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Burgund (F) (Galerie)

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    • Burgund (F) (Galerie)



      Wie im Kellerrätsel bereits angekündigt, hier meine Galerie über einige Städte, Dörfer und weitere Sehenswürdigkeiten des Burgund, die ich beim heurigen Urlaub zu sehen und vor die Linse bekam.

      Der Burgund ist eine Region in Frankreich, bestehend aus 4 Departments, wir waren vor allem in den Gebieten rund um die Städte Dijon (Cote d´Or) und Auxerre (Yonne).

      A l l g e m e i n e s zur Einleitung:

      Historische profane Architektur
      Wie obige Abblidung zeigt, sind die meisten Gebäude im Burgund im dort vorkommenden typischen gelblich-beigen Stein errichtet. Vor allem im ländlichen Bereich gibt es große Dörfer, die quasi ausschließlich aus diesem Material errichtet sind. Fachwerkbauten gibt es weniger als man vermuten möchte, überraschenderweise fast nur in den Städten - meist aus dem späten Mittelalter und der frühen Neuzeit. Diese sind vielfach sehr prächtig (reicher Schnitzdekor), typisch sind weite Auskragungen. Viele Gebäude haben allerdings Steinfassaden und sind dahinter aus Holz errichtet.
      Ab dem 18. Jahrhundert baute man im urbanen Bereich in dem typischen französischen Stil, den wir alle kennen: Weiß verputzte Fassaden (manchmal auch steinsichtig), einfache Fensterrahmen, wenig Dekor, Mansarddächer. Aus dem 19. Jahrhundert gibt es zum einen monumentale, an Paris erinnernde Protzbauten (prächtige Balkons, weiße Fassaden, Mansarddächer), hauptsächlich entstanden aber ziegelsichtige Gebäude mit prachtvollen, steinernen Fensterrahmen.

      Historische Sakralarchitektur
      Aufgrund des Reichtums und an der Lage am Jakobsweg gibt es zahlreiche große Kirchen im Burgund. Die meisten Kirchen (v. a. im ländlichen Bereich) entstammen tatsächlich der Romanik, typisch sind kreuzförmige (oft nur einschiffige) Bauten mit Vierungstürmen. Prachtvolle Initialwerke sind Vezelay, Fontenay und v. a. Cluny (einst die größte mittelalterliche Kirche der Welt).
      Auch die Gotik brachte Eindrucksvolles hervor. Typisch ist die "zweiwändige" Bauweise, bei der die Kirche zwei Wände hatte, die innere trug das Gewölbe und bestand meist nur aus Pfeilern, die äußere hatte die Fenster. Dazwischen befanden sich schmale Gänge. Berühmt und beispielhaft ist z. B. die Kathedrale von Auxerre.
      Das Nachmittelalter brachte eigentlich keine weltberühmten Kirchen hervor, es existieren von ihnen auch nur ganz wenige. Im Mittelalter hatte man ja genug Sakralräume errichtet! Die Kirchen des Barock sind sehr streng und schlicht, haben wenig mit unseren prachtvollen Sakralbauten zu tun...

      Moderne Architektur
      Interessanterweise gibt es viel weniger Stahl-Glas als bei uns, tatsächlich sind die meisten Gebäude der Nachkriegszeit (auch solche aus dem 21. Jahrhundert) historisierend oder in einer schlichteren Baden-Württembergischen Bauweise gestaltet. Daneben gibt es auch einige Häuser in Ulm-Neue-Mitte-Manier sowie selbstverständlich Plattenbauten. Die meisten Bauten gefallen mir aber weniger, sie sind einfach - habe ich zumindest den Eindruck - mit weniger Gefühl geplant. Großteils sind sie aber durchaus annehmbar, einige sogar sehr gut, allerdings bis auf eine Reihe bizarr anmutender Stilverirrungen, die in Kubatur und Fensterformen modernen Bauten entsprechen, die dann aber stilreine (natürlich nicht originale) Renaissanceportale haben. "Disneylandstil" eben. Da verwundert es nicht, dass ausgerechnet in Frankreich Strömungen wie "New Urbanism" entstehen.
      Mit den Dörfern wurde in der Nachkriegszeit allerdings großartig umgegangen. Es gibt allgemein wenige Neubauten, diese sind allerdings gänzlich hervorragend angepasst, mit gelblich-beigem Verputz, Satteldächern, Holzveranden... fügen sich aller perfekt in das Dorfbild, abgesehen von Abfüllanlagen in den Weinbaugebieten habe ich keine einzige Bausünde gesehen.

      Stadtbilder
      Die Verbauung in den Städten ist durchwegs bunt durchgemischt. Es gibt insgesamt wenige Fachwerkhäuser, es dominieren schlichte, meistens nachmittelalterliche, Bürgerhäuser, ohne viel Dekor und meistens mit charakteristischen steinernen Fensterrahmen. Gründerzeitgebäude findet man in den größeren Städten überall, meistens schön aber unangepasst. Neubauten in den Altstädten fügen sich fast immer besser in das Straßenbild ein, würden aber in "mutigerer" Ausführung selten stören, da die Straßenfronten meistens so uneinheitlich wirken, dass man die Neubauten kaum bemerken würde.
      Wie gesagt, die Gebäudehöhen sind alles andere als einheitlich, es gibt trauf- und giebelständige Häuser, Walm-, Sattel-, Mansarddächer, ganz unterschiedliche Fassaden... Sehr bunt alles, in angenehmer Weise.

      Landschaft
      Die radikal ausgeführte Flurbereinigung verwandelte die meisten Landstriche in agrare Mondlandschaften mit Feldern, so groß wie Kleinstädten und beängstigenden Monokulturen. Nur die Weinbaugebiete blieben hiervon etwas verschont. In den bergigeren Gebieten (z. B. rund um Avallon) existieren aber durchaus reizvolle Gebiete.
    • Dijon

      G e s c h i c h t e:
      In der Römerzeit stand hier ein kleines Kastell mit dem Namen Divio (Dijon stammt nicht vom frz. Wort für "Bergfried"), es entwickelte sich eine Siedlung. 1007 geriet der Ort an die Grafen von Burgund, die ihn zu ihrer Residenz machten.1187 wurde er zur Stadt erhoben und ummauert. Dijon war Hauptstadt des Herzogtums Burgund und entwickelte sich schnell. Vom Reichtum der Stadt zeugen nicht nur die Größe des ummauerten Bereiches, auch zahlreiche prächtige Bürgerhäuser und Kirchen, u. a. der Dom. Der Burgund kam 1477 an Frankreich, Dijon blieb das Zentrum der Region. Einen großen Aufschwung erhielt die Stadt wieder ab dem 17. Jahrhundert, es kam zu einer Universitätsgründung und großen Erweiterungsbauten beim Schloss. Im 19. Jahrhundert wurde Dijon ans Eisenbahn- sowie das Kanalnetz angeschlossen, und vergrößerte sich rasch, wie ausgeprägte Gründerzeitviertel zeigen. Leider wurden auch die alten Befestigungsanlagen niedergerissen. Heute hat die Stadt 151000 Einwohner.

      Das römische Kastell: (in der linken oberen Ecke der heutige Schlossplatz)




      Ein Plan der Innenstadt:


      Die beachtlichen Dimensionen des ehem. ummauerten Bereichs werden sichtbar (ca. 1 mal 1 Kilometer). Die großen Straßenachsen, die das Zentrum in einem Fünfeck umschließen, stehen anstelle der Mauern.
    • Wir beginnen unsere Tour im nordwestlichen Altstadteck, beim Bahnhof. Dieser ist ein recht interessantes Gebäude und erinnert ein wenig an BW.

      Blick nach Osten, in die zum Zentrum führenden Avenue Maréchal Foche, einer Gründerzeit-Prachtstraße, die wir nun betreten.

      Nach etwa 300 Metern kommen wir zum Place Darcy, wo ein Triumphbogen steht (Fotografiert nach Westen)

      Links vom Triumphbogen:
      Die gegenüberliegende Platzseite. Der Neubau an der Ecke mutet eigenartig an. Zwar ist er historisierend, aber trotzdem steril, hauptsächlich aufgrund der Fenster. Ein sehr komisches Gebäude...

      Nach Osten hin geht es auf der Rue de la Liberté weiter, nun betreten wir den ehem. ummauerten Bereich...

      Typische Bürgerhäuser des 17. und 18. Jahrhunderts
    • Wir biegen nach Süden ab und gelangen über die Rue du Chapeau Rouge zur Kathedrale St-Bénigne.

