Köln - damals und heute (Galerie)

  • Ich möchte an dieser Stelle das Thema gerne fortführen, beziehungsweise wieder mit vernünftigem Inhalt füllen, da die heutigen Bilder von Silvester72 leider nicht mehr verfügbar sind. Ich habe allerdings etliche der von ihm verwendeten historischen Perspektiven mittlerweile selber fotografiert und führe das kontinuierlich weiter fort.


    Ich werde hier in chronologischer Reihenfolge die selben Bilder einstellen, die ich auch auf den Social-Media-Kanälen von "Köln früher und heute" veröffentliche.


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    Ich verwende auch noch einmal die Bilder aus meinem Video über den Alter Markt.


    Der erste Bildvergleich zeigt die Ostseite des Alter Markt:


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    Das einzige Haus, was den Krieg überlebt hat, ist das Doppelhaus "Zur Brezel" und "Zum Dorn", am rechten Bildrand ist der Renaissance-Doppelgiebel zu erkennen. Ansonsten dominieren den heutigen Alter Markt die Imitationen der typischen alten Kölner Bürgerhäuser aus der Wiederaufbauzeit. Man sieht deutlich, die viel Details und Kleinteiligkeit verloren gegangen ist.

  • Die Rathausfassade am Alter Markt heute und früher:


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    Ja, da braucht man nicht viel zu sagen... Ausgerechnet das Rathaus hat heute die hässlichste Fassade am Alter Markt, während vor dem Krieg dort ein absoluter Prachtbau stand (übrigens von Raschdorff im 19. Jahrhundert in der auf dem Bild zu sehenden Form umgebaut).

  • Blick in die Martinstraße Richtung Norden heute und damals:

    Im Rücken hat man den Gürzenich, geradeaus geht es auf den Rathausplatz. Was auffällt ist, dass die historische Straßenführung mit Gebäudevorsprüngen und Knick in der Straße im Grunde genommen erhalten wurde, nur die Querverbindung in der Bildmitte zum Quatermarkt existiert nicht mehr. Die schmalen Kölner Bürgerhäuser, teils im schlichten Stil der spätmittelalterlichen Architektur, teils im Stile der Gründerzeit verziert, sind wuchtigen Klötzen auf der einen und banalen Häusern aus der Wiederaufbauzeit auf der anderen Seite gewichen.


    Der große Klotz links am Ende der Straße ist übrigens der Neubau des Wallraff-Richartz-Museums und am Ende der Straße hat man den Blick auf die Baustelle des jüdischen Museums, dort entsteht der nächste fensterlose Klotz im Herzen des alten Köln.


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  • Das Jan-von-Werth-Denkmal vor der Westseite des Alter Markt:

    Wo früher eine geschlossene Häuserzeile mit vielen schmalen, schlichten Häusern war, hat man heute durch eine große Lücke in der Bebauung einen in der Form ahistorischen Blick auf den Rathausturm. Die Lücke wird in den kommenden Jahren etwas kleiner werden, denn dort wird das "rote Haus" über dem Ubahn-Eingang wieder errichtet.

    Der Rathausturm und das Standbild entsprechen heute weitestgehend den historischen Originalen.


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  • Der untere Teil der Lintgasse mit Blick Richtung Rhein:

    Die Lintgasse ist ja bekannt als eine der verschwindend wenigen Straßen in der Kölner Innenstadt, die den Krieg halbwegs unbeschadet überstanden haben und die zur heute so bezeichneten "Altstadt" gehören.

    Auf der rechten Seite sieht man auf dem heutigen Bild im Vergleich zum historischen (was wohl um 1930 herum aufgenommen wurde) die Veränderungen, die die Altstadtsanierung in den 30er Jahren gebracht haben. Auf der linken Seite sieht man dagegen die Wunden, die der Krieg auch hier gerissen hat. Auch hier wurden schmale Altstadthäuser letztendlich durch zu große Interpretationen im Wiederaufbau ersetzt. Links sieht man angeschnitten einen der völlig Altstadt-untauglichen Bauten, die Groß Sankt Martin vom umgebenden Viertel regelrecht abriegeln.


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  • Das nächste Bild zeigt ungefähr die Hälfte des Alter Marktes mit Blick Richtung Norden.


    Die Nordseite, die man in der Bildmitte auf dem historischen Foto sieht, wurde im Kaiserreich noch komplett abgebrochen und durch Historismus-Bauten ersetzt, in dem Zuge wurde auch die sehr schmale Bechergasse verbreitert.

    Heute steht dort die nach dem Rathaus zweithässlichste Fassade am Alter Markt, als Teil eines riesigen Komplexes, der bis auf die andere Seite des zugehörigen Häuserblockes reicht.


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  • Gibt es eigentlich so etwas wie einen regionalen städtischen Baustil in Köln? Ich hatte bisher gedacht, die nahezu glatten Fassaden der Stadthäuser mit ihren seltsam zusammengestauchten Spitzdächern wären eine Erfindung der Wiederaufbauzeit gewesen. Wie man auf dem unteren Foto sieht, sahen viele Häuser in der Kölner Altstadt schon vor dem Krieg so aus...:gehtsnoch:

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Im Wiederaufbau wurde an einigen wenigen Stellen wie dem Alter Markt einige typische historische Kölner Architekturelemente aufgegriffen, das ist richtig. Die spitzen, schiefergedeckten Dächer, die recht schmalen Fassaden, der gerade Dachabschluss. Wenn man ein wenig genauer hinschaut, und das soll auch meine Bilderserie hier verdeutlichen, sieht man allerdings, dass andere, wichtige Details dort fehlen und der Wiederaufbau am Alter Markt mehr eine schlecht gemachte Imitation denn einen originalgetreuer Wiederaufbau darstellt.


    Das ist auch der Fokus, den ich auf meine Bildauswahl lege, ich möchte auch möglichst viel vom wirklich alten Köln zeigen (was an vielen Stellen schon im 19. Jahrhundert verschwunden ist) und nicht bei den immer selben Motiven wie Oper, Bahnhof oder der Ringstraße bleiben, die zwar auch sehr schön sind, aber eben auch erst im 19./20. Jahrhundert gebaut wurden.

    Im Vergleich zu Frankfurt oder Nürnberg wirkt das alte Köln an vielen Stellen etwas schlicht, vielleicht sogar streng, versprüht aber doch seinen ganz eigenen Charme. Das finde ich auch gerade das Tolle, wie unterschiedlich die Städte je nach Region waren.

  • Kommen wir zum, sagen wir mal, krassesten Bildvergleich, den ich bisher hier eingestellt habe.

    Der Standpunkt ist die Johannisstraße, da wo sie unter den Bahngleisen zwischen Hauptbahnhof und Hohenzollernbrücke verläuft, die Blickrichtung geht am Chor des Doms vorbei Richtung Stadtzentrum.

    Heute schaut man auf eine trostlose Straßenschlucht, die zwischen Domplatte und den Gebäuden des Museum Ludwig entstanden ist und die in einem Tunneleingang endet. Man muss bedenken, dass der Dom am rechten Bildrand nur ganz knapp nicht im Bild ist, man sieht nur die Zweige des Baumes, der vor dem Chor steht.


    7 Domhof heute


    Früher hatte man dagegen den Blick über den historischen Domhof, links die Gebäude der Eisenbahn-Verkehrsbüros, in der Bildmitte der historische Petersbrunnen mit dem Treppenaufgang auf den Domhügel, im Hintergrund ist der Rathausturm zu sehen.


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    Wenn es einen Bildvergleich gibt, der treffend zusammenfasst, was nach dem Krieg im Domumfeld alles schief gelaufen ist, dann ist dieser sicherlich einer der aussagekräftigsten.

  • Der nächste Bildvergleich zeigt die Bebauung der Südseite des Marsplatzes (eine Straße vom Alter Markt entfernt).


    Vor dem Krieg stand dort ein relativ unspektakuläres Gründerzeitgebäude, heute steht dort ein relativ unspektakulärer Nachkriegsbau. Es sind Beispiele wie diese, die zeigen, wie stark der Kontrast zwischen der normalen, unspektakulären Masse der Architektur von heute und von vor dem Krieg ausfällt - und es mag hier Gegner des Historismus geben, aber welches Gebäude ansehnlicher ist, da sollte es wohl keine Meinungsverschiedenheiten geben.


    Das angeschnittene Haus links hat den Krieg und den Wiederaufbau bis auf das Dach übrigens als eines der ganz wenigen in dem ganzen Areal überlebt, wie man gut erkennen kann.


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  • Zurück zum Alter Markt, das Bild zeigt einen genaueren Blick auf die Nordostecke.

    Über die Häuser aus dem Wiederaufbau, die den typischen Kölner Stil aufzugreifen versuchen, hatten wir ja vor wenigen Beiträgen diskutiert - wer sich allerdings hinstellt und sagt, der Alter Markt sähe somit doch fast aus wie früher, der wird mit einem Blick auf das historische Bild eines besseren belehrt.


    9 Alter_Markt_5 heute


    Auf dem historischen Bild sieht man in der Mitte die beiden gründerzeitlich überformten Renaissance-Häuser "Zum Weißen Horn" und "Zum Schwarzen Horn". Das linke der beiden wurde in den dreißiger Jahren übrigens, kurz vor seinem (hoffentlich auf lange Sicht nur vorübergehenden) Untergang in seinen Ursprungszustand zurück versetzt.


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  • Ich wundere mich immer wieder...die Deutschen bauen die schönsten Autos der Welt und anderseits die hässlichsten Häuser. Woran liegt das bitte? Ersteres wird sich bei der aktuellen Politik leider auch bald erledigt haben. Es ist zum Haareausreissen!

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Ich wundere mich immer wieder...die Deutschen bauen die schönsten Autos der Welt und anderseits die hässlichsten Häuser. Woran liegt das bitte?

    Weil die (West)Deutschen in den Nachkriegsjahren nicht mit den Nazis abrechneten, sondern stattdessen ihre Städte endgültig ruinierten. Eine Vergangenheitsbewältigung mit völlig falschen Prioritäten also. Köln, Kassel, Dortmund, Pforzheim und Stuttgart sind tragische Belege dafür.

  • Exilwiener Köln ist ja für den Automobilsektor eigentlich eine sehr bedeutende Stadt. Hier erfand Nicolaus August Otto nämlich den Otto-Motor. Ein Automobilhersteller ist hier allerdings leider nie entstanden, dafür beherbergte Köln schon in den 20/30ern ausländische Automobilwerke, übrig geblieben bis heute sind die Ford-Werke.


    Zu der Frage, wieso der Alter Markt heute so hässlich aussieht, muss man allerdings immer die Kriegszerstörung bedenken. Hier ein Bild aus der Kriegszeit, einzig stehen geblieben von der zuletzt gezeigten Häuserreihe ist das (wie schon erwähnt, in den 30ern in seinen Ursprungszustand versetzte) Haus zum Weißen Horn:

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    Eine weitere Perspektive zeigt, dass das Bild von 1942 oder 1943 sein muss (also die Datierung 1946 oben ist falsch), denn Groß Sankt Martin steht bis auf das Dach noch weitestgehend:

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    Allerdings wurde auch dieser Trümmerhaufen noch weiter bombardiert, sodass auch die bis dahin zum Glück nur gering beschädigten und architektonisch wertvollen Häuser in der Reihe (Zum Weißen Horn und die Jan-von-Werth-Apotheke) noch zerstört wurden. Hier sieht man noch den traurigen Rest vom Weißen Horn, seltsamerweise im Erdgeschoss mit einer Art Betonplatte verstärkt:


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    Wie man sieht, auch hier steht Groß Sankt Martin noch ganz gut da. Aus einer anderen Perspektive sieht man den Zerstörungsgrad der Häuserzeile :


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    Aber auch die zu Schuttbergen bombardierten Schuttberge, wurden im Januar und März 1945 (!) nochmals bombardiert, sodass sich am Ende des Krieges Groß Sankt Martin in dem bekannten Zustand befand, und auch die kümmerlichen Reste an der Ostseite auf dem letzten Bild haben das nicht überlebt:


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    Der Alter Markt wurde, wie man sieht, nahezu vollständig ausgelöscht. Man hätte also von den Kellerfundamenten her rekonstruieren müssen - bekanntermaßen hat man das bei keinem einzigen Haus getan (vom wiederaufgebauten Overstolzenhaus blieb die Fassade immerhin bis zum ersten Stock erhalten).

    Und so leben wir bis heute mit der Nachkriegsbebauung - ich hoffe mal, dass sich das in den kommenden Jahrzehnten ändern wird.

  • Ich wundere mich immer wieder...die Deutschen bauen die schönsten Autos der Welt und anderseits die hässlichsten Häuser. Woran liegt das bitte? Ersteres wird sich bei der aktuellen Politik leider auch bald erledigt haben. Es ist zum Haareausreissen!

    Da gibt es weltweite Konkurrenz um hässlich zu bauen....


    Und was jetzt in Potsdam, Lübeck oder klassische Neubauten benutzen wir I'm Schweden als Votbilder fur Neubauten in Stockholm.

  • Nach den bedrückenden Kriegsbildern wollen wir uns nun wieder Bildvergleichen widmen. Der heutige Zustand ist zwar häufig auch trist, aber ganz so schlimm wie zerbombte Häuser und Schuttberge dann natürlich nicht.


    Das nächste Bild zeigt die Straße "Am Hof". Um zum Aufnahmeort zu gelangen, muss man den Roncalliplatz nach Süden die Treppe herunter verlassen und sich einmal nach links drehen - schon ist man da.

    Schön sieht man übrigens die zum Rhein hin abfallende Straße, die auch das eigentliche Gefälle neben dem Dom repräsentiert, bevor die Domplatte gebaut wurde.

    Hier ist ein typisches Phänomen aus dem Wiederaufbau zu beobachten: Wo heute ein Gebäudekörper steht, befanden sich vor dem Krieg fünf Einzelfassaden.


    10 Am Hof_2 heute


    Erhalten geblieben, beziehungsweise teilrekonstruiert ist übrigens das Haus Saaleck am Ende der Häuserzeile.


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  • Wir kehren auf dem nächsten Bild zum Dom zurück und werfen einen Blick quer über den Roncalliplatz. Das offensichtliste Problem im Domumfeld ist das Römisch-Germanische Musuem. Ein derart einfallsloser, kahler Kasten direkt neben der bis in kleinste Detail durchdachten und perfekt proportionierten Pracht der Gotik tut den Augen weh.

    Viel hässlicher und einfallsloser kann man kaum bauen - und das neben dem schönsten Gebäude der Welt.

    Rechts sieht man die Ecke des Kuriengebäudes - das ja bald dem nächsten Betonklotz als Teil der "historischen Mitte" weichen soll.


    11 Domhof_2 heute


    Vor dem Krieg konnte man dagegen das Konzept der im Historismus freigestellten Kathedrale erleben: Der weite, unbebaute Domhof, erst im Hintergrund stehen die schon auf dem letzten Bild vom Domumfeld zu sehenden Eisenbahn-Verkehrsbüros. Ebenfalls auffällig ist der Zustand des Platzes vor dem Bau der Domplatte nach dem Krieg: das Gelände fällt zum Rhein hin ab und ist mit Gartenanlagen verschönert, durch den Höhenunterschied wird der Domhügel sichtbar, und es sind zusätzliche Treppen zum Südportal nötig.

    Rechts ragt der markante Eckturm des gründerzeitlichen Gebäudes an der Ecke des dortigen Häuserblockes empor.


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    Zugegebenermaßen steht der Dom so an dieser Stelle doch mit einer gewissen Distanz zur Stadt - und doch ist die historische Variante um ein Vielfaches passender und durchdachter als der heutige Zustand.

  • Centralbahnhof , Du hast ja das scheußliche Kasterl des römisch germanischen Museums reingesetzt. Entsprechende Scheußlichkeit scheint sich auch auf die Mitarbeiter dort auszuwirken - als ich mir 2014 die Austellung mal anschauen wollte, aber die Eintrittspreise etwas gepfeffert fand, legte ich zwecks Ermäßigung meine "Krüppelpappe" (GDB 100%) vor und wurde schroff abgewiesen daß nur mit Merkzeichenn eine Ermäßigung möglich sei (seltsam, in München komm ich überall kostenlos rein) .

    Der Dom hat mich in Köln fasziniert.....ja, da konnt mich schon ein wenig der Neid nagen, ein solch imposantes gothisches Bauwerk nicht in München zu haben.

    Jeder hat das Recht auf meine Meinung.