Linz - Neustadtviertel (Galerie)

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    • Hmm, das freut mich, danke Zeno!
      Ich war ja vorher auch kein so großer Gründerzeitfan. Erst kurz vor meinem Linz-Projekt bekam ich Interesse an dieser Epoche, und - ich glaube man merkt es beim Durchlesen meiner Linz-Galerien - begann mich diese Zeit immer mehr zu begeistern und faszinieren. Jetzt bemerke ich auch immer mehr Zusammenhänge, und schön langsam offenbaren sich mir die Charakteristika der Gebäude gewisser Architekten... Wirklich sehr spannend.
      Damit ich aber keinen falschen Eindruck erwecke ;) - Vorgründerzeitliche Bauten interessieren mich doch viel mehr, auch wenn man es anhand meiner Galerien nicht unbedingt merkt.
    • Zum Abschluss ein bemerkenswertes Ensemble von sehr schönen secessionistischen Bauten um 1910 (Nr. 48-56)





      Nr. 48 - siehe voriger Beitrag

      Nr. 50

      Erbaut von Matthäus Schlager 1914. Obwohl der Fassadendekor tw. abgeschlagen wurde, ist das Haus noch immer ein bemerkenswertes secessionistisches Gebäude. Interessant ist vor allem die Zurücksetzung des turmartigen Treppenhausteils.



      Nr. 52 und 54

      Zwei fast gleich gestaltete secessionistische Zinshäuser von 1912



      Nr. 56

      Erbaut 1910 vom Baubüro Fabigan&Feichtinger sowie Mauriz Balzarek.

      Der monumentale Eckbau gehört wohl zu den bedeutendsten Linzer Gebäuden des Secessionismus. Die Fassade ist reich durch Erker und einen Eckturm gegliedert, die Dekoration ist zurückhaltend, aber sehr originell (besonders am Eckturm)







      Zu beachten auch die Einganstüre

    • Volksfeststraße

      Die Volksfeststraße führt - in Verlängerung der Konrad-Vogel-Straße - vom Hessenplatz nach Osten. Die Verbauung besteht fast zur Gänze aus (vereinzelt villenartigen) Zinshäusern der Gründerzeit, wobei sich bei einer überraschend großen Anzahl (die deutliche Mehrheit) die originalen Fassaden, die meist den Stilen der Neorenaissance zuzuordnen sind, erhalten haben. Die Straße ist besonders im östlichen Teil sehr angenehm gestaltet, z. B. tragen Bäume, eine schöne Pflasterung und nicht zuletzt beachtenswerte Ensembles schöner Gründerzeitbauten zu einem bemerkenswerten Erscheinungsbild bei.

      Nr. 4

      1899 von Wilhelm Fabigan in den typischsten Formen des späten Historismus





      Nr. 5

      etwa um 1895, von Franz Weikl (der uns hier in dieser Straße noch öfters begegnen wird)



      Auf der rechten Seite grüßt ein schönes späthistoristisches Zinshausensemble:



      Im Einzelnen:

      Nr. 8

      1886 oder kurz danach, von Franz Weikl



      Nr. 10

      1902 von Franz Weikl. Verschandelt wird das schöne Gebäude durch eine dieser linzspezifischen metallverkleideten Gaupen, die den ausgebauten Dachraum belichten. Derartiges lässt sich hier öfters beobachten. Besser als eine Aufstockung, aber auch nicht gerade harmonisch...



      Nr. 12

      Dieses monumentale Eckhaus (leider zu monumental für meine Digitalkamera) wurde von Ignaz Scheck 1899-1901 in neubarocken Formen errichtet.

    • Nr. 15

      Von Franz Weikl 1899-1900. Interessant ist die risalitartige Dreier(blind)fenstergruppe auf der linken Seite, die trotz der sonst so strengen Symmetrie der Fassade nicht mittig sitzt.



      Nr. 16

      Das kleine secessionistische Wohnhaus entstand 1904

      Am Mittelfenster befindet sich in der Kartusche die Inschrift "1904 JR 1954". Angesichts des schlechten Zustands kommt die Vermutung auf, dass 1954 - zum 50-Jahr-Jubiläum - wohl die letzte Renovierung geschah.





      Nr. 19

      Von Anton Schrittwieser 1873 in besonders strengen strenghistoristischen Formen.



