Zerbst/Anhalt - Schloss Zerbst

  • Leider muss ich dort auch wieder eine solche Meldung lesen:

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    Schloss erneut vom Vandalismus betroffen


    Unbekannte haben vermutlich in der Nacht vom Samstag zum Sonntag ein als Tür fungierendes Zaunfeld der äußeren Umfassung völlig zerlegt. Danach drangen sie ein und warfen Steine ins Schloss. Es traf besonders das imposante Zedernkabinett. Ein Fenster und ein Rollo wurden dabei stark beschädigt.

    :daumenunten:

  • Zunächst könnte man ja meinen "Wie niederträchtig kann man sein, die ehrenamtliche Arbeit von so vielen Menschen so gering zu schätzen und vielleicht sogar mit böser Absicht zu handeln". Aber die betroffenen Personen sind vermutlich traurigerweise einfach nur bildungsfern dass es kracht und können die Folgen Ihres Handelns gar nicht abschätzen.

  • Zuwendungsbescheid über rund 2 Millionen Euro eingetroffen


    Zweieinhalb Jahre nach Antragstellung sowie vielen Modifikationen, Dokumentenlieferungen und Prüfungen ist nun der lang ersehnte Bescheid ergangen. Insgesamt werden nun etwa 2,4 Millionen Euro in die Sanierung des Zerbster Schlosses fließen. Initiator und Bauherr ist der Förderverein Schloss Zerbst e. V. Die Realisierung des Großprojektes „Umsetzung des kulturellen Nutzungskonzeptes“ erfolgt von Juli 2020 bis März 2022 ausschließlich im Ehrenamt! Schwerpunkte der Maßnahme sind die Umsetzung des Brandschutzkonzeptes, die Sicherung des oberen Teils des Mittelrisalits und die Herstellung der Barrierefreiheit mittels eines Aufzuges. Details sind hier einsehbar:


    https://www.schloss-zerbst-ev.de/html/bau_2020.htm

  • Ich denke, die Zerstörungswut kommt dort durch übermütige Jugendliche, die in Zerbst womöglich wenig andere Freizeitbeschäftigungen und Anregungen haben. Und das Schloss wird eben optisch immer noch als eine Art Ruine wahrgenommen, bei der es keine Rolle spielt, ein paar Steine dagegen zu werfen. Deshalb kommt das leider immer noch ab und zu vor. Bestraft würde das ja auch, wenn man die Täter erwischen könnte. Aber das ist vor allem nachts in dem Park nicht immer einfach.


    Der Vereinsvorsitzende Dirk Herrmann deutet ja an, dass man eventuell in zwei Jahren mit einer Sanierung der Fassade anfangen könnte. Also neuer Putz und Anstrich. Würde das geschehen, würde das Schloss recht bald seinen optischen Ruinencharakter verlieren. Es würde besser wieder als intaktes Haus wahrnehmbar, was solche Sachbeschädiger eher von ihren Taten abhalten könnte (Broken Windows-Theorie). Es wäre jedenfalls sehr zu wünschen.


    Das ist aber noch Zukunftsmusik. Nun steht, wie der schöne Filmbeitrag zeigt, erst einmal das Einziehen der letzten Geschossdecken, die letzte Notdachfläche und ein barrierefreier Zugang auf dem Programm für die nächsten beiden Jahre. Dann schauen wir weiter.

  • Ich denke, die Zerstörungswut kommt dort durch übermütige Jugendliche, die in Zerbst womöglich wenig andere Freizeitbeschäftigungen und Anregungen haben.

    Das ist doch kein Grund ein Baudenkmal zu beschädigen. Erfahrungsgemäß sollte man gerade bei Jugendlichen die Straftaten begehen, überhaupt nicht den Eindruck entstehen lassen, man habe Verständnis dafür.


    Was die Bestrafung angeht, hast Du selbstverständlich recht.

  • Natürlich ist das kein Grund für uns. Und es würde mich völlig missinterpretieren, wenn ich dafür Verständnis aufbrächte. Aber ich versuche mich in die Köpfe solcher Täter hineinzuversetzen. Und es gibt ja diesbezüglich auch die Broken-Windows-Theorie. Ich denke also, wenn das Gebäude ordentlich verputzt und gestrichen wird, zudem vielleicht noch die Sandsteintreppen hergestellt werden, dass dann solche Zerstörungsakte von alleine abnehmen.

  • Start des Projektes „Fenster und Türen nach historischem Vorbild“


    Mit den seit 2005 durch den ehrenamtlich tätigen Förderverein Schloss Zerbst e. V. realisierten elf Sicherungsmaßnahmen wurden sukzessive verschiedene Bereiche des Schlosses vor dem Verfall bewahrt und die kulturell-musealen Nutzungen erweitert.


    Mit den wiederhergestellten Raumkubaturen des Schlosses waren viele Zimmer und Säle nach Jahrzehnten erstmals wieder zugänglich. Eine Grundvoraussetzung für die Ausgestaltung und Nutzung der Räume war der Bau provisorischer Fenster, was der Förderverein in Eigenleistung realisierte. Nur so konnten die Räume vor Witterungseinflüssen und Wandalismus geschützt und die dringend notwendige Austrocknung des Gebäudes forciert werden.


    Infolge des aus Kostengründen genutzten einfachen Holzmaterials weisen die Fensterrahmen inzwischen massive Schäden auf. Ein Austausch ist zum Schutz der Bausubstanz und der Einrichtungen dringend erforderlich. Außerdem waren die genutzten Glasfolien infolge der UV-Strahlung schon nach wenigen Jahren spröde, so dass ganze Partien ausbrachen. Mehrmals musste bereits ein aufwändiger und kostenintensiver Wechsel erfolgen. Nun stehen jedoch die Wirtschaftlichkeit und die Nachhaltigkeit in Frage.


    In diesem Kontext entstand die Projektidee zur Herstellung und zum Einbau neuer Fenster im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss des Ostflügels. Die unteren Ausstellungsräume, der Eingangssaal und die Toiletten des Erdgeschosses haben im Laufe der Jahre insgesamt acht Fenster nach historischem Vorbild erhalten, so dass bereits gute Erfahrungswerte zum Schutz der Bausubstanz vorliegen. Nunmehr sollen die in diesen Etagen fehlenden Fenster ergänzt werden. Die Denkmalrechtliche Genehmigung dafür liegt vor.


    Mit dem zu Beginn des neuen Jahres startenden Projekt werden 27 Fenster im Erdgeschoss und 35 Fenster sowie 2 Balkonfenster im ersten Obergeschoss eingebaut. Zuvor ist es notwendig, die provisorischen Fenster auszubauen und die Fensterlaibungen rohbautechnisch zu bearbeiten. Parallel werden die Fenster und Fensterbänke nach historischem Vorbild hergestellt. Dann erfolgt das Einsetzen der 64 Fenster.


    Ein zweiter Teil des Projektes besteht in der Herstellung und dem Einbau von sechs Doppelflügeltüren im Eingangssaal des Schlosses. Mit dem Einzug der Decke im Rahmen der ersten Sicherungsmaßnahme 2005/06 hat der Förderverein in Eigenleistung provisorische Türen hergestellt. Die einfachen Türen sind nunmehr verschlissen und müssen insbesondere zum Schutz vor Einbruch und Wandalismus ausgetauscht werden. Unter den Aspekten der Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit sind analog der Fenster auch hier vorläufige Türen nicht mehr vertretbar. Einem überlieferten Foto von 1927 zufolge werden die Doppelflügeltüren nunmehr rekonstruiert. Auch hierfür liegt die Denkmalrechtliche Genehmigung vor. Die Türen dienen ebenfalls dem Schutz der Bausubstanz. Außerdem wird der Saal, in dem u. a. Konzerte und Hochzeiten stattfinden, erheblich aufgewertet.


    Für das Projekt stehen Bundesmittel aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm VIII und Denkmalpflegefördermittel des Landes Sachsen-Anhalt zur Verfügung. Zuwendungen kommen auch von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt. Die Eigenmittel setzen sich aus einem Zuschuss der Stadt Zerbst/Anhalt als Eigentümerin des Schlosses, was von den Fördermittelgebern gefordert wird, und aus Spenden zusammen, die der Förderverein in diesem außergewöhnlichen Jahr mühevoll eingeworben hat. Die Investitionssumme beläuft sich auf 281.000,00 €. Der Vereinsvorstand bedankt sich herzlich bei den Zuwendungsgebern und den Unterstützern des Projektes.


    Ursprünglich waren die bereits im August 2018 gestellten Anträge für die Umsetzung der Sicherungsmaßnahme VIII gedacht. Doch ein Jahr später wurde klar, dass die Finanzierung der Maßnahme durch nicht bereitstehende Mittel der Förderer nicht funktioniert. Glücklicher Weise gelang 2020 unter hohem Aufwand die Umwidmung der Förderung, so dass nun die Fenster und Türen hergestellt werden können.


