Laufenburg am Hochrhein - zwei Länder, eine Stadt

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    • Laufenburg am Hochrhein - zwei Länder, eine Stadt

      Laufenburg ist eine der ehemals vorderösterreichischen „vier Waldstädte“ am Rande des Hotzenwaldes und trägt seinen Namen von den Stromschnellen, dem «Laufen», die bis zur Aufstauung des Hochrheins stromabwärts durch das Kraftwerk Laufenburg in den 1920er Jahren das Gesicht des Ortes prägten. Auf der rechtsrheinischen Seite liegt die gleichnamige deutsche Stadt (Kleinlaufenburg/ mindere Stadt), von der das linksrheinische, schweizerische Laufenburg (Großlaufenburg/ mehrere Stadt) seit 1801 getrennt ist. An dieser Schmalstelle des Rhein ist der Fluss lediglich zwölf Meter breit und überwand eine Höhendifferenz von zehn Metern. Mit Erstnennung der Stadt 1207 verbindet die Laufenbrücke die beiden Stadtteile, die nach ihrer letzten Erneuerung seit 1911 dem Kraftverkehr übergeben wurde und nach Öffnung der Hochrheinbrücke stromaufwärts 2004 wieder dem Fußgängerverkehr vorbehalten bleibt. 1806 wurde der rechtsrheinische Teil Laufenburgs badisch, der linksrheinsche Part war bereits 1803 mit dem neu gegründeten Kanton Aargau an die Schweiz gefallen. Zuvor gehörte Laufenburg rund sechs Jahrhunderte mit größeren Ländereien zu beiden Seiten des Rheins zu Habsburg/ Vorderösterreich.
      Auf der Südseite des Flusses bot eine hohe Felskuppe genügend Platz für den Bau einer Burg. Ihr gegenüber lag auf der rechten Rheinseite eine zweite Burg in Uferhöhe, später Burg Oftringen genannt. Die Stromschnellen bildeten ein schwierig zu passierendes Hindernis für die Flussschifffahrt. Ein besonderer Berufsstand, die Laufenknechte, war für die sichere Passage der Schiffe verantwortlich. Die Schiffe wurden oberhalb der Stromschnelle entladen und leer durch die Stromschnelle geführt, während die Waren auf diesem kurzen Weg mit Karren befördert wurden. Unterhalb der Stromschnellen sammelten sich die Lachse (Salmen) auf ihrer Wanderung. Der Lachsfang war ein bedeutendes Gewerbe der Stadt und ist bis heute im öffentlichen Bewusstsein besonders zur Fastnachtszeit präsent, da die ehemalige Fischerzunft in der Narrozunft fortlebt.
      Beim heutigen deutschen Laufenburg muss man im Grunde von einem Brückenkopf/ von einer Vorstadt sprechen. Der alte Kern von Kleinlaufenburg besteht nur aus eine einzige Straße und wenigen Gassen. Dennoch ist dieser Stadtraum von historisch-urbaner Dichte sehr malerisch.
      Die durchgängig historische Bebauung haucht der sanft geschwungenen Hauptstraße ihr Flair ein. An ihrem Ende steht das heutige Rathaus des deutschen Laufenburgs, das gleichzeitig als imposantes Stadttor fungiert. An seiner Stelle stand ursprünglich das Waldtor mit Turm, das infolge des klassizistischen Umbaus zum Rathaus weitgehend seiner Substanz beraubt wurde.
      An der Kreuzung Hauptstraße und Haldenweg ergibt sich eine reizvolle Platzausweitung, welche von einem alten Brunnen akzentuiert wird (commons.wikimedia.org/wiki/Fil…g_%2811%29.JPG?uselang=de). Über allem thront die katholische Heilig-Geist-Pfarrkirche, ein neugotischer Bau aus dem Jahre 1883-84. Das ansehnliche Gotteshaus aus rotem Sandstein ersetzte, und dies ist zweifellos bedauerlich, einen aus heutiger Sicht wertvolleren romanischen Vorgängerbau (upload.wikimedia.org/wikipedia…burg_%28Baden%29_1881.jpg), der erstmals 1324 genannt wurde. Der deutsche Teil Laufenburgs bleibt obschon seiner Schönheit hinter dem schweizerischen zurück. Das liegt zum einen, wie bereits beschrieben, an der Quantität, zum anderen jedoch auch am Umgang mit dem (spät-)mittelalterlichen Erbe. Hier ist vor allem an die Sakralbauten und die Stadtbefestigung zu denken, weniger an die Stadthäuser. Wo die Schweizer ihre romanisch-gotisch-barocke Kirche beließen, ersetzten die Badener ihre romanische durch besagte neogotische. Und wo im deutschen Teil die Befestigung konsequent geschliffen wurde, da konnten im schweizerischen Teil bis auf das Markttor (Bärenturm) große Abschnitte der Festungsanlage bewahrt werden. Ungeachtet dieser Aspekte und der Ländergrenze wird Laufenburg jedoch vor allem von seinen Bewohner über nationale Grenzen hinweg bis heute als gemeinsame Stadt wahrgenommen.
      Zurück zum Baulichen: Ein Stadthaus am Platz der Kreuzung Hauptstraße und Haldenweg im deutschen Laufenburg zeigt im obersten Stockwerk das in beiden Stadtteilen sehr seltene Fachwerk
      Nicht minder ansehnlich sind die noch in spätgotischer Tradition stehenden Fensterrahmungen darunter, welche aber erst gegen 1665 (Inschrift am unteren Rahmen) eingebaut wurden.(stadtbild-deutschland.org/foru…/photo-10622-43d9c03f.jpg)
      Beide Stadtkirchen sind katholisch, die Heilig-Geist-Kirche auf der deutschen, Sankt Johann auf Schweizer Seite. Beide stehen erhöht und führen quasi eine Zwiesprache miteinander.
      Die dreischiffige Basilika mit großem Chor von Sankt Johann mit schlankem seitlichem Campanile wurde als Nachfolgebau 1450 spätgotisch erbaut. 1591-93 kam auch der Turm als Neubau hinzu, welcher 1653 seine barocke (spanische) Haube erhielt. 1750-53 kam es vor allem für das Innenleben zu einer eingreifenden Barockisierung, die nach außen durch Veränderung der Fenster der drei Schiffe bemerkbar wird.
      Die zum Teil sehr schmalen Stadthäuser besitzen bis zum Spätmittelalter zurückreichende Substanz, was vor allem auf die Mauern zutrifft. Die Öffnungen derselben verweisen in aller Regel auf das 18. bis 20. Jahrhundert hin. Während die Stadtseiten der Häuser zumeist drei bis vier Stockwerke, also moderate Höhe zeigen, reichen die Flussseiten durch Gründungsmauern noch etliche Meter tiefer hinab, was zu monumentalen Ansicht mit hohen schmalen Häuser führt. Diese Ansicht war bis ins 20. Jahrhundert, und wie der Kupferstich von Matthäus Merians dem Älteren offenbart, noch um einiges beeindruckender (upload.wikimedia.org/wikipedia…ae_%28Merian%29_p_015.JPG). Das Kraftwerk Laufenburg, selbst bereits bauliches Denkmal, hat den Flusspegel stromabwärts zur Schiffbarmachung um zahlreiche Meter angehoben. Einst saßen die Flusshäuser sichtbar auf hohen und steilen Felsen, welche heute nur noch wenige Meter über dem Wasser ragen. Mit Bau des Kraftwerks hat der Fluss sein herbes Gepräge gegen eine entschieden ruhigere Stimmung vertauscht. Obgleich der heutige Zustand ohne weiteres von großer Ansehnlichkeit sein mag, darf man den früheren, spannungsvolleren Verhältnissen nachtrauern.
      Die schweizerische Partie Laufenburgs steht auf einer vom hier abknickenden Rhein gebildeten Halbinsel. Aus der Schar der alten Stadthäuser schaut neben dem Kirchturm von Sankt Johann, der auf dem fast höchsten Punkt der Altstadt erbaute Bergfried heraus. Letzterer zählte zu r (spät-)mittelalterlichen Burganlage, die vermutlich bereits im 30jährigen Krieg Schaden erlitt und anschließend mehr und mehr verfiel, weil von keinem besonderen wehrtechnischem Nutzen mehr. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam diese ruinöse Veste an die Stadt Laufenburg im Aargau und so konnte wenigstens der um 1200 erbauten Bergfried bewahrt werden. Weitere Höhepunkte sind die Türme der alten Befestigung. Am eindrucksvollsten das Stadttor des Wasenturms, 1270 erbaut und 1581 zur heutigen Ansicht umgestaltet, der Schwertlisturm, das Wasentürmchen und der Pulverturm. In den Straßen und Gassen des Schweizer Bereichs findet man außerdem eine Vielzahl ansehnlicher Stadthäuser in den Stilen der Spätgotik/ Renaissance, des Barock und des Klassizismus. Die in aller Regel verputzten und abwechslungsreich eingefärbten Gebäude erzeugen wie schon im deutschen Teil ein lebendiges Bild, das zum Verweilen einlädt.

      Die Stadtbefestigung Laufenburgs:
      dickemauern.de/laufenburg_sm/gr.htm


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    • Konzept zur Oberflächengestaltung, Altstadt Laufenburg (Schweiz)



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    • "Torhaus" - Neubauprojekt neben dem „Roten Löwen“, Altstadt Laufenburg (Schweiz)

      suedkurier.de/region/hochrhein…n-ldquo;art372611,4948733 (Juni 2011)



      Aktualisierung 3.10.2016:

      Das Bauvorhaben "Torhaus" in Laufenburg hatte sich mit der Entscheidung für Rheinfelden offensichtlich erledigt aargauerzeitung.ch/aargau/fric…atsanwaltschaft-114089129 (Oktober 2011)

      Anmerkung: Der Investor, der im "Roten Löwen" (suedkurier.de/region/hochrhein…-Loewen;art372611,2305968) zwischenzeitlich das Pflegeheim Rheinblick (haus-rheinblick.ch/) verwirklicht hatte, zeichnete auch für das geplante "Torhaus" verantwortlich.


      Interessant ist dieser Stadteingang und alle tangierenden Baumaßen im Bereich des Marktplatzes, da hier bis 1874 der Bärenturm/ das Bärentor, auch Markttor genannt, stand. Siehe nachfolgende Abbildung:

      Ansicht Feldseite Bärenturm, mittig Pulverturm, links davon Kirche St.Johann noch ohne Zifferblatt und die Ruine des Bergfrieds/ Zeichnung von J.R.Rahn, 1869



      Beim Bauvorhaben "Torhaus" war an einen sowohl finalen als auch stadtbildgerechten Lückenschluss in Anlehnung an das Bärentor zu denken.
      Hierzu ist anzumerken, dass bereits in den 80er Jahren ein solcher Turmneubau seitens der Kraftwerke Laufenburg und der Pensionskasse Schweizerischer Elektrizitätswerke als Geschenk an die Stadt angedacht war, vergleiche auch folgende Abbildung:
      Letztlich folgte auf diesen historisierenden Entwurf ein Aufschrei in der Architektenschaft bis hin zur Denkmalpflege und den bis heute bekannten Architekturdebatten über "Anpassung" und "Einpassung" in das Stadtbild, die ihrerseits zu einem Wettbewerbsverfahren führten, gegen dessen Entwürfe die Bevölkerung wiederum in Leserbriefen Sturm liefen. Im Ergebnis wurden das Projekt verworfen und erst durch das "Torhaus" wieder aufgegriffen. Ein Resümee hierzu aus dem Jahr 1990 (!) als PDF: Ein Turm für Laufenburg : Einpassung, nicht Anpassung

      Das Geldgeschenk des Energieversorgers an die Stadt floss übrigens als Spende an das Rehmann- Museum und der Zins aus der Summe in moderne Kunst eines Straßenkreisels, siehe:
      Die Finanzierung erfolgt aus dem zurückgestellten Jubiläumsgeschenk der Firma Energiedienst AG, Laufenburg. Das Unternehmen schenkte anlässlich seines 75-jährigen Bestehens im Jahr 1983 der Stadt Laufenburg 250000 Franken für den Wiederaufbau des Bärenturms. Nachdem klar war, dass das Projekt "Bärenturm" nicht verwirklicht wird, flossen 200000 Franken von der Spende in das Rehmann-Museum. Der seit 1983 aufgelaufene Zins der Spende reicht locker auch noch für den Kreisel.

      Quelle: suedkurier.de/region/hochrhein…it-Kunst;art372588,729251


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    • Von 1801 bis 1983 waren Gefangene im Wasenturm eingesperrt

      Untersuchungen hätten ergeben, dass Laufenburg einmal über mehr als zehn Türme verfügt hätte, erzählte Stadtführer Hannes Burger den Exkursionsteilnehmern. Das Wasentor bildete zusammen mit dem heute nicht mehr stehenden Bärentor beim «Roten Löwen» die beiden Haupteingänge in die mehrere Stadt, während durch das Waldtor die mindere Stadt betreten wurde. Beim Waldtor fehlt freilich heute der oberste Teil. Dieser sei beim Rathausbau im Jahr 1811 abgebrochen worden.
      Quelle: aargauerzeitung.ch/aargau/fric…urm-eingesperrt-128034344


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