Dresdner Hof- und Staatsbauten

  • Die Sendung war dennoch recht gut, trotz des dämlichen Titels. Der Barock war aber im beginnenden 19 Jhd. tatsächlich nicht gut gelitten. Da stand die Renaissance und in Anklängen auch der Klassizismus höher im Kurs. Auch Semper, der den maßgeblichen Prototyp der Dresdner Villa des 19. Jhd. schuf, lehnte den Barock ab (in Wien hat er dann dennoch Neobarock gebaut ;))


    Übrigens bekommt der Freistaat sein Fett weg, dass er den Grottensaal nicht rekonstruiert hat (was auch ich sehr bedauere). Das wird in der Sendung doch recht deutlich kritisiert. Gut so!


    Hier noch mal der Link. Der erste führte mich nicht zum Ziel.


    http://www.mdr.de/mediathek/fe…xIndex-1_zc-414ac266.html


    Grüße

  • Ich finde bemerkenswert, wie unterschiedlich der Zwinger im Laufe seiner Existenz bewertet wurde - sowohl direkt wie auch indirekt. Schinkels harsche Kritik ist aus der Architekturhaltung seiner Zeit verständlich, die Nutzung als Verkehrsfläche zeigt, wie egal er den Dresdnern zeitweilig war.
    Dass er heute unbestritten als Gesamtkunstwerk von Weltrang gilt, ist also keineswegs selbstverständlich und auch nicht vorherbestimmt.

  • Nun ja, da sind auch viele Geschichten die immer wieder aufgewärmt werden - wahrer werden sie dadurch allerdings nicht. Bellotto war ein Künstler, Maler - kein Fotograf - man muss seine Bilder also auch etwas mit Vorsicht betrachten. Was der "Starke August" 1728 in aller Eile und Hektik begann - die Ausstattung des Zwingers als "Palais Royal de Science" - das modernisierte und perfektionierte sein Sohn von ca. 1745-53 inkl. der Oper - genau in dieser Zwischenphase malte Bellotto.... Das Bild von 1758 mitten im Siebenjährigen Krieg zeigt im übrigen die gleiche Staffage bis hin zur Einzelperson wie 10 Jahre zuvor.... (wie man Geld verdient hat er also offensichtlich gewusst). Mit den genannten Baumaßnahmen war 1756 die Dresdner Oper im Zuschauerraum der in Bayreuth sehr ähnlich und die Bühne dürfte zu den Top 5 in Größe und Technik des damaligen Europa gezählt haben. Es fand sich im Zwinger die weltweit bedeutendste Naturaliensammlung der damaligen Zeit, eine der bedeutendsten Mineraliensammlungen, die kurfürstliche Bibliothek (mithin eine der größten im deutschen Sprachraum) in den drei stadtseitigen Pavillons (zwei davon mit ihren Deckengemälden eines Pelligrini durchaus anderen barocken Bibliotheksräumen ebenbürtig), dank Heineckens eine der wichtigsten Kupferstichsammlungen Europas, das einzigste jüdische Museum der damaligen Zeit mit dem Tempel des Salomo (heute in Hamburg) und der mathematisch - physikalische Salon. Die Kunstkammer im Nordwesten des Zwingers war da nur noch Beiwerk gegenüber diesen wissenschaftlichen Spezialsammlungen, die der starke August aus eben dieser Sammlung ausgliedern ließ. Im Sommer fanden sich bis auf die Zeit von Bauarbeiten und der Pause von 1756 bis etwa 1770/80 ebenso weiterhin die Orangenbäumchen aus ihrem Winterquartier in den Orangerien entlang der Ostraallee bzw. Herzögin Garten. Das ein solcher Ort nur noch eine vergammelte Straßenkreuzung gewesen sei...... ein Witz! Selbst Feste fanden 1738 noch statt. Der Niedergang begann durch fehlenden Bauunterhalt seit 1756. Dieser konnte mit Vollendung der nach wie vor in der Bosse unvollendeten Plastiken der stadtseitigen Pavillons ca. 1780-90 gestoppt werden. Allerdings wurden viele der um 1750 geschaffenen Raumaustaffierungen klassizistisch umgestaltet und die Oper durch Umbau zu einem belanglosen Redoutensaal vernichtet. Weiterhin tat man nichts zur Restaurierung der Deckengemälde des Pelligrini in den nach Umzug der Bibliothek ins Japanische Palais leerstehenden Räumen. Mit den Napoleonkriegen ging es durch fehlenden Bauunterhalt wieder bergab - Stichwort Vernichtung des Grottensaales und nach Abbruch des Wilsdruffer Tores lag auch die Versorgung der Wasserspiele brach. Zudem wurde der Zwingergraben zugeschüttet. Bei den Barrikadenkämpfen 1848 gingen noch die stadseitigen Pavillons in Flammen auf... Erst danach ging es mit Sanierungen wieder bergauf. Selbst die Deckengemälde der beiden westlichen Pavillons wurden wieder freigelegt und restauriert. Alle anderen Raumauszierungen waren aber verloren. Die belebteste Zeit des Zwingers als "Organsimus dürfte also die Zeit von 1719-56 gewesen sein. In die Oper ging es im übrigen über den Porzellanpavillon. Die billigen Plätze erreichte man durch den tiefliegenden Eingang in der Freitreppe, die guten Plätze über die Freitreppe und den Erdgeschoßsaal des genannten Pavillons. Für die Pausen muss es auch Räume zum Aufenthalt gegeben haben, den Casanova schreibt davon, das er dort dem Glücksspiel Pharao frönte. Teilweise muß erheblicher Andrang gewesen sein, so dass es um die letzten Karten zu "Gerangel" gekommen ist. Den Grottensaal darf man sich im übrigen nicht als einfach so vorstellen, sondern er war gerahmt von Räumen mit Korallen und Bernsteinsammlungen in edelster barocker Ausstaffierung. Es ist ein einzger Jammer was da alles weg ist - wenn man sich die alten Beschreibungen durchliest - man hat mit Ausnahme des Grottensaales ja nicht einmal brauchbare Zeichnungen der Innenräume der Natural- und Mineraliensammlung.


    Besten Gruß - Andreas

  • Das ist ja sehr lustig. Ich finde die Dokumentation sehr gut. Auch der liebenswerte Herr Hirsch ist dabei. Es ist schon ganz gut, wenn es ein wenig "Streit" gibt.

  • Damit Bauten wie der Zwinger, die Kathedrale usw., die keinen eigenen Strang besitzen, nicht mehr unter ferner liefen behandelt werden, möchte ich diesen neuen Bereich etablieren. Über den Namen kann man sich natürlich streiten...


  • Derzeit werden Sanierungsarbeiten am Kronentor durchgeführt, die sich aufgrund der unerwartet großen Schäden sehr in die Länge ziehen.



    Unterdessen laufen auch die ganz normalen Unterhaltungsmaßnahem, wie man an den hier zu sehenden Lakierarbeiten erkennen kann.



    Nach dem Abschluss der Arbeiten am Kronentor, soll übrigens der wertvollste Teil des Zwingers, der Wallpavillon, in Angriff genommen werden. Danach folgt irgendwann der Fanzösische Pavillon.



    Am Durchgang des Stadtpavillons/Glockenspielpavillons findet man übrigens diese historische Inschrift.


    Bilder sind von mir.

  • Nach einer mehrere Monate in Anspruch nehmenden Sanierungsphase, schält sich das imposante Reitserstandbild König Johanns langsam aus seinem Kokon.





    Bilder sind von mir.

  • Sehr schön! Und nicht kaputtsaniert, wie es aussieht. Danke für die Eindrücke!

    "Willst du eine Stadt vernichten, baue Kisten, Kisten, Kisten!"

  • Wollten die Kommunisten ihn nach 1945 nicht vom Sockel stoßen und an seiner Statt einen Traktor "als Zeichen der neuen Zeit" anbringen?

  • Dieser Tage vermelden die hiesigen Gazetten den Abschluss der Sanierungsarbeiten am Kronentor des Dresdner Zwingers.



    Ehrlich gesagt hätte ich mir irgendwie mehr davon versprochen. :smile:



    Nach dem tatsächlichen Abschluss der Bauarbeiten am Kronentor, sollen die Sanierungsmaßnahmen am Wallpavillon starten.



    Das neue Kupferdach des Mathematisch-Physikalischen Salons hat mittlerweile eine leichte "Patina" angenommen.


    Bilder sind von mir.

  • Was genau hattest du dir denn von den Arbeiten am Kronentor versprochen? Ich kann auf deinen Bildern jetzt nichts Kritikwürdiges erkennen.

  • @ Saxonia


    Ich hatte aus der Zeitungsüberschrift geschlossen, dass die Arbeiten abgeschlossen und die Gerüste zum Zeitpunkt der Fotografie schon weitgehend gefallen seien. Als ich dann dort war, musste ich mich leider vom Gegenteil überzeugen. Hätte ich mal den vollständigen Artikel gelesen!


    @ Weingeist


    Das Nymphenbad ist in der Tat schon seit mehreren Jahren fertiggestellt und voll funktionstüchtig. Ich kann ja mal einige Fotos einstellen. :foto:

  • Vielen Dank für die Antwort zum Nymphenbad. Man erinnert sich sowohl daran, wann man zum letzten mal in Dresden gewesen ist, als auch, mit wem (wobei das durchaus keinen Grund darstellt, sich deswegen einen Strick zu nehmen). Es erscheint als durchaus sinnvoll, die nächste Reise durchzuplanen. Über die dabei entstehenden Gefühle wird man sich wohl vorher im klaren sein müssen.

  • Eine kleine Frage zwischendurch: Ist eigenlich die Sanierung des Nymphenbades abgeschlossen? Danke.


    Als wir vorgestern vor Ort waren, stand im NB wieder ein Gerüst. Scheint, als ob an der oberen Brüstung gearbeitet wird.


    Bin beim Stöbern zu diesem Forum gekommen und sage Danke für die vielen int. Beiträge.
    Ich war auf der Suche, nach alten Bildern der "Grüngestaltung" im Zwingerhof in der Vergangenheit und hab einiges ganz altes gefunden.
    Weiß noch einer, wie dies in den 1980ern aussah?


    LG dresden1980

  • Willkommen im Forum, werter "dresden1980"!


    An der an die Vorkriegssituation anknüpfenden Grüngestaltung des Zwingerhofes hat sich seit den 60'er Jahren, abgesehen von den ständigen Unterhaltungsmaßnahmen, eigentlich nichts geändert. Jedoch sollen in den nächsten Jahren einige hundert Zitronenbäumchen angeschafft werden, die zukünftig Terrassen, Postamente usw. zieren.

  • Nun sind endlich die letzten Gerüste am Kronentor gefallen und wir können den ungetrübten Blick auf das barocke Meisterwerk genießen.



    Blick aus dem Zwingerhof gen Schauspielhaus/Großes Haus, das leider nicht exakt in der Achse des Kronentores steht.



    Blick gen Norden.


    Hier ein kleiner Artikel dazu:


    http://www.dnn-online.de/web/d…schlossen-sein-4197037674


    Bilder sind von mir.