    Die für das Projekt bewilligten Mittel sind für Denkmalpflegeförderungen gebunden und können nicht für andere Zwecke eingesetzt werden. Der Vorstand des Fördervereins ist stolz darauf, die Bundes- und Landesmittel sowie weitere Gelder nach Zerbst geholt zu haben. Anderenfalls wären diese in Denkmale in anderen Orten geflossen. Die Vergabe der Leistungen an zwei Zerbster Unternehmen und ein weiteres Unternehmen in Sachsen-Anhalt ist eine Form der Wirtschaftsförderung, die den Vereinsvorstand gerade in diesen schwierigen Zeiten mit Freude erfüllt.


    Das neue Projekt „Fenster und Türen nach historischem Vorbild“ und das in der Phase der Baugenehmigungs- und Bauausführungsplanung befindliche Großprojekt „Umsetzung des kulturellen Nutzungskonzeptes“ sind wesentliche Meilensteine in der Sicherung und Weiterentwicklung des Zerbster Schlosses.

  • Das Projekt „Fenster und Türen nach historischem Vorbild“ wurde erfolgreich abgeschlossen. Insgesamt wurden 62 Fenster und 2 Balkonfenster sowie 6 Doppelflügeltüren eingebaut. Durch die neuen Fenster im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss haben sich die Klimaverhältnisse in den Räumen und die Außenwirkung erheblich verbessert. Die Eingangshalle, die dem Förderverein als Hauptveranstaltungsraum und Ort für Trauungen dient, wurde mit den Türen erheblich aufgewertet.

  • Ein Wahnsinnsprojekt, fast ein Generationenprojekt in dieser strukturschwachen Region. Hoffentlich behalten alle die Ausdauer und Nerven!


    Wie viele Räume sind denn derzeit hergerichtet und kann man dort auch bei Festlichkeiten speisen?

  • Mit jeder Sicherungsmaßnahme entstanden seit 2005 nach dem Einzug von Decken Räume, die seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr existierten und nicht zugänglich waren. Der Förderverein hat die Räume je nach Möglichkeit ausgestaltet und sukzessive in die Nutzung einbezogen. Im Schloss sind folgende Ausstellungsräume vorhanden:


    Corps de logis Keller, Schlossküche: 3 Räume

    Corps de logis Erdgeschoss Schlossgeschichte und Baumeister: 4 Räume

    Ostflügel Erdgeschoss Hofseite, Schlossgeschichte: 7 Räume

    Ostflügel Erdgeschoss Ausstellungsräume, Schlossgeschichte und Förderverein: 3 Räume

    Ostflügel Erdgeschoss, Lapidarium: 1 Raum

    Ostflügel 1. Obergeschoss Appartement Fürst Friedrich August: 5 Räume

    Ostflügel 1. Obergeschoss Appartement Fürstin Johanna Elisabeth: 11 Räume

    Ostflügel 2. Obergeschoss Partnervereine und Sonderausstellung: 14 Räume


    Ausstellungsräume gesamt: 48


    Auf Grund von Baumaßnahmen sind aktuell die Schlossküche und die 3 unteren Ausstellungsräume nicht zu sehen. Die Räume im 2. Obergeschoss sind auf Grund der Pandemie nicht geöffnet.


    Aktuell können 28 Ausstellungsräume besichtigt werden.


    Für Festlichkeiten dient hauptsächlich die Eingangshalle im Erdgeschoss. In diesem Jahr fanden neben Hochzeiten die Hoftafel und der 17. Schlossabend darin statt. Zur Hoftafel wurden Dreigangmenüs serviert, zum Schlossabend Zweigangmenüs.

  • Die Innenausstattung des Schlosses, die bis 1918 noch nahezu komplett aus der Zeit des Barock und Rokoko erhalten war, ist fast vollständig verloren gegangen. Mit der Abdankung des herzoglichen Hauses ging das Inventar des Zerbster Schlosses laut Vertrag komplett an die Familie. Die 203 Zimmer und Säle des Schlosses wurden 1919 komplett beräumt. Das betraf nicht nur das Mobiliar, sondern auch wandfeste Ausstattungen, Öfen, Intarsienfußböden etc. Im Rahmen der sogenannten Zweiten Fürstenenteignung kehrten 1927 einige wenige Stück zurück ins Schloss. Davon wurden Teile ab 1943 ausgelagert und befinden sich heute irgendwo in Rußland. Der Rest ging beim Brand des Schlosses und durch Plünderungen verloren.


    Vom Altbestand sind noch 10 Brüsseler Wandteppiche der Zeit um 1750 erhalten, die sich im Depot des Deutschen Historischen Museums befinden. Drucke in Originalgröße zeigen wir im Wohnzimmer und im Schlafzimmer des Appartements der Fürstin Johanna Elisabeth. Außerdem entdeckte ich zwei Supraportengemälde aus dem Entreesaal, die sich heute in der Würzburger Residenz befinden. Drucke in Originalgröße sind wieder am alten Platz zu sehen. Aus dem Bestand des Schlossmuseums haben wir aus Privatbesitz eine Zerbster Fayencevase zurückerworben, die im Fayencezimmer stand. Eigentlich handelt es sich dabei um Diebesgut, aber so ist es nun einmal …


    Weiteren, eventuell noch vorhanden Stücken auf die Spur zu kommen ist sehr schwer, da fast keine Innenaufnahmen vor 1918 und keine detaillierten Zimmerinventare existieren. Der aussagekräftige Zettelkatalog des Museums ist im Schloss verbrannt.

  • "Akanthus" ist womöglich genervt, weil er täglich in der Materie drinsteckt und er nun Fragen von Ortsunkundigen bekommt. Aber so ist es eben.


    Bei der Westfassade des Corps des logis (hier) klaffen ja immer noch Löcher in der Fassade. Es waren wohl mal die Durchgänge in den Hauptflügel. Sollen diese geschlossen werden? Ich las von einem Aufzug. Soll er dort installiert werden?


    Außerdem ist die Nordfassade des Corps des logis (hier) offenbar noch immer zum Teil ohne Dach. Auch scheinen hier noch die oberen Zwischendecken zu fehlen? Soll auch dies in nächster Zeit erledigt werden?

  • Zunächst möchte ich mitteilen, dass ich mich über das Interesse im Forum und die „Likes“ sehr freue. Sehr gern beantworte ich auch die Rückfragen. „Heimdall“, genervt bin ich keinesfalls. Manchmal geht es leider nur nicht so schnell, da ich sehr eingespannt bin.


    Mit dem neuen Großprojekt wird das Corps de logis um eine Fensterachse nach Westen erweitert und durch eine neue Wand (leider sehr massiv) geschlossen. Später soll dort partiell weiter angeschlossen werden. In den südlichen Bereich der dann entstehenden, übereinander gelegenen Nordräume wird ein Aufzug integriert, um die Barrierefreiheit zu erreichen. Der Flurbereich im Süden stellt dann die Anbindung an alle Etagen dar. Der barrierefreie Zugang erfolgt ebenerdig von Norden. Der Aufzug hat Haltestellen in 5 Etagen, auch schon im Bereich des noch nicht zugänglichen Daches. Der Aufzug wird so positioniert, dass er nach der Errichtung des historischen Daches darin verschwindet und nicht mehr sichtbar ist.


    Aktuell wird das Kellergeschoss des Corps de logis von Schuttmassen der Sprengung befreit. Auf den Grundmauern wird dann das aufgehende Mauerwerk errichtet. Aktuell sind Archäologen mit Brüste und Pinsel am Werk …


    Das Projekt umfasst auch den Einzug von Decken im noch offenen oberen Bereich des Corps de logis und das Aufbringen eines Übergangsdaches. Außerdem werden Fenster eingebaut. Innenarbeiten (Putz, Türen, Elektrik etc.) erfolgen leider nicht. Damit ist der älteste Teil des Schlosses dann gesichert, den die Landesdenkmalpflege bereits aufgegeben hatte.


    Leider sind die Sanierung der Decke im Bereich des Mittelrisalits des Ostflügels und die Errichtung des Übergangsdaches den extremen Preissteigerungen am Baustoffmarkt zum Opfer gefallen. Das ist bereits der vierte gescheiterte Anlauf in diesem Bereich.

  • Akanthus


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    Die Innenausstattung des Schlosses, die bis 1918 noch nahezu komplett aus der Zeit des Barock und Rokoko erhalten war, ist fast vollständig verloren gegangen. Mit der Abdankung des herzoglichen Hauses ging das Inventar des Zerbster Schlosses laut Vertrag komplett an die Familie. Die 203 Zimmer und Säle des Schlosses wurden 1919 komplett beräumt. Das betraf nicht nur das Mobiliar, sondern auch wandfeste Ausstattungen, Öfen, Intarsienfußböden etc.

    Heisst das, dass die Innenaustattung anderswo erhalten ist? Eigentlich ein Glück im Unglück, dass die Ausstattung ausgebaut wurde - sonst wäre sie wahrscheinlich 1945 verbrannt.

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker