Sanierungsbedürftige Schlösser und Gutshäuser auf dem Gebiet der ehem. DDR

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    Die Abstimmung für das Gebäude des Jahres 2018 ist geöffnet! Abstimmungsende ist am 15. November 2018. Bitte gebt bis dahin Eure Stimme ab.

    • Sanierungsbedürftige Schlösser und Gutshäuser auf dem Gebiet der ehem. DDR

      Um sehr viele Schlösser und Gutshäuser in Mecklenburg-Vorpommern ist es leider nicht gut bestellt.

      Gut 2000 Schlösser und Gutsanlagen gibt es in Mecklenburg-Vorpommern. Die Hälfte davon steht unter Denkmalschutz. Gerettet sind sie dadurch nicht. [...]
      Nordkurier - Nachrichten - MV

      [...] Laut Denkmalbehörde stehen derzeit 121 der unbewohnten Schlösser "ohne Perspektive" da. Ihnen droht der meteorologische Abriss: die Vernichtung durch Wind und Wetter.
      Das Schlimmste ist der Vandalismus - nnn.de



      Moderationshinweis (Palantir): Der jüngsten Themeneröffnung zeitlich vorangehende Beiträge der Systematik und Ordnung halber hier hinzugefügt.
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
    • Ein Schicksal, dass bekanntlich auch viele Herrenhäuser in den anderen neuen Ländern teilen. In Mecklenburg-Vorpommern seh ich eigentlich nur die Chance durch Nutzung als Hotel oder Jugendherberge. Die Landschaft ist super, die Gegend dünn besiedelt und eine Alternative für Nordsee Pauschaltouristen. Nur müssen sich die sehr hohen Kosten für eine Sanierung auch rechnen, man kann nur hoffen.
    • Wenn man von manchem Verfall und Vandalismus hört könnte man wirklich heulen. Wenn ich das Geld hätte, würde ich sofort eine "Patenschaft" übernehmen. Hier müsste eigentlich ein ganz großes Konjunkturprogramm des Staates einsetzen, wenn sie denn unbedingt Arbeitsplätze und Produktivität ankurbeln wollen. Hoffen wir das beste für die gezeigten Objekte, damit sie doch noch die wichtige Rettung erfahren.
    • Kleinere Schlösser und Gutshäuser auf dem Gebiet der ehem. DDR - dringend sanierungsbedürftig!

      Nachdem der Stang "Verlust von Schlössern auf dem Gebiet der ehem. DDR" schon eine ganze Weile existiert, wäre es doch die Sache mal Wert, den Fokus auch einmal auf jene Schlösser und Gutshäuser zu richten, die die Zeit der DDR mit Mühe und Not "überlebt" haben und die heute vielfach immer noch in einem desolaten Zustand sind.
      Ich möchte daher diesen Stang neu eröffnen: Kleinere Schlösser und Gutshäuser auf dem Gebiet der ehem. DDR - dringend sanierungsbedürftig!


      Den Auftakt möchte ich diesem wunderschönen Schloss gönnen:

      Schloss ROSSEWITZ bei Güstrow, Mecklenburg
      Das bedeutendste Schloss des Frühbarock in Norddeutschland

      Quelle: Wikipedia (Urheber: Global fish).
      .
      Zur Geschichte von Schloss Rossewitz: Bei dem von 1667 bis 1680 von Charles Philippe Dieussart für Johann Heinrich Vieregge und seine Frau Anna Margareta Hahn aus dem Hause Basedow ursprünglich als Lustschloss erbauten Gebäude handelt es sich um einen viergeschossigen Putzbau mit zwei kurzen rückwärtigen Flügeln, der ehemals von einem hohen Walmdach abgeschlossen wurde. Es gilt nicht nur als erstes großes Bauvorhaben nach dem Dreißigjährigen Krieg, sondern gleichzeitig als erstes Barockschloss in Mecklenburg und ist somit für die Architekturgeschichte Norddeutschlands von großer Bedeutung. Der aus Holland stammende Hugenotte Dieussart gab 1679 das Buch "Theatrum Architecturae civilis" heraus, das als berühmtes architektonisches Fachbuch seiner Zeit mehrfach neu aufgelegt wurde. Die neunachsige Frontfassade von Schloss Rossewitz wird durch einen leicht vorspringenden Mittelrisalit bestimmt, der von gequaderten Pilastern gerahmt und einem Dreiecksgiebel bekrönt wird. Im Innern des Hauses ist der über beide Obergeschosse reichende Festsaal besonders hervorzuheben, dessen illusionistische Architekturmalerei aus dem Jahr 1660 wahrscheinlich von italienischen Künstlern geschaffen wurde. Im Festsaal sowie in den anschließenden Zimmern haben sich noch einige Stuckdecken und Kamine erhalten. Von 1994 bis 2000 war die Deutsche Stiftung Denkmalschutz an Sicherungsarbeiten des Gebäudes mit seinen Malereien und an Dachinstandsetzungsarbeiten beteiligt. Quelle: denkmalschutz.de/denkmale/denk…te/schloss-rossewitz.html


      Wirklich traurig mutet die Geschichte des Schlosses in der Zeit der DDR an. Anfang der 1970-er Jahre war das Schloss noch als Filmkulisse "nützlich", danach wurde es geplündert und ausgeweidet und praktisch zum Abriss freigegeben. :boese:
      In der "Welt" ist über diese Zeit zu lesen: "Der Bau sah schon damals fürchterlich aus. Total verwahrlost." Fast ein Vierteljahrhundert ist vergangen, seit Hilmar Thate als verliebter Eduard bei den Dreharbeiten im mecklenburgischen Schloß Rossewitz die Hauptrolle spielte - im Defa-Film "Wahlverwandtschaften", der Goethe-Version des ewig währenden Themas über Liebe, Leidenschaft und Treuebruch. Doch auch ein Vierteljahrhundert später noch erinnert sich Thate mit Schauder an den traurigen Anblick. "Unsere Bühnenarbeiter mußten das Haus erst herausputzen", erzählt der Mime, der zur Zeit am Wiener Josefstadt-Theater auf der Bühne steht. 200 000 Ost-Mark steckten die Staatsfilmer der DDR damals in die Schloßkosmetik. Es wurde der letzte große Auftritt einer architektonischen Diva, die in ihren Glanzzeiten zu den schönsten Schlössern Norddeutschlands zählte. "Eines der ganz großen Kulturerlebnisse unseres Landes", schwärmt Mecklenburg-Vorpommerns Landeskonservator Dieter Zander. Ein solches Erlebnis zu empfinden, bedarf es inzwischen jedoch einer gehörigen Portion Phantasie. Vom Glanz der alten Zeit ist so wenig geblieben, daß ein Neuntkläßler, der zum Schulausflug vom nahen Dorf Diekhof herübergekommen war, danach meinte: "Ich dachte, der nächste Windstoß läßt alles zusammenfallen." Der Tod schien dem Gebäude näher als die Chance zum Überleben. Fotos, um die Jahrhundertwende auf die Platte gebannt, zeigen noch einen freundlichen Barockbau mit heller Fassade und allerlei Zierat. Doch schon vor dem Zweiten Weltkrieg waren die meisten Räume unbewohnt, mit Kriegsende kamen Flüchtlinge, später Plünderer. Und nachdem die Filmleute 1972 die Scheinwerfer ausgeknipst und die Kameras abgebaut hatten, wurde Rossewitz - zumindest halboffiziell - zum Abbruch freigegeben. Der Bürgermeisterin des nahen Ortes Liessow, dem Eigner der Immobilie, war das Schloß ärgerliche Erinnerung an eine Zeit, die in der Sprache ihrer Ideologie als "feudal" abgestempelt war. Der Bau, der als das erste Barockschloß Mecklenburgs und als wertvollstes Beispiel der nach dem Dreißigjährigen Krieg wieder beginnenden Bautätigkeit gilt, war ihr kein Pfifferling wert. Versuche von Denkmalpflegern, notdürftig zu sichern, wurden bekämpft. "Einmal noch hatten wir Hoffnung", erzählt Landeskonservator Zander, schon zu DDR-Zeiten beim Denkmalschutz. "Als die Autobahn nach Rostock geplant wurde, legten wir ein Konzept vor, das Schloß zum Motel umzuwandeln." Die Idee aber verschwand in den Schubladen der Bürokraten, die Arbeitskraft der Restauratoren wurde am Schloß von Güstrow benötigt. Bauspechte kamen mit Kran und Traktor, nahmen Holzbalken und Kalksteinplatten ebenso mit wie Fensterflügel und Wandpaneele. Putz bröselte, Risse zogen Mäander übers Gemäuer, der Schwamm wucherte. "Pures Entsetzen" verspürte Ursula Schirmer von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz beim ersten Besuch auf Rossewitz. Das Ende schien gekommen für das Gebäude, das 1946 von der sowjetischen Militäradministration auf die Liste der 21 Schlösser und Herrenhäuser Mecklenburgs gesetzt wurde, die zu erhalten waren.
      Kurz vor der Wende trotzen Denkmalpfleger dem Staat eine Notsanierung ab, doch da schien es schon zu spät. Im Regenwasser waren die Farben der Illusionsmalerei verblaßt, wo der Säulengang aufgemalt war, klaffte ein großes Loch in der Wand. Doch die Rossewitz-Freunde ließen sich nicht entmutigen. "Dieses Haus darf nicht verschwinden", lautete die Parole von Landeskonservator Zander. Da kam der Wind als himmlische Kraft zu Hilfe, fegte in einer stürmischen Winternacht das Dach weg und brachte damit die Ruine in die Erinnerung zurück. Nun flossen Gelder von Land und Landkreis, von der Gemeinde und von der Stiftung Denkmalschutz. (...)
      Quelle: welt.de/print-welt/article6342…en-noch-einmal-Glanz.html


      Das Schloss Rossewitz, das sich heute in Privatbesitz befindet, wird trotz Fördergeldern der "Deutschen Stiftung Denkmalschutz" leider nur sehr schleppend saniert. Von außen sieht der Bau leider immer noch ziemlich "gammelig" aus. Immerhin sind die herrlichen barocken illusionistischen Wand-Malereien im Festsaal aber schon weitgehend wieder hergestellt worden:

      Quelle: Wikipedia (Urheber: Global fish).

      Hoffen wir, dass es beim Wiederaufbau des Schlosses bald voran geht. :rolleyes: So sah das Schloss einst einmal aus: SIEHE >>
      mvdok.lbmv.de/file/mvdok_deriv…003066/img/jb058s93p1.png
      Immerhin ist der Festsaal mittlerweile zu großen Teilen wieder hergestellt worden. SIEHE >>
      panoramio.com/photo_explorer#v…er=date_desc&user=7674251

      Hier noch ein paar Link-Tipps zum Schloss Rossewitz:
      welt.de/print-welt/article6342…en-noch-einmal-Glanz.html
      de.wikipedia.org/wiki/Herrenhaus_Rossewitz
      denkmalschutz.de/denkmale/denk…te/schloss-rossewitz.html
      mvdok.lbmv.de/mjbrenderer?id=mvdok_document_00003076
      und ein Video:
      de.wiki-videos.com/video/Herrenhaus+Rossewitz

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von -Bismarck- ()

    • Schloss Wilhelmsthal bei Eisenach

      Ursprünglich um 1670 als Jagdhaus der Herzöge von Sachsen-Eisenach errichtet. Ab 1699 wird das Schloss immer wieder weiter ausgebaut besonders in den Jahren 1709-1715, es diente von 1710-1729 als Sommerresidenz des Eisenacher Hofes.

      Bis 1941 war es in herzoglichem Besitz, dann als Lazarett genutzt, und nach dem 2. Weltkrieg bis 1993 als Kinderheim, seitdem verfällt es zusehends. Das Schloss wurde 2009 von der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten übernommen jetzt scheint es langsam aufwärts zu gehen.

      Thüringer Allgemeine: Der-Verfall-in-Schloss-Wilhelmsthal-bei-Eisenach-ist-gestoppt

      Einige freie Aufnahmen aus den Wikimedia Commons.

      Kolonnade


      Urheber: Misburg3014

      Telemann-Saal


      Urheber: Andy Stützer

      Marstall


      Urheber: Andy Stützer
    • Der Strang gefällt mir!

      Dein Foto mit der Blumenwiese vor Schloß Rossewitz gefällt mir sehr gut. Dieses Bild transportiert eine eigene magische Stimmung. Liegt das Schloß alleinstehend in der Landschaft - dann entspräche es genau dem Bikd, das ich mir gerade gemacht habe. Sehr erfreulich, dass sich dafür ein Interessent gefunden hat!
      "Lieber Gott, schütze uns vor Dreck und Schmutz,
      vor Merkel, Krieg und Denkmalschutz“!

      Treffendes Lied über deutsche Architektur!
    • Das hängt ja nicht wenig mit den Eigentumsverhältnissen zusammen. Während die meisten Schlösser zu DDR-Zeiten Volkseigentum waren und als Kinderheime, Kliniken und sonstwas zweckentfremdet waren aber immerhin genutzt, beheizt und instand gehalten wurden, sind sie nach der Wende oft zu Eigentum von überschuldeten Gemeinden geworden, die ihr Geld lieber für den Straßenbau ausgeben müssen (der Bürger will es so), oder eben an die Alteigentümer zurück gegeben worden. Viele dieser Alteigentümer haben nun auch wirklich kein Interesse an den Häusern. Sie sind ausgeplündert, baulich meist stark verändert / entstellt und liegen zudem meist am A***** der Welt.

      Idealistische Leute, wie in der Sendung in FugenBau's Link sind da die einzige Hoffnung. Die Sendung war übrigens toll. Es ist auch ein Traum von mir, so ein kleines Schlösschen wiederherzurichten und zu bewohnen. Allerdings, die Lage.... In MacPom ist wirklich nix los.
    • Ich kann wenig zu desinteressierten Alteigentümern sagen. Die könnten ja ihre Immobilie auch zu verkaufen versuchen, wenn sie gar kein Interesse haben. Aber das Hauptproblem ist doch wohl wirtschaftlich-struktureller Natur. Es läge, wie bei vielen verfallenden Bauten in den neuen Bundesländern, ja gar nicht so sehr daran, dass kein Geld für Sanierungen da wäre und eventuell auch daran interessierte Eigentümer oder Investoren. Aber es hat nun einmal eine starke Abwanderung aus den meisten Regionen stattgefunden. Und somit stellt sich die Frage, wer denn in den vielen Schlössern und Gutshöfen leben soll bzw. welcher Nutzung diese zugeführt werden können, die ein solches Investment zumindest halbwegs trägt? Ich bin dankbar für jedes gerettete Schloss und Gutshaus. Aber die hier angesprochene Problematik hat wenig mit dem sarkastisch so betitelten "tollen Bundesdeutschland" zu tun, sondern schlicht mit gegenwärtigen wirtschaftlichen Bedingungen im Zuge zunehmender Globalisierung und der Konzentration auf bestimmte Ballungsräume.
    • Die Gründe sind sicher vielfältig. Alteigentümer spielen kaum eine Rolle. Genau sowenig wie Globalisierung und der Konzentration auf bestimmte Ballungsräume. Denn Globalisierung und Konzentration auf bestimmte Ballungsräume gibt es auch bei uns Westen ohne derartige flogen. Es ist somit
      durchaus eine Frage welche mit den Gebieten der ehem. DDR zu tun hat. Die Gebäude waren bis 1989 vielfältig genutzt. Man muss sich schon fragen warum dies der DDR gelang uns nicht (Erhalt der Bausubstanz). Nothor, stimmt die Lage am Rande der Welt wie in MacPom ist sicher ein Teil des Problems. Der massive Bevölkerungsrückgang in den nächsten Jahren dort wird dies verschärfen, zudem ist es einfacher ein Gebäude zu erhalten als eine halbe Ruine wieder aufzubauen. Jetzt zu handeln würde viel Geld sparen. Oder wir müssen uns eingestehen dass mehr verfallen wird als während der DDR. Dann sollte man es auch den Leuten sagen, daß wir mehr Herrensitze schleifen werden als die DDR.

      Leider wird auch viel Geld verschwendet. Wie für den Bau von Kopien. In Potsdam welches ich letztens Besuchte hat man für ein Protzbau ca. 300 Millionen Euro versenkt. Das Ergebnis mit der angeblichen Fassade des alten Stadtschloss ist schon bei oberflächlicher Betrachtung - ein billiger Nachbau. Das hätte man ordentlich oder gar nicht bauen sollen. Berlin macht den gleichen Fehler.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Argon ()

    • Die Diskussion "Es ist kein Geld für den Denkmalschutz da, wenn Gebäude rekonstruiert werden" hatten wir schon zur Genüge. Als würde das angeblich gesparte Geld für den Potsdamer Landtagsneubau (dessen Fassade, wie in Berlin, ja durch private Spenden gesichert wird), statt dessen einfach mal zu Gutshof XY in die Uckermark geschickt würde. Mit diesem Quatsch holt keiner mehr die alte Oma vom Sofa hoch.

      Wenn Globalisierung und Bevölkerungskonzentration auf Ballungsräume (die Arbeitsplätze versprechen) keine Rolle spielen, dann erkläre mal einer, wohin eigentlich die Bevölkerung in Mecklenburg und anderen Landesteilen ab 1990 verschwunden ist. Alle von einer geheimnisvollen Krankheit hingerafft?
    • Mal die Hand auf's Herz: Wer von uns würde denn so einen Gutshof für einen symbolischen Betrag erwerben mit der Verpflichtung, ihn zu restaurieren/sanieren? Irgendwo in der Prignitz, zwischen Anklam und Schwed, 450 qm Wohnfläche, 2000 qm Grundstück? Selbst wenn es der eine oder andre finanziell und/oder handwerklich stemmen könnte, steht immernoch die Lage im Raum. Da kommen viele Faktoren zusammen, die zum Verfall dieser Häuser gehören. und ich kanns verstehen, dass die Öffentliche Hand die Gebäude vergammeln lässt, wenn es kein Nutzungskonzept gibt. Wozu brauchts in einer 500 Seelen-Gemeinde (Tendenz sicherlich sinkend) ein Tagungshotel, und 15 km weiter wieder eines....
    • Erstmal etwas Hintergrundinformationen die ca. 300 Millionen Euro sind reine Steuermittel und keine Spenden. Das Land muss überall sparen also auch beim Denkmalschutz.

      moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/258195

      Mit dem Quatsch dass dies nicht der Fall ist, holt man keine alte Oma vom Sofa hoch.

      Globalisierung und Bevölkerungskonzentration gibt es auch bei uns im Westen, dann erkläre mal einer, warum dort keine Unmengen an Ruinen entstehen?

      Abgesehen davon ist das Wort "Bevölkerungskonzentration" recht ungenau. Die Ursache ist der wirtschaftliche Niedergang, verstärkt durch Fehler bei der Wiedervereinigung.

      Die Fassade in Berlin wird zum überwiegenden Teil eben nicht von Spenden gesichert, sondern vom Bund.
    • @ argon

      Im Westen ist dieser Prozess hinsichtlich verfallender Herrensitze soweit abgeschlossen. Entweder hat es ein glückliches Ende genommen und sie sind heute Sehenswürdigkeiten, oder sie sind bereits weggeräumt. MacPom ist ja heute DAS innerdeutsche Siedlungsgebiet für Auswanderertypen oder diejenigen, die wegen Tierliebe oder anderer ausgefallener Hobbies viel Platz suchen. Aber gibts davon denn auch so viele, und welche, die gerade das Sanieren gerne machen? Ich sehe da kaum handhabe für den Staat (Kommune), selbst wenn er wollte wären doch die Wähler dagegen, nutz- und perspektivlose Herrensitze zu retten. Wenn kein Privater sie will um fürstlich zu wohnen, wer dann....
    • Ein Schloß oder Herrenhaus muss man halt auch erhalten können...und das Problem ist, dass man selbst, wenn man so ein herrliches Objekt erwirbt und herrichtet nicht mehr das umliegende Land (Land- und Forstwirtschaft) dazuerwerben kann - welches aber in den meisten Fällen durchaus notwendig wäre, um das Ganze auch einigermaßen wirtschaftlich erhalten zu können.

      Zum Vergleich in Ö: Die meisten Schlösser und Herrenhäuser wären sicherlich schon längst aufgegeben worden, wenn nicht der Eigentümer diese durch die teilweise mageren Erträge durch Verpachtung von Jagden oder land- und forstwirtschaftlichen Ertragsflächen, erhalten könnte.

      Was ich damit sagen will: Die DDR hat hier ein sehr durchgreifendes Verbrechen mit der (nachhaltigen) Enteignung und Vertreibung der kulturellen Führungsschicht verübt. Das ist auch der Grund, weshalb nur sehr wenige, aber mit offenen Armen wiederaufgenommene, "Junker" ihre ehemaliges Eigentum teilweise mehr, teilweise weniger erfolgreich bewirtschaften können. Der Zug ist aber abgefahren...denn ein Unrecht kann man nicht mit einem neuen Unrecht wiedergutmachen, in dem man die heutigen Eigentümer erneut enteignet. Meiner Meinung nach, müsste man das Vermögen der LINKE (als Nachfolgepartei der barbarischen Kommunisten) für die kulturelle Wiedergutmachung an unserer Kultur haftbar machen - somit könnte man auch das eine oder andere Kulturgut in die Zukunft hinüberretten.
      "Lieber Gott, schütze uns vor Dreck und Schmutz,
      vor Merkel, Krieg und Denkmalschutz“!

      Treffendes Lied über deutsche Architektur!
    • Hoffnung für Schloss Ivenack, MV

      Ein weiteres herausragendes Beispiel in diesem Strang:
      Schloss Ivenack an der Mecklenburger Seenplatte: Was für ein herrliches Schloss mit See-Lage, hätte ich doch ein bisschen mehr "Schotter"... :rolleyes:

      (Quelle: Wikipedia, Urheber: Thomas Böhme)

      Immerhin, das kunsthistorisch bedeutende Schloss Ivenack scheint nun gerettet zu werden, zumindest besteht ernsthafte Hoffnung: :daumenoben:
      Die als "Denkmal von nationaler Bedeutung" eingestufte Schlossanlage Ivenack (Mecklenburgische Seenplatte) hat doch noch einen neuen Eigentümer gefunden. Dabei handelt es sich um einen Geschäftsmann aus Dänemark, so die Deutsche Grundstücksauktionen AG Berlin. Der Preis liege für die Schloss- und Parkanlage samt Orangerie und Teehaus unter dem Mindestgebot von 285.000 Euro. Es sei aber eine sechsstellige Summe. Die in der Nähe von Stavenhagen gelegene Immobilie war im September bei einer Versteigerung angeboten worden, hatte aber keinen Bieter gefunden. "Das war jetzt die übliche Nachverhandlung innerhalb von zwei Monaten", heißt es vom Auktionshaus. Der neue Eigentümer, der schon das Schloss Retzow an der Seenplatte bei Rechlin restauriert, werde die sanierungsbedürftige Anlage in Ivenack zunächst notsichern, sagte sein Sprecher Manfred Achtenhagen aus Ludorf (Mecklenburgische Seenplatte). Die Sanierung bleibe aber eine Mammutaufgabe. Das Schloss liegt neben den "tausendjährigen Ivenacker Eichen", die als älteste in Europa gelten, und geht auf ein Zisterzienserinnenkloster aus dem 13. Jahrhundert zurück. Das Gebäude erhielt um 1810 sein heutiges Aussehen. Die Immobilie wurde in der DDR als Alten- und Pflegeheim genutzt. Eine vorübergehend favorisierte Übernahme des Schlosses durch das Land oder eine Stiftung waren gescheitert. (Quelle: NDR)

      Über die Pläne der neuen Besitzer heißt es:
      Was in den ehemals herrschaftlichen Gebäuden einmal entstehen soll, das können Manfred Achtenhagen und Lars Fogh noch nicht sagen. „Dafür ist es noch zu früh“, sagt er. Es soll aber eine touristische Nutzung sein. Gemeinsam mit den Ivenacker Eichen, die 50.000 Besucher im Jahr haben, sieht er da gute Chancen. Eines weiß er aber genau: „Es soll kein Schlosshotel werden.“ Davon habe die Region genug. Möglich sei vielleicht, Veranstaltungen im Schloss durchzuführen.
      (Quelle: Nordkurier)
      Gut so! :blumen:

      Gleichwohl ist es ebenso ärgerlich wie beschämend, dass Bund und Länder kaum nennenswerte Gelder für die Rettung solcher weniger bekannten Bauwerke wie Schloss Ivenack (oder Schloss Rossewitz) freigeben; also für Bauwerke, die zurecht als "Nationales Kulturerbe" eingestuft werden!
      Im Sinne der Kategorie "Nationales Kulturerbe" heißt es über Schloss Ivenack bei Wikipedia:
      Schloss Ivenack ist ein zweigeschossiger, dreiflügeliger Putzbau mit einem Mansard- und Walmdach. Der Hauptflügel befindet sich im Osten, im Süden und Norden bilden Seitenflügel einen nach Westen zum Ivenacker See hin offenen Ehrenhof mit dreiachsigem, übergiebeltem Mittelrisalit. Die Ostseite zum Schlosspark und der Kirche hin weist einen von Pilastern gegliedertem, zweiachsigen, dreieckig übergiebelten Mittelrisalit sowie zwei zweiachsige Seitenrisalite mit Segmentbogengiebeln auf. Die Giebel der Risalite sind mit Figurenfriesen geschmückt. Der Nordwestflügel enthält Reste eines Fachwerkgebäudes aus dem 16. Jahrhundert, vermutlich Teile des ersten, unter Herzog Johann VII. errichteten Herrenhauses. Zu den Kunstschätzen des Schlossgebäudes zählen im Inneren das Treppenhaus mit dreiläufiger Treppe, die Wandschränke in der Bibliothek, einige erhaltene Wandvertäfelungen, Parkett und Kamine. Im großen Festsaal ist trotz der Raumteilung der wertvolle Deckenstuck weitestgehend erhalten geblieben.


      MEHR über Schloss Ivenack hier:
      ndr.de/regional/mecklenburg-vorpommern/ivenack105.html
      nordkurier.de/cmlink/nordkurie…ivenack-verkauft-1.506866
      de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Ivenack
      monumente-online.de/06/04/streiflicht/08_Ivenack.php
    • Exilwiener schrieb:

      Die DDR hat hier ein sehr durchgreifendes Verbrechen mit der (nachhaltigen) Enteignung und Vertreibung der kulturellen Führungsschicht verübt.


      Unsere lieben Junker sollen also die kulturelle Führungsschicht der deutschen Vorkriegsgesellschaft gewesen sein? Das wäre mir neu!

      Exilwiener schrieb:

      Meiner Meinung nach, müsste man das Vermögen der LINKE (als Nachfolgepartei der barbarischen Kommunisten) für die kulturelle Wiedergutmachung an unserer Kultur haftbar machen - somit könnte man auch das eine oder andere Kulturgut in die Zukunft hinüberretten.


      Dann packe doch gleich noch das Vermögen der CDU und FDP, die wohl keines mehr haben soll, oben mit drauf. Der Rechtsnachfolger der DDR ist aber schon die BRD, oder?
      Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe