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Bremen - Innenstadt

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    • Es ist überall ein und das selbe langweilige Einerlei, ganz gleich in welchen Städten man gerade ist. Diese langweilige Beliebigkeit macht leider auch an sich schöne Städte wie Bremen unattraktiv.
      Mit Ziegelsteinen kann man Fensterscheiben zerstören, mit Glas, Stahl und Beton ganze Städte.
    • Heinzer,

      eigentlich ist alles noch viel schlimmer. Ich habe mal einen kleinen Ausschnitt der Rückseite - also Blick von der Wachtstraße - vergrößert. Hier fallen zwei Gestaltungsfaktoren auf, die man in der verkleinerten Abbildung nicht so gut wahrnehmen kann:

      Der Spellenberentwurf zeigt ornamentähnliche Betonungen zwischen den Fenstern und an den Ecken des Gebäudes, das fällt doch heute keinem Architekten mehr ein - hinzu kommen Zusatzkosten und außerdem widerspricht es dem Ideal der klaren Kante, der die Modernisten so nachhängen.

      Noch bedeutsamer ist für mich der verbindende Mittelteil zwischen den beiden Gebäudeteilen. Wir sehen einen Durchgang, der den Weg zu Weser öffnet. In der verglasten Brücke ist ein Anker mit doppelter Bedeutung als Hinweis auf "Wasser" und "Schiffsverkehr" angebracht. Darüberhinaus gibt es aber noch einen versteckten Bedeutungszuwachs. Die gläserne Brücke ist auch Symbol an diesem Standort, denn hier genau stand einst die alte Brautbrücke, seit Jahrhunderten ein Übergang auf die andere Weserseite. Im Strang gibt es bereits Bilder von ihr, deshalb verzichte ich auf eine nochmalige Abbildung. Diese wirklich schöne Brücke wurde im Krieg beschädigt, danach repariert, um dann von einer neuen, großen Brücke daneben verdrängt zu werden. Zwei Löwenköpfe nebend der "neuen" Brücke direkt an der Weser erinnern noch an die Brautbrücke. Heute wird wieder eine zusätzliche Querung der Weser für Fahrradfahrer diskutiert. Hätte man diese Brücke erhalten......ach, die Stadtplanung der 60er ist ein einziges Ärgernis, man darf sich eigentlich gar nicht mehr damit befassen. Axel Spellenberg hat mit seinem Entwurf den jahrhundertalten Übergang gewürdigt und hätte damit Bremern und Touristen einen Einblick in die "Vergangenheit" der alten und bedeutsamen Wegebeziehungen - für mich auch denkmalwürdig - gewährt.

      Gibt es vielleicht auch noch etwas Positives zu bemerken? Ja! Der Spellenbergentwurf wäre jederzeit zu realisieren, denn er betrifft hauptsächlich die Fassadengestaltung. Nur - wer soll das bezahlen? Außerdem hat es immer wieder Archtekten gegeben, die ihre Gebäude als "Kunstwerk" betrachtet haben und deshalb gegen jede Veränderung juristisch vorgegangen sind. Das könnte hier bei diesem "Kunstwerk" natürlch auch der Fall sein.

    • An finanziellen Mitteln für die Umsetzung der Spellenberg-Pläne hätte es dem Konzern Kühne & Nagel wohl kaum gemangelt.
      Wer wie Klaus Michael Kühne Millionen im Verlustgeschäft HSV verbrannt hat, hätte ruhig in paar Millionen in Bremen zusätzlich für den Neubau der Europazentrale investieren können.
      Zumal man sich als Firmenpatriarch zu seinen Bremer Wurzel bekannt hätte - auch wenn der Wohnsitz längst nicht mehr in der Hansestadt angesiedelt ist.
      In dem Backsteingebäude, das an solche Werte wie Tradition und Identifikation anknüpft, hätte man nicht nur die Firmenphilosophie widerspiegeln können - im Foyer hätte eine kleine Austellung Platz gefunden, die neben den Erfolgen auch auf die 'unrühmlichen' Zeiten hinweist.
      Bremer Firmen- und Zeitgeschichte zum Anfassen für Buten und Binnen-Bremer und Schulklassen.
    • Der Spellenberg-Entwurf ist dem realisierten Entwurf um Klassen überlegen. Dazwischen liegen Welten.

