München - Neubau des Königshofs am Stachus

  • Das Beste an den drei Entwürfen sind die erläuternden Texte: exquisite Architektenprosa! Anscheinend wird an den Hochschulen die Zeit, die früher für Entwurfsstudien nach der Vorgabe historischer Meisterwerke eingesetzt wurde, heute für Stilübungen in Architektur-Phraseologie mit einschüchternd-elitärem Nimbus verwendet. Effizient, zeit- und kostensparend ist diese Methode allemal.

  • Vollkommen richtig, Philoikódomos: diese Beschreibungen der Entwürfe sind wieder einmal Realsatire pur. Ernst gemeint können diese Texte ja nicht sein, oder doch ??
    Ein Entwurf grausamer und unangepasster als der andere, der zweite Entwurf mit der geschwungenen Form ist zwar auch missraten, aber noch am erträglichsten, finde ich.

  • [...]der zweite Entwurf mit der geschwungenen Form ist zwar auch missraten, aber noch am erträglichsten, finde ich.


    Da wollen Sauerbruch/Hutton doch nur das GSW-Haus an der Kochstraße in Berlin in einer misslungenen Variation für den Stachus nochmals verhökern.


    Ein weiterer Bericht:
    So könnte der Königshof bald aussehen - MerkurOnline


    So sah das Gebäude noch als Hotel Bellevue (hier mal eine größere Aufnahme) im Jahr 1885 übrigens mal aus.

    Bild gemeinfrei wg. Alters
    Welch ein eklatanter Unterschied zu den allesamt armseligen Entwürfen!

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Eine Rekonstruktion wäre die hochwertigste Lösung. Für ein Hotel könnte es sich auszahlen. Statt dessen setzt man auf eher beliebigen modernistischen Baublock-Standard. Der Entwurf von Wandel Hoefer Lorch scheint mir noch der verträglichste zu sein. Die konkave Spielerei von Sauerbruch Hutton Architekten erscheint dagegen eher albern, weil hier gar kein geometrischer Bezugsrahmen existiert, um daraus einen bessern Platzraum zu kreieren. Und der Entwurf von Nieto Sobejano Arquitectos ist gänzlich indiskutabel. Ein Bunker. Keine Ahnung, wer in so etwas übernachten will...

  • Das interessanteste an der Sache ist, dass das historische Gebäude im Kern noch erhalten ist und nun abgerissen werden soll. Während an anderen Teilen Deutschlands zur Unkenntlichkeit verunstaltete Fassaden rekonstruiert werden, wird in Süddeutschland einfach abgerissen. Laut Wikipedia ist es zumindest in der Denkmaltopografie Bayerns eingetragen.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Quote

    (...) ...unterstreicht die Eigenständigkeit des Gebäudes von seiner Umgebung, in welche es sich jedoch gleichzeitig einfügen möchte. (...)

    Das klingt wie die Formulierung eines schlechten Arbeitszeugnisses. "Er hat sich stets bemüht...".


    Diese drei Entwürfe sind erwartungsgemäß blamabel. Wenn ich das Wort "Architekturwettbewerb" schon höre, weiss ich mittlerweile genau welche Ergebnisse ein solcher bringt. Vielleicht sollte ich damit bei "Wetten dass..?" auftreten.


    Es ist scheinbar nicht mehr möglich ein vernünftiges Satteldach zu entwerfen. Das allein würde, zumindest den ersten beiden Entwürfen, schon sehr viel helfen. So aber, ist das Ergebnis, für meine Begriffe, nur niederdrückend.


    Zitatquelle

  • Die AZ hat nun auch die beim Wettbewerb zum Neubau des Königshofs durchgefallenen Entwürfe veröffentlicht, sie diesen Artikel.


    Erwartungsgemäß sind auch die durchgefallenen Entwürfe nicht besser, sondern ebenfalls und ausschließlich modernistische Entwürfe, die keinerlei Bezug zur umgebenden historischen Bebauung des Stachusrondells und des Justizpalastes zeigen.


    Wenn ich zwischen Pest und Cholera wählen müsste, so würde ich von den prämierten und nicht-prämierten Entwürfen übrigens den 5. Platz von Kuehn Malvezzi aus Berlin wählen. Mit viel viel Fantasie kann ich in dem Entwurf noch eine sehr abstrahierende Variante der Fassade des Justizpalastes bei ähnlicher Materialwahl erkennen ;-))

  • Ja, danke -Frank-, für den Artikel. Du hast Recht! Aus dem ganzen Müll würde ich auch am ehesten den von Kuehn Malvezzi auswählen. Es ist schon beinahe beschämend, mit welch dilettantischen Visualisierungen einige Teilnehmer aufwarten. Das genügt vielleicht für die Sparkasse in Deppenhausen. Aber nicht für ein neues Hotel in einer Millionenstadt.

  • ein neues Hotel in einer Millionenstadt


    Nein, nicht irgendein Hotel, sondern das an einer der markantesten Punkte der Stadt stehende.
    Und nicht irgendeine Millionenstadt :smile:.


    Für diesen Standort kann eigentlich nichts gut genug sein.

  • Ist eigentlich dokumentiert, wie das Hotel direkt vor dem Umbau in den jetzigen Zustand aussah? Und wieviel Originalsubstanz noch erhalten ist? Von innen wirkt es ja sehr klassisch, übrigens etwas, was hochwertigen Hotels guttut. Vier-Jahreszeiten & Bayerischer Hof wirken immer noch edel und teuer, was man vom Hilton und vielen anderen nicht behaupten kann. Und wenn schon Neubau, warum nicht im Adlon-Stil einer annähernden Rekonstruktion. Wenn der Königshof zu Münchens besten Häusern gehört, warum dann mit provinzieller Architektur neu bauen?

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    Karl Kraus (1874-1936)

  • Ein Flachdachklotz ist bescheidener als der andere. Alles nur langweiliger Mist. Tut mir leid, ich kann es aber nur so pauschalisierend ausdrücken.

  • Ist eigentlich dokumentiert, wie das Hotel direkt vor dem Umbau in den jetzigen Zustand aussah?


    Zum Glück hat ein Münchner User hier ein Bild eingestellt, im 1. ist der Bau rechts zu sehen: http://www.skyscrapercity.com/…p=108354657#post108354657


    Da war der unmittelbare Nachkrieg(um?)bau doch deutlich gefälliger. Kann es sein, dass unter dem heutigen Kleid noch einiges an Originalsubstanz des Vorkriegsbaus steckt? Umso frevelhafter wäre der Abriss, der offenkundig ohnehin keine Verbesserung bringen wird! :daumenunten:

  • Wenn ich es richtig sehe, war die Vorkriegsfassade glatt, aber mit Lüftlmalerei versehen - daher könnten die Außenwände vor der Renovierung noch die originalen gewesen sein, ledliglich das Dach wurde verändert. Ob hinter der aktuellen Fassade noch die Originalfassade steckt oder ob diese es sogar ist... keine Ahnung, aber scheinbar wurde das Gebäude nach dem Krieg wiederaufgebaut und nicht neu gebaut.

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    Karl Kraus (1874-1936)

  • Das Hotel Königshof am Stachus soll bekanntlich abgerissen und neu gebaut werden. Doch die Highstreet Portfolio als Eigentümer eines der Nachbargrundstücke reichte gegen den geplanten Neubau eine Klage vor dem Verwaltungsgericht München ein mit der Begründung, dass sich der Neubau nicht in die umliegende Bebauung einfüge. :applaus: Die Highstreet Portfolio hat heute ihre beim VG München eingereichte Klage zurückgezogen. :daumenunten: Die für Montag geplante Gerichtsverhandlung entfällt somit. Ein Grund dafür wurde nicht genannt. :kopfschuetteln:


    Dem Neubau steht also nichts mehr im Weg. Baubeginn soll aller Voraussicht Anfang 2015 sein. :sad: :sad: :sad:


    http://www.abendzeitung-muench…2c-8515-c5ffd2eebb37.html


    http://www.merkur-online.de/lo…ieht-zurueck-3358927.html

  • Die Visualisierung des nächtlichen Anblicks mag ja noch einen zumindest interessanten Eindruck machen.
    Wenn man sich allerdings die Tageslicht-Darstellungen im Großformat anschaut, gewahrt man nach meinem Dafürhalten nichts anderes als einen fiesen Hochbunker mit 'nem Riss in der Platzfront. Allein der zukünftige Blick durch das Karlstor wird eine Zumutung sein. Anzuschauen sind die größeren Bilder übrigens hier.


    Ach ja, wie schrubelte das Preisgericht doch:
    "Der vertikale Einschnitt in der Fassade zum Stadtplatz unterstreicht die Frontalität, Axialität und Eigenständigkeit des Entwurfes."

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
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