München - Neubau des Königshofs am Stachus

  • Lässt sich da das Ruder noch irgendwie rumreißen?

    Nach Jahren der Vorarbeit? Nach Architekturwettbewerb? Nach Baugenehmigung? Nach Beginn der Abrissarbeiten und unmittelbar bevorstehendem Baubeginn, vermutlich in diesem Jahr? Eigentlich beantwortet sich diese Frage doch von selbst.


    Da könnten nur die Bauherren "das Ruder rumreißen", wenn ihnen das Geld auf halber Strecke ausgeht oder sie plötzlich das Interesse verlieren.


    https://www.reiter-hahne.de/ak…-koenigshof-muenchen.html

  • Der "Nachkriegskönigshof" ist inzwischen abgerissen. Was dort als "Luxushotel" hinkommt, würde eher nach Neuperlach oder Hasenbergl passen. Als Tourist würde ich von der Architektur her eher eine Billigabsteige mutmaßen und mich anschließend über die hohen Rechnungen wundern.

  • Der FC Bayern zeigt in der Weinstraße, dass es auch anders geht. Im Großen und Ganzen wurde doch keine Großstadt besser wiederaufgebaut als München. Wenn ich das mit Köln vergleiche ( am stärksten zerstörte Stadt aller Zeiten) - da ist nichts vom alten Prunk übriggeblieben, vor dem WK2 stand die Stadt Paris in nichts nach.


    Hat jemand Bilder vom Königshof 1945?

  • Quote from Solinger

    Hat jemand Bilder vom Königshof 1945?

    https://www.youtube.com/watch?v=8Sc8PMrOz5M&t=1179s


    Schau mal hier ab 8:09 ist er rechts angeschnitten zu sehen.

    Ein besseres Bild aus der Nachkriegszeit habe ich kürzlich im Buch "München farbig: 1946–1965, Vom Trümmerfeld zum U-Bahnbau" gefunden, dieses aber leider weder parat, noch die entsprechenden Urheberrechte ;).

    Jedenfalls zeigen die Bilder ganz klar, dass der Königshof nach dem Krieg entgegen der vor dem kürzlich erfolgten Abriss des Bestandsgebäudes kolportierten Darstellungen trotz grauenhafter Umgestaltungen im Kern noch das historische Gebäude war, dessen Geschichte bis ins frühe 19. Jahrhundert zurückreichte.

  • Bananenrepublik Deutschland

    Wer sitzt in solchen Städte Ämtern und lässt diese Schandtaten zu ?

    Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr wer das gesagt hat, aber in einem Zeitungsartikel zum Neubau des Hotels, hätte sich jemand, der glaube ich von der Stadt München war, sogar noch mehr Geschosse gewünscht um damit eine neue Sehenswürdigkeit zu etablieren, oder so ähnlich. Also du siehst: in solchen Ämtern sitzen Leute die keine Ahnung haben wie sie München richtig vermarkten sollen, denn der Großteil von Münchens Sehenswürdigkeiten ist ja schließlich vor dem letzten Krieg entstanden und hat eine traditionelle Formensprache. Und auch die modernen Sehenswürdigkeiten sehen allesamt nicht aus wie ein auseinander fallender Rubikwürfel.

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland

  • Soweit ich weiß, wollten die Eigentümer des Hotels Königshof sogar eigentlich einen traditionelleren Neubau, aber die Stadtbaurätin Elisabeth Merk hat dann einen ultramodernen Bau durchgesetzt... so soll's mal ausschauen: https://www.koenigshof-hotel.de

    Auch beim Erweiterungsbau des Mandarin Oriental an der Hildegardstraße wollte sie ein Projekt ihrer Spezln Nieto & Sobejano (die auch schon den obigen Königshof entworfen haben) verwirklichen, aber da hat ihr wundersamerweise das Münchner Denkmalschutzamt einen Strich durch die Rechnung gemacht, so dass schließlich ein wesentlich klassischerer Entwurf von Hild & K zum Tragen kommt...

    Auf jeden Fall werde ich ein gutes Glaserl Wein trinken, wenn die gute Frau mal in Pension geht...

    "In der Vergangenheit sind wir den andern Völkern weit voraus."

    Karl Kraus

  • Soweit ich weiß, wollten die Eigentümer des Hotels Königshof sogar eigentlich einen traditionelleren Neubau,

    Tatsächlich? Ich meine mich an Aussagen zu erinnern, in denen man sich ganz berauscht gezeigt hat, wie zukunftsträchtig und modern das alles wird...

    Jedenfalls lügt man sich mit den Visualisierungen mal wieder selbst und die Öffentlichkeit in die Taschen. Man findet keine einzige Darstellung, die den Bau realistisch darstellen würde. Die Realität der Fassadenoberflächen wird dann - neben der unmöglichen Form - um einiges banaler. Und die Fragen, die momentan sich nur unsereins stellt, die am Stadtbild interessiert sind, werden in der Breite kommen: Wie konnte man nur? An solch einer zentralen Stelle? Die nächsten 40 Jahre wird München das ertragen müssen.

  • Die Architektur von Nieto und Sobejano ist an sich nicht schlecht, aber für den Standort am Karlsplatz passt der Entwurf nach meinem Eindruck nicht. Ich weiß auch nicht, ob man sich in diesem aufgebrochenen Hochhaus richtig wohlfühlt.


    Projektseite der Architekten zum Königshof


    In Berlin, zum Beispiel im Umfeld des Hauptbahnhofs oder des Alexanderplatzes wäre die Architektur von Nieto und Sobejano ein Gewinn. Aber da kommen sie nicht zum Zuge, weil die Spanier für Berlin zu kreativ sind.

  • Die Idee ist die Gleiche, wie die des Axel-Springer-Neubaus in Berlin: Aufbruch oder Aufbohren einer geschlossenen Form. Verbunden mit einer gewissen Willkürlichkeit der Anordnung (die man natürlich erst erfinden und rüberbringen muss. Da braucht es schon eine gewisse Kreativität, als sonstige zeitgenössische Architektur).

  • Tatsächlich? Ich meine mich an Aussagen zu erinnern, in denen man sich ganz berauscht gezeigt hat, wie zukunftsträchtig und modern das alles wird...

    Ich hatte das auch so in Erinnerung, das stand auch so in der Zeitung; ich hab aber von jemandem, der hinter die Kulissen schauen konnte, gehört, dass dem nicht so war, sondern dass Frau Merk das unbedingt wollte...

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    Karl Kraus

  • Nicht dass ich wüsste...

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  • Soweit ich weiß, wollten die Eigentümer des Hotels Königshof sogar eigentlich einen traditionelleren Neubau, aber die Stadtbaurätin Elisabeth Merk hat dann einen ultramodernen Bau durchgesetzt...

    Frau Merk hat nicht den Einfluss einen Entwurf im Alleingang durchzusetzen - den hat niemand. Das ist an dutzenden Wettbewerbsentscheidungen, deren Sitzungsprotokolle veröffentlicht wurden, nachzuvollziehen. Die Wettbewerbsjury bestimmte drei ranggleiche Preisträger, Familie Geisel konnte unter diesen auswählen (auf die städtische Entscheidung muss ja eine privatwirtschaftliche folgen).

    Auf jeden Fall werde ich ein gutes Glaserl Wein trinken, wenn die gute Frau mal in Pension geht...

    Das sei dir vergönnt, doch was soll sich denn mit einem anderen Stadtbaurat ändern? Ein solcher leitet zwar das Planungsreferat, entscheidet aber weder alleine über Entwürfe, noch verhindert er Rekonstruktionen, historisierende Neubauten etc. etc. Wer die Gelegenheit hat, einmal persönlich mit Frau Merk zu sprechen, was bei ziemlich vielen Bürgerinformationsveranstaltungen möglich ist, merkt schnell, dass es ein ziemliches Kräftemessen und Ränkespiel zwischen Verwaltung, Politik und Bauherren ist, das immer wieder aufs Neue ausgefochten werden muss - am Ende stehen oft Kompromisse.


    Zum Entwurf: Unter den Eingereichten einer der besseren, sicher kein Meisterwerk, aber je nach Umsetzung könnte der Spalt ganz interessant wirken. Den Vorkriegsbau halte ich übrigens auch nicht für besonders gelungen. Neben dem Justizpalast wirkt überhaupt alles leicht deplatziert, hätte man ihn damals nur direkt gegenüber des Rondells errichtet :D

    So aber spielt der Spalt provokant mit der städtebaulich schwierigen Ist-Situation, ich bin gespannt wie mein Urteil nächstes Jahr nach Fertigstellung ausfällt...

  • Zum Entwurf: Unter den Eingereichten einer der besseren, sicher kein Meisterwerk, aber je nach Umsetzung könnte der Spalt ganz interessant wirken.

    Ich finde eigentlich fast jeden der anderen Entwürfe besser – im Sinne von zumindest weniger störend – als diesen in Beton gegossenen Tetris-Screenshot.

  • Frau Merk hat nicht den Einfluss einen Entwurf im Alleingang durchzusetzen - den hat niemand. Das ist an dutzenden Wettbewerbsentscheidungen, deren Sitzungsprotokolle veröffentlicht wurden, nachzuvollziehen. Die Wettbewerbsjury bestimmte drei ranggleiche Preisträger, Familie Geisel konnte unter diesen auswählen (auf die städtische Entscheidung muss ja eine privatwirtschaftliche folgen).

    Das stimmt schon grundsätzlich, nur hat ihre Meinung als Stadtbaurätin natürlich trotzdem großen Einfluss auf die Entscheidungsfindung der Gestaltungskommission - so eine Entscheidung einer Jury kommt ja nicht aus dem Nichts, sondern es finden Vorgespräche statt, es werden gewisse Architekten eingeladen, sich am Wettbewerb zu beteiligen und es werden Meinungen sondiert... ich glaube, wir können uns alle vorstellen, wie so etwas funktioniert, gerade in München ;-) Als Stadtbaurätin hat sie sicher auch ein gewichtiges Wörterl mitzureden, wie die Stadtgestaltungskommission überhaupt zusammengesetzt wird und sie gibt schon ein bisschen die Richtung vor.

    Die drei Wettbewerbssieger im Falle des Königshofs waren übrigens allesamt modern (wenn auch die zwei anderen Entwürfe etwas konventioneller waren), da war für den Eigentümer keine Möglichkeit, einen traditionellen Entwurf auszuwählen... aber ich hab das nur aus zweiter Hand, ich kann die Geschehnisse um den Bau des neuen Königshofs nicht wirklich sicher bezeugen.

    Ich weiß außerdem aus mehreren Fällen, dass Frau Merk sich klar gegen traditionelle oder historisierende Entwürfe ausgesprochen hat, so z.B. im Fall der Casa Don Bosco in der Au, bei der sowohl Bauherr als auch Architekt einen historisierenden Entwurf in Anlehnung an die im Krieg zerstörte Fassade wollten und von Frau Merk aufgefordert wurden, stattdessen einen zeitgemäßen, moderneren Entwurf zu liefern, weil der vorgelegte Entwurf zu "historisierend" sei. Aufgrund des starken Protests des Bauherrn konnte die historisierende Fassade dann aber doch durchgesetzt werden. Ich weiß dies vom Architekten selber.

    Das gleiche (allerdings mit negativem Ausgang) ist vor kurzem beim auch hier diskutierten Fall des etwas klassischeren Entwurfs zu einem Neubau in der Nähe des Goetheplatzes geschehen, ebenso wie in einigen anderen Fällen, die nicht immer an die Öffentlichkeit gelangt sind (Augustiner Klosterwirt am Dom z.B...).

    Auch im Falle des Erweiterungsbaus des Mandarin Oriental hat sich Frau Merk anfänglich für den ultramodernen Entwurf von Nieto & Sobejano, der ja schließlich auch den 1. Platz beim Wettbewerb gewonnen hat, stark gemacht, bevor dann aus Ensembleschutzgründen das Denkmalamt dagegen protestiert hat und ein klassischerer Entwurf von Hild & K zum Zuge kam. Jetzt tut sie so erfreut, dass hier Stadtbildreparatur betrieben wird, ursprünglich war sie aber dagegen.

    Frau Merk hat sich außerdem öffentlich für die Anerkennung des Denkmalschutzstatus' für den Kaufhof am Marienplatz ausgesprochen! Da fehlen einem die Worte...


    Man kann also, denke ich, ganz sicher behaupten, dass sie keine Befürworterin von traditioneller Architektur oder Rekonstruktion ist.

    Der Ortsverband München von Stadtbild Deutschland und die Altstadtfreunde München haben sich länger darum bemüht, mal einen persönlichen Termin bei ihr zu bekommen, was sie zwar grundsätzlich zugesagt, dann aber immer wieder verschoben hat, so dass dieser letztendlich nie zustande gekommen ist. Sie mag zuerst einmal sicher nett und freundlich sein, nur was nützt alle Freundlichkeit, wenn diese unverbindlich bleibt?

    Ich glaube schon, dass bei einer anderen Besetzung dieses Postens eine größere Aufgeschlossenheit bzgl. traditionellem Bauen möglich wäre und diese auch einen gewissen Einfluss auf Bauherrn, Architekten und die Gestaltungskommission hätte. Frau Merk hat in ihrer langen Amtszeit auf jeden Fall sehr wenig für Stadtbildreparatur getan und sich des öfteren gegen historisierendes Bauen ausgesprochen, das bleibt festzuhalten.


    Dass die Bauaufgabe an der Stelle des Königshofs eher undankbar ist, sehe ich auch so; mir hat auch der alte Königshof vor dem Krieg nicht sonderlich zugesagt, da gebe ich dir recht. Eine zentralere Position des Justizpalasts an dieser Stelle wäre sicherlich prächtiger :-)

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    Karl Kraus

  • Sauerbruch/Hutton ist der einzige, der überhaupt was taugt ... der zurückhaltende Entwurf in Anlehnung an die 50er Jahre passt ganz gut nach München, finde ich. (Immer vorausgesetzt man kann überhaupt mit zeitgenössischen Entwürfen leben.) Allerdings kenne ich den konkreten Ort auch nicht gut genug, um dies abschließend beurteilen zu können.