Burgund (F) (Galerie)

  • Die Reste des ehemaligen Querschiffs sind extrem beeindruckend, obwohl sie nur einen winzigen Bruchteil der ehemaligen Anlage darstellen. Ich glaube, mich erinnern zu können, gehört zu haben, dass nur etwa 3 Prozent der Kirche noch existieren (und das scheint erscheint mir wirklich plausibel). Das da unten sollen also ungefähr 2-3 Prozent der Anlage sein! :schockiert:
    Bei dem Turm (sog. Weihwasserturm, 62 Meter hoch) handelt es sich übrigens nicht um den Mittelturm, sondern um einen seitlichen. Der Vierungsturm (einst links daneben) war noch weit größer. Rechts steht der Glockenturm mit einer Haube aus dem 17. Jahrhundert.



    Die erhaltenen zwei Joche des Querschiffs, mit 33 Metern Gewölbehöhe!



    Eine im Spätmittelalter umgebaute Apside:


    Weitere Überbleibsel:


    Rechts hiervon war einst die Vierung:


    Portal zu einer in der Spätgotik veränderten Seitenkapelle

  • Die (noch größeren Reste) der Klostergebäude sind relativ nüchtern. Aus dem 18. Jahrhundert stammt ein im schlichten französischen Barockstil gebauter Gebäudekomplex mit Kreuzgang anstelle der romanischen Trakte.








    Aus dem frühen 14. Jahrhundert stammt der Bau des Papstes Gelasius, welcher allerdings im 19.Jahrhundert vollkommen verändert wurde.




    Rechts die ehemaligen Klostergebäude mit dem Gelasiusbau, vorne die Reste der Abteikirche mit den ehemaligen Westtürmen (links), vorne links ein weiteres architektonisches Relikt aus romanischer Zeit.

  • Ebenfalls zum Kloster gehörte eben jener Käseturm aus romanischer Zeit, der früher eine Wehrfunktion innehatte.


    Man kann ihn auch besteigen, von oben hat man einen schönen Rundblick (Von hier wurde auch das letzte Bild im vorigen Beitrag geschossen)
    Aussicht Nach Nordosten, zum Weihwasserturm:




    Blick in Richtung Osten, über die Klostertrakte:


    Nach Südosten, über die Rue Filaterie zur kleinen romanischen Kirche St. Marcel:




    Direkt nach Süden, wo die Stadtkirche Notre-Dame gleich vor den Klostermauern steht:




    Und nach Westen, entlang der Rue du Merie.

  • Auf dem geweihten Boden steht nun u. a. ein Hotel.


    Super Bilder! In dem Hotel habe ich schon geschlafen, müßte ca. 1988 gewesen sein. Damals war der Vorplatz noch nicht auf das Niveau des ehem. Kirchenbodens abgesenkt. Sehr interessant finde dieses Bild, auf dem man den Grundriss der Kirche zusammen mit der heutigen Bebauung sehen kann. Oder ausführlicher und eindrucksvoller in diesem Film ab 5:05


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    Super Bilder! In dem Hotel habe ich schon geschlafen, müßte ca. 1988 gewesen sein. Damals war der Vorplatz noch nicht auf das Niveau des ehem. Kirchenbodens abgesenkt. Sehr interessant finde dieses Bild, auf dem man den Grundriss der Kirche zusammen mit der heutigen Bebauung sehen kann. Oder ausführlicher und eindrucksvoller in diesem Film ab 5:05

    Danke! Tatsächlich, hast du in diesem Hotel schon einmal geschlafen! Die Welt ist klein :D
    In den letzten Jahren dürfte sich bei der Kirchenruine einiges getan haben, an Freilegungen, Restaurierungen, etc... Auch für die nächsten Jahre sind Forschungsarbeiten geplant.


    Nun verlassen wir die Klosteranlage und betreten die bürgerliche Stadt. Direkt südlich der Abtei steht die Stadtkirche Notre-Dame, welche in der heutigen Form auf das zweite Viertel des 13. Jahrhunderts zurückgeht.


    Westseite zum kleinen Place-Notre-Dame:


    Die Kirche wurde seit der Bauzeit kaum verändert und ist noch größtenteils original. Der schöne Innenraum ist dreischiffig und typisch für gotische burgundische Kirchen.


    Die Vierung:


    Am Place-Notre-Dame stehen einige ansehnliche mittelalterliche Gebäude.


    Dieses Haus hat seit vorsichtigen und sehr originalgetreuen Umbauten im 19. Jahrhundert wieder sein romanisches Gesicht.


    Die Säulen dürften tatsächlich größtenteils original sein.


    An der Platznordseite ein Vertreter frühgotischer Profanarchitektur, wahrscheinlich etwa gleichzeitig mit der nebenstehenden Kirche entstanden.

  • Noch ein kurzer Abstecher in die nach Südosten führende Rue Lamartine, ein Abschnitt der durch der Ort verlaufenden Hauptstraße. Am ersten Bild ein kleiner Platz, dahinter Notre-Dame.


    Blick in die nach Norden, zum Kloster führende Rue Municipale:


    Etwa 100 Meter weiter südöstlich steht in der Rue Lamartine dieses bemerkenswerte Ensemble originaler romanischer Bürgerhäuser.


    Dieses Haus - eines der wenigen mit Fachwerkbauteilen in dieser mauerwerksdominierten Region - hat es schon fast zum Wahrzeichen geschafft.


    Etwas weiter ein Beispiel des in Cluny im Gegensatz zu Romanik tatsächlich wesentlich rarer gesäten gotischen Baustils.


    Zurück zur Notre-Dame-Kirche! Etwa von dort blicken wir nun nach Nordwesten in die hier Rue Mercière genannte Hauptachse der Stadt.

  • dieses bemerkenswerte Ensemble originaler romanischer Bürgerhäuser


    Unglaublich! Wo gibt es sowas schon? Bei uns gibt es vielleicht mal ein einziges romanisches Haus. Aber hier gleich mehrere am Stück!

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    Unglaublich! Wo gibt es sowas schon? Bei uns gibt es vielleicht mal ein einziges romanisches Haus. Aber hier gleich mehrere am Stück!

    Ja, ein Wahnsinn! Am Anfang habe ich gedacht, es wären bloß neuromanischer Zierrat, den man den Häusern im 19. Jahrhundert hinzugefügt hätte. Erst eine hochwissenschaftliche Schautafel (von denen es in ganz Cluny immer wieder sehr gute gibt; auch die Bürgerstadt ist bis ins letzte Detail erforscht) klärte mich auf, in der Klosterblütezeit (12 und 13. Jahrhundert) ging es auch der Stadt wirtschaftlich sehr gut und es entstanden die prächtigsten romanischen Bürgerhäuser. Schon im 14 Jahrhundert ging es dann mit der Stadt mehr oder weniger den Bach runter, deswegen sind diese mittelalterlichen Häuser zu großen Teilen erhalten. Cluny ist quasi ein burgundisches Mini-Rothenburg. Im Lauf der Zeit wurden viele der Bauten, wie es halt so ist, umgebaut, entstellt, zerstört... Im 19. Jahrhundert stellte man die romanischen Fassaden sehr häufig wieder her, und das sehr originalgetreu. Nix mit romantischem, unhistorischen Zierrat, die Einstellung der Architekten und Denkmalforscher war in Frankreich damals ganz anders als bei uns.


    In unseren Breitengraden dünnt die Tatsache, dass fast überall bis weit ins Spätmittelalter hinein oder darüber hinaus zum Überwiegenden Teil aus Holz gebaut wurde, während sich im Burgund der Wechsel Vom Holz- zum Steinbau schon viel früher vollzog. Und wieso sollte man ein vollwertiges, gemauertes Haus gegen einen Komplettneubau ersetzen? Deswegen ist sicher auch bei einem großen Teil der Häuser ohne romanische Dekorationen der Mauerkern sehr alt.

  • Weiter in der Rue Mercière: Auch hier gibt es auf beiden Straßenseiten geschlossene historische Bausubstanz, die zum Großteil zumindest im Kern hochmittelalterlich ist.
    Auf diesem Foto einer Luftbildaufnahme (aufgrund des Blitzes leider von schlechter Qualität) ist die Rue Mercière, beginnend rechts unten bei Notre-Dame und von dort in Richtung Nordwesten fortgesetzt, gut zu sehen.
    Einige dort stehende Häuser: Zuerst ein Beispiel aus dem 16. Jahrhundert.


    Etwas weiter vorne wieder ein einwandfrei erhaltenes romanisches Gebäude! Wie eine Schautafel zeigte, waren die ersten Bauten von der Straße zurückversetzt und hatten einen Hof oder Garten zur Straße. Erst ab dem 12. Jahrhundert baute man bis zur Straßenflucht vor. Viele Häuser haben also einen noch älteren Kern, weil häufig die hinteren Bauteile beibehalten wurde und man Richtung Straßenfront einen oder zwei Räume sowie eine neue Fassade vorbaute.




    Benachbart ein weniger gut erhaltener Vertreter dieser Epoche.


    Blick zurück in Richtung Kloster und Käseturm.


    Auf der gegenüberliegenden steht ein reizvolles spätgotisches Haus.

  • Die Tour führt zurück zur Kreuzung in der Mitte der schon bekannten Luftbildaufnahme. Von dort schauen wir noch kurz in die Rue Joséphine Desbois, die nach links unten (Südwesten) führt.


    Auch hier gibt es noch häufig romanische Fassaden.


    Irgendetwas an diesem Bild kommt mir seltsam vertraut vor.


    Ja, hier erst recht! Irgendwo habe ich das schon einmal gesehen...bloß wo? Kommt euch das Bild nicht auch irgendwie bekannt vor?


    Beachtlich, was der Balken über der Einfahrt für ein hohes Alter hat. Das ist doch die optimale Bauweise: Die Häuser sind aus Stein und somit sehr stabil, können nicht abbrennen aber man kann sie trotzdem dendrochronologisch datieren :biggrin:


    Etwas weiter vorne, Blick in die andere Richtung:



  • Regensburg hat doch mehrere romanische Hauser! Darauf beruht ja auch teilweiss die Weltkulturerbe von Regensburg.

  • Irgendwo habe ich das schon einmal gesehen...bloß wo? Kommt euch das Bild nicht auch irgendwie bekannt vor?


    Du weißt, wie man sieht, Stilmittel einzusetzen. Und dafür zu sorgen, dass uns sogar in fremden Stadtbildern manches bekannt vorkommt.

  • @Johan: Regensburg bildet im deutschen Sprachraum diesbezüglich vielleicht die einzige Ausnahme (außer vielleicht in der Schweiz; da kenne ich mich wenig genug aus um das beurteilen zu können). Aber in Regensburg sind auch nur große, prächtige Häuser reicher Bürger und Adliger erhalten und nur selten in diesem derartig originalen Zustand. Hervorragend erhaltene Wohnhäuser "kleinerer" weniger reicher Bürger und Handwerker gibt es dort m. W. nicht (oder täusche ich? Ich kenne R. nicht sehr gut...). Romanische Bausubstanz alleine ist natürlich wesentlich öfter in Häufung anzutreffen, z. B. in Klosterneuburg, Konstanz, Freiburg, u. v. m..., aber die Häuser sind dort einfach viel stärker verändert worden, weswegen eben meist nur mehr deren Mauerkern ins Mittelalter reicht.


    Zeno: Danke :D Ja, bei so einer langen Bilderfolge mit so viel fadem Text muss man doch auch etwas einbauen, um die aufmerksamen von den unaufmerksamen Lesern, sozusagen die Spreu vom Weizen zu trennen. Und ein kleines Rätsel erfreut doch jedes Gemüt ;)

  • Nun kommen wir auch schon fast zu den letzten cluniazensichen Fotos.


    Ich hoffe, man kommt bezüglich der Wegeführung noch mit, wir drehen um und kommen wieder zu jener zentralen Kreuzung, die im Mittelpunkt der schon zwei Mal gezeigten Luftbildaufnahme steht. Nun biegen wir in die einzige Gasse, in der wir noch nicht waren, und zwar in die Rue de la République (ein offensichtlich in jedem französischen Ort obligatorischer Straßenname) die von besagtem Straßenkreuz nach Norden bzw. nach rechts oben führt.


    Zur blauen Stunde sieht es dort folgendermaßen aus:


    Die Flut romanischer Architektur nimmt kein Ende. Dei schon oben links angeschnittene Häusergruppe zu wesentlich früherer Stunde aus anderer Perspektive:


    Eine Aufnahme des schönen Hofes eines Bürgerhauses auf der anderen Straßenseite:


    Sogar noch in der Rue d´Avril, einer linken Seitengasse, gibt es hochmittelalterliche Gebäude.
    Zuerst ein Eckhaus zur Rue de la Répubilque, welches die oft erhebliche Tiefe lokaler Bauten eindrucksvoll beweist. Links das Klostertor, der Startpunkt des Rundgangs.


    Dieses Haus stammt aus dem 13. Jahrhundert und hat ungewöhnlicherweise einen "Kaminerker".


    Gegenüber ein nicht "wiederhergestelltes" Anwesen:


    Der weitere Verlauf der Straße gen Westen:

  • Zurück zur Rue de la Republique, die im weiteren Verlauf zur Rue de la Chanaise wird. Die Verbauung wird zunehmend schlichter und jünger.




    Durch den Torbogen rechts geht es wieder zum Klosterbereich, zum Klosterpark. Der Tour de Fabry ist ein Teil der ehemaligen Ummauerung und wurde ca. 1400 gebaut.


    Hier steht auch das ehemalige Abtspalais, das heute als Rathaus dient. Während das Gebäude größtenteils erneuert wurden, sind die zwei Türme, reizvolle Beispiele des prächtigsten Spätgotik, noch gänzlich original aus dem 15. Jahrhundert.




    Nun möchte ich die Fototour durch Cluny noch mit einer schönen Aufnahme des Weihwasserturms vom Klosterpark aus abschließen:


    Das wär´s. Keine falschen Hoffnungen, die Galerie ist noch nicht aus! Es folgen in Bälde Bilder aus dem rund 175 Kilometer entfernten Auxerre.

  • Aufgrund des hyperperfekten Erhaltungszustandes kommen mir die so reichlich vorhandenen romanischen Details stark erneuert vor.
    Das Stadtbild als solches gefällt mir nicht, die romanischen Elemente scheinen mir eher beziehungslos in ansonsten völlig nichtssagende Häuslein eingepflanzt zu sein. So entsteht auch keine romanische Fassadenwirkung, wie es bei einzelnen Häusern in Köln oder Trier, tw auch Regensburg der Fall ist.
    Eigentlich wirken diese Fenstergalerien zitatartig, wie es die Renaissance so liebte.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

    Edited once, last by ursus carpaticus ().

  • Aufgrund des hyperperfekten Erhaltungszustandes kommen mir die so reichlich vorhandenen romanischen Details stark erneuert vor.
    Das Stadtbild als solches gefällt mir nicht, die romanischen Elemente scheinen mir eher beziehungslos in ansonsten völlig nichtssagende Häuslein eingepflanzt zu sein. So entsteht auch keine romanische Fassadenwirkung, wie es bei einzelnen Häusern in Köln oder Trier, tw auch Regensburg der Fall ist.
    Eigentlich wirken diese Fenstergalerien zitatartig, wie es die Renaissance so liebte.

    Ihr glaubt mir das nicht ganz, dass die Fassaden tatsächlich im Zustand der Bauzeit sind. Natürlich teilen die meisten der romanischen Häuser, wie bereits angedeutet, das Schicksal, im Lauf der Zeit vielfach verändert und verschandelt worden zu sein. Oft wurden z. B. die Fenster vermauert und die Dekorationen dann überputzt. Im 19. Jahrhundert wurde man sich deren Wert wieder bewusst, man legte die Galerien frei, brach die Vermauerungen aus und rekonstruierte die zerstörten, beschädigten und verloren gegangenen Teile. Dass ein großer Teil, vielleicht sogar der Großteil der behauenen Steine nicht aus der Zeit der Romanik stammt, ist klar. Aber - im Gegensatz zu den meisten derartigen "Renovierungen" im deutschen Sprachraum - hielt man sich hier in Cluny wirklich an den originalen Zustand, bzw. versuchte diesen - falls nicht bekannt - bestmöglich originalgetreust zu rekonstruieren. Sind auch diese mittelalterlichen Galerien oft nur in Teilen tatsächlich aus dem Mittelalter, so dürften sie damals vor 8 Jahrhunderten kaum anders ausgesehen haben.


    Dass eben diese Säulenreihen einfach in die Steinfassaden eingepflanzt, ist mir auch aufgefallen. Recht viel Gedanken über ausgewogene Platzierung und Proportionen hat man sich hier nicht gemacht! Aber das ist doch auch bei den Fassaden der romanischen Burgen und vielfach bei den gotischen Häusern auch so. Die Menschen damals hatten wohl einen ganz anderen Blick auf solche Gebäude, für uns lässt sich das schwer nachvollziehen.


    Die profane deutsche Romanik gefällt mir aber auch besser.

  • Quote

    Recht viel Gedanken über ausgewogene Platzierung und Proportionen hat man sich hier nicht gemacht! Aber das ist doch auch bei den Fassaden der romanischen Burgen und vielfach bei den gotischen Häusern auch so.

    Die gleichmäßige Fassadengestaltung bei Bürgerhäusern ist in Europa eine Neuerung der Renaissance. Im Mittelalter gab es nur selten regelmäßige Fassaden ( in Cluny steht mit dem Gelasius-Palast eine).


    Dahinter stecken im Prinzip nur praktische Aspekte; man fügte eben dort ein Fenster ein, wo eins benötigt wurde, in Cluny zum Beispiel eine Fensterarkade im Hauptwohnraum, so wie in Süddeutschland einen Stubenerker an Selbiger. Kleinere Räume bekamen demnach nur Biforen, oder zweiteilige Fenster mit geradem Sturz, oder manchmal sogar nur kleine Rechteckfenster.




    Nun zu Ursus:

    Quote

    So entsteht auch keine romanische Fassadenwirkung, wie es bei einzelnen Häusern in Köln oder Trier, tw auch Regensburg der Fall ist.


    Das ist aber in Franreich typisch; im Gegensatz zu Deutschland, wo die Romanik im profanen Bereich meist nur an Spezialbauten zu finden ist, etwa solchen der städtischen oder landesherrlichen Administration, gibt es in Frankreich in den Gebieten, wo der Steinbau schon damals vorherrschte, eine recht beachtliche Anzahl an romanischen Bürgerhäusern. Darüber hinaus war Burgund damals eine reiche Region, und Cluny dank der Abtei eine verdammt reiche Stadt.



    @allgemein:


    Beachtlich in Cluny ist vor allem die starke Verbreitung von Typenhäusern schon in der Romanik; wer sich die Fassaden genauer anschaut, findet fast immer eine große, spitzbögige Ladenöffnung, eine Tür mit der Treppe zum Obergschoss daneben, und meist eine romanische Fensterreihe im 1. OG.
    Wie weit diese Normierung ging, zeigt das Vorhandensein von Doppelhäusern mit identischen Hälften und geteiltem Kamin; so etwas gab es danach erst wieder bei den englischen Arbeitersiedlungen des 19. Jahrhunderts.


    Bemerkenswert ist zudem, dass zwar die romanischen Häuser sehr gleichförmig sind, der Stadtgrundriss jedoch alles andere als geplant und regelmäßig wirkt, so als wenn die Stadt mehr oder weniger zufällig um das Kloster gewuchert ist, und dies in derart kurzer zeit, dass man keine Möglichkeiten einer ordentlichen Stadtplanung mehr hatte.



    In der Hinsicht erinnert Cluny ein wenig an die Goldgräberstädte im amerikanischen Westen; nur, dass die Goldmine in diesem Fall die Abtei war. :biggrin:

  • Auxerre



    G e s c h i c h t e: Wesentlich weiter im Westen aber immer noch im Burgund, genauer gesagt im Départment Yonne am gleichnamigen Fluss, befindet sich die heute 41000 Einwohner zählende Stadt Auxerre. Schon immer befand sich das dortige Fleckchen Erde an wichtigen Handelsstraßen, weshalb sich auch schon lange vor der Römerzeit Siedlungen nachweisen lassen. Im Frühmittelalter war Auxerre sicher eine der bedeutenderen Städte Frankreichs, vor allem als früher Bischofssitz spielte sie eine wichtige Rolle. Schon seit der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts residierten hier derart hohe Geistliche, auch eine Kathedrale gab es logischerweise schon so bald. Der berühmteste Auxerrer Bischof ist der Heilige Germanus (St. Germain), der in der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts wirkte. Nach mehreren völkerwanderungsbedingten Zerstörungen fiel die Siedlung im 11. Jahrhundert an die Grafen von Nevers, es folgte bald eine Hochblüte, die bis ins 13. Jahrhundert andauerte. Damals wurde der große Befestigungsring (über 1 Kilometer Durchmesser), an dessen Stelle heute barocke Alleen stehen, errichtet. 1434 fiel Auxerre an das Herzogtum Burgund. Die neuzeitliche Geschichte liest sich weniger spannend, auch hier ist diese Epoche nicht unbedingt als Blütezeit zu bezeichnen. Die Industrialisierung ging sogar fast vollkommen spurlos an der Stadt vorüber, weswegen Gründerzeitviertel fast vollkommen ausbleiben. Erst nach dem 2. Weltkrieg ging es wirtschaftlich bergauf...


    Die Galerie ist - begründet durch Mangel an Besichtigungszeit - leider relativ unvollständig. Neben vielen Eindrücken der Verbauung und der Straßen sind die wichtigsten Sehenswürdigkeiten (Kathedrale, St.-Germain, Tour de l´Horloge) doch mit von der Partie...

  • Nach längerer Pause geht es endlich weiter mit den Bildern aus Auxerre:


    Die Tour beginnt im Südwesten der Stadt bei der Kirche St.-Eusèbe. Deren ältester Bauteil ist der romanische Turm aus dem 12. Jahrhundert. Das Langhaus stammt wohl aus dem 13. Jahrhundert, der bemerkenswerte und stark überhöhte Chor ist ein Werk der spätesten Gotik, 2. Viertel 16. Jahrhundert.




    Das Westportal.


    Innenraum.
    Das Langhaus zeigt frühgotische Formen, der äußerst hell erleuchtete Chor fügt sich gut an den alten Bauteil an.




    Die Arkadenbögen zeigen Formen des zu dieser Zeit in Frankreich schon üblichen Renaissancestils.


    Blick nach Westen.







    Der Chorumgang:


    Ganz im Osten schließt sich an diesen eine Kapelle mit prächtigen Glasfenstern aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Man beachte auch die bemerkenswert filigranen Säulen, die das Gewölbe tragen!