      Kathedrale St-Bénigne

      Über dem Grab des frühchristlichen Missionars St. Benignus wurde schon 534 eine erste Kirche errichtet, später entstand ein wichtiges Kloster. Im 9. Jahrhundert wurde daran anschließend eine große Rotunde gebaut. 1001-18 entstand ein großer Neubau der Kirche, mit fast 100 Meter Länge. 1272-1394 erfolgte der kleinere Kirchenneubau im gotischen Stile. Bei der frz. Revolution löste man schließlich das Kloster auf und erhob St. Bénigne zur Kathedrale des Bistums Dijon.

      Wir nähern uns von Nordosten...



      Die prächtige gotische Kathedrale ist '"nur" 70 Meter lang...

      Das Hauptportal:



      Der Innenraum: (Entschuldigung für das schlechte Foto)

      Dreischiffige Basilika mit Querhaus und Vierung. Man kann die schon angesprochene (eigentlich angeschriebene :D) burgundische Wandgliederung erkennen: zwei Mauern, zwischen denen ein Gang verläuft. Ein Vorteil ist z. B. dass man die Strebepfeiler nach außen hin weniger tief bauen muss, weil man sie ja teilweise im Innenraum hat; es entsteht dabei aber keine Wandpfeilerkirche. Auch der Gang ist sicher nicht unpraktisch.



      Zur Übersicht: Wir kommen von links oben und sind jetzt am Place St. Bénigne.
    • Vielleicht darf ich an dieser Stelle noch hinzufügen, daß das ursprüngliche Burgund ein eigenes Land war welches aus Teile von Deutschland, Frankreich und der Schweiz bestand - Burgunds Hauptstadt war Worms, welches heute im deutschen Teil liegt. Wenn ich mich nicht irre wurde Burgund durch die Hunnen zersplittert, gibt aber auch andere Gerüchte, daß Karl der Große daran maßgeblich zur Zersplitterung Burgunds beigetragen hätte.

      Vielleicht gibt es ja hier einen Geschichtssachverständigen, welcher etwas mehr über das alte Burgund zu berichten weiß. :opa:
      Mit Ziegelsteinen kann man Fensterscheiben zerstören, mit Glas, Stahl und Beton ganze Städte.
    • Vielleicht darf ich an dieser Stelle noch hinzufügen, daß das ursprüngliche Burgund ein eigenes Land war welches aus Teile von Deutschland, Frankreich und der Schweiz bestand - Burgunds Hauptstadt war Worms, welches heute im deutschen Teil liegt. Wenn ich mich nicht irre wurde Burgund durch die Hunnen zersplittert, gibt aber auch andere Gerüchte, daß Karl der Große daran maßgeblich zur Zersplitterung Burgunds beigetragen hätte.
      Vielen Dank, Walhall. Ich muss gestehen, dass ich das nicht gewusst habe, habe ich mich doch mit der Geschichte der Region nicht befasst, mich hat ja in erster Linie die Architektur interessiert. Die Geschichte Westeuropas ist mit allgemein gar nicht vertraut.
      Mehr Informationen gibt es im eigenen Wikipediaartikel. Sollte einer unserer Forumshistoriker noch etwas dazu beizutragen haben, gerne! Wikipedia ist bezüglich burgundischer Vergangenheit doch reichlich ausführlich und trocken.
    • @unifiy: Das kann ich ebenfalls bestätigen. Da haben wir´s:
      "Fast alle Figuren im Nibelungenlied haben historische
      Vorbilder aus der Zeit der Völkerwanderungszeit: Das Reich der Burgunden
      existierte tatsächlich am Niederrhein im 5. Jahrhundert. Deren König war
      Gundahar (Gunther). Als dieser in einem Feldzug gegen die Römer getötet wurde,
      zogen die überlebenden Burgunden in die Gegend um Lyon (Lugdunum)."


