert Köln hier im Forum nicht so sehr den Widerspruch heraus. Schließlich behauptet niemand, dass sie heute ach so wunderschön sei.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • zu den englischen und niederländischen Städten:
      1) waren die gezeigten Beispiele niemals etwas Herausragendes. Analoge Beispiele wären eher Duisburg, Krefeld, Chemnitz oder Kattowitz (Letzteres ist vielleichti ein bisschen polemisch).
      2) Diese Beispiele sind in der Tat drastisch. Bei mir zu Hause in "Mitteleuropa" gibt es solche Städte einfach nicht. Auch Industriestädte wie Linz, Ostrava (google.at/imgres?imgurl=http:/…ei=BCRiVOrRKOOS7AafqICADA) oder Miskolc sind da einfach weit schöner.
      Für mich zählt NRW zu Mitteleuropa, und es fällt mir schwer, mich mit den dortigen hässlichen Innenstädten abzufinden.
      Köln ist natürlich schon eine ganz eigene Kategorie und mit Manchester etc nicht in einem Atemzug zu nennen. Wie die Bilder Slversters zeigen, wird dort doch einiges zur Verschönerung gemacht. Mich hat die Stadt immer irgendwie beeindruckt.
      3) Angesichts der englischen und belgischen Links muss man natürlich, so schmerzlich dies auch erscheint, über den Tellerrand der Stadtbildästhetik hinaussehen. Es ist nicht nur die Äußerlichkeit der europäischen Stadt, was dort verloren geht.
      4) Auf dieser Erkenntnis aufbauend, überkömmt einem in Bezug auf England schon der eine oder andere eher grimmige Gedanke.
      Wenn dies hier
      4.bp.blogspot.com/-PlgZhtZgPZE…1IGIbg0/s1600/Mission.jpg

      die Visitenkarte der siegreichen Welt war (die wir, um nicht weiters heiligen buonistischen Zorn hervorzurufen, keineswegs als "antiabendländisch" apostrophieren dürfen) - muss man sich dann wirklich über das aus diesen geistigen Fundamenten gewachsene (nun tatsächlich wohl nicht mer allzu abendländische) Hier und Jezt wundern?

      Man muss zugeben, dass hier, zu Köln,

      upload.wikimedia.org/wikipedia…/4/44/Alter_Markt_001.jpg
      allen schlimmen äußeren Umständen zum Trotz, sehr wohl eine im besten Sinne menschliche Maßstäblichkeit gewahrt wurde.
      Auch wenn man nicht alles schönzureden braucht.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von ursus carpaticus ()

    • Ich vertrete da wohl eine Minderheitsmeinung, aber mir hat Chemnitz sehr gut gefallen.
      Und Magedburg hat sicher auch noch einiges aufzuwarten. Glaub nicht, dass man sich dort unwohl fühlen muss.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Meine ich auch garnicht. Die Alt-Chemnitzer, -Magdeburger und-Duisburger werden ihre Stadt genauso mögen und sich wohlfühlen. Ich fand Chemnitz auch nicht schlecht, Magdeburg kenne ich nur 1990, aber leben wollte ich da nicht. Zu unurban, zu zugig. für mich keine Wohlfühlstädte. Ich brauche halt ein bisschen Altstadtflair und das hat Köln zu bieten auch wenn das meiste aus der Nachkriegszeit stammt. Deshalb wollte ich auch nicht in Ludwigshafen wohnen, weil mir die Idefikationspunkte fehlen, nicht weil die Stadt objektiv so hässlich ist.
      Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.