Limburg an der Lahn - Diözesanes Zentrum

  • Ist hier eigentlich schon einmal über den gruseligen Um- und Neubau für den Bischof von Limburg diskutiert worden?


    Über die Suchfunktion habe ich nichts gefunden.


    Wohnt jemand in der Nähe und kennt die Situation aus eigener Anschauung?


    Man fragt sich (wie so oft), wer solche Bauten in einer solchen Umgebung überhaupt genehmigt.

  • Daß dieses Thema irgendwann mal kommen wird, war unvermeidlich, ist es doch zur Zeit "das" Thema. Limburg ist auf seine Art und Weise eine der faszinierendsten Städte Deutschlands. Die außerordentliche Bedeutung dieser Stadt liegt in der einzigartigen Geschlossenheit seiner Altstadt, die in dieser Form durchaus Seltenheitswert genießt. Die Möglichkeit, daß man sich sozusagen um 500 Jahre in die Vergangenheit zurückversetzen kann, dürfte nur noch an ganz wenigen Orten erlebbar sein. Hinzu kommt die Krönung der Stadt durch den Limburger Dom. In dieser Form gehört Limburg zu den unvergeßlichsten Städten Deutschlands. Das derzeit so häufig besprochene Bischofsgebäude - was soll man dazu sagen? Vieles ist möglich. Die Privatkapelle architektonisch vollkommen im Trend der Zeit liegend, ein schwarzer, autistischer Monolith, trotz dem Versuch, durch ein Satteldach eine Anbiederung an den Genius loci zu suchen, geht das Unterfangen unter. Wer mit aufmerksamen Augen durch die Altstadt geht wird unter anderem auch feststellen, daß diese Altstadt ganz einfach funktioniert, seit 10 Jahrhunderten, und daß hier der Anspruch der Deutungshoheit der Bauhausmoderne, daß allein die deutsche Ideologie des 20. Jhd., lebende Innenstädte zu erzielen, ein angemessener Spiegel vorgehalten wird. Hinzu kommt wieder einmal die Betonung der Horizontale durch die "Platten" an der Fassade, bei denen den Betrachtern exemplarisch gezeigt wird, daß der Geist unserer heutigen Zeit keinerlei anderen Lösungen mehr hervorzubringen vermag. Man kommt andererseits nicht umhin, dem Privatinnenhof mit dem Brunnen seine Qualitäten zugestehen zu dürfen. Dieser Innenhof hat durchaus einen Wert, von dem man heute etwas lernen könnte. Ob das alles z.B. durch Mieteinnahmen Frankfurter Immobilien finanziert wurde/ wird, ist hierbei völlig unerheblich. Die derzeitige Hetze gegen TvE, in erster Linie durch den Spiegel, ist derzeit zu einseitig, als daß man dazu ein Wort verlieren möchte; eine Enthaltung hierüber ist jedenfalls angemessen. Die derzeit in den Diskussionen schwebende Gesamtsumme ist unterm Strich ein Problem, die erheblichen Kosten von TvE´s Privatwohnung wohl nicht weniger; aber man sollte in diesem so problematischen Fall auch nicht vergessen, daß die Alte Vikarie durchsaniert wurde und hoffentlich auch noch weitere 500 Jahre ganz selbstverständlich zu Limburg gehören wird. Daß hierbei die Gesamtsumme dieser Angelegenheit in Frage gestellt wird, unter anderem durch den Spiegel, ist eine ganz eklatante Fehlentwicklung. Limburg wird für alle Zeiten auch die Bedeutung zukommen, ein Alt-Frankfurt-Ersatz zu sein, und hier hat auch die Alte Vikarie ihren Platz. Pragmatisch gesehen, stellt sie auf dem Weg hinauf zum Domberg den bedeutendsten Kontrapunkt zum Dom dar; währenddessen durch die Stadtmauer der Komplex des so umstrittenen Bischöflichen Hauses schon sehr abgeschirmt wird. Daß dabei die Privatkapelle über die Stadtmauer herausragt, wird man verschmerzen.

  • https://de.wikipedia.org/wiki/…es_Zentrum_Sankt_Nikolaus


    Google-Luftbildkarte


    Denkmäler in diesem Bereich (wobei ich nicht weiß, welche dieser Objekte innerhalb der bischöflichen Anlage stehen!):
    Domplatz 6: http://denkxweb.denkmalpflege-…17117&event=Query.Details
    Domplatz 7: http://denkxweb.denkmalpflege-…17117&event=Query.Details
    Domstraße 12: http://denkxweb.denkmalpflege-…17117&event=Query.Details


    http://www.bistumlimburg.de/me…entrum-kennen-lernen.html


    In der Galerie von Limburg in diesem Forum sind keine Abbildungen dieses Bereiches enthalten.

  • Domplatz 6 und 7 gehören zum Zentrum, das andere nicht! Das zweite Haus ist die alte Vikarie welche ja täglich im TV zu sehen ist.


    Limburg hat gerade mal 33.000 Einwohner und ist mittlerweile weltbekannt.....

  • Der Bischofssitz (vorn die Alte Vikarie) im Frühjahr 2013:

    Bildquelle: Wikipedia, Benutzer 'Klaus Foehl'


    Das gesamte Gelände in der Übersicht:
    http://cdn1.spiegel.de/images/…554600-galleryV9-cmfi.jpg


    Weitere Luftbilder
    http://www.dw.de/image/0,,17149148_403,00.jpg


    http://cdn4.spiegel.de/images/…555547-galleryV9-lgrh.jpg


    http://www.tagesschau.de/multi…mburg124~_v-videowebl.jpg


    Über 3 Millionen Euro für eine Privatkapelle (m. E. nicht ganz zu Unrecht als die Kaaba von Limburg bezeichnet), wobei der zum Beten einladende Dom doch nur eine Gehminute entfernt ist. Mit derart viel Geld hätte man ganz christlich sehr vielen Menschen helfen können und wenn man zugleich glaubt, dass "Gott überall ist", braucht es eine Privatkapelle erst recht nicht.


    Im Zuge der aufwendigen unterirdischen Bauarbeiten sind wohl auch Häuser in der Umgebung beschädigt worden, was weitere Kosten nach sich ziehen wird.


    Von wegen Protz – Bauten in Limburg sind exzellent meint dagegen Rainer Haubrich von WeltOnline.

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Also ich denke mir immer, wenn ich schon 30 Millionen Euro veruntreuen würde (was ich natürlich nie mit meinem Gewissen vereinen könnte) dann würde ich mir doch etwas wirklich schönes hinsetzen, und nicht so viel Geld in Geschmacklosigkeit investieren (obwohl die Residenz zugegebenermaßen von höherer gestalterischer Qualität ist als viele andere Neubauten, aber irgendwie muss man die Millionen ja auch ausgeben, ohne Kunst am Bau geht das ja kaum...) sondern ich würde mir wirklich was prächtiges schönes hinsetzen, was man mit 30 Millionen alles schönes bauen könnte *träum*, dann könnte man Limburg wenigstens noch optisch zusätzlich bereichern, als viel Geld für eine Verschandelung auszugeben...

    Edited once, last by Kaoru ().

  • Werter Kaoru, ich hoffe, daß du mit deiner Aussage "30 Millionen veruntreuen" nicht das Projekt in Limburg meinst, denn zur jetzigen Zeit ist keiner hier in diesem Laden in der Position, TvE zu unterstellen, daß er sich 30 Millionen abgezwackt hat. Der eine oder andere mag es zwischendurch vielleicht schon mitbekommen haben, daß sich zum einen die deutsche Justiz hier eingeschaltet hat; und zum anderen wird sich aufgrund der Strukturen und Hierarchien der RKK Papst Franzl mit der Angelegenheit beschäftigen. Wir als Forum sind weder im einen noch im anderen Fall dazu berechtigt und in der Position, uns in diese Angelegenheit einmischen zu dürfen. Hinzu kommt in den letzten Tagen ein Eindruck einer regelrechten Medienhatz - ich bin mir nicht sicher, ob vielleicht nicht der Spiegel TvE in den Selbstmord treiben will. Es erscheint angemessen, daß man ein wenig mehr Neutralität an den Tag legt; und im Fall der stark sanierungsbedürftigen alten Vikarie war das Geld jedenfalls gut angelegt. Sich über diese Summe in einer solchen Form aufzuregen, währenddessen Tag für Tag Politik und Wirtschaft Summen vergeuden, bei denen diese 30 Millionen als vollkommen lächerlich erscheinen, ist auch nicht das richtige. Vielleicht sollte man auch noch einmal erwähnen, daß sowohl die Sanierung der alten Vikarie als auch das weitere Bauvorhaben vor der Amtszeit von TvE beschlossen wurde - daß man ihm deswegen einen Strick dreht und ihm jetzt auch noch vorwirft, er habe 30 Millionen veruntreut, hat bei uns im APHforum keinen Platz. Ich bin als alter protestantischer Rheinhesse gegen die Gefahr, ein TvE-Fan zu werden, vollkommen resistent und kann z.B. Badewannen für 15.000,-- € oder auch Adventskränze für 100.000,-- € selbstredend nicht gutheißen, aber es gilt auch immer wieder, trotz allem gewisse Spielregeln zu beachten; und niemand ist in der Position, in der breiten Masse zu stehen und mitzuplärren: "Kreuzige ihn".

  • Mit diesem Beitrag möchte ich mich dem Forum vorstellen. Seit einiger Zeit lese ich regelmässig gerne die Beiträge in dem Forum, auch wenn oft über unerfreuliche Entwicklungen berichtet wird. Mir fällt dabei auf, dass Beiträge über den Mittelhessischen Raum oft die genaue Kenntnis über die örtlichen Gegebenheiten vermissen lassen. Ich hoffe, da ich im Lahntal lebe und mich seit Schulzeiten für die bauliche Entwicklung dieser Gegend interessiere, in diesem Forum etwas beitragen zu können.


    Nun zur Sache Haus der Bischöfe in Limburg:


    Es gibt kaum ein Neubauprojekt, über das in letzter Zeit so in überregionalen Medien berichtet wurde. Man sollte aber schon differenzieren an der Kritik an dem Bischof von Limburg (in diesem Zusammenhang betrifft der Bau nur einen Teil der Vorwürfe) und an dem Bauvorhaben selber. Nur über das letztere möchte ich hier schreiben.


    Das Projekt "Haus der Bischöfe von Limburg" besteht eigentlich aus verschiedenen Bauten.


    Es ist in den vorherigen Beiträgen bereits darauf hingewiesen wurden, dass zwei Altbauten (Domplatz 6 und 7) hochwertig saniert wurden. Unter anderem die "Alte Vikarie", bei der sich im Laufe der Arbeiten erhebliche - durch im letzten Jahrhundert fehlerhaft durchgeführte Sanierungen verursachte - Baumängel zeigten.


    Weiterhin wurde die um das Grundstück führende sog. Stadtmauer saniert und auf dem Grundstück vorgefundene mittelalterliche Kellerräume in den Neubau mit einbezogen.


    Diese Bauvorhaben waren zwar teuer, sind allerdings aus meiner Sicht gelungen.


    Über die Qualität der Neubauten, kann man sicherlich - wie immer - streiten. Die Ausführung ist aber unbestritten hochwertig. Es befinden sich in den Bauten auch nicht nur die Wohnung des Bischofs, sondern auch Büro- und Empfangsräume. Zu einem Bischofshaus gehört auch eine Kapelle. Den Hinweis, der Bischof könne auch im Dom beten, halte ich für nicht nachvollziehbar. Eine Kapelle im Bereich des Bischofshauses wird zu anderen gottesdienstlichen Veranstaltungen genutzt als der Dom (der darüber hinaus auch tagsüber von einer Vielzahl von Touristen besucht wird). Ob der Bau eines Gebäudes sinnvoll ist, hängt meiner Meinung nach allein davon ab, ob ein Bedarf für eine Nutzung vorliegt, das ist bei der Kapelle hier der Fall. Die Frage, wieviel Geld man dafür auszugeben bereit ist und wer darüber entscheidet, ist eine andere.


    Zu den von Zeno aufgeworfenen Fragen:


    Domplatz 6 und 7 gehören zum Haus der Bischöfe. Es handelt sich um die beiden auf dem von Palantir gezeigten Photo abgebildeten Gebäude. Das Gebäude Domstraße 12 beherbergt das Diözensanmuseum und ist vom Bistum Limburg im Jahr 2011 renoviert worden.

  • Willkommen im Forum, Andreas!


    Ich hoffe, da ich im Lahntal lebe und mich seit Schulzeiten für die bauliche Entwicklung dieser Gegend interessiere, in diesem Forum etwas beitragen zu können.


    Forumer, die sich mit ihrem Heimatraum identifizieren und dort auskennen und gute Informationen beitragen können, sind stets gefragt.



    die um das Grundstück führende sog. Stadtmauer


    Aufgrund dieses Verlaufs ist sie wohl eher kein Teil der Stadtbefestigung. Wie kommt es dennoch zu dieser Bezeichnung? Was war die Funktion dieser Mauer, war sie eine Umfassung oder Befestigung eines einstigen Burgammansitzes? So wie ich es verstehe, handelt es sich um die "Terrassierungsmauer, die zugleich (innere) Burgmauer war" (http://denkxweb.denkmalpflege-…17117&event=Query.Details).

  • Ich glaube, die Kontroverse entzündet sich in Limburg weniger an den Bauten und vielleicht noch nicht einmal an der Summe als solcher, sondern eher an der offensichtlich gezielten Verschleierungstaktik, mit der die Kostenexplosion verborgen werden sollte - so wurden angeblich die Baukosten in einzelne Tranchen gestückelt, die jeweils unter der Genehmigungsgrenze von 5 Mio. Euro lagen (habe ich zumindest gestern in der Welt gelesen).


    Dadurch war es offenbar möglich, noch Anfang des Jahres einen einstelligen Millionenbetrag als Gesamtkosten auszugeben, während wir realistischerweise jetzt bei knapp 40 Mio. Euro liegen.


    Ein als selbstherrlich empfundenes Auftreten des Bischofs in der Öffentlichkeit und Details wie eine Aufhängung des Adventskranzes für 100.000 Euro (was eine nachträgliche Umplanung und das Rückgängigmachen von Baumaßnahmen erforderte) in einem Bistum, in dem teilweise die Einrichtungen wie Gemeindekindergärten finanziell so knapp gehalten werden, daß Handwerkerarbeiten ehrenamtlich erbracht werden müssen, trägt sicherlich auch zum jetzigen Skandal bei.


    Daß es auch anders geht, zeigt das Beispiel Rottenburg - hier wurde von Anfang an solide geplant, es wurden alle Ausgaben transparent zur Genehmigung eingereicht, und die mäßigen Kostensteigerungen waren auf den teilweise sehr schlechten Zustand des vorhandenen Gebäudeteils zurückzuführen. Deshalb gibt es hier trotz der vergleichbaren Kosten auch zu Recht keine Kontroverse in der Öffentlichkeit.

  • Bei der immer wieder sogenannten Stadtmauer handelt es sich nicht um die Stadtmauer um die Altstadt von Limburg. Weshalb in der Presse immer wieder von "Stadtmauer" gesprochen wird, ist mir nicht klar. Der Domberg ist im Mittelalter von der Burg eingenommen worden. Die auf dem Domberg noch vielfach vorhandenen historischen Mauern sind Grundstückseinfriedungen der dort vormals bestehenden Burgmannenhäuser. Eines der ehemaligen Burgmannenhäuser ist das bereits genannten Haus Domstraße 12 (Diözesanmuseum). Die meisten der Burgmannenhäuser sind allerdings seit dem Mittelalter abgerissen wordern, wobei die Grunstückseinfriedungen zum Teil erhalten blieben. Auf dem Domberg befinden sich an den Stellen der Burgmannenhöfe heute zum Teil Gärten, zum Teil der alte aufgelassene Friedhof. Auf einer der freien Flächen ist das Haus der Bischöfe errichtet worden. Die dieses umfassende Mauer mag im im Kern noch mittelalterlich, scheint mir allerdings im Lauf der Jahrhunderte mehrfach teilweise erneuert worden zu sein. An den Rändern des Dombergs dienen die Mauern auch der Terrassierung des Geländes. Hierbei handelt es sich sicherlich um -wengleich auch vielfach um- und überbaute Reste der mittelalterlichen Befestigung des Dom- (damaligen Burg-) berges. Das heutige Schloss belegt nur noch einen kleinen Teil des heutigen Domberges. Im im Mittelalter



    Moderationshinweis (Weingeist): Hallo Andreas, könntest du bitte noch den letzten Satz "Im im Mittelalter" ergänzen oder vervollständigen? Danke.

  • Sich über diese Summe in einer solchen Form aufzuregen, währenddessen Tag für Tag Politik und Wirtschaft Summen vergeuden, bei denen diese 30 Millionen als vollkommen lächerlich erscheinen, ist auch nicht das richtige.


    Dass Politiker - oder sagen wir ruhig: Die öffentliche Hand - regelmäßig riesige Summen aus dem Fenster werfen, ist schlimm genug, aber das macht es nicht besser, was der Protzbischoff hier getan hat. Man könnte auch Projekte wie BER oder Elbphilharmonie als weitere Beispiele für explodierende Kosten anführen - aber hier geht es um einen Vertreter der Kirche. Von einem solchen erwarte ich etwas anderes als von Politikern. Wir haben einen Papst, der U-Bahn fährt und Bescheidenheit fordert, und dazu passt eben keine Luxusvilla mit Privat-Kapelle (die auch noch düster und modernistisch ausgefallen ist). Und das Ganze dann auch noch durch Tricksereien an den Genehmigungsgremien vorbeizuschleusen, das kann man natürlich als eine Veruntreuung von Geldern der Gläubigen ansehen. Und nebenbei als Verhöhnung derselben. Am Sonntag wird bei den Gottesdienstbesuchern in der Kollekte für Brot für die Welt gesammelt, und an den übrigen Tagen werden Millionen für eine pompöse Residenz ausgegeben. Die Sanierung des Fachwerkhauses kann man ja, sofern und soweit sie notwendig war, außen vor lassen, aber wozu in aller Welt braucht Tebartz-van Elst überhaupt dieses Neubau-Ensemble? So etwas kann sich jemand leisten, der selbstverdientes Geld ausgibt, z.B. ein Unternehmer. Oder - mit Abstrichen und nicht ohne Bedenken - jemand, der aufgrund seines Amtes repräsentative Räumlichkeiten benötigt, etwa ein Bundeskanzler, Ministerpräsident etc.

  • Danke, Andreas, für Deine gründliche Erklärung. Sowas tut gut in einer oberflächlichen Welt. Sind die Medien so oberflächlich, dass sie jede entsprechend alte Mauer als Stadtmauer fehlinterpretieren? Wenn ich sehe, welche Fehlleistungen bei den Denkmalpflegebehörden auftreten, dann erscheint so ein Fehlverständnis geradezu als belanglos.


    Wenn man sich aber auf die Argumentationsstruktur der Medien einlässt, das Verhalten des Bischofs sei unangemessen und zu sanktionieren, während unsere Politiker noch viel, viel größere Geldmengen verschwenden, also nach dem Grundsatz gehe, dass im Großen nur treu ist, wer es auch im Kleinen ist, was nichts anderes bedeutet, als dass kleine Unzuverlässigkeiten auf große schließen lassen und demzufolge zu monieren sind, dann muss ich aus der Unzuverlässigkeit bei der Berichterstattung in punkto "Stadtmauer" schließen, dass alles, aber auch alles, was man sonst zum Thema Tebartz-van-Elst aus der Presse hört, denselben Wahrheitsgehalt hat, wie dass die Umfassungsmauer auf dem Domberg der Stadtverteidigung gedient hätte. Damit hat sich sich die Presse mit ihren eigenen Waffen und ihrer eigenen Logik geschlagen.

  • Ich bin auch der Meinung, dass die Medien teilweise etwas zu überzogen reagieren, so halte ich einen ARD Brennpunkt vielleicht für etwas zu viel des Guten. Im Grundsatz muss ich aber sagen, dass ein solches Verhalten, wie es der Bischof zeigt, einfach der Institution Kirche nicht angemessen ist, denn an die moralische Instanz Kirche muss man eben andere Maßstäbe ansetzen als an andere Organisationen oder staatliche Stellen.


    Ich halte es für nicht vereinbar, dass der Papst eine Kirche für die Armen propagiert und man auf der anderen Seite 40 mio. für einen neuen Bischofsitz ausgibt, vor allem nicht dann, wenn auf der anderen Seite das gesamte Bistum sparen muss und anderswo Gelder für das Nötigste fehlen. Dazu passt auch nicht, dass man in die Slums von Indien fliegt und dies erster Klasse tut. Da passen die Dinge einfach nicht zusammen. Es geht hier einfach um Glaubwürdigkeit.


    Ein ebenso großes Problem ist aber auch der Umgang mit der Krise. Die öffentliche Darstellung des Bistums und insbesondere des Bischofs selbst, ist verheerend. Wenn man von Anfang an offen mit dem Thema umgegangen wäre, die Kosten transparent gemacht hätte, erklärt hätte, warum man sich für diese oder jene Lösung entschieden hätte, dann hätte man vielleicht den Skandal eindämmen können. Stattdessen kommt heraus, dass man das Bauprojekt einfach in Teilprojekte gestückelt hat, um der Kontrolle durch Rom zu entgehen.


    Was dem Bischof aber vermutlich am meisten schaden wird, zumindest in Rom, ist die Tatsache, dass er an Eides statt versichert hat, nicht first-class geflogen zu sein, obwohl das Gegenteil der Fall war. Warum jemand so etwas tut, obwohl dies ganz einfach nachzuvollziehen ist, ist nur schwer zu verstehen.


    Besonders problematisch ist ferner, dass man sich dann noch solch medienwirksame Schrulligkeiten leistet. Eine Badewanne für 15.000€, das Aufbrechen des bereits fertig gestellten Dachs, um einen Adventskranz aufzuhängen, der Abriss des bereits fertig gestellten Klostergartens, dass sind einfach Dinge, die wie für die Medien gemacht sind, mehr kann man sich an deren Stelle fast nicht wünschen.


    In der Summe ist es sicher unter moralischen Gesichtspunkten eine kaum zu rechtfertigende Baumaßnahme, was das ganze aber zum wirklichen Medienskandal hat werden lassen, ist aber wohl eher die fatale Öffentlichkeitsarbeit des Bistums und ein durch Un- und Halbwahrheiten geprägter, nicht hinnehmbarer Auftritt des Bischofs selbst. Offenkundig ist zum jetzigen Zeitpunkt aber eigentlich bereits egal, wie es dazu kam, Fakt ist, dass das Vertrauensverhältnis zwischen Gläubigen und Bischof derart gestört ist, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass der Bischof im Amt bleiben kann.

    APH - am Puls der Zeit

  • Man kann sicher immer darüber streiten, ob ein Neubau notwendig ist. Im Falle des Hauses der Bischöfe von Limburg sehe ich dies grundsätzlich schon als gegeben an. Die Bischöfe von Limburg wohnten bis zu dem Vorgänger des jetzigen Bischofes im Gebäude des Bischöflichen Ordinariates, einem im 19. Jahhundert aufgehobenen Franziskanerkloster. Diese Räume werden zwischenzeitlich anders genutzt. Bischof Franz Kamphaus hat seinen Wohnsitz in Räume des Priesterseminars verlegt. Schon zur Ende der Amtszeit dieses Bischofs gab es Planungen, ein neues Bischofshaus auf dem Domberg zur errichten. Dieses sollte neben der eigentlichen Wohnung des Bischofs Büroräume und repräsentative Räume für Empfänge enthalten. Diese waren auch aus meiner Sicht dringend nötig, da in Domnähe geeignete Räumlichkeiten für Empfänge nach kirchlichen Veranstaltungen nicht zur Verfügung standen. Man behalf sich hier meist mit Räumen im Priesterseminar, das ausserhalb der Altstadt auf der anderen Lahnseite liegt und fussläufig schwierig, für ältere Menschen kaum ereichbar ist.


    Zum Bau des Bischofshauses kam es während der Amtszeit des Bischofs Franz Kamphaus nicht. In der Sedisvakanz nach dem Rücktritt des Bischofs Kamphaus wurden dann die Planungen intensiviert. Es wurden dann - und hierin liegen wohl u.a. die heutigen Probleme begründet, mehrfach die Architekten gewechselt und die Planungen geändert. Dies war dann mit einer Steigerung der ursprünglich ins Auge gefassten Kosten verbunden. Hier stellt sich nun die - von mir zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantworten zu könnende Frage- ob auf die Kostensteigerung einfach nicht geachtet wurde oder zwar gesehen und bewußt verschwiegen wurde. Dies und nicht die Tatsache, dass überhaupt gebaut wurde, ist meiner Meinung nach das Problem. Für den interessierten Laien ist jedenfalls erkennbar, dass ein Gebäude wie das nun entstandene nicht für die zunächt ins Auge gefassten 5 Millionen Euro zu bauen sein wird.


    Der letzte Satz meines vorherigen Beitrages ist zu ergänzen: Im Mittelalter erstreckte sich der Burgbereich über das ganze Dombergplateau.

  • Für den interessierten Laien ist jedenfalls erkennbar, dass ein Gebäude wie das nun entstandene nicht für die zunächt ins Auge gefassten 5 Millionen Euro zu bauen sein wird.


    Na, abgesehen von der alten Vikarie sehe ich eigentlich nur die ´sehr spezielle´ Kapelle und drei (kleine) Fabrikhallen. Da sollten eigentlich nach meiner Laienmeinung 5 Millionen Euro reichen.


    Das Atrium finde ich auch nicht gelungen, weil mit den Doppelsäulen alles verbaut und verstellt ist. Und der Brunnen ist an Geschmacklosigkeit schwer zu überbieten.

  • Wenn man sich aber auf die Argumentationsstruktur der Medien einlässt, das Verhalten des Bischofs sei unangemessen und zu sanktionieren, während unsere Politiker noch viel, viel größere Geldmengen verschwenden

    Nicht schon wieder... nono:)
    Hat denn irgendjemand die Politiker, die Geld verprassen, in Schutz genommen oder deren Verhalten relativiert? Noch einmal: Was Politiker und Amtsträger machen, ist schon schlimm genug - und daher wird Geldverschwendung durch die öffentliche Hand ja auch regelmäßig von den Medien angeprangert. Nun trifft es eben den Bischof, der leider - wie man erst jetzt erfahren hat - keinen Deut besser ist als ein Politiker. Eher noch schlimmer. Und dass er lügt und trickst, um für sich und sein dienstliches Umfeld um jeden Preis das beste herauszuholen, und das auf Kosten der Steuerzahler, das ist bei einem Mann Gottes noch verwerflicher als bei Politikern oder Behördenleitern. Und warum sollte man ihn jetzt schonen?

  • Na, abgesehen von der alten Vikarie sehe ich eigentlich nur die ´sehr spezielle´ Kapelle und drei (kleine) Fabrikhallen. Da sollten eigentlich nach meiner Laienmeinung 5 Millionen Euro reichen.



    Mit der Bemerkung, ein Laie könne erkennen, dass der Bau nicht für 5 Millionen Euro zu bauen sei, wollte ich darauf hinweisen, dass sich die für den Bau Verantwortlichen nicht auf den Standpunkt stellen können, die Kosten seien nicht vorhersehbar gewesen. Der die Baustellen von aussen ansehende Laie konnte sich natürlich keine Vorstellungen von den Kosten machen, da er abgesehen von den Arbeiten an dem Haus Staffel (Alte Vikarie), dem alten Domküsterhaus und der Mauer nichts sehen konnte.


    Anderes gilt jedoch für die für den Bau Verantwortlichen. Diesen war die Ausstattung der Gebäude bekannt und auch dass Kellerräume in den Felsen des Dombergs gefrässt wurden. Diese Kenntnisse vorausgesetzt, kann auch ein Laie ahnen, dass das Projekt teuer wird. Zwischenzeitlich liegen ja auch Protokolle vor, aus denen sich ergibt, dass die Beteiligten über die Kosten nicht im Unklaren waren (was im Übrigen auch genauso schlimm gewesen wäre).


    Es sind eben nicht "nur " kleine Fabrikhallen gebaut worden, sondern es ist bei Austattung und Material nicht gespart worden.

  • Ein interessanter Kommentar von Michael Klonovsky (Focus) vom 10.2.2014. Ich zitiere zwei Abschnitte:


    Quote

    ...Seine angeblich kolossale Verschwendung von Geldern, die zumindest die nichtkatholische Öffentlichkeit kaum etwas angehen, weil es Kirchengelder sind, bewegt sich im Vergleich zum Milliardengrab Berliner Flughafen – welches wiederum alle Welt (minus ca. die Hälfte der Berliner) bekümmern müsste, weil es sich um allgemeine Steuerverschwendung handelt – doch eher im Bereich homöopathischer Dosierungen, ohne dass deutsche Medien auf den Berliner Hauptverantwortlichen, den Herrn Partybürgermeister Wowereit, eine auch nur im Ansatz vergleichbare Hatz inszeniert hätten wie auf den bizarren Limburger Kirchenmann. Im Gegenteil, die Geldverbrennung zu Schönefeld ist witzig, eine Art Folklore. Was einzig und allein damit zusammenhängt, dass der eine, kleine Verschwender Katholik ist und zölibatär lebt, also irgendwie ein Perverser, während der andere als SPD-Mitglied und überdies wegweisender Das-ist-auch-gut-so ein ganz anderes Quantum an Nachsicht und generell für sein Dasein Applaus verdient...


    Quote

    ...wirft außerdem ein erhellendes Lichtlein auf diese Gesellschaft insofern, als deren im weitesten Sinne Repräsentationsarchitektur – weil angeblich per se und a priori Geldverschwendung und als solche von der demokratischen Öffentlichkeit stets schon im Planungsstadium zu kujonieren – von einer erschütternden Piefigkeit, Mickrigkeit und Billigkeit ist. Es soll ja möglichst nichts Repräsentatives mehr gebaut werden, sondern lieber Begegnungsstätten, Sozialbauten, Gesamtschulen, Windräder, Mediamärkte oder Wohlfühl-Knäste mit Schwimmbädern, und letztlich ist es immer noch besser, Steuereinnahmen zu vernichten, als sie in die Errichtung sozial ungerechter Architektur zu stecken. Hat die Bundesrepublik Deutschland in ihrer 64jährigen Geschichte ein einziges Bauwerk errichtet, zu dessen Bestaunung und Bewunderung, jedenfalls wohlgefälliger Betrachtung Touristen in diesem Land vorstellig werden? (Ich meine im nichttechnischen Sinne – die Atomkraftwerke waren ja offenbar bewundernswert.) Nein, die Touristen kommen wegen der Schlösser des ach so verrückten Ludwig II., wegen der gotischen Kathedralen und Barockkirchen, wegen Wartburg, Goethehaus und königlicher Gemäldegalerien, wegen rekonstruierter historischer Innenstadtreste und fürstlicher Lustschlösser. Speziell an den bayerischen Märchenkönig musste ich im Zusammenhang mit dem Limburger Exoten zuweilen denken, denn man stelle sich den Aufschrei vor, den nur die bescheidenste seiner architektonischen Spinnereien heute auslösen würde! Aber ohne diese realisierten Phantasien (und des Kronprinzen Ludwig Oktoberfest) befände sich Bayern weder in seiner kommoden wirtschaftlichen Lage, noch hätte es sich jemals derart nachhaltig ins globale Bewusstsein geprägt. Man kann verallgemeinern, dass nahezu – nein, dass ausnahmslos alle wert-, pracht- und wundervolle Architektur auf diesem Planeten aus Verschwendung entstanden ist, meistens aus Steuerverschwendung, und dass selten bis nie Sozialdemokraten oder gar Grüne, so versiert sie in puncto Steuerverschwendung auch sein mögen, daran beteiligt waren, denn sogar wenn Sozialdemokraten oder Grüne Konzerthallen bauen lassen, verzichten sie auf menschenverachtende Freitreppen und faschistoid prunkene Portale und lassen die irgendwie diskriminierende Zentralachse wenigstens auf der Damen- bzw. Unisex-Toilette enden...


    Quelle: http://www.michael-klonovsky.de/acta-diurna