Ehemaliger Uni-Campus Bockenheim, Umbau durch Kulka

  • Das war irgendwie an mir vorbeigegangen - heute war in der FAZ ein Artikel, der mir schon auf der Fahrt zur Arbeit schlechte Laune verschafft hat.


    Im Zuge der Umgestaltung des ehemaligen Universitäts-Campus im Frankfurter Stadtteil Bockenheim wütet nun auch hier Peter Kulka und baut die verbliebenen, rund 100 Jahre alten denkmalgeschützten Unibauten nach seinem Geschmack um.


    Die Bauten waren nach Beseitigung der Kriegsschäden ohnehin stark vereinfacht wiederaufgebaut worden (hier etwa der Haupteingang zum Hörsaalgebäude (sog. Jügel-Bau)), aber immerhin halbwegs stimmig, in Anlehnung an die ursprüngliche Form. Man vergleiche Bisheriger Zustand und Oppan Kulka-Style


    In der FAZ heißt es, der Architekt wolle den Ursprungszustand nicht wiederherstellen, sondern "Zeitschichten abbilden". Die Schieferdächer werden durch Metall ersetzt, die Gauben fallen ersatzlos weg.


    Vergleichsbilder: In der Mitte das Senckenbergmuseum, links die sog. Alte Physik, der heutige Zustand des Gebäudes und die Alte Physik nach dem Umbau durch Kulka.


    Diese Alte Ansicht des Universitäts-Ensembles erinnert in der U-Bahn-Station Bockenheimer Warte an den Vorkriegszustand.
    So wird das das Museums-Uni-Ensemble im Kulka-Stil aussehen.

  • Ohje... ich hoffe, das sind bisher nur Ideen und keine konkreten Umsetzungspläne. Ich wundere mich ja wirklich darüber, dass die Universität Frankfurt ihre historische Keimzelle aufgibt, habe aber dennoch gehofft, dass die Gebäude wieder rekonstruiert werden. In anderen Städten klappt sowas ja auch... warum Kulka sich immer wieder bei historischen Gebäuden einmischt, obwohl der diese scheinbar nicht mag, ist mir auch etwas schleierhaft...


    Viele Grüße
    Michael

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Das Problem ist, dass die Stadt hier (entgegen naheliegender Vermutungen) keinerlei Einflussmöglichkeiten hat, da die Gebäude der Senckenberg-Stiftung gehören, die völlig autonom von Stadt und Land agiert. Noch viel schlimmer als der äußere Umbau sind aus der Planung herauszulesende Absichten, wohl auch bisher erhaltene historische Inneneinrichtungen zu beseitigen. Man braucht sich ja nur mal anzugucken, wann Kulka studiert hat – 1959–64, dem Mann ist der Hass auf den Historismus also akademisch in die Wiege gelegt. Das Projekt ist übrigens auch im DAF schon völlig verrissen worden. Es stellt sich halt nur die Frage, was man effektiv dagegen unternehmen kann. Letztlich etwas ändern könnte nur der Senckenberg-Stiftungsrat, der wahrscheinlich gar nicht weiß, was für einen größenwahnsinnigen Dilettanten sie mit Kulka engangiert haben.

  • Man kann nur froh sein, dass Kulka im Dresdner Schloß vom Land enge Grenzen gesetzt werden, um seine "Kreativität" frei auszuleben. Nach Sichtung des von dir erwähnten DAF-Stranges, kann man in diesem Fall, selbst im Vergleich zum jetztigen Nackriegszustand, nur von einer völligen Amputation sprechen. In ähnlicher Größenordnung und auch unter Beachtung der auszugebenden Geldmittel, ist mir aus den letzten Jahren kein ähnlich verstörender Fall eines solchen Ensembles bekannt.

  • Der Hass von Kulka auf historisch gewachsene Bauten und Strukturen scheint grenzenlos zu sein. Kulka, Jahrgang 1937 ist wie aus der Zeit gefallen. So wird Frankfurt/M. in den Genuss kommen einen Umbau, ganz in der Tradition der gnadenlosen 60iger/70iger Jahre zu bekommen. Die Hülle wird verformt, verfremdet und entstuckt. Das Innere überspachtelt und in einen banal-tristessten Ort der Nachkriegsmoderne verwandelt.

    MODERNExit

  • Gibt es denn irgendeine Möglichkeit, hier noch einzugreifen oder Stimmung zu machen? Dieses Ensemble nicht wiederherzustellen wäre doch absoluter Wahnsinn. Und scheinbar sind doch noch etliche historische Räume vorhanden, die jetzt wohl entfernt werden? Einfach schrecklich das Ganze...

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Die FAZ legt heute mit einem Kulka-kritischen Artikel "Ein feuchter Traum für Denkmalpfleger" mit ihrer Berichterstattung zur Erweiterung des Senckenberg-Instituts nach. Hoffe der Artikel ist bald auch auf FAZ Online lesbar.

    MODERNExit

  • Danke, Wikos. Mein DAF-Beitrag wird zur Überschrift eines FAZ-Artikels, dass ich das noch erleben darf. Jetzt ist der Moment für Leserbriefe gekommen, liebe Freunde. Daher auch nochmal an dieser Stelle:


    Leserbriefe an FAZ, FNP und FR bringen nach den Erfahrungen in der Dom-Römer-Diskussion erstaunlich viel und werden auch von Politikern gelesen. Wider Erwarten werden diese auch überwiegend veröffentlicht bzw. die Zeitungen freuen sogar über kritische Meinungen, denn im passiven Hinnehmen irgendwelcher Mißstände sind wir Deutschen ja Weltmeister, zumindest, bis man Angie das Handy abhört.


    Frankfurter Allgemeine Zeitung: leserbriefe@faz.de


    Frankfurter Neue Presse: leserbriefe@fnp.de


    Frankfurter Rundschau: leserbrief@fr-online.de


    Traditionell bzw. aufgrund der politischen Orientierung sind die Chancen, bei FAZ und FNP zu Architekturthemen Gehör zu finden, geringfügig höher als bei der FR, wobei man der Ehrlichkeit halber sagen muss, dass ich dort auch schon oft veröffentlicht worden bin.

  • Mit Leserbriefen ists hier nicht getan, liebe Leut!


    Gibt es denn irgendeine Möglichkeit, hier noch einzugreifen oder Stimmung zu machen?


    Ja, die gibt es: Petition bei OpenPetition einstellen!


    Das geht ganz einfach. Am besten hier wird erstmal ein Textentwurf reingestellt.


    Ich mache mal den Anfang - Titel/Forderung der Petition: Rettet das Senckenberg-Museum! Keine Verschandelung durch Architekten und Denkmalschützer!


    Der nächste, bitte:
    Was wollen Sie ändern?
    Was ist das Problem, gegen das Sie vorgehen wollen und was soll getan werden, um es zu lösen. Sie können Verweise zu weiterführenden Informationen einfügen. Beginnen Sie die Linkadressen mit http:// oder www. Max. 5.000 Zeichen.



    (vielleicht das Ganze mal in einen neuen Strang abschieben?)

  • Ich empfehle Euch zwei Leserbriefe plus Abbildung im heutigen Lokalteil der FAZ. Da machen zwei Leser sachlich aber klar ihren Unmut deutlich, ich denke mit Unterstützung von großen Teilen der FAZ. Mit weiteren solchen Unmutsäußerungen könnte sich vielleicht eine ähnliche Dynamik wie in der Altstadtdebatte entwickeln. Ich empfehle also weiter dranzubleiben. Die Petition finde ich als Idee auch gut!

  • Ich empfehle Euch zwei Leserbriefe plus Abbildung im heutigen Lokalteil der FAZ. Da machen zwei Leser sachlich aber klar ihren Unmut deutlich, ich denke mit Unterstützung von großen Teilen der FAZ.


    ...und die beiden liefere ich mit etwas Verspätung auch noch nach:


  • Ach du grosser Gott, jetzt fangen die auch noch an, das Senckenberg-Museum zu zerstören? :schockiert::schockiert::schockiert:


    Man weiss ehrlich gesagt gar nicht mehr ob all dieser Schreckensmeldungen, wo man zuerst seine Augen vor Entsetzen weit aufreissen soll - man kommt einfach kaum noch hinterher.


    Kulka hat noch vor Kurzem über die Rentner geschimpft, ist jetzt selbst wohl um stolze 70 und somit selbst schon lange Rentner, und hat leider offenbar nichts dazugelernt. :augenkrummblau:eek:):blink:


    Ich kenn es nur von dieser Perspektive zum Alleenring hin......aber Kulka wird es sicher auch von dieser Ansicht verschandeln. Sehr schade und vor allem sehr unnötig.


    :aufdenkopf::kopfwand:

    "Die Modernisten sollten sich endlich eingestehen, dass sich die Qualität einer Stadt konventioneller Architektur verdankt" - (H. Kollhoff).