Zerbst/Anhalt - Schloss Zerbst

  • Hallo Akanthus!
    Auch von mir Herzlich Willkommen!
    Ihr leistet da wirklich Pionierarbeit in Zerbst und ich kann euch nur alles gute für das Gelingen wünschen. Ich kann deswegen so gut nachempfinden, da ich mit den Altstadtfreunde Nürnberg am Samstag auch immer Schutt aus mittelalterlichen Häusern schleppe... :daumenoben:


    Habt ihr Kontakt zu lokalen Baufirmen, die euch mit Gerät und evt. Material unter die Arme greifen (Werkzeug, Schuttmulden, Gerüste)?


    Ich finde es beachtlich, das schon über 150 Personen Mitglied sind, vor allem hinsichtlich der Tatsache, dass ihr als Verein ja noch nicht so lange aktiv seid und das bei einer Einwohnerschaft von ca. 17.000.


    Freue mich, wieder Neuigkeiten und "Praxisberichte" zu hören!


    Grüße


    Jürgen

  • Herzlich willkommen hier im Forum Akanthus!


    Eine weitere Frage, diesmal zur Stadt. Auf Luftbilder sieht die Stadt nicht unbedingt hässlich aus. Natürlich gibt kaum alte Gebäude, aber sind ein grosser Teil der Nachkriegsbauten nicht aus dem 50er Jahren? "Richtige" Plattenbauten habe ich nur nördlich des Marktplatzes erkennen können.



    Und: wissen Sie, ob ein Wiederaufbau des Dessauer Stadtschlosses geplant ist? Dort steht ja schon der Johannbau...


    Claus

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker

  • Ein Hallo an alle, die auf meinen Beitrag reagiert haben, und vielen Dank für den freundlichen Empfang.


    Gern möchte ich auf die Nachfragen antworten.


    Zu den Fragen von Antiquitus:
    Vom ehemaligen Adelsgeschlecht, den Fürsten von Anhalt, ist leider nichts zu erwarten. Das Auftreten vom Chef des Hauses Anhalt, Eduard Prinz von Anhalt, ist für mich sehr fragwürdig. Er war einer der sieben Antragsteller auf Rückübertragung. Doch er hat damit wissentlich falsche Ansprüche gestellt. Die Übereignung des Zerbster Schlossareals in eine Kulturstiftung ist per 30.12.1918 rechtskräftig belegt. Auch die spätere Übereignung an die Stadt Zerbst 1947 ist dokumentiert und wurde von der obersten Instanz bestätigt. Eduard stellt nur Ansprüche und hat in Dessau Grundstücke sowie etliche Kunstgegenstände aus den Schlössern Wörlitz und Mosigkau erhalten. Er hatte zwar gleich nach der politischen Wende geäußert, sich um die Region zu kümmern, doch mir ist keine Initiative bekannt. Auch in Zerbst ging es ihm wohl nur um das Grundstück mitten in der Stadt. Geld hat er nicht, denn es reicht nicht einmal für die Sanierung des kleinen Jagdschlösschens Röhrkopf in Ballenstedt. Das hat er vor vielen Jahren schon erhalten, doch passiert ist kaum etwas. Ein Verwalter von ihm wollte mich „aushorchen“, wo die Kunstgüter aus dem Zerbster Schloss verblieben sind. Doch hier halte ich mich mit meinem Wissen sehr zurück. Die Schwestern des Prinzen sind zwar reich, doch haben sie kein Interesse an der „ostdeutschen Ruine“.


    Der vorhandene Schlosstrakt wäre ideal für die Zerbster Stadtverwaltung. Eine seriöse Investorengruppe aus Schleswig-Holstein kam im Jahr 2000 nach der Abschlagung aller Ansprüche mit einem ausgereiften Konzept auf die Stadt Zerbst zu. Die komplette Verwaltung sollte als Mieter in das sanierte Haus ziehen. Die Pläne sahen nicht nur die Rekonstruktion des Schlosstraktes vor, sondern auch die Sanierung des Umfeldes. Leider zerredeten die Stadträte das Projekt. Es wäre eine kluge Entscheidung gewesen. Und das Vorhaben wäre kurzfristig realisierbar. Weitere makabere Details kann ich leider nicht preisgeben, da ich zwar als „Sachverständiger“ in die Verhandlungen einbezogen war, aber zum Stillschweigen verpflichtet wurde. Warum, kann wohl jeder erahnen. Im letzten Jahr ist die Verwaltung nun in ein anderes Gebäude gezogen. Damit ist auch diese Chance vertan. Ich hatte auch versucht, das Amtsgericht im Schloss zu etablieren. Doch das Justizministerium hatte sich für einen billigeren Neubau entschieden, der momentan gerade errichtet wird.


    Die Unterstützung der lokalen Medien ist sehr gut. Vorrangig berichtet die lokale Presse über Neuigkeiten. Aber auch in überregionalen Printmedien gibt es Meldungen, eine war sogar in der englischsprachigen Prawda. Auch im Radio und Fernsehen konnte ich auf den Verein und seine Aktivitäten hinweisen. Die lokalen Politiker stehen hinter dem Projekt – quer durch alle Parteien. Vor Gründung des Vereins gab es einen von mir herbeigeführten Beschluss, in dem sich der Stadtrat und damit die Vertreter der Parteien zum Verein und seinen Vorhaben bekannt haben. Wenn es jedoch um Geld geht, sind die Stadträte sensibel. Die Kämmerin möchte den „alten Kasten“ am liebsten abreißen lassen. Zum Glück steht sie mit dieser Meinung etwas allein da.


    Zu den Fragen vom Sauerländer:
    Das Kellergeschoss des Westflügels scheint noch komplett vorhanden zu sein. Allerdings haben sie nicht mehr ihre vollständige Höhe. Es fehlen die Deckengewölbe und mindestens ein Meter. Ich schätze die vorhandene Raumhöhe aber immer noch auf ca. drei Meter. Vom Corps de logis ist nur noch die südliche Außenmauer vorhanden. Vielleicht existieren auch noch einige Ansätze, mehr aber nicht. Die Idee, die Fundamente des Westflügels ausgraben zu lassen, trage ich schon länger mit mir herum. Ich erwarte in diesem Trakt noch historische Fragmente aus den Räumen und von der Fassade. Darüber hinaus vermute ich im Bereich der fürstlichen Gruft Überreste der Särge. Einige waren verschüttet und wurden nicht geborgen. Doch der Schlossgarten ist ein Flächenbodendenkmal. Damit müsste die Ausgrabung beantragt und von Experten begleitet werden. Die kann ich aber nicht bezahlen.


    Zur Frage von Booni:
    Auf Grund der großen Hitze beim Brand des Schlosses 1945, der über drei Tage währte, wurde der meiste Stuck vernichtet. Der noch verbliebene war über sehr viele Jahre Wind und Wetter ausgesetzt und ist somit abgeplatzt. Es gibt aber noch Stuckreste an drei Kaminen sowie an einigen Deckenvouten. Für die Verhältnisse recht gut erhalten ist er im Treppenhaus. Dort existieren partiell noch die Pilaster in Stucco lustro sowie die dazugehörigen Kapitelle. Die vorhandenen Elemente lassen es zu, das Treppenhaus originalgetreu zu rekonstruieren.


    Zur Frage von Jürgen:
    Danke für das Lob.
    Kontakte zu lokalen Baufirmen bestehen selbstverständlich. Eine Firma hat uns die offenen Fenster zugemauert, um den Vandalismus einzuschränken. Eine weitere hat uns eine Schuttrutsche zur Verfügung gestellt, um den Unrat und den Schutt aus dem ersten Obergeschoss zu beseitigen. Das hat uns sehr geholfen, liegt es doch in ca. 12 Metern Höhe. Auch den Container inklusive Abfuhr hatten wir bekommen. Eine andere hat uns in einem Raum, der für Veranstaltungen genutzt wird, einen Betonfußboden eingebracht. Auch Gerüste wurden uns bereits zur Verfügung gestellt. Schachtarbeiten wurden durch eine Tiefbaufirma erledigt. Der Hausanschluss wurde von einer Elektrofirma gelegt. Bei der Auflistung habe ich bestimmt etwas vergessen. Die ortsansässigen Firmen haben uns aber schon sehr geholfen. Diese werden wir bei Ausschreibungen, wenn dann auch mal Geld zu verdienen ist, entsprechend berücksichtigen. Doch es wird zunehmend schwieriger, Firmen zu animieren, da es der Baubranche immer schlechter geht. Werkzeug usw. haben wir zum Teil selbst angeschafft bzw. bringen es die Helfer bei Arbeitseinsätzen mit.


    Zu den Fragen von Däne:
    Nur einige wenige Bauten in der Altstadt wurden in den 1950er Jahren errichtet. Diese haben noch Charakter und wurden der Umgebung, soweit sie noch da war, angepasst. Die vielen Blöcke dazwischen stammen aus den 1960er, 1970er und 1980er Jahren. Die sehen dagegen aus wie in jeder ostdeutschen Stadt. Sie sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Das große Neubaugebiet nördlich des Marktes entstand ab um 1976.
    In Dessau war nur die Rekonstruktion des Johannbaus aus der Renaissancezeit vorgesehen. Die Arbeiten sind äußerlich auch abgeschlossen. Weitere Teile des Stadtschlosses, darunter die Trakte von Knobelsdorff, sollen nicht rekonstruiert werden.


    Viele Grüße an alle.

  • Quote from "Akanthus"

    ...
    Der vorhandene Schlosstrakt wäre ideal für die Zerbster Stadtverwaltung. Eine seriöse Investorengruppe aus Schleswig-Holstein kam im Jahr 2000 nach der Abschlagung aller Ansprüche mit einem ausgereiften Konzept auf die Stadt Zerbst zu. Die komplette Verwaltung sollte als Mieter in das sanierte Haus ziehen. Die Pläne sahen nicht nur die Rekonstruktion des Schlosstraktes vor, sondern auch die Sanierung des Umfeldes. Leider zerredeten die Stadträte das Projekt.
    ...


    Hört sich irgendwie nach ECE an. Wollen die jetzt alle Schlösser in
    Deutschland rekonstruieren und Einkaufszentren, Landtage oder
    Stadtverwaltungen dort einziehen lassen ?
    Ich jedenfalls wäre dafür. Besser ein Schloß als gar kein Schloß ! :D


    Akanthus, ich finde es super, wie Du und Dein Verein sich für
    den Erhalt des Schlosses einsetzen.
    Hervorragend ! :applaus:

  • Mal wieder ein wichtiger Artikel zum Zerbster Schloss( allerdings sind auch die anderen lesenswert, man sieht, wie engagiert der Verein ist):






    Quelle: http://www.schloss-zerbst-ev.de/html/presse/2005_06_13.htm

  • Letztendlich sehe ich das auch so: Vereine, Seiten, Diskussion, große Reden: das ist alles schön und auch wichtig, aber was am Ende zählt ist die Tat.

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

  • Gute Neuigkeiten:





    Quelle: http://www.schloss-zerbst-ev.de/html/presse/2005_08_02.htm



    @ Akanthus:


    Meinen Glückwunsch zu diesem schönen Zwischenerfolg.

    Sollte nicht auch eine Außenfassade wieder hergerichtet werden? (Ich meine so etwas gehört zu haben.) Das dürfte das Spendenaufkommen doch erheblich steigern.
    Wie sieht es eigentlich mit der Deutschen Stifung Denkmalschutz aus? Sind da keine Gelder zu erwarten?

  • kann man ja nur hoffen dass das schloss dann komplett rekonstruiert wird, wünschenswert wäre es jedenfalls

  • Quote

    Neue Treppenkonstruktion, die viele Jahre nützlich sein wird


    Voraussichtlich Mitte Oktober beginnen die ersten größeren Bauarbeiten zur Sanierung des Zerbster Schlosses. Sicheren Zugang zum Gebäude wird dann auch eine neue Treppe bieten, die vor kurzem am Zugang von der Schlosshofseite montiert wurde. Ihre erste Bewährungsprobe erlebte und bestand die Treppe zum "Tag des offenen Denkmals", wie Dirk Herrmann, Vorsitzender des Fördervereins Schloss Zerbst, informiert.
    Die originale Treppe an dieser Stelle ist in einem so schlechten Zustand, dass sie aufgrund zu hoher Unfallgefahr zwischenzeitlich als Eingang zum Schloss nicht mehr genutzt werden konnte. "Jetzt geht die Unfallgefahr gegen Null", freut sich Dirk Herrmann über die auch mit beidseitigen Handläufen versehene Stahlkonstruktion.
    Der Förderverein hatte zu Spenden für die Treppensanierung aufgerufen. Ausschließlich aus Spendengeldern wurde auch die neue Treppe bezahlt. "Unser Dank gilt dabei allen, die bei Veranstaltungen und Führungen gespendet haben", so der Fördervereinsvorsitzende. Da aber die zur Verfügung stehenden Gelder nicht ausreichend waren und vor allem die Zeit mit Blick auf die Bauarbeiten nicht ausreichte, entschied sich der Vorstand für diese Lösung. [...]
    Das Vorhaben, die originale Sandsteintreppe wiederherzustellen, verfolgt der Verein dennoch weiter. Ist weiterhin auch dafür für Spenden dankbar.
    Aber auch die stählerne Treppenkonstruktion "wird uns noch viele Jahre begleiten". Wenn das Sandsteinoriginal, das sie derzeit überspannt, saniert ist, soll sie "weiterwandern" zum Mittelrisalit am erhaltenen Schlossflügel. Dirk Herrmann blickt voraus: "Sie passt auch dorthin und im Zuge des Ausbaus des Mittelrisalits soll dort ein neuer Hauptzugang zum Schloss entstehen."


    Quelle: http://www.schloss-zerbst-ev.de/html/presse/2005_10_07.htm


  • Quelle: http://www.schloss-zerbst-ev.de/html/presse/2005_10_13.htm / 13. Oktober 2005




    Quelle: http://www.schloss-zerbst-ev.de/html/presse/2005_10_26.htm / 26. Oktober 2005

  • danke für die infos!

    Leisten sie Ihren Beitrag zum Wiederaufbau der Wallwitzburg!


  • Quelle: http://www.schloss-zerbst-ev.de/html/presse/2006_02_28_a.htm


  • Wahrscheinlich, weil es im Moment einfach völlig illusorisch ist.

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

  • Nun laßt die doch erstmal den einen verbliebenen Schloßflügel wiederherstellen! Das wird aufwendig, langwierig und teuer genug, und wenn dieser Flügel tatsächlich eines Tages fertig ist und in alter Pracht wieder dasteht, dann kann man anfangen, über das Rest-Schloß zu sprechen. Vorher ist das relativ sinnlos.

  • @ Schloßgespenst: Man könnte aber dennoch auch jetzt schon mit relativ einfachen Mittel an die anderen Flügel erinnern. Anbieten würde sich beispielsweise eine Kennzeichnung des Grundrisses durch gärtnerische Mittel.

  • Das ist zwar eine nette Idee - aber auch "gärtnerische Mittel" (Buchsbaumhecken, Rasen, Blumen?) kosten Geld, und für den Wiederaufbau des Ruinenflügels wird bestimmt jeder Cent dringend gebraucht, so daß ich jegliche Spende im Zweifel lieber da hineinstecken würde.


    Grundsätzlich stimme ich Dir zwar zu, eine Erinnerung an den Rest des Schlosses wäre gut, aber erst muß das Hauptprojekt gelingen. Erst muß die Butter auf's Brot, bevor man an die Wurst denken kann...

  • ich bringe keine Neuigkeiten, die nicht auch auf der Webseite des Fördervereins stehen, dennoch möchte ich den Fokus der Forenleserschaft doch mal auf die jüngste Sicherungsmaßnahme beim verbleibenden Flügel des Zerbster Schloßes lenken.
    Ein Provisorium mit Stil wie ich finde.


    Das Projekt ist sowieso immer schön mitanzusehen, vor allem weil es aus kleinen Mitteln heraus entsteht...und dann wird hier mal 'ne Originaltür gefunden, dort Leben ins Schloß geholt, alles mit einem gewissen Elan.

  • Danke für den Link. Es tut gut, auch einmal andere Fortschritte zu sehen. Ich habe mir die Homepage erstmals vollständig angesehen. Es muss ein schrecklicher Schmerz gewesen sein, dieses Kleinod brennen zu sehen. Auch wenn Krieg war, aber das wär nimmer notwendig gewesen. Dass aber die eigenen Leute dann nach dem Krieg darangehen, den wichtigen, wiederaufbaufähigen Rest zu sprengen, das wird einem kulturinteressierten und gebildeten Menschen wohl nie beizubringen sein. OK, die SEDler waren weder das eine noch das andere und man kann nur hoffen, dass solche Leute nie mehr ans Steuerruder gelangen.

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)