Verunstaltete historische Bauwerke

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    • Sie sind also der Architekt? Und worauf sind Sie nun genau stolz bei diesem Projekt, wenn ich fragen darf?

      Nochmal der Direktvergleich:
      vorher belichtete-momente.de/album/al…Ratskeller_Dannenberg.jpg
      nachher ndr.de/nachrichten/niedersachs…erg149_v-contentgross.jpg


      Ich bin erschüttert, ehrlich gesagt... Vielleicht wollte es ja der Bauherr so, das weiß ich nicht. Womöglich können Sie da mehr Licht ins Dunkel bringen, Herr FU (die Abkürzung steht sicher für "Freundlicher Ulf" :zwinkern: ).
    • An "FU!": In diesem Forum pflegen wir einen freundlichen Umgangston. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein. Die Tatsache, dass ich Sie darauf aufmerksam machen muss, ist traurig aber offenbar notwendig.
      Es wäre wünschenswert, wenn Sie sich auf einen sachlichen Diskurs umsattelten. Wir sind für Derartiges immer offen, auch was kontroverse Themen anbelangt. Wichtig ist, dass man respektvoll miteinander umgeht.

      Mit besten Wünschen
    • Zum Ratskeller in Dannenberg: Aussagen wie "es wäre besser ganz abgerissen worden" sind m. E. polemisch und 'dummet Tüch', wie man im Norden sagen würde.

      Meine weitere Meinung:
      - Ich bin zunächst sehr froh, dass die unteren Fassaden + Mittelrisalit gerettet wurden, zumal der Abriss bereits genehmigt worden war.
      - Gleichfalls ist zu begrüßen, dass sich jemand dieses zentralen altstädtischen Gebäudes angenommen und dies zu einer Wiederbelebung der trostlosen Brandbrache geführt hat.
      - Die Gestaltung der erhaltenen Fassadenbereiche (monochrom weißer Anstrich) halte ich für besser als die vorige Version.
      - Der Neuaufbau der oberen Geschosse ist zumindest nicht brutal und berücksichtigt vertikale Achsen; allerdings behagt mir das kontrastierende Staffelgeschoss nicht und ich hätte dort sehr viel lieber nur ein vereinheitlichtes 2. OG mit einer Attika oder ein Mansarddach als oberen Abschluss gesehen. Hinsichtlich der farblichen Absetzung der neuaufgebauten Teile, bin ich mir auch nicht sicher, ob nicht eine einheitlich weiße Farbgebung die "Härte" des oberen Bereichs mildern würde; ein Wachstum der Pflanzen auf der Dachterrasse dürfte schließlich ebenfalls einen zukünftig mildernden Aspekt bilden. :zwinkern:

      Jedenfalls ist die schöne Fassade gerettet und etwaigen in der Zukunft liegenden Verbesserungen des Dachbereichs steht nichts Fundamentales entgegen.

      Ansicht vorher:
      belichtete-momente.de/album/displayimage.php?pid=289

      Nunmehr:

      Bildquelle: Wikimedia, Urheber 'Christian Fischer', CC BY-SA 3.0 unportiert

      Noch eine Aufnahme

      Weiteres Bild in milderem Abendlicht

      Zwei Bilder vom beginnenden Wiederaufbau 2012
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
    • FU! schrieb:

      So Karoru, da verlieren sie den Glauben an die Menschheit?

      Hier handelt es sich um ein Denkmal, das von der Denkmalpflegerin bereits zum Abriss freigegeben wurde.

      Stellen Sie sich den Platz ohne die Reste der Fassade vor.

      Edit durch Moderator: Eine Beleidigung gelöscht. Kraftausdrücke sind in diesem Forum unerwünscht


      Jetzt würde mich zwar brennend interessieren, welche Beleidigung mir da vorenthalten wurde, aber daß Herr Fu mir den den Fall des Dannenberger Ratskellers (Fall im Doppelsinne!) wieder in Erinnerung gerufen hat, hat mir den Tag eigentlich schon ausreichend vermiest. Und wär das nicht schon genug der Schmach, wird zu allem Überfluß auch noch mein Name falsch geschrieben.
      "Schönheit wird die Welt retten" - Dostojewski
    • Letztlich sind auch solche Überbleibsel besser als nichts, selbst wenn sie anschließend "vergewaltigt" werden. Das gibt immernoch einen kleinen Hoffnungsschimmer auf eine spätere Wiederherstellung des Ursprungszustandes oder eine Annäherung daran. Wenn ein Gebäude ganz weg ist und es nicht von herausragender Bedeutung war, ist die Wahrscheinlichkeit einer Rekonstruktion aber leider sehr gering.
    • Hildesheimer schrieb:

      Warum wohl? Weil der Denkmalwert offensichtlich verloren ist.

      Offensichtlich verloren?? Haben wir hier im Forum nicht unzählige Male, immer und immer wieder und dann noch viele Male, davon berichtet, wie schnell Denkmäler aus der Denkmalliste gestrichen werden? Dass viele stadtbildprägende Gebäude ihres Schutzes beraubt werden, weil sie zu wenig Originalsubstanz besitzen würden oder weil sie nicht ausreichend "aus einem Guss" wären?

      In völligem Widerspruch zu diesen Regeln des Denkmalschutzes steht der Kölner Dom auf der Denkmalliste, eine völlige Absurdität angesichts des Umstandes, dass schon viel Originalsubstanz ausgetauscht wurde. Und allein schon die Tatsache, dass er nicht aus einem Guss ist, sondern vor 200 Jahren (oder wann auch immer) das Vorgängerbauwerk "vollendet" wurde, beweist doch, dass er nach der Doktrin der Denkmalpflege kein Denkmal ist.

      Haben wir nicht schon des öfteren davon berichtet, dass die staatliche Denkmalpflege mustergültig sanierte Denkmäler nach der Sanierung ganz gern aus der Denkmalliste "entlässt"? Der Denkmalschutz hierzulande funktioniert doch so: Lange keine Sanierung, weil der Denkmalschutz überzogene Vorstellungen in bezug auf alle möglichen Details hat. Dann jahrelanger Verfall (oft ganz bewusst, um das Gebäude eines Tages zu entsorgen - und der Denkmalschutz schaut jahrelang untätig zu). Schließlich entweder der Abbruch, weil angesichts des jahrelangen Verfalls das Gebäude nicht mehr wirtschaftlich zu sanieren gewesen sein soll (ein so zustandegekommener Abbruch wird vom Denkmalschutz dann scheinbar nur noch pro forma als bedauerlich bezeichnet). Oder glücklicherwweise dann doch eine Sanierung, aufgrund des jahrelangen Verfalls naheliegenderweise mit einem gewissen Substanzverlust und als Dank dafür Streichung aus der Denkmalliste, damit es bei nächter Gelegenheit gleich ganz auf die Bauschuttdeponie gefahren werden kann.

      Lies mal diesen Beitrag: Landshut!! Da siehst Du, wie Gebäude aussehen, deren "Denkmalwert offensichtlich verloren" ist.
    • erbse schrieb:

      Letztlich sind auch solche Überbleibsel besser als nichts, selbst wenn sie anschließend "vergewaltigt" werden. Das gibt immernoch einen kleinen Hoffnungsschimmer auf eine spätere Wiederherstellung des Ursprungszustandes oder eine Annäherung daran. Wenn ein Gebäude ganz weg ist und es nicht von herausragender Bedeutung war, ist die Wahrscheinlichkeit einer Rekonstruktion aber leider sehr gering.
      Ich kann mir kaum vorstellen, dass irgendjemand die jetzt hinzugefügte Substanz wieder abreißt, um einen Zustand mit geringerem Volumen wiederherzustellen. Das ist zumindest wirtschaftlich nicht sinnvoll.
    • Die Grundsätze der Unterschutzstellung dürfen nicht abhängig von der Wahrscheinlichkeit sein, mit der ein Bauherr bei einem künftigen Veränderungswunsch das Erhaltenswerte vermutlich erhalten will, mal ganz abgesehen davon, dass man das vorher nie weiß. Im übrigen hat es schon oft den Fall gegeben, dass später Hinzugefügtes, Störendes bei einer Baumaßnahme beseitigt wurde und die erhaltenswerten Bauteile saniert wurden.
    • Zeno schrieb:

      Die Grundsätze der Unterschutzstellung dürfen nicht abhängig von der Wahrscheinlichkeit sein, mit der ein Bauherr bei einem künftigen Veränderungswunsch das Erhaltenswerte vermutlich erhalten will, mal ganz abgesehen davon, dass man das vorher nie weiß.
      Das ist richtig. Wenn aber absehbar ist, dass bei bzw. nach einer Sanierung nur noch Reste historischer Substanz verbleiben, ist es legitim, den Schutzstatus zu überprüfen. Wenn der Denkmaleigentümer - wie beim Kölner Dom - immer nur das repariert, was gerade defekt ist, und das materialgerecht tut, gäbe es da keine Frage. Verantwortlich für den Erhalt ist in erster Linie immer noch der Eigentümer. Wenn der partout nicht will, hat jede Erhaltungsforderung, und sei sie noch so berechtigt und gesetzlich verankert, einen schweren Stand.

      Der Denkmalschutz in Deutschland ist keine Stadtbildpflege und hat weder diesen Anspruch noch den Auftrag - es sei denn, es gibt im jeweiligen Denkmalschutzgesetz eine Definition eines wie auch immer gearteten Flächendenkmals mit dem Hinweis auf das Erscheinungsbild. Der Denkmalschutz ist in erster Linie auf den Erhalt historischer Substanz ausgerichtet. Die unansehnlichste Bruchbude kann ein wichtiges Denkmal sein, wenn in der Substanz eine große Bedeutung liegt. Daher greift eine Fixierung auf das Erscheinungsbild zu kurz bzw. ist nur ein Aspekt. Insofern ist die hier beklagte "Substanzfixierung" systemimmanent. Eine Ortsbildpflege wäre Aufgabe der Stadtplanung, die dafür z.B. mit städtebaulichen Erhaltungssatzungen (oder Werbesatzungen, um mal ein anderes Themenfeld aufzugreifen) auch ein Instrument hätte - das wird bloß selten gemacht, weil das dann gleich als Gängelung empfunden wird, und die Stadträte vor so viel "Bürokratie" zurückschrecken.

      Mal ganz davon abgesehen, wird die Denkmalpflege in Deutschland seit Jahren einerseits systematisch kaputtgespart und andererseits von Investoren und Bürgermeistern und Landräten auch gerne mal ignoriert. (Ich denke an das unsägliche ECE-Center in Hameln als ein Beispiel). Die Wärmedämmlobby tut ihr übriges. Vielen Leuten gibt es eh viel zu viele Denkmäler, und die Denkmalpflege wird gern als Verhinderer geschmäht. Ohne massives bürgerschaftliches Engagement geht da gar nichts - so hat es Celle m.W. geschafft, ein monströses Shopping Center zu verhindern, das nicht nur städtebaulich eine Katastrophe wäre, sondern die Innenstadt vollends ruinieren würde.

      Wer Stadtbildpflege betreiben will, mag in der örtlichen Denkmalpflege mitunter Verbündete finden, wenn es dort engagierte Denkmalpfleger gibt. Viel bewirken können die aber meist nicht, wenn sie nicht sogar vom Baubürgermeister ausgebremst werden.
    • Haha, das ist ja mal ein verrückter Faden! Gab es so etwas hier schon einmal? Ein Architekt, der sich extra registriert um sein „Werk“ zu verteidigen? :biggrin: Und das noch wie ein kleines Kind, mit dem Benutzernamen "FU!" :lachen:

      Da stellt sich die Frage, ob das wirklich der Architekt war, und nicht vielleicht irgendein Troll, …


      Ansonsten muss ich sagen, dass ich es ebenfalls besser finde, wenn ein Gebäude „vergewaltigt“ wird, anstatt ganz abgerissen zu werden, da man eben wie gesagt das Gebäude zu einem späteren Zeitpunkt wieder in seinen Originalzustand versetzen kann. Hildesheimer meinte, niemand würde zusätzlich gewonnenen Raum wieder abbauen, aber das ist nicht ganz wahr – ich habe schon Zinshauser gesehen (private Häuser!), die in den Originalzustand zurückversetzt wurden, und bei denen der Dachausbau rückgebaut wurde! Das ist natürlich eher seltener der Fall, aber es ist schön zu wissen, dass solche Dinge geschehen. So stirbt die Hoffnung wohl zuletzt – wer weiß, vielleicht macht jemand in 50 Jahren Herr FU!'s Arbeit auch wieder rückgängig…
    • Bis dato hatten wir immer mal wieder Architekten, die mitlesen. Die meisten outen sich hier nicht sondern eher im Nachbarforum, weil dort die Akzeptanz für einen solchen groben Unfug wie der Aufstockung des Ratsketters in Dannenberg größer ist.

      In der Sache spielt es doch gar keine Rolle ob eine "Denkmalpflegerin" das Haus zum Abriß freigegeben hatte. Die staatliche Denkmalpflege ist ein Kapitel für sich und hat so mancher Vergewaltigung eines Denkmalwertes - zuletzt z. B. beim Militärhistorischen Museum in Dresden - zugestimmt. Hier geht es auch nicht um das Zeigen von "Zeitschichten", da das Dach ja in keiner Weise "modern" oder "zeitgenössisch" ist sondern sich jedem Gestaltungswillen verweigert. Es handelt sich um klassische Vampiristische Architektur, die das Alte braucht um zu überhaupt zu wirken. Stünde ein Haus in der Art des Obergeschosses allein würde es nicht einmal in der schlichtesten Bauträger-Billig-Eigenheimsiedlung auffallen.
      „Wer sich der Vergangenheit nicht erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana (1863-1952), US-amerikanischer Philosoph spanischer Herkunft
    • Konstantindegeer schrieb:

      Die staatliche Denkmalpflege ist ein Kapitel für sich und hat so mancher Vergewaltigung eines Denkmalwertes - zuletzt z. B. beim Militärhistorischen Museum in Dresden - zugestimmt.
      Als ob bei einem derart politischen Projekt die staatliche Denkmalpflege irgendwas anderes tun könnte als zuzustimmen. Oberster Dienstherr der sächsischen Denkmalpflege ist der Innenminister. Wenn von Ministerium die Ansage kommt, so wirds gemacht, wird es so gemacht. So was wird auf ganz anderen Ebenen ausgekungelt, da hat weder die staatliche noch die städtische Denkmalpflege was zu melden.
    • Hier mal ein Beispiel eines aus meiner Sicht stark verunstalteten und unpassend ergänzten Schloss Horst in Gelsenkirchen:







      Historische Aufnahmen:
      gelsenkirchener-geschichten.de…ss_horst_1957_vorne_1.jpg
      upload.wikimedia.org/wikipedia…ruktion_Klapheck_1915.jpg
      schloss-horst.de/

      Rekonstuktionsanimation des Zustandes im 16. Jh.: lwl.org/westfaelische-geschichte/med-video/med1033.swf

      Auf der einen Seite finde ich es gut dass das Haus genutzt und erhalten wird aber auf der anderen Seite sind die brutalen Beton-Glas-Stahl Anbauten absolut unwürdig für dieses ehemals bedeutenste Renaissanceschloss in Westfalen. Eine Teilreko hätte hier sicherlich die richtigere Wahl sein müssen!
      Labor omnia vincit
      (Vergil)