Pariser Platz

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    • Pariser Platz

      Ist es nicht schrecklich, was aus der Akademie der Künste direkt neben dem Adlon geworden ist???



      Hier ein passender Artikel dazu:

      Berlins große Bühne
      Greisenmoderne: Kritischer Blick auf die Architektur des Akademie-Neubaus am Pariser Platz



      Von Rainer Haubrich
      Nach einer skandalösen Baugeschichte ist der Neubau der Akademie der Künste fast vollendet. Obwohl der Entwurf von Günter Behnisch ein Anachronismus ist, fasziniert das Zusammenspiel von Historie und Moderne.


      Die Akademie der Künste gehört nicht zu jenen Institutionen, die man ohne Zögern für einen Innovationspreis vorschlagen würde. In der Abgeschiedenheit ihres Domizils im durchgrünten Hansaviertel aus den fünfziger Jahren werkelten in Würde ergraute Honoratioren über Jahre an den immergleichen, alten Themen, während sich im wahren Leben die Republik und ihre Hauptstadt dramatisch veränderten.

      Deshalb wirkte es so grotesk, daß ausgerechnet diese Institution bei ihrem Neubau am historischen Standort Pariser Platz dem angeblich so "rückwärtsgewandten" Berlin mal zeigen wollte, wie zeitgenössische Baukultur auszusehen habe: "transparent" und "offen". Sie entschied sich für die Greisenmoderne des Günter Behnisch, Architekt des Münchner Olympiastadions und des neuen Plenarsaals des Bundestags in Bonn. Der Gestaltungssatzung für einen einheitlichen, steinernen Pariser Platz wollte man sich partout nicht "unterwerfen". Alle Hebel bis zum damaligen Bundespräsidenten wurden in Bewegung gesetzt, schließlich genehmigte ausgerechnet der als konservativer Baupolitiker angetretene Senator Klemann die gläserne Front.

      Nach einer skandalösen Baugeschichte von Schlamperei und Verzögerung ist der Neubau nun fast vollendet. Und es erweist sich, daß der eigentlich anachronistische Bau am Pariser Platz nicht das "Adlon", sondern die Akademie der Künste ist, die in weiten Teilen wirkt, als stamme sie aus den längst vergangenen Zeiten einer angestrengt heiteren Bundesrepublik.

      Zwar strahlt die Fassade nach Anbruch der Dunkelheit von innen heraus, lenkt die Blicke tief ins Innere. Aber tagsüber erweist sich die immer wieder beschworene "Transparenz" als eine modische Lüge. Aus der Nähe entpuppt sich die mit großem theoretischen Aufwand gerechtfertigte Front als graue Allerweltskonstruktion.

      Aus panischer Angst vor dem als "herrisch" empfundenen rechten Winkel hat Behnisch überall Bauteile verkantet. Das schaut auf den ersten Blick hübsch durcheinander aus, doch sind solche Kapriolen kaum mit Anstand zusammenzufügen.

      Die größte Stärke von Behnischs Entwurf besteht darin, daß er der historischen Substanz aus der Kaiserzeit, den erhaltenen fünf Sälen, großen Respekt zollt. Da gibt es den wilhelminischen Empfangsraum, in dem einst der Kaiserthron stand; es folgen die Oberlichtsäle, in denen Albert Speer mit Adolf Hitler seine Pläne für das "Germania" genannte Berlin der Zukunft vorführte; darunter liegen die ehemaligen Heizungskeller aus der Zeit der DDR-Akademie, in denen die Meisterschüler ihre offiziell unerwünschten abstrakt-expressionistischen Bilder auf Backsteinwände malten - sie sind bis heute erhalten. Das Wandbild "Gastmahl des Wilddiebs" von Harald Metzkes wurde ausgebaut und ziert jetzt den rückwärtigen Zugang zur Akademie. Selbst an die "Grenzverletzer", die in diesen Räumen verhört wurden, wird erinnert.

      Zum Pariser Platz hin liegt der öffentliche Lesesaal, darüber der Plenarsaal und als unvergleichlicher Olymp des Hauses der Clubraum für Akademie-Mitglieder und Gäste. An einer kleinen Buffetzeile werden Kaltgetränke bereitgehalten, und auch die geliebten "Lümmelbretter" haben die Architekten eingebaut: schmale, hölzerne Tresen, auf denen man ein Glas absetzen oder sich zu später Stunde aufstützen kann. Rückwärtig schaut man auf den Skulpturen-Dachgarten, zum Pariser Platz hin bietet eine Terrasse einen grandiosen Blick auf Brandenburger Tor, Reichstag und Tiergarten.

      Selbst in den unterirdischen Magazin-Etagen entstanden Veranstaltungsräume, darunter der wohl dramatischste des Hauses: die sogenannte "Blackbox", in der man, vollkommen von der Außenwelt abgeschottet, Theaterstücke, Filme oder Musik vorführen kann. Leider ist der Raum immer noch im Rohzustand, weil man nach dem Desaster der Bauplanung eine Million Euro einsparen mußte. Es werden Sponsoren gesucht.

      Nachdem die Berliner Akademie von Kulturstaatsministerin Christina Weiss als Ziehkind des Bundes adoptiert wurde, hat die traditionsreiche Institution mit dem Neubau jetzt nicht nur eine erstklassige Adresse erhalten, sondern auch eine vielfach bespielbare Bühne, aus der sich Großes machen läßt. Sollte die Akademie diese Chance vergeigen, hätte sie endgültig ihre Daseinsberechtigung verwirkt.

      Die Ausstellung "Vom Denkmal zum Neubau" ist vom 26. Jan. bis 29. März in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung (Behrenstr. 42, Mitte) zu sehen.


      Und so sah das Gebäude früher einmal aus:


    • Re: Pariser Platz

      "saibo" wrote:

      ... die Greisenmoderne des Günter Behnisch...


      Haubrich spricht mir aus dem Herzen. Der 82jährige Behnisch sollte
      endlich in Rente gehen und es sich mit "seinen Katzen" gemütlich machen !

      ZEIT: Und dass sich viele Menschen nach Gemütlichkeit und Geborgenheit sehnen?

      Behnisch: Wenn jemand Gemütlichkeit braucht, soll er sich eine Katze anschaffen. Ich habe zwei Katzen zu Hause, das ist gemütlich.


      zeit.de/2004/08/InterviewBehnisch
    • AUS DEM RAHMEN
      ... fällt Behnischs Akademie der Künste - sein bisher letztes Modell



      Hoffen wir doch es tatsaeclih sein letztes modell is!! zum ko....zen ist dieser entwurf und noch schlimmer ist es dass dieser sch..... entwurf von der senat akzeptiert bezw.gutbefunden worden ist: damit sieht man mal wieder was fuer ein sch.... geschmack der berliner Senat hat. Und nein, diese worte nehme ich NICHT zureuck!! :boese:
    • Angeblich zitiert ja das neue Gebäude die Fassadenstrktur des Vorgängerbaus. Ich kann da allerdings, wenn ich mir die Bilder anschaue, nicht viele Gemeinsamkeiten erkennen. Das Ganze ist eine ziemlich banale Glaskiste geworden. Die meisten anderen Gebäude, bei denen Szein oder Putz verwendet wurde, taugen allerdings auch nichts....

      Auf dem Nachkriegsbild sieht man ganz gut, daß die Fassade der alten Akademie noch ganz gut erhalten war, wie auch die des Adlon (dasselbe galt auch für die US- und Französische Botschaft und deren Nachbargebäude, aber da hat die DDR eben leider radikal alles abgeräumt).

      Der Behnisch-Bau ist zwar häßlich, aber immerhin ist die Baulücke geschlossen. Und vielleicht kriegt das Ding ja eines Tages eine andere Fassade...
    • Kann nur weinen um dieses Monstrum!!!!

      :weinen:

      Pariserplatz: war schon wenig Kunstreich neu gestaltet, zu flach, zu modern. Jetzt ein richtiges ungetüm, ein durchaus hässliches, dunkles,
      unharmonisches Glas-kasten.

      :weinen:

      PariserPlatz: Kaputt!!!!

      :weinen:

      Warum doch nicht einfach harmonisches aus der Vergangenheit hervorgeholt.

      Ich werde jetzt wirklich böse und überdenke eine Bombe dort zu plazieren und dann endlich die neuen Machthaber klar machen das Berlin viel mehr verdient dann ein Glaskasten der besser in Vancouver oder Melbourne gehört.

      Warum hat niemand dieses verhindert????

      Schau mal nach der Kommandantur. So etwas hätte man aufs neue versuchen müssen am Pariserplatz.

      Bin jetzt wieder enttäuscht von Berlin.

      Wenn kommt der Wende zur günsten der Schlossbauer, der grossen Gründerzeitler, der Klassisismus??? Warum wurde Patschke nicht gefragt??? Warum muss Berlin unbedingt immer aufs neue erfindet und gestalltet werden?? Die Vergangenheit war schon sehr schön!!!!

      Die Pariserplatz sollte doch auch traditionel gestalltet werden, weil dort die Brandenburger Tor steht???

      Rob :peinlich: :peinlich: :peinlich:
    • Das Gebäude der DZ-Bank (hieß mal DG-Bank) am Pariser Platz, zwischen Akademie der Künste und der zukünftigen amerikanischen Botschaft muss wohl demnächst saniert werden. Die Platten aus Muschelkalk-Sandstein lösen sich ab, die dabei entstehenden Löcher werden mit Spanplatten und Plastikfolien geflickt.
      "Wahrscheinlich war es nicht gerade diese Aussage, die der berühmte Architekt, Frank O. Gehry, mit seinem Stil "Dekonstruktivismus" machen wollte."

      spiegel.de/panorama/0,1518,387696,00.html

      Ach ja, Gerhard Schröder hat jetzt seine Wohnung in der Bruchbude!
      Wenn der Kasten auseinanderfällt, so meine übertriebene Hoffnung die sich mit Schadenfreude (wie passend) mischt, könnte man ja endlich das Palais Friedlaender wiederaufbauen. Wahrscheinlich wird dann aber eher das Stadtschloß stehen...
      Wenn du ein Haus baust, denke an die Stadt (Luigi Snozzi)
    • Hmm... der Innenhof ist schon genial... aber die klassizistische Fassade unter den Linden könne man ruhig wiederentstehen lassen, die Gehry-Fassade ist totlangweilig.

      BTW: Warum kostet so ein Müll eigentlich so schrecklich viel Geld? Ich mein, für nen gewissen Preis kann man ja Qualität verlangen, oder?
      Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
      Karl Kraus (1874-1936)
    • OLIVER G. HAMM, Chefredakteur des Deutschen Architektenblatts in Berlin, schrieb zum Pariser Platz

      "Die Ebene, auf der die Wiederherstellung des Berliner historischen Zentrums zu leisten ist, ist nicht die der historischen Bilder (historische Gebäude, Fassaden), es ist die der Stadtstruktur. […] Das Sichtbare, die Architektur, muss deshalb gerade nicht historisch, sondern modern sein."


      taz.de/pt/2005/05/21/a0305.1/text

      Für die französische Botschaft habe ich übrigens eine eigene Theorie: Nachdem die Deutschen im II. WK den Franzosen die ganze schöne Küste mit Bunkern vollgestellt haben, haben die Franzosen ihre große Chance genutzt und uns so ein Ding mitten auf den schönsten Platz der Hauptstadt gestellt. Als Rache. Die Franzosen haben doch sonst einen guten Geschmack.
      "Nichts zeichnet eine Regierung mehr aus als die Künste, die unter ihrem Schutze gedeihen."
      Friedrich der Große
    • OLIVER G. HAMM, Chefredakteur des Deutschen Architektenblatts in Berlin, schrieb zum Pariser Platz

      Zitat:
      "Die Ebene, auf der die Wiederherstellung des Berliner historischen Zentrums zu leisten ist, ist nicht die der historischen Bilder (historische Gebäude, Fassaden), es ist die der Stadtstruktur. […] Das Sichtbare, die Architektur, muss deshalb gerade nicht historisch, sondern modern sein."


      Einmal die simple Frage gestellt: warum? und das ganze Blabla fällt wie ein Kartenhaus in sich zusammen.
    • http://www.volksstimme.de/vsm/nachrichten/kultur_und_boulevard/?sid=253ecb3ea96567b8d5d199e1405904a6&em_cnt=48886\r
      www.volksstimme.de/vsm/nachricht ... _cnt=48886

      Ausstellungen und große Veranstaltungen seien in dem von Treppen durchzogenen Haus nicht möglich. "Diese Treppenlandschaft macht das gesamte Gebäude für seinen Widmungszweck unbrauchbar", monierte der Vorsitzende des Vereins der Freunde der Nationalgalerie. Keine der Funktionen, die die Akademie der Künste wahrzunehmen habe, könne derzeit am Pariser Platz verwirklicht werden.
    • Akademie steht zu ihrem "Rohbau am Pariser Platz"

      morgenpost.berlin1.de/content/…07/feuilleton/815133.html

      Auszug:

      Kulturvermittler Peter Raue, Rechtsanwalt und Initiator der spektakulären MoMA-Ausstellung, bezeichnete den Bau am Brandenburger Tor als das "mißglückteste Bauwerk der Nachkriegszeit" in Berlin. Keine der Funktionen, die die Akademie wahrzunehmen habe, könne derzeit am Pariser Platz verwirklicht werden, meinte der Vorsitzende des Vereins der Freunde der Nationalgalerie.



      Und dabei ist das Haupargument der Modernisten wie Behnisch doch "form follows function"...