      Wen´s noch weiter interessiert:
      "König Etzel
      ist der historische Hunnenkönig Attila, der mit seinem Volk von Ostasien nach
      Europa ritt und tatsächlich seinen Sitz nicht in Ungarn hatte. Er soll 453 in
      der Nacht der Hochzeit mit der Germanin Hildico gestorben sein. Es entstand das
      Gerücht, Hildico hätte ihn als Rache für den Tod von Verwandten von ihr, die im
      Krieg gegen die Hunnen gestorben waren, ermordet. Dietrich von Bern (Theoderich
      der Große) lebte tatsächlich erst nach Etzels Tod und wurde trotzdem in das Lied
      aufgenommen. Für Hagen von Tronje gibt es kein historisches Vorbild, sein Name
      leitet sich wahrscheinlich von einem früheren (ehemaligen) Namen von Xanten ab.
      Für Siegfried könnte ein historisches Vorbild Arminius (Der Anführer der germanischen
      Truppen in der „Varus-Schlacht“, dem wohl größten militärischen Verlust des
      römischen Imperiums gegen die
      Germanen
      und dadurch eine später oft verwendete Heldenfigur, bedeutend von den
      Heldensagen des frühen Mittelalters bis zur Zeit der nationalistischen und
      sogar nationalsozialistischen Strömungen bis weit ins 20. Jahrhundert) gewesen
      sein, denn beide wurden jung von Verwandten ermordet und Xanten, Siegfrieds
      Heimatstadt, spielte auch in Arminius´ Leben eine wichtige Rolle.
      "

      Zurück zu Dijon: Wir befinden uns nun am Place St. Bénigne, am Bild in Richtung Osten, links (nicht im Bild) die Kathedrale, vorne die Kirche
      St. Philibert...



      ...der wir uns nun widmen. Sie wurde nach einem Stadtbrand im Jahre 1137 errichtet und ist angeblich die einzige mehr oder weniger original erhaltene romanische Kirche der Stadt.
      An der Südseite finden wir ein schmuckes Portal aus der Bauzeit (Ursprünglich befand es sich wohl im Westen, es wurde später versetzt):

      Die Ostseite ist Opfer späterer Umbaumaßnahmen geworden, ab dem späten 18. Jahrhundert wurde das Gebäude nicht mehr als Kirche genutzt und mehrfach in grauslichster Weise verändert und beschädigt. Unter anderem wurden die Apsiden weggerissen, wie wir hier sehen:

      Das Innere wird derzeit für moderne Kunst missbraucht. An den Pfeiler wird der miserable Zustand des Raums sichtbar. Bis vor kurzem war er noch einsturzgefährdet.



      Ganz interessant ist immerhin dieses Baugerüst in historischer Bauweise, welches zeigt, wie einst Bögen konstruiert wurden. Ob es zum Kunstprojekt gehört, oder aus Gründen des Bausicherung dort steht, konnte ich leider nicht eruieren, ersteres erscheint mir aber wesentlich plausibler.
    • Vielen Dank für die schöne Bilderserie, auf deren Fortsetzung ich mich schon freue!

      -Tobias- wrote:

      Ganz interessant ist immerhin dieses Baugerüst in historischer Bauweise, welches zeigt, wie einst Bögen konstruiert wurden. Ob es zum Kunstprojekt gehört, oder aus Gründen des Bausicherung dort steht, konnte ich leider nicht eruieren, ersteres erscheint mir aber wesentlich plausibler.
      Ich glaube, Du meinst "letzteres". In der frz. Wikipedia las ich, daß man 1974/75 die Kirche für Ausstellungszwecke mit einem Betonboden versehen hat, woraufhin in den Pfeilern salzhaltige Feuchtigkeit aufstieg, die den Stein hat abplatzen lassen. Inzwischen ist der Betonboden wieder entfernt worden.
    • Vielen Dank, Tübinger, für die zusätzlichen Informationen! Tatsächlich ist dieses Gerüst zur Bausicherung, was ich damals nicht vermutet habe...
      Mehr Informationen für alle, die ein wenig Französisch können: fr.wikipedia.org/wiki/%C3%89glise_Saint-Philibert_de_Dijon

      Vorbei an St. Philibert kommen wir über die kurze Rue Danton zum Place Bossuet, wo die ehemalige Kirche St. Jean aus dem 15. Jahrhundert steht. Diese wird heute als Theater genutzt. Ein misslungenes Kunstprojekt, ein Schauspielhaus... Das ist das Ergebnis, wenn man zu viel an historischen Erbe hat!
      Blick auf St. Jean von Süden:



      Das Westportal:

      Hinein konnte man leider außerhalb der Vorstellungen nicht.
      Nun zur Orientierung, wie es jetzt weiter geht...

      Südlich des Place Bossuet steht das Hôtel Bouchou, errichtet 1641-43 über spätmittelalterlichen Kern. Hier ein Blick in den Ehrenhof.

      Wir machen nun eine kurze Runde durch weniger interessantes Gebiet, nur ein Gebäude scheint mir erwähnenswert:
      Hier in der Rue du Gymnase steht ein recht gelungener Neubau, der starke Assoziationen an Baden-Württemberg weckt.





      Daran schließt sich ein ähnliches zeitgenössisches Wohngebäude an.

      Das sieht doch recht angenehm aus!
      Mit der historischen Verbauung gegenüber können sie zwar nicht mithalten :wink:, trotzdem tolle Bauten! Nicht aufdringlich, aber nicht einfallslos und sehr gut angepasst.

    • Nach dieser Runde kommen wir zurück zum Place Bossuet. Dieser erstreckt sich auf fast 200 Meter Länge von Norden nach Süden. Hier ein Bild des oberen Teils: (St. Jean ist hinter dem Gebäude am rechten Bildrand)
      I
      Nach meiner Fehlinformation Richtigstellung Tübingers:
      Dieses Haus, das Hôtel Catin de Richemont, hat sogar einen eigenen Wikipediaeintrag. Laut diesem stammt das Haus aus dem 15. Jahrhundert, die Fachwerkfassade ist aber historistisch von ca. 1920


      Aus einer anderen Perspektive können wir die Theaterkirche erkennen:


      Und rechts hiervon steht das Hôtel Fevret de St-Mesmin, errichtet 1698-1700 im typisch französischen Barockstil. Charakteristisch für die Hôtels (Wohnsitze höher gestellter Personen) sind u. a. die Ehrenhöfe, meist mit einer Mauer geschlossen. Die Wohnungen der Hausherren sind im rückwärtigen Flügel untergebracht.


      Ich hoffe, es entstehen keine allzu großen Orientierungsschwierigkeiten. Wir wenden uns jedenfalls weiter nach rechts und folgen der Rue Bossuet, die uns wieder zur Rue de la Liberté, also der Hauptstrasse, führt.
      Ecke Place Bossuet/Rue Bossuet:


      Blick zurück zum Place Bossuet, mit St Jean und dem Hôtel Fevret de St-Mesmin.


      Blick in die andere Richtung, zur Kreuzung mit der Rue de la Liberte, wo prachtvolle Gründerzeitler mit monumentalen Ecklösungen stehen.


    • Zu den Dijoner Wahrzeichen zählt das Maison aux trois visages (Haus der drei Gesichter) - eigentlich drei Häuser - aus dem 15. Jahrhundert, welches schon auf obigem Bild rechts zu sehen ist. Typisch für das burgundische Fachwerk sind die weiten Auskragungen und die Andreaskreuze, die meistens die einzige Schmuckformation sind. Zwischen den Gebäuden erkennt man massive Brandschutzmauern.



      Das Maison aux trois visages steht am Place Francois Rude, welchen die Rue de la Liberte passiert. Ich vermute, dass dieser Platz durch Abrisse entstanden ist, wie man an den Parzellen erkennen kann.

      Links befindet sich ein mächtiger Gründerzeitler, wohl aus dem frühen 20. Jahrhundert.

      Wir folgen der Rue de la Liberté nach Osten dem Schlossplatz entgegen...

      Nach Norden zweigt die Rue Stephen Liegeard ab, mit schönen Häusern reicher Bürger...

      Das erste der schmalen Häuser besitzt eine ungewöhnlich reiche Fassade, vielleicht 2. Hälfte 17. Jahrhundert?

      Dann noch zwei stattliche Fachwerkbauten aus dem 15. Jahrhundert.

      Zur Übersicht: Wir sind nun am Ende der eingezeichneten roten Linie angekommen.
    • Im Gegensatz zum Kellerquiz ist es bei den Galerien höchst erbaulich, ein Forumsmitglied zu haben, das bei der NSA arbeitet. Vielen Dank für deine Berichtigung, Tübinger!

      Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass das Galerie-erstellen schon so genug Arbeit ist und ich nicht immer Zeit und Muße zu derartig genauen Nachforschungen habe. Man möge es mir verzeihen...
    • Danke für die Info Tobias, ja, die Nibelungensage soll wohl nicht so arg an den Haaren herbeigezogen worden sein - sicher, die Namen hat man abgeändert (möglicherweise nach altgermanischer Übersetzung), und es gab sicherlich auch keinen getöteten Drachen oder beraubte Zwerge :biggrin:
      Einer Geschichte welche mir einst zugetragen wurde (in wie weit sich diese nachweisen läßt sei mal dahingestellt) spielte sich wohl tatsächlich eine recht ähnliche Geschichte wie die Nibelungensage im 500 Jhr. im ehemaligem Reiche Burgunds ab; so soll es tatsächlich einen Ziehvater und engsten Vertrauten des Königs gegeben haben eben so wie einen Fremdling aus Xanthen welcher das Königreich ebenfalls beanspruchen wollte, und mit allerlei Prahlereien über seine Heldentaten auftischte, und wohl auch mit Drohungen nicht gerade sparsam war. Auch war er wohl ein Meister darin, den Hof in Worms langsam aber sicher wirtschaftlich zu ruinieren. Entsprechender Berater des Königs, setzte dann diesem Ganzen durch eine illegale Hinrichtung des Xantheners ein Ende, was wohl zu weiteren außenpolitischen Konflikten geführt haben soll.

      Aber wie gesagt, es ist eine Geschichte welche mir mal ein Germanist verzählte, in wie weit es dem Wahrheitsgehalt entspricht, kann ich nicht einschätzen - auch wenn es für mich persönlich durchaus logisch klingt.
      Mit Ziegelsteinen kann man Fensterscheiben zerstören, mit Glas, Stahl und Beton ganze Städte.
    • Danke, Walhall, für die Info! Nun, tatsächlich soll an der Nibelungensage doch wirklich mehr dran sein, als lange Zeit vermutet wurde, gut möglich, dass auch deine Geschichte stimmt. Der Epos besteht ja aus zahlreichen verschiedenen Sagen und Sagenkreisen, die zum großen Teil wahre Kerne haben, die man dann miteinander verwebt hat (U. a. gibt es auch Teile der nordischen Liederedda). Wahnsinnig spannend, das Thema!

      In Dijon hingegen gibt es keine Zwerge und Drachen, dafür aber einen prachtvollen Herzogspalast, von dem ich nun berichten werde.
      Wir befinden uns nun im ältesten Teil der Stadt, innerhalb des ehemaligen römischen Kastells: (Der "Schlossplatz" ist der halbrunde Platz in der linken oberen Ecke, nördlich davon der Palast)

      In natura sieht es am Schlossplatz, der eigentlich Place de la Liberation heißt, so aus: Am ersten Bild der zu einem Ehrenhof geöffnete Herzogspalast, hier mit (im Kern teilweise älteren) Flügeln des späten 17. Jahrhundert, das Schmiedeeisengitter entstand etwa 100 Jahre danach. Dahinter steht der fast 50 Meter hohe Tour Philippe le Bon (Turm Philipps des Guten) aus den Jahren 1450-55.
      Das Schloss ist übrigens um drei große Höfe erbaut, rechts des Ehrenhofes sind die ältesten Trakte um den Cour de Bar, und links davon die jüngsten Gebäude um den Cour de Flore. Der Ehrenhof steht quasi in der Mitte des Palastes.



      Die Seitenflügel sind mit monumentalen Kolonnaden abgeschlossen. Der Ostflügel, der eine Kunstschule beherbergte, wurde angeblich erst in den 1780ern abgeschlossen.

      Den ganzen Ehrenhof mit den drei Trakten auf ein Foto zu kriegen, erwies sich als mit meinem Objektiv unmöglich.

      Der monumentale, halbrunde Place de la Liberation ist mit einer beeindruckenden Reihe von Blendarkaden des 18. Jahrhunderts (Der Schein trügt: Dahinter stehen einzelne Gebäude, kein langer, halbrunder Bau) abgeschlossen.




    • Östlich eben jenes Ehrenhofes befindet sich, wie bereits erwähnt, der Cour de Bar, benannt nach dem Herzog Rene d´Anjou von Bar, der im Tour de Bar mehrer Jahre lang gefangen war.
      Der Tour de Bar (Also "Bar-Turm", was nicht etwa heißt, dass darin einst Alkohol ausgeschenkt wurde) wurde im 3. Viertel des 14. Jahrhunderts errichtet und ist tatsächlich der älteste, bestehende Teil des Herzogspalastes.

      Großteils umgeben den Hof aber Flügel des 18. Jahrhunderts, teilweise mit älterem Baukern (Blick nach Süden):

      Westseite:

      Nun soll noch einer einmal etwas gegen moderne österreichische Kühlschrankarchitektur sagen! Denn der Erweiterungsbau des Waidhofener Schlosses schlug sogar Wellen bis nach Frankreich, und in Dijon beschlossen begeisterte Architekten, gleich etwas ähnliches zu errichten. Ich sag´s euch, die beneiden uns um das Rothschildschloss!
      Aus dem zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts stamm der Küchenbau, mit einer eindrucksvollen Halle im Inneren:

      Anstatt eines Schlusssteins findet sich in der Decke nur ein Loch...

      ...dessen Zweck sich uns beim Verzicht auf Blitz beim Fotografieren offenbart.

      Mehr Informationen und Bilder der prächtigen Innenräume: fr.wikipedia.org/wiki/Palais_des_ducs_de_Bourgogne und mba.dijon.fr/musee/palais-ducs-et-etats-bourgogne
    • orbei an prächtigen Bauten (links der Südflügel um den Cour de Bar) geht es nach Osten weiter. Schon sieht man die spektakuläre Renaissancefassade der Kirche St-Michel.

      Museumstrakt des Cour de Bar, von 1852 - 65

      Wir kommen auf den Place du Théatre, rechts befindet sich die ehemalige Kirche St.-Etienne, die heute das Musée Francois Rude beherbergt



      Auf dem Stadtplan:

      Die Kirche stammt im Kern noch aus dem 13. Jahrhundert und wurde in der Spätgotik und im 18. Jahrhundert verändert. Tatsächlich war sie - obwohl sie ziemlich unspektakulär wirkt - einst die Kathedrale des Bistums! Dabei sind die Ausmaße eh recht ansehnlich - über 70 Meter Länge. Die geringe Höhe und der fehlende Turm sind wohl an der Unscheinbarkeit des Sakralraumes schuld.

      Schon lange wird sie allerdings nicht mehr als Kirche genützt, heute befindet sich das Musée Francois Rude darin. Rude (1784-1855) war ein berühmter Bildhauer, das Museum beherbergt Abgüsse seiner wichtigsten Werke. Letztere sind zuweilen erstaunlich monumental.

      Der sich in äußerst schlechtem Zustand befindliche Chor wurde von den Barockumbauten weitgehend verschont.

      Die ehemalige romanische Unterkirche wurde ans Tageslicht befördert, auch römische Spuren fanden sich unter dem Fußboden.

      Östlich von St-Etienne stehen, dicht an den großen Bau herangerückt, einige kleinere Bürgerhäuser.
    • Wir stehen nun auf der platzartigen Rue Vaillant, Blick in Richtung Westen und Herzogspalast, links angeschnitten St.-Etienne.

      Nun widmen wir uns aber der großartigen Kirche St-Michel.
      Erbaut wurde sie ab 1499, nach einer Unterbrechung im frühen 16. Jahrhundert erfolgte 1570 die Beinahe-Fertigstellung, lediglich die Turmaufsätze entstammen einer späteren Epoche, nämlich dem 17. Jahrhundert.
      St.-Michel stellt eine wahnsinnig interessante Fusion aus Spätgotik und Renaissance dar. Wie ja gut ersichtlich ist, sind so gut wie alle Dekorationen der Renaissance bzw. dem Manierismus zuzuordnen. Der Baukörper und dessen Gehabe sind aber ganz klar in der mittelalterlichen Bautradition verhaftet. Schon alleine die Doppelturmfassade und die beeindruckende Portalanlage weisen klar in die Gotik. Auch die Strebepfeiler gäbe es an einem reinen Renaissacebau in der Form ganz klar nicht. Überhaupt wirken die starke vertikale Orientierung und die dichte Gliederung, auch wenn die Detailformen klar neuzeitlich sind,doch sehr gotisch. Wahrhaftig faszinierend.