      Gleichwohl bleibt die städtebauliche Wirkung noch fast unverändert:
      Zwar öffnet Spellenberg den Durchgang - sehr wichtig und bedeutend - aber die Masse des Baus, im Verhältnis zur Umgebung und in Auswirkung auf das Stadtpanorama bleibt zu groß: Für die Höhe zu breit, für die Breite zu hoch!
    • Das kleinere Übel - fürwahr! Aber immer noch ein Übel!
      Inwieweit Flächenmaximierung und ökonomische Wirklichkeit immer im Gleichschritt marschieren, lasse ich offen. Die Bremer Innenstadt wird durch Bauten wie dieses entstellt, bzw. zugestellt.

      Das Genie des Herrn Spellenberg möchte ich hier nicht in Frage stellen!!! Er hat die sich selbst gestellte Aufgabe mit Bravour gemeistert. Aber die Aufgabe sah eben vor, annähernd dieselbe Fläche zu schaffen wie im K+N-Entwurf und war so durch die Freiheit, die man dem Kühne-Planer ließ, schon falsch gestellt.

      Diskutieren jedoch wir nicht über das, was nicht da ist, sondern über das, was da ist! Und das, was da ist, ist eine berufliche Bankrotterklärung des Architekten. Nicht mehr und nicht weniger!
    • Ra Ha He, natürlich muss ich Dir bezüglich des Kühne & Nagel-Baus voll zustimmen, Herr Spellenberg hat das Beste aus der vorgefundenen Situation gemacht.
      Wir brauchen für die Innenstadt ein anderes Leitbild. Das jetzige ist das Leidbild der Senatsbaudirektorin Iris Reuther. Ich las kürzlich von Berlin, dass man die "Wiederherstellung der historischen Mitte" anstrebt. Dieser Satz hat eine große Wucht, definiert ein Ziel und lässt sich auch auf Bremen übertragen. Wir müssen an der "Wiederherstellung der historischen Mitte Bremens" arbeiten. Die historische Mitte ist für mich nicht nur der Marktplatz und umzu, sondern auch das Ansgari- und Stephaniviertel, also alles, was zwischen Wallanlagen und Weser liegt. Das neue Leitmotiv der Wiederherstellung der historischen Mitte Bremens wird natürlich durch die gegenwärtige Entwicklung konterkariert. Es sind ja nicht nur der Kühne & Nagel-Bau oder der Libeskind-Entwurf, sondern auch der die historischen Traufhöhen überschreitende Atlantic-Hotelbau - für mich ein Angriff auf die denkmalgeschützte Böttgerstraße.

      Hier ein aktuelles Foto, rechts die historische Böttgerstraße, links der Atlantichotelneubau, von der Senatsbaudirektorin durchgewunken:



      Die Baubehörde akzeptiert, ja will, höhere Gebäude in der historisch geprägten Innenstadt. Das lockt immer mehr Investoren an, die mit Blick auf schon bestehende Höhen dann ihr Recht einfordern, mehr Fläche zu generieren, höher bauen zu können,die anderen durften das doch auch. So schraubt sich das Ganze im wahrsten Sinne des Wortes immer mehr in die Höhe - unser Stadtbild geht vor die Hunde. Man muss doch sehen, wohin das führt, wenn man die Entwicklung der letzten Jahrzehnte und ihre Ergebnisse beispielsweise in der Faulenstraße ansieht.
    • Dieser Hotelbau treibt mir ohnehin die Zornesröte ins Gesicht. Er ist in Hinsicht der Materialwahl und der Fügung der Massen ein dummes Erzeugnis. Fürchterlich gedrungene "Arkaden" und eine unsensible Hierarchie.
      Der Baukörper hätte zur Böttcherstraße hin wesentlich früher abfallen müssen und seine Bekleidung/Verblendung hätte gern die Verbindung zur Böttcherstraße suchen dürfen.... War aber wohl wieder zuviel verlangt.

      Heutige Leserbriefe im WK machen aber wenig Hoffnung auf Besserung. Das Zauberwort heute lautet wieder "Mut". Wenn Bürger den Werbe-Schwachsinn Libeskinds nachplappern (Stadt der Türme) dabei aber keine Ahnung haben, wovon sie sprechen, fasse ich mir an den Kopf.
      Ein heutiger "Turm", besser "Tower", also im heutigen Kontext ein Hochhaus, hat mit klassischen Türmen, insbesondere den vergleichsweise filigranen Kirchtürmen oder der "Nadel" vom NDL wohl nicht viel gemeinsam. Hochhäuser sind ungleich breiter und lasten schwerer auf der Silhouette, als jeder alte Kirchturm.
      Abgesehen davon fehlen Bremen kaum für die heutige Stadtsilhouette bedeutende (mittelalterliche) Türme (Tore, Wehrtürme etc. wären heute nicht höher als die umgebenden Gebäude). Es fehlen eigentlich vor allem St. Ansgarii - und die Braut (ca. 55 m) Der Rest war doch eher gedrungen und verhältnismäßig niedrig: Bräutigam (knapp 40 m), Ostertorzwinger, sowie ein paar Dachreiter, die aber ebenfalls heute nachrangig wirken würden.
      Insgesamt also kaum ein Zustand, der mit dem Bau von vier Glasflaschen wiederhergestellt oder würdig zitiert wäre. Im Gegenteil: Sie verhindern eine Stadtbildreparatur nachhaltig.

      Leider wird nur in schwarz-weiß-Tönen diskutiert. Hochhäuser (ich bin kein ausgemachter Fan davon) können ihren Platz erhalten. Aber eben nicht im Altstadtbereich. Dafür - ich wiederhole mich - gibt es andere Stadtteile!
    • Für die auswärtigen Foristen, denen die Gesamtwirkung des Atlantic-Hotelbaus nicht bekannt sein dürfte, habe ich noch ein weiteres Foto geschossen, das zeigt, wie ästhetisch rücksichtslos und unsensibel gegenüber der denkmalgeschützte Böttgerstraße hier "städtebaulich" agiert wurde. Durch dieses Bild wird, glaube ich, auch RaHaHe´s Ärger, um nicht zu sagen Wut, über diesen Bau deutlich. Dieses Gebäude erdrückt die Böttgerstraße, nimmt keinen Bezug zur historischen Bebauung und verhäßlicht mit dem schräg gegenüberliegenden Kühne & Nagel-Bau die gesamte Gegend. Rücksichtslos!



      Der auch von RaHaHe ins Spiel gebrachte, vielbeschworene Mut - ein Begriff, der diesem Architekturstil nur Vorschub leisten soll und wie eine raffinierte Formel der "immer höher, immer mehr Fläche"-Fraktion klingt - müsste eigentlich nur den ersten Buchstaben umkehren, dann wäre die bürgerliche Reaktion angesichts dieser Schrottästhetik angemessen dargestellt. Heute ist Mut im Städtebau nicht mehr die ...zigste moderne Variante, sondern Mut zeigt sich, wenn sich eine Stadt dafür ausspricht, durch Rekonstrukionen die Wiederkehr der Historischen Mitte in Gang zu bringen. Mutig wären demnach die Frankfurter mit der Wiederherstellung ihrer Altstadt.

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    • I have a dream.........

      dass das Bürgerschaftgebäude jetzt nicht für 10 Milionen Euro saniert wird, sondern dass dieses Geld in den Abriss investiert wird.

      I have a dream.........

      dass die Bürger auf der Grundlage einer Befragung von 50 000 BremerInnen durch die Lüder-von-Bentheim-Gesellschaft in den 1960er Jahren, bei der 80% für die Rekonstruktion der mittelalterlichen Bebauung, 20% für die Wiederherstellung der nach dem Krieg noch vorhandene und danach abgerissene Neue Börse und 0,2% für das jetzige Bürgerschaftsgebäude gestimmt haben, für die Neugestaltung des dann freiwerdenden Grundstücks ihren engagierten Beitrag durch Spenden und Bürgermitbestimmung leisten können.

      I have a dream.........

      dass die politische Klasse dann, wie schon jetzt während des Umbaus, dauerhaft im Neuen Rathaus tagt.

      I have a dream.........

      dass mittelfristig das Gebäude der hinter dem Neuen Rathaus liegenden und pleite gegangenen Bremer Landesbank, das jetzt der Nord-LB gehört, die sich vermutlich in den nächsten Jahren aus Bremen zurückziehen wird, zum künftigen Standort der Bremer Bürgerschaft erkoren, aufgekauft und für diese Zwecke umgebaut wird.

      Unten: Das sich im Umbau befindende Bürgerschaftsgebäude




      Das Bürgerschaftsgebäude war das seit den 1960er Jahren bei den Bremern am meisten gehasste Gebäude, immer wieder gab es Kritik, die Bürger äußerten ihren Unwillen über das Radio und in Leserbriefen. Der frühere Denkmalpfleger Rudolf Stein strebte gar ein Gerichtsverfahren gegen den Bau dieses Gebäudes an.

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