Reaktivierung / Aussterben von Stadt- und Ortskernen

  • Die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) aus Ludwigsburg hat im Auftrag der Stadt Oberndorf a.N. den Einzelhandel analysiert.
    Fazit: Die Stadt solle dem Handel in der Oberstadt nicht nachtrauern, sondern nach neuen Möglichkeiten suchen.
    Die zukünftige Belegung/ Belebung der Leerstände in der Oberstadt sieht die Gesellschaft hier vorrangig durch Dienstleistungsbetriebe.
    Quelle: http://www.schwarzwaelder-bote…48-bb7a-7aa33da55f10.html
    Info: Bestand http://www.schwarzwaelder-bote…48-bb7a-7aa33da55f10.html


    Jeder, der sich die Fähigkeit erhält Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.
    www.archicultura.ch

  • Warum besetzt man denn den Leerstand nicht mit kleinen Handwerksbetrieben wie Glaser, Uhrmacher, Schreiner, Schlosser, Instrumentenmacher, Schuhmacher usw. ?

    Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt, und diejenigen, die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden.

    Horst Seehofer

  • Damit die dann in wenigen Monaten, wegen Auftragsmangel, wieder schließen müssen? Heutzutage lässt sich doch niemand mehr von einem Schreiner etwas anfertigen. Das ist ja auch fast unbezahlbar. Aber eine Dienstleistung müsste es tatsächlich sein. Das bekommt man nicht über das Internet. Ich könnte mir Restaurants und Cafés vorstellen. Allerdings ließe sich damit allein keine Fußgängerzone füllen. Da müssen sich die Kommunalpolitiker etwas mehr Gedanken machen.

  • Innenstadt muss ohnehin neu gedacht werden. Selbst in den Großstädten und Metropolen. Man denke an das Wegsterben der Buchläden, an die Umwälzungen im Bekleidungshandel, Liefergeschäfte, zahlreiche neue Geschäftsmodelle...


    Die Innenstadt wird auch in Zukunft leben. Nur anders. Unsere Zentren haben schon zahlreiche Umwälzungen überstanden. Heute züchtet ja auch niemand mehr Vieh mitten in der Innenstadt oder gerbt dort Leder.


  • Damit die dann in wenigen Monaten, wegen Auftragsmangel, wieder schließen müssen? Heutzutage lässt sich doch niemand mehr von einem Schreiner etwas anfertigen. Das ist ja auch fast unbezahlbar.

    Ich weiß nicht ob tatsächlich wirklich ein Mangel an Aufträgen bestehen würde, wäre es für die Kundschaft bezahlbar. Es kann jedoch nur bezahlbar bleiben wenn sich die Betriebskosten für die Handwerksleut ebenfalls im bezahlbaren Zustand befänden, das wird bei Mieten um die 10 € pro m³ allerdings schon kritisch, hier müßten einfach mal Kleinstunternehmen gefördert werden.
    Es bringt ja nichts Gewerbeflächen leer stehen zu lassen, oder nur mit teuren Anwaltskanzleien und Zahnarztpraxen zu besetzen, die graben sich ja auch wieder gegenseitig das Wasser ab.
    Gastronomie ist sicherlich eine recht gute und lohnende Sache, aber auch nur wenn nicht eine Gastwirtschaft neben der anderen steht.

    Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt, und diejenigen, die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden.

    Horst Seehofer

  • Heute züchtet ja auch niemand mehr Vieh mitten in der Innenstadt oder gerbt dort Leder.


    Das wäre doch mal `ne Idee. Garantiert Bio-Fleisch mit Herkunftsgarantie, und man ist als Endkonsument direkt bei der Schlachtung anwesend. :tongue:

  • Das wäre doch mal `ne Idee. Garantiert Bio-Fleisch mit Herkunftsgarantie, und man ist als Endkonsument direkt bei der Schlachtung anwesend. :tongue:


    Das gibt es schon noch gebietsweise. In Garmisch-Patenkirchen beispielsweise trifft man mitten in der Stadt in einem Wohnhaus auf einen Kuhstall, passenderweise ist schräg gegenüber gleich eine Gastwirtschaft :biggrin:

    Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt, und diejenigen, die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden.

    Horst Seehofer

  • Garmisch-Partenkirchen ist nicht nur keine "vollwertige", sondern überhaupt keine Stadt, sondern Markt. Und so soll es auch bleiben!


    Nachtrag (18.00 Uhr): Markus hat exakt zur selben Zeit wie ich von dieser (in Bayern eigentlich allgemein bekannten) Situation berichtet; unsere Beiträge haben sich überschnitten. Garmisch-Partenkirchen

  • Das Erdgeschoss ist heute oft eine Problemzone des typischen Gründerzeit-Altbaus.
    Hier in Hamburg ist straßenseitig vor vielen solcher Altbauten noch ein kleines Stück Garten angelegt, nur etwa 2-3m breit. Davor eine halbhohe Hecke, Gardinen in die Fenster und so bleibt die Privatsphäre auch im Erdgeschoss einigermaßen gewahrt. Nicht ideal, aber annehmbar. Beispiel für eine annehmbare Erdgeschosswohnung: Hamburg, Lutterothstraße 51. (Siehe Google Maps Street View)


    In anderen Straßen ist es heute so, dass die Fußgänger quasi direkt am Wohnzimmerfenster vorbeilaufen und das Fenster ist auch noch auf Augenhöhe! Das geht gar nicht. Beispiel für eine heute unzumutbare Erdgeschosswohnung: Hamburg, Hellkamp 56. (Siehe ebenfalls Street View)


    War diese Situation - Fußgänger laufen direkt am Wohnzimmerfenster vorbei - schon immer so, oder wurde nach der Erbauung die Straße umgestaltet und dabei der "Vorgarten" wegrationalisiert. Bspw., um Parkplätze zu schaffen?
    Kann es sein, dass einige Straßen, die heute breit genug für 2 Fahrbahnen und Parkplätze sind, ursprünglich zur Zeit der Erbauung nur als höchstens einspurige Straße oder ein besserer Fußweg gedacht waren - mit Gartenbereich vor den Häusern?

  • Quote

    War diese Situation - Fußgänger laufen direkt am Wohnzimmerfenster vorbei - schon immer so, oder wurde nach der Erbauung die Straße umgestaltet und dabei der "Vorgarten" wegrationalisiert. Bspw., um Parkplätze zu schaffen?



    Ich schätze, dass diese Ansicht der nahegelegenen Osterstraße genug aussagt: Wenn selbst eine der wichtigeren Straßen des Viertels mit Vorgärten gespickt war, dann wird dies bei den Nebenstraßen erst recht der Fall gewesen sein

  • Danke für das Foto!
    Da sieht man vieles, was heute anders ist als damals:
    - Es gibt eine Straßenbahn (Ist heute eine Buslinie).
    - Sogar der feine Herr im Vordergrund mit Stehkragen und Zylinder geht zu Fuß (Würde heute S-Klasse, 7er oder sowas fahren)
    - Es sind keine fettleibigen Menschen zu sehen. (Fettleibige gibt es heute in der etwas gehobenen Gegend auch wenig - aber es gibt sie.)
    - Autos fehlen auch auf dem Bild.


    Das Problem heißt wohl mal wieder "autogerechte Stadt".
    Ein Auto ist schon eine tolle Sache. Es macht Spaß, auch mal ein paar Kilometer "sinnlos durch die Gegend zu cruisen". Aber Gründerzeitviertel sind wohl nicht ganz die richtige Gegend für Autos...
    Es lässt ja auch niemand die "Queen Mary 2" in der Außenalster herumfahren. Obwohl es von der Fläche her gehen würde - nach etwas Ausbaggern, vertiefen und verbreitern der Rathausschleuse und weiterer Fleete zwischen Elbe und Alster. Diese Idee mit der Queen Mary 2 in der Außenalster mag jetzt völlig verrückt und absurd klingen - aber was ist denn die Ost-West-Straße in Hamburg? Die ist doch genauso absurd.

  • Das Problem heißt wohl mal wieder "autogerechte Stadt".


    Das mag stimmen, ist heute schon schade wie alles, auch in den Dörfern, mit Blech verstellt ist. Ich möchte mein Auto trotzdem nicht missen. Auch wenn ich die ganze Woche kaum fahre, ich bin in der glücklichen Lage nur 1,5 km von meinem Arbeitsplatz entfernt zu wohnen und gehe fast täglich zu Fuß zur Arbeit. Dass ich dabei noch 80 steile Höhenmeter überwinde wirkt sich sowohl günstig auf das Gewicht als auch auf die Gesundheit aus. Habe jetzt in 7 Jahren noch nicht gefehlt. Wenn ich mir aber vorstelle wirklich jeden Einkauf durch die Gegend zu schleppen, nee dazu habe ich keine Lust. Ich nutze mein Auto wie meinen Küchenherd oder den Staubsauger, einfach als Erleichterung des Alltags. Auch möchte ich nicht jedes WE am gleichen Ort verbringen und, ja ich habe keine Lust auf langsame und überteuerte öffentliche Verkehrsmittel mit denen ich um das angepeilte Ziel, so ich es denn erreiche, 3 mal so lange brauche wie mit dem Auto. Aus diesem Grund kann ich auch die Städter die nicht auf ihr Auto verzichten wollen verstehen. Ein Autoverbot im Gründerzeitviertel oder einer Altstadt sind egoistische Phantastereien.

    Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.

  • So ein radikales Autoverbot muss es ja gar nicht sein!


    Ich würde mir aber wünschen, dass der Autoverkehr in Altstädten und Gründerzeitvierteln stark reduziert wird. Lieferverkehr und kurzzeitiges Parken am Straßenrand sind völlig akzeptabel. Irgendwo ist das Automobil ja auch eine zivilisatorische Errungenschaft und sollte als solche auch verteidigt werden! Was in manchen Gegenden aber verboten gehört, ist kostenloses Langzeitparken und Langzeitparken überhaupt.


    Was ich mir vorstellen könnte, ist ein grobes Raster mit Megaparkhäusern im 3- km-Abstand. Da in diesen Parkhäusern gibt es dann Langzeitparkplätze. Kostenpflichtig, versteht sich! Aus dem 3 Km-Raster würde sich auch ergeben, dass von jedem Punkt der Altstadt aus es schlimmstenfalls 1500m Entfernung zum nächsten Parkhaus sind. 1500m ist eine Wegstrecke, die man wirklich jedem zumuten kann. Wer das nicht mehr zu Fuß schafft, gehört eigentlich auch nicht hinters Lenkrad.
    Alternativ zu den städtischen Megaparkhäusern sollten private Angebote weiterhin möglich sein, so wie heute auch schon.


    Es muss nur Schluss sein damit, Parkraum zu verschenken!

  • Stadtmensch


    In der Theorie funktioniert das prima, doch das Gros der Bevölkerung lässt sich eben nicht vorschreiben, wo und wie es zu parken hat, genauso wenig wo es einzukaufen hat. Verlierer sind die Klein- und Mittelstädte bereits jetzt schon, welche als Reaktion auf die autogerechten Stadt gleichermaßen radikal ihre Haupteinkaufsstraßen dicht machten und unter anderem aus diesem Grund inzwischen über tote Innenstädte klagen. Das geringere Angebot gegenüber dem Gewerbegebiet ist ohnehin ein Standortnachteil für die verfußgängerten Städte, vom reduzierten Parkierungsraum ganz abgesehen, sind insbesondere in der hierzulande doch recht langen Kaltperiode kleinere Innenstädte kein Hort von Menschenansammlung. Ich möchte hier keine Lanze für ein Zurück zum autogerechten Stadtraum brechen, denke aber, in vielen Fällen ist man über das Ziel hinaus geschossen und tut sich noch schwer damit dies zuzugeben. Richtig und wichtig ist sicher auch, dass jeder Fall individuell zu betrachten ist, doch dies ist ja leider in der Regel meist nicht der Fall gewesen: So wie jedes Dörfchen irgendwann mal am Ortsrand ein Hochhaus brauchte, müssen heute städtische Fußgängerbereiche in den unmöglichsten Lagen geschaffen werden.


    Jeder, der sich die Fähigkeit erhält Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.
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  • War diese Situation - Fußgänger laufen direkt am Wohnzimmerfenster vorbei - schon immer so, oder wurde nach der Erbauung die Straße umgestaltet und dabei der "Vorgarten" wegrationalisiert. Bspw., um Parkplätze zu schaffen?
    Kann es sein, dass einige Straßen, die heute breit genug für 2 Fahrbahnen und Parkplätze sind, ursprünglich zur Zeit der Erbauung nur als höchstens einspurige Straße oder ein besserer Fußweg gedacht waren - mit Gartenbereich vor den Häusern?


    Beide Fragen (obwohl es im Grunde dieselbe ist) moechte ich mit Ja beantworten. Strassenverbreitung konnte nur unter Reduzierung und/oder voelligem Verlust von Vordergaerten passieren. Vielleicht fand dieser Verlust der Vordergaerten in Stadien statt--erst der halbe fuer eine Fahrspur, dann der ganze fuer die Parkspur. Ich finde es immer interessant, in aelteren Wohngegegenden (nicht nur Privathaeuser sondern auch Etagenhaeuser) spazierenzugehen und mir auszumalen, wie weit ein Gebaeude in frueheren Jahren von der damals weit entfernten weil sehr schmalen Originalfahrspur entfernt war.

  • Detlef Pabst, Dunningen schreibt in der NRWZ:



    Quelle: http://m.nrwz.de/inhalt/leserb…-ueberlebt--00052159.html


    Jeder, der sich die Fähigkeit erhält Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.
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