Wo war's / wo ist's?

  • In DD und Chemnitz sind die Granitplatten breiter. Ich tippe auf ehemalige Ostgebiete bzw. K & K Reich.

    Jedenfalls DR. In Österreich-Ungarn hatten wir solche Platten glaublich überhaupt nicht. Zumindest kenne ich keine Stadt, die das hatte.

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Potsdam ist es nicht? Die typischen Berliner Schweinebaeuche genannten grossen Granitplatten koennten es sein.

    Gebaeude dieser Hoehe gab es viel in den Berliner Vororten. Auch Staedte wie Posen kommen in Frage.

    Die Strommasten wurden erst spaeter durch "Schoene" ersetzt, dafuer setzten sich Vereine ein.

  • Ich habe die Spur der Dächer mit Mustern noch etwas verfolgt. Bei meiner ausführlichen Suche habe ich nur 3 bis 4 Gebäude gefunden, die ein Muster wie die beiden Gebäude auf dem alten Foto haben. Alle meine "Funde" befinden sich im (ehemaligen) Sudentenland. Hier ein Beispiel aus der Nähe von Karlsbad:


    https://www.idnes.cz/karlovy-v…788d43_155734_5238413.jpg


    Die Wahrscheinlichkeit ist deshalb groß, dass das historische Foto auch dort gemacht wurde.

  • Es gibt im Deutschen Schiefermuseum in Steinbach (Landkreis Sonneberg in Thüringen neben der Herstellung von Schiefertafeln und Griffelschiefer auch detailierte Darstellungen von Beispielen der Schiefermalerei. Dachschiefer aus den Thüringer Wald wurde, insbesondere bei Fassadenverkleidungen oftmals bemalt. Nicht alleine geometrische Muster, sondern auch Tiere, z. B. Vögel. Dachschiefer wurde teis bemalt, so dass sich durch die Verwendung von bemaltem und unbemalten Schiefer sich ein gestaltetes Muster dieses Daches ergab.


    Es gibt auch ein sehr interessantes Schiefermuseum in Ludwigstadt, das zu Bayern gehört, aber hart an der einstigen innerdeutschen Grenze liegt. Dort gibt es Informationen und anschauliche Beispiele der Verarbeitung des Schiefers zu Schiefertafeln, Dachdeckung und zur Hausverkleidungen sowie zu Verzierungen und zu Mustern. Anlässlich einer Fahrt in den Frankrnwald waren wir 2010 dort.

  • Alle meine "Funde" befinden sich im (ehemaligen) Sudentenland.

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    Die Wahrscheinlichkeit ist deshalb groß, dass das historische Foto auch dort gemacht wurde.

    Ich hatte auch schon gesucht, das verlor sich aber im Nichts.

    Möglich ist Sudetenland natürlich schon. Wenn man dort auch den restlichen Baustil pflegte. Vielleicht war es eine Reise, von der ich noch nichts wusste. Leider starb mein Großvater, auf dem Bild möglicherweise das Kind im Wagen, bereits 1977. Der hätte sich noch an Erzählungen darüber erinnern können.


    Herzlichen Dank für die Mühe!

  • Solche Dächer hat es doch fast überall gegeben. Sudetenland ist natürlich nicht auszuschließen, bei diesem Allerweltstil natürlich schon gar nicht, aber ich halte östlichere Gefilde, ev. Slowakei oder was davon Südliches (Ungarn, Rumänien) für wahrscheinlicher.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Ähnliche Bauten gab es in Gumbinnen z.B. Friedrichstrasse ( teils bereits im 1.Weltkrieg zerstört mit Wiederaufbau nach 1920) und in Tilsit z.B. Lindenstrasse (heute noch Reste erhalten).

    Kann schon sein, dass die Aufnahme in den ehem. deutschen Ostgebieten gemacht wurde.

  • Ich würde mich auf die Ausführungsart des Strassengrabens konzentrieren. Ich habe eine solche Ausführung noch nie gesehen, bei der die Trottoirkante so schräg angeböscht ist. Normalerweise fällt diese senkrecht ab . Auch die grobe Pflästerung in diagonaler Verlegung sieht überhaupt nicht nach Westeuropa aus.

  • Wie gesagt: viele Beispiele solcher Dächer habe ich nicht gefunden... ein Beispiel eines gepflasterten Bordsteines habe ich gar nicht gefunden.


    Wenn man davon ausgeht, dass man im Jahr 1900 mit einem Baby wohl nicht allzu weit gereist ist, würde ich Staaten wie die Slowakei, Ungarn, Rumänien, etc. ausschließen. Entweder entstand das Foto wohl in der Sommerfrische oder beim Besuch bei Verwandten. Da das Gebäude - aus dem die Damen mit dem Kinderwagen kommen - offenbar kein Hotel ist, würde vielleicht der zweite Fall eher zutreffen.


    Und während das Gebäude im Vordergrund doch recht ungewöhnlich überladen "dekoriert" ist, könnte das viel schlichtere Gebäude im Hintergrund durchaus z.B. auch in Potsdam stehen.

  • Nochmals Dank für alle Beiträge.

    Es kommt noch ein kleiner Tipp: mein Urgroßvater hatte vor dem Ersten Weltkrieg ein Sommerhaus bei Wustrow, Fischland/Darß. Da ist er auch mal in den Seebädern gewesen, also z.B. Ahlbeck, Usedom, Heringsdorf. Außerdem vermute ich, dass man Wustrow damals gern von Berlin aus mit der Bahn und dem Schiff erreichte statt auf dem Landweg, z.B. über Rostock. Vielleicht war das Stadthaus auf dem Bild also eine Zwischenstation dahin, denn gelebt wurde in Berlin.


    Verlinkt das Bild eines hübschen Hauses "Villa Frithjof" in Ahlbeck Die denkmalgeschützte Villa Frithjof.

    ahlbeck-vj-stage.jpg

    Beim Erkerdach wurde auch ein Muster gelegt, es ist allerdings höher und steiler. Bei der Fassade spielen dann hingegen Ziegelsteine eine größere Rolle.



    39459-9x12-075-stadthaus-resized-autoscaled-jpg