      Nr. 21

      Das 1889 von Franz Weikl erbaute Wohnhaus hat eine m. E. außerordentlich schön gestaltete Fassade, die ich hier durch vier Abbildungen würdigen muss:



      (Zu beachten auch der schöne Gartenzaun)

      Ähnlich wie bei Nr. 15 erfolgt die Betonung einer Achse durch ein Palladiomotiv und zwei blendfensterartige mit Dekorationen gefüllte, gerahmte Felder.





    • Nr. 22

      1888 von Michael Lettmayr



      Blick von der Kreuzung Volksfeststraße/Starhembergstraße nach Westen:



      Nochmals im Detail die außerordentlich gelungene Bodengestaltung an der Kreuzung mit Pflastersteinen:



      Nun kommen wir zum östlichen, wohl schönsten Straßenabschnitt, der sich durch viele qualitative Zinshäuser, v. a. des Späthistorismus auszeichnet. Im Hintergrund der letzte Rest vorstädtischer Bebauung um 1800 im Neustadtviertel (siehe Eisenhandstraße) und darüber das A(llgemeine) K(ranken)H(aus).



      Nr. 24

      Dieses Gebäude, welches 1870 durch Anton Schrittwieser erbaut wurde, darf sich wohl das älteste Haus in der Volksfeststraße nennen.



      Nr. 25

      Von Franz Weiss 1899 oder 1900





      Nr. 26

      Um 1890/95 von Franz Weikl

    • Nr. 27 und 29

      Beide (wie auch das Nachbarhaus Nr. 25) von Franz Weiss 1899/1900. Bemerkenswert, dass Weikl bei jedem der drei Gebäude die Fassaden ganz unterschiedlich gestaltet um ein möglichst abwechslungsreiches Ensemble zu schaffen.





      Nr. 30

      Erbaut von Wilhelm Fabigan und Carl Feichtinger 1903. Die Fassade bedient sich einer für diese Zeit schon sehr modernen, deutlich vom Wiener Secessionismus beeinflussten Formensprache.





      In sehr starker Vergrößerung und deswegen von leider schlechter Qualität ein schönes Detail der Fassade:



      Von hier aus ein Blick in die westliche Richtung:



      Nr. 32

      um 1895 von Franz Weikl



      Nr. 34

      1899 von Bauer&Fabigan. Wirklich zum :kotz: ist diese grauenhaftgrauslichgeschmacklose Aufstockung.



    • Tobias Lindorfer schrieb:

      Nr. 31

      Kleines Zinshaus erbaut 1864 von Johann Rueff, ob die ungewöhnliche Fassade original ist, weiß ich nicht.



      Ja, stimmt (weitestgehend) mit den Einreichplänen überein:

      stadtbild-deutschland.org/foru…bacacd3846bb0354769c17a44

      Allerdings ist diese "Façaden"-Ansicht seitenverkehrt, und der westliche (im Foto linke) Teil erst 10 Jahre (1874) später errichtet worden.
      (Das Auslagenfenster wurde nach Kriegsschäden in die jetzige Form gebracht.)
    • Zuerst einmal verspätet vielen Dank an ockham für die genaue Information!!! :smile:

      Weiter geht es mit der

      Johann-Konrad-Vogel Straße:

      Zuerst einmal ein paar Worte zum namensgebenden Konditormeister, der eng mit der Geschichte von Linz verbunden ist. Tatsächlich stammt Johann Konrad Vogel aus dem mittelfränkischen Weihenzell, das einigen im Forum besser bekannt sein dürfte als mir. Bald allerdings zog er nach Linz, wo er eine Zuckerbäckerei übernahm. Er machte hier die Linzer Torte zu einer weltberühmten Süßspeise. Einen großen Teil des vielen Geldes, dass er einnahm, spendete der großzügige Mann an arme Leute. Er war außerdem lange Zeit Vorsteher der evangelischen Gemeinde Linz und war für den Bau der Martin-Luther-Kirche verantwortlich. Noch zu Lebzeiten benannte man diese Straße nach J. K. Vogel, und zwar 1876. Vogel war ein langes Leben vergönnt, 1883 starb er 87-jährig in Linz.

      Die Linzertorte übrigens wurde schon vor Vogel, und zwar im 17. Jahrhundert als "Linzer Torte" bezeichnet. Schon damals war die sehr bekannt, aber erst unter Johann Konrad Vogel wurde sie - eigentlich fast weltberühmt. Übrigens finden sich schon Hinweise aus der Römerzeit über einen ähnlichen Kuchen, der auch im Mittelalter verbreitet war. Wer die Linzer Torte, wie wir sie heute kennen, erfunden hat, ist unbekannt, aber es war vermutlich eben ein Linzer, noch or dem 17. Jahrhundert.

      Die Straße wurde um 1862 angelegt und führt von der Landstraße zum Hessenplatz. Dort führt sie unter dem Namen "Volksfeststraße" weiter. Im Westen ist die Johann-Konrad-Vogel-Straße zum Martin-Luther-Platz ausgeweitet. Dort steht die Evangelische Kirche.

      Blick Richtung Landstraße:



      Nr. 4 - Martin-Luther-Kirche, siehe dort.

      Nr. 6

      Dieses Zinshaus wurde von Anton Schrittwieser 1879 erbaut. Die Fassade vermischt Formen von Klassizismus, Biedermeier und des Historismus



      Nr. 8

      Dieser grässliche Neubau unterscheidet sich von einem Würfel allein durch die teilweise Zurücksetzung des obersten Geschosses und durch einige Balkone mit geschmacklosen Geländern.

      Somit eindeutig ein stilreiner Vertreter des Kühlschrankstils (Frigidarismus).



      Nr. 9

      Dieses eindrucksvolle Gebäude wurde wohl um 1980 errichtet. Die Fassade ist wirklich ein Wahnsinn biggrin:) ! Weiß nicht ganz ob mir das sehr gut oder überhaupt gar nicht gefällt...





      Nr. 11 und 13

      Die beiden sehr ähnlich gestalteten Zinshäuser wurden 1876-77 von so vielbeschäftigen Michael Lettmayr gebaut. Nr. 13 steht dabei an der Ecke zur Dametzstraße und hat einen Erker.



    • Schubertstraße

      Die Schubertstraße ist eine der das Neustadtviertel in Nord-Süd-Richtung durchquerenden Straßen und wurde gleichzeitig mit dem ganzen Stadtteil angelegt. Die Verbauung besteht hauptsächlich aus historistischen Zinshäusern, die leider häufig abfassadiert wurden. Daneben gibt es auch zahlreiche Neubauten nach 1945. Mit der Qualität der Häuser vieler anderer Straßen in diesem Viertel können sich die der Schubertstraße nicht messen, trotzdem gibt es einige schöne Gebäude, v. a. der Zeit um 1890/1900.

      Nr. 5

      Schlichtes Zinshaus, um 1890



      Nr. 7

      Erbaut von Ernst Hillbrand in den Jahren 1903-04. Für Linz ungewöhnlich ist die Ziegelsichtigkeit der Fassade, die in neumanieristischen Formen gestaltet ist.



      An der Ecke zur Bürgerstraße ein besonders tragisches Opfer der Fassadenzerstörungen der Nachkriegszeit.





      Nr. 14 - 20

      Wohnhaus aus den 90ern, die Front zur Schubertstraße ist eigentlich recht interessant gegliedert.



      Nr. 15

      Zinshaus von Ernst Hillbrand, 1906. Die Fassade ist in reichen secessionistischen Formen ausgebildet.



      Der Halbrundgiebel ist ein interessantes Detail.





      Nr. 19

      Neubarockes Zinshaus, errichtet 1898-99 von Gustav Steinberger.





    • Nun stoßen wir auf ein schönes Ensemble aus 3 am Eck situierten Bauten, Schubertstraße 29+31 sowie Goethestraße 37.

      Nr. 29 (linkes Gebäude)

      Erbaut von Josef Ertl 1901-02. Die Fassade ist in strengen Neurenaissanceformen ausgebildet, einen interessanten Kontrast setzen die mauerwerksichtigen Felder, deren unterschiedlich gefärbte Ziegel ein secessionistisches Muster ausbilden.



      Nr. 31

      An der Ecke zur Goethestraße stehend nimmt dieses ja eigentlich winzige Gebäude eine bemerkenswert markante Stellung ein. Wieder haben wir es hier mit einer ziegelsichtigen Fassade zu tun. Erbaut wurde es von Simon Smetana im Jahre 1900.



      Nr. 30

      Zinshaus mit zurückhaltender Fassade der Zeit um 1895 sowie ausnahmsweise einmal einer ganz gelungenen Aufstockung.



      Nr. 32

      Zinshaus mit außerordentlich reicher Neubarockfassade, erbaut von Franz Weiss 1899.





      Nr. 35

      Errichtet vom Architekten Franz Weikl 1903, die reiche Fassade vermischt klassische Elemente (z. B. Pilaster, Fensterverdachungen) mit secessionistischen Detailformen, ähnlich wie bei Gustav Steinberger.



      Hier zum Vergleich eine Fassade von G. Steinberger (Lustenauer Straße 9). Die Ähnlichkeit ist sicher kein Zufall!

    • Nr. 36

      Das Zinshaus an der Ecke zur Goethestraße wurde von Ernst Hillbrand 1904/05 errichtet. Die Fassade in eher zurückhaltenden secessionistisch-neubarocken Formen gefällt mir sehr gut, ich mag diesen Stil.



      Nr. 42

      An der Ecke stehendes Zinshaus, 1899 von Franz Weiss gebaut.





      Blick in Richtung Norden...



      Nr. 44

      Noch nicht sehr lange gibt es dieses mächtige Eckhaus zur Scharitzerstraße. Ich weiß nicht so richtig, was ich davon halten soll. Die Idee mit dem klar abgesetzten und zurücktretenden oberen Bauteil gefällt mir aber eigentlich ganz gut.



      Nr. 46

      Dieses Zinshaus, welches von Michael Lettmayr 1892 erbaut wurde, erhielt 1925 eine nicht mehr bestehende Aufstockung und wurde scheinbar in den Neubau Nr. 44 integriert, was dem Haus zwar eine hässliche Attikamauer, dafür aber auch eine gute Renovierung verschaffte.



    • Wie immer eine sehr informative Fortsetzung, Tobias. Die von dir gezeigten Gründerzeitler gehören als einfachere Wohnhäuser der damaligen Zeit nicht zur ersten Garde, aber sind fast durchweg natürlich ansehnlicher als die neueren Bauten, die du auch immer wieder zeigst. Wir brauchen endlich die Rückkehr des Ornaments ...



      Natürlich kann sich die Linzer Gründerzeitarchitektur nicht mit der der meisten anderen Großstädte messen, aber trotzdem gibt es viele ansehnliche historistische Gebäude. Die Neubauten sind leider wirklich fast durchwegs schlecht, die Linzer Architekten stellen in den letzten Jahren leider hauptsächlich Topfen auf die Füße. Aber ob eine "Rückkehr des Ornaments" wirklich so gut ist... es bedarf halt an qualitätsvoller moderner Architektur. Naja, aber das sollte in einem anderen Strang ausdiskutiert werden!

      Nun kommen wir - was für ein ehrenwerter Moment - zum letzten Gebäude des Neustadtviertels, das ich noch nicht vorgestellt habe. Und zwar geht es um die

      Martin-Luther-Kirche

      Schon 1826 erbat sich die evangelische Gemeinde in Linz die Erlaubnis zum Bau einer Kirche, die Genehmigung erhielten sie erst 1841. Die Kirche wurde 1842-44 vom Architekten Johann Rueff errichtet, vorschriftsmäßig weit von der Landstraße zurückgesetzt - Noch 1841 durften evangelische Christen ihre Gotteshäuser nicht direkt an wichtigen Straßen bauen! Aus heutiger Sicht in diesem Fall sogar ein Vorteil, denn so entstand der kleine Martin-Luther-Platz, der die Häuserfront der Landstraßennordseite angenehm unterbricht. Zurück zur Kirchenbaugeschichte: Der vorgestellte Turm entstand gut zehn Jahre später, das oberste Geschoss ist noch jünger - von 1862. Man erkennt gut den Stilwandel. 1960 wurden die Fassaden vereinfacht, 1997 wurde die alte Gliederung gottseidank rekonstruiert!

      Äußerlich hat sich die Kirche anfangs kaum von einem Wohnhaus unterschieden, erst mit dem Zubau des Turmes 1864 bzw. 1862 entstand der sakrale Charakter. Während die Fassaden des Schiffes eher dem Klassizismus zuzuordnen sind, ist der Turm ein Beispiel des Rundbogenstils. Das jüngere, oberste Geschoss weist schon Elemente der Neugotik auf. Drei Stile in einem innerhalb von ca. 20 Jahren entstandenen Bau!







      Auch das Hauptportal erinnert an die Neugotik:



      Der Innenraum (von 1842-44, also noch eher Klassizismus) ist als dreijochiger Raum mit seitlichen seitenschiffartigen Emporen konzipiert, im Osten schließt ein kleiner Altarraum an. Ein sehr ruhiger, angenehmer Raum, auch mit gelungener Farbgebung.



      Tja, das wär´s derweil aus dem Neustadtviertel. Ich hoffe, euch hat´s gefallen! :lachen: