Sanierungsbedürftige Schlösser und Gutshäuser auf dem Gebiet der ehem. DDR

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    • Lieber Bilderbuch, unser Exilant ist in mancher politischen Hinsicht etwas ähm... naiv.
      So nach der Art: gibt den Reichen noch mehr Geld, und alles wird gut.
      In Österreich ist es zugegebenermaßen verabsäumt worden, dem hier besonders parisitären Adel ein kleinwenig die zu fett gewordenen Flügel zu stutzen. Die Schattenseiten sind zahlreich: nicht zugängliche Anwesen, ständige Blockaden bei Naturschutzprojekten (der Nationalpark Thayatal war für die öffentliche Hand finanzielles Desaster: man musste unsere Waldgrafen schwer für bisher aus gutem Grund ungenützt gebliebene Waldstücke, meist auf felsigem Terrain, wahrlich fürstliche "entschädigen"), kommerzielle Nutzung herrlicher Park- und Waldbestände...
      Der Vorteil: unsere Schlösser verfallen etwas weniger. Aber auch nur etwas, denn in vielen Fällen schiebt unsere kulturelle Führungsschicht den schwarzen Peter dem Bund zu bzw tut rein gar nichts,)
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Unser Exilwiener hat völlig recht mit seinem Beitrag.
      Ich wollte schon die Tage etwas ähnliches schreiben, dachte mir aber, dass es von vielen nicht verstanden würde.
      Die ökonomische Verknüpftung von Schloßgebäuden und einem privaten, oft landwirtschaftlichen Unternehmen, das diese Schloßanlage samt Ländereien betreibt, ist eine Notwendigkeit zu ihrem Erhalt.
      Als Beispiel führe ich meine Heimat Westfalen an. Dort ist nach 1945 alles beim alten geblieben und die vielen samt Inventar wohl erhaltenen Schlösser und Herrenhäuser, von denen man im Netz freilich wenig bis nichts findet, werden von den alten Familien und deren Gutverwaltungen, die oftmals als richtige Firmen funktionieren, betrieben. D.h. diese kümmern sich um eine rentable Nutzung, u.a. Vermietung jeder noch so unscheinbaren Scheune, jedes Ackerstückchens, auf dem in ehem. DDR heute 'Unkraut' wächst, weil sich niemand darum kümmert.
      Die unwissenden Bürger dieses Landes halten schlicht nicht für möglich, wie aufwändig das 'Betreiben' einer solchen Gutsanlage ist. Die alten Familien können dies in der Regel, weil sie von Kind auf gelernt haben, wie das geht ('Chef ist immer da und sich für keine Detailfrage zu schade'), und zum anderen natürlich in der Bundesrepublik wirtschaftlich frei agieren konnten und können. Die Komplettsanierung des Schlosses war und ist aber so gut wie keiner Familie finanziell möglich, man kann das nur erhalten, weil man kontinuierlich am Ball geblieben ist und bleibt, sich selbst in den wilden 60er Jahren nicht zu schade war, das alte weiter zu bewahren, während die normalen Leute modernisierten. Die westdeutschen Schlösser in Privatbesitz sind immer abschnittweise saniert worden, über Jahrzenhte hinweg, und nie völlig verfallen.
    • Zitat von »Exilwiener« Die DDR hat hier ein sehr durchgreifendes Verbrechen mit der (nachhaltigen) Enteignung und Vertreibung der kulturellen Führungsschicht verübt.
      Antwort Bilderbuch:
      Unsere lieben Junker sollen also die kulturelle Führungsschicht der deutschen Vorkriegsgesellschaft gewesen sein? Das wäre mir neu!


      In den ländlichen Gebieten Ost-Elbiens, also in Preußen und den beiden Mecklenburgs waren die Junker und Großgrundbesitzer tatsächlich die kulturelle Führungsschicht der Vorkriegszeit, auch wenn sie in den meisten Fällen reaktionäre Antidemokraten waren.
      Ohne diese Schicht verteidigen zu wollen, aber was die DDR mit der vermeintlichen Schaffung einer "klassenlosen" Gesellschaft als "Alternativ-Angebot" schuf, ist wohl kaum die Mühe Wert das ernsthaft zu verteidigen: Die Vernichtung der Bürgerlichkeit als Lebensform und die Proletarisierung und Entkulturalisierung der Gesellschaft ist heute noch in Teilen der "Ostzone" deutlich spürbar.

      Im übrigen sollte auf solche unfreundlichen Bemerkungen wie "naiv" zu Klassifizierung von anderen Forumsmitgliedern hier doch verzichtet werden, stattdessen sollte dieser Strang mit Inhalt gefüllt werden. eye:)
    • Kralle schrieb:

      Die Vernichtung der Bürgerlichkeit als Lebensform und die Proletarisierung und Entkulturalisierung der Gesellschaft ist heute noch in Teilen der "Ostzone" deutlich spürbar.


      Als vermeintlicher Historiker solltest du dich vielleicht noch einmal eingehend mit der reichlich vorhandenen Sekundärliteratur befassen. Spätestens dann würdest du - jenseits aller ideologischer Vorbehalte - zu dem Schluss kommen, dass sich die DDR die (Hoch-) Kultur vergleichsweise viel kosten ließ. Nicht zuletzt war sie ein Mittel der Legitimation dieses Herrschaftsgebildes. Oder was meinst du, wie und warum Semperoper und Berliner Schauspielhaus in der späten DDR "rekonstruiert" wurden?
      Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe
    • Lieber Bilderbuch,

      zum einen bin ich kein "vermeintlicher" - sondern ein "echter" Historiker mit Hochschulabschluss, zum anderen brauche ich von Ihnen sicherlich keine "Beratung" in Sachen Sekundärliteratur. Also sparen Sie sich doch bitteschön Ihre jovialen Bemerkungen (auch wenn Sie hier als "Moderator" fungieren).

      Im übrigen gab es in der DDR - von einigen "Leuchtturm-Projekten" wie der Dresdner Semperoper und dem Berliner Nikolaiviertel abgesehen - bis in die 80-er Jahre eine tief sitzende Verachtung für die Bauwerke und Kultur der "Bourgeoisie" (des Adels sowieso). Nicht ohne Grund wurde das o.g. Schloss Rossewitz in den 70-er Jahren fast abgerissen, nicht ohne Grund wurden die meisten Altstädte wie z.B. Stralsund oder Quedlinburg mutwillig vernachlässigt um deren Gebäude dann - wie geplant aber meist nicht mehr ausgeführt - durch Plattenbauten zu ersetzen.
      Als "Wessi" möchte ich kaum die Städteplaner der alten BRD verteidigen (Parkhäuser und Betonkisten in Altstädten...). Ich glaube aber kaum, dass wir hier die DDR für ihre angeblichen "kulturellen Ruhmestaten" sonderlich loben müssten! Ich denke, dann würden wir uns viel zu sehr auf die Propaganda der SED einlassen. :zwinkern:

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    • Schloss Kummerow




      Das Schloss Kummerow am Ufer des Kummerower Sees wurde anstelle eines 1725 abgebrannten älteren Herrenhauses bis 1733 im Stil des Barock für den Landrat Albrecht Freiherr von Maltzahn erbaut. Um das Schloss entstand ein Landschaftspark nach Plänen von Peter Joseph Lenné.

      Nachdem die Familie Maltzahn 1945 enteignet worden war, diente das Hauptgebäude des Schlosses als Schule und Gemeindebüro. Im Landschaftspark wurde ein Sportplatz angelegt. 1964 wurde das Hauptgebäude renoviert. Nach der Wende begannen am Herrenhaus Umbauarbeiten für eine geplante kommerzielle Nutzung der in Privatbesitz befindlichen Anlage, die dann jedoch eingestellt wurden.

      Im März 2011 wurde die Schlossanlage bei der Frühjahrsauktion der Deutschen Grundstücksauktionen AG bei einem Mindestgebot von 95.000 Euro zu Versteigerung angeboten und schließlich von einer Berliner Gesellschaft für 130.000 Euro erworben.
      Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Kummerow


      Nun tut sich seit letztem Jahr tatsächlich was im Schloss: Baussünden der vergangenen Jahrzehnte wurden in den letzten zwei Jahren entfernt, das Schloss Stück für Stück in den Originalzustand zurückversetzt ("... alles soll wieder aussehen wie im 18. Jahrhundert."). 35 Container Schutt wurden aus dem Schloss entfernt. 30.000 handgestrichene Biberschwanzziegel wurden angeschafft, auch 20 original barocke Gauben. Der Holzboden in der Eingangshalle wurde mit Steinplatten ersetzt. Hier ist am Ende nicht das "Schlosshotel" das Ziel, sondern "...[es] soll sich von anderen Projekten deutlich unterscheiden. Aber es braucht Zeit, und es muss wachsen." Ein richtiges Nutzungskonzept gibt es ganz bewusst nicht, eine Nutzungsidee schon: Ein Nationales Fotografiemuseum. Für die Restaurierung sucht der Bauherr noch weitere historische Fotos des Schlosses.
      Großartiges bürgerliches Engagement. :applaus:
      Quelle:
      nordkurier.de/cmlink/nordkurie…ich-wieder-leben-1.344222
      nordkurier.de/cmlink/nordkurie…sich-in-hoffnung-1.561727
      nordkurier.de/cmlink/nordkurie…schloss-kummerow-1.562328

      weiter Fotos von Schloss Kummerow:
      sueddeutsche.de/geld/marode-he…r-unterm-hammer-1.1078216

      Der zugehörige Artikel (ein bereits etwas älterer Bericht über die Versteigerung):
      sueddeutsche.de/geld/verkauf-b…ocke-bruchbuden-1.1078102

      Barocke Bruchbuden

      Ein Herrenhaus für 9500 Euro? Viel Vergnügen! In Ostdeutschland werden Schlösser und Burgen günstig versteigert. Richtig teuer wird es erst, wenn die Sanierung ansteht.
      [...]
      Der Makler hat recht. Das Anfang des 18. Jahrhunderts im Auftrag des Erblandmarschalls Albrecht von Maltzahn errichtete Barockschloss gehört heute zu Mecklenburg-Vorpommerns kunsthistorisch wertvollsten Denkmälern; es war lange dem Verfall preisgegeben. "In nicht wenigen Teilbereichen besteht Einsturzgefahr", sagt Plettner, der als Mindestgebot für das immens weitläufige und idyllisch am Kummerower See gelegene Anwesen 95.000 Euro aufruft.
      [...]
      Die Moderne verleugnet ihre Herkunft, weil sie fürchtet, die Auseinandersetzung mit ihr könnte sie überfordern - oder ihr gar ihre eigene Banalität vor Augen führen. — Dr. Melanie Möller
    • Viele der Gebäude, die wir hier als "schön" bezeichnen, stammen aus Zeiten in denen der Adel das Sagen hatte. Ob die heute -in Zeiten der Demokratie- gebaut werden könnten? Der Adel hatte seine Zeit. Manche waren erfolgreich, andere nicht. Oder sie waren Despoten. Vielleicht auch beides gleichzeitig. Aus heutiger Zeit darüber zu urteilen ist schwierig. Nur Historiker haben Zeit die Quellen zu studieren. Das, was sie uns dann in Form von Büchern, Filmen oder Beiträgen hier im Forum vorlegen, dürfte nie objektiv sein. Die Geisteshaltung des jeweiligen Autors bestimmt auch den Inhalt seiner Ausarbeitung. Das Sein bestimmt das Bewusstsein, wie die Materialisten sagen.


      Die Proletarisierung zu Ostzeiten dürfte unbestrittenen sein. Aber was die BVVG Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG) tut, hat auch mit den hier besprochenen Problemen zu tun.


      Was macht ein Investor, der ein altes Herrenhaus gekauft, saniert und als Hotel oder Tagungszentrum betreibt, wenn die BVVG die Endmoränenlandschaft um sein Objekt ausschreibt und einem westfälischen Möbelfabrikanten verpachtet. Der errichtet eine schöne Biomasseanlage und lässt schönen Mais anpflanzen.
      Vor Ort benötigt der potente Investor, der mühelos alle mitbietenden Landwirte überbieten konnte, nur eine paar Angestellte. Lohnunternehmer bestellen die Äcker und die Biomasseanlage läuft ohne viel Personal automatisch.


      Der Investor benötigt weder Herrenhaus; schon gar nicht eine Schule, eine Kita oder anderes, was Einheimische so zum Leben brauchen.



      Das Gebaren der BVVG ist sogar der CDU Mecklenburg aufgefallen.

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    • Schloss Petzow bei Werder


      Quelle: Wikipedia, Urheber Doris Anthony)
      .
      Auch das von Schinkel erbaute Schloss Petzow (zwischen Werder und Potsdam) wird nach jahrelangem Stillstand nun endlich in Stand gesetzt werden. :daumenoben:
      Kirche, Schloss, Gutshofanlage und Petzower Park: sie bilden das Petzower Ensemble, das diesen Ort, der auf einer Landbrücke zwischen Glindower und Schwielowsee gelegen ist, so sehenswert macht. Das Schloss stellt eine Mischung aus italienischen Kastell- und englischen Tudorstil dar und wurde 1825 von Schinkel erbaut. Den Petzower Park, wie sollte es anders sein, hat natürlich der große Meister Lenné angelegt. Die ästhetische Wirkung der Architektur und die harmonische Einbindung der Gebäude in die Landschaft geben dieser Parkanlage ihren ganz eigenen Charme. (Quelle: Reiseland Brandenburg, s.u.)

      Erbauen ließ das Herrenhaus die Familie von Kaehne. Der Gutsbesitzer und Amtsrat Friedrich August Kaehne war seinerzeit der wohlhabendste Mann Petzows. Er ließ 1825 nach den Plänen von Karl Friedrich Schinkel ein repräsentatives Herrenhaus errichten – ein pittoreskes Bauwerk in einem bunten Mix von maurischem Kastell- und englischem Tudorstil. Nach der Enteignung 1946 war das Haus den DDR-Gewerkschaften übergeben worden. Sie nutzten es als Schulungs- und Erholungsheim. Nach 1990 wurde Petzow bis 2003 als Hotel und Restaurant genutzt. Das Haus war schließlich in den vergangenen Jahren nur noch für Filmaufnahmen genutzt worden. Das ZDF drehte dort 2004/2005 die Serie "Bianca – Wege zum Glück". Auch als Altenheim diente das Schloss in der ZDF-Komödie "Lotta und die großen Erwartungen". (Quelle: Morgenpost)


      Nach jahrelangem Verfall wird Schloss Petzow nun endlich saniert werden: :blumen:
      Das bekannte Schloss Petzow in Werder an der Havel im Land Brandenburg ist verkauft. Neuer Eigentümer sind zwei Potsdamer Immobilienentwickler: die G+G Bauträger GmbH will das denkmalgeschützte, lange ungenutzte Anwesen sanieren. Wie deren Geschäftsführer Alexander Gottschald der Berliner Morgenpost bestätigte, sollen in dem seit Jahren leer stehenden Herrenhaus für fünf Millionen Euro bis zu rund 30 hochwertige Eigentumswohnungen entstehen. "Wir sind mit der Denkmalpflege in enger Abstimmung", so Gottschald. Man sei erst am Anfang der Planungen. Fest stehe: "Das Äußere wird originalgetreu restauriert." (Quelle: Morgenpost)


      MEHR zum Thema:
      de.wikipedia.org/wiki/Petzow
      reiseland-brandenburg.de/reiseziele/havelland/petzow.html
      morgenpost.de/lifestyle/wohnen…swohnungen-entstehen.html
    • Kralle schrieb:

      Im übrigen gab es in der DDR - von einigen "Leuchtturm-Projekten" wie der Dresdner Semperoper und dem Berliner Nikolaiviertel abgesehen - bis in die 80-er Jahre eine tief sitzende Verachtung für die Bauwerke und Kultur der "Bourgeoisie" (des Adels sowieso). Nicht ohne Grund wurde das o.g. Schloss Rossewitz in den 70-er Jahren fast abgerissen, nicht ohne Grund wurden die meisten Altstädte wie z.B. Stralsund oder Quedlinburg mutwillig vernachlässigt um deren Gebäude dann - wie geplant aber meist nicht mehr ausgeführt - durch Plattenbauten zu ersetzen.


      Meiner Ansicht nach vermengst du hier Kultur- und Baupolitik.
      Es kann wohl kein Zweifel daran bestehen, dass die DDR durch alle ihre verschiedenen Phasen hindurch antimonarchistisch war und die deutsche Kultur und Geschichte selektiv im Sinne ihrer Ideologie interpretierte und fortschrieb. Nicht umsonst wurden die ererbten Altstädte und "Elendsviertel" der Kaiserzeit aufgrund ihres hygienischen Standards und baulichen Zustandes als schweres Erbe des Kapitalismus' deklariert und ganz im globalen Geist der Zeit nicht modernisiert, sondern ihrer Restlaufzeit entsprechend abgenutzt. Soweit war die Vorgehensweise bei den "kleinen Denkmälern", für die sich auch in der BRD höchstens die Eigentümer interessierten, deckungsgleich.
      Erst um 1970 setzte ein vorsichtiger Paradigmenwandel ein, der einerseits zu einem anderen Denkmalbegriff führte und andererseits den Blick auch auf das bauliche Erbe der Kaiserzeit erweiterte. In der BRD begann man sich entsprechend für die Altstädte und gründerzeitlichen Stadterweiterungen zu interessieren und sie unterstützt durch staatliche Förderungen ihrem Charakter entsprechend zu erhalten.
      Zu diesem Zeitpunkt befand sich die DDR-Baupolitik jedoch schon auf einer Einbahnstraße, von der eine Abkehr nur schwer möglich war. Die seit den 50'er Jahren betriebende Industrialisierung des Bauens mit ihren Normierungs- und Rationalisierungstendenzen ließ einen schnellen Wandel nicht mehr zu, sodass ab den 70'er Jahren nur vereinzelte Erhaltungsmaßnahmen durchgeführt werden konnten. Das war insofern tragisch, als man sich nicht nur des kulturellen Wertes dieses ehedem schweren Erbes bewusst war, sondern nun endlich auch die wirtschaftlichen Vorteile gezielter Modernisierungsmaßnahmen (Entkernung der Hinterhöfe, erstmaliger Einbau von Sanitäreinrichtungen) erkannt hatte,
      Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe
    • bilderbuch schrieb:


      Meiner Ansicht nach vermengst du hier Kultur- und Baupolitik.


      Kann man das überhaupt trennen? Das Grundprinzip eines totalitären Systems ist es ja alle Bereiche zu durchdringen. Die SED steuerte die Kulturpolitik und damit auch die Baupolitik. Sicher unterlag das Schwankungen und war gegen Ende nicht mehr so restriktiv wie noch in den 50er und 60er Jahren aber völlig unabhängig voneinander waren diese Bereiche nie.
      Die Enteignungen der Gutsbesitzer war ideologisch motiviert. Der künstlerische Wert der Besitzungen stand dabei nicht im Mittelpunkt. Ich bin der Überzeugung, dass es für die Mehrheit der betroffenen Immobilien zum Nachteil war, dass sie in "Volkseigentum" überführt wurden und nicht bei ihren rechtmäßigen Besitzern verblieben sind. Auch hat es im Westen nie einen SMAD-Befehl 209 gegeben, dem allein in Sachsen 240 Schlösser und Herrenhäuser zum Opfer vielen.
    • Über die Zahl oder die Maßnahme an sich? Ich hab kein Buch geführt aber die Zahl scheint mir nicht zu hoch gegriffen und daher ziemlich realistisch.

      Ich habe noch diesen zeitgenössischen Artikel der "ZEIT" gefunden, der sich mit den Folgen des Befehls in Sachsen beschäftigt. Datiert auf den 10.11.1949
      zeit.de/1949/45/vernichtet-ver…dert-verschludert/seite-1
    • Einfach unbeschreiblich, für unsereins nur noch unbegreiflich, wenn man sich in diesen Artikel durchliest. Ich stelle einfach einmal in den Raum, dass diese Zeit die vermutlich barbarischte Zeit seit der Völkerwanderung in diesen Breiten gewesen sein muss. Es grenzt schon an ein Wunder, dass wir heute trotzdem noch das eine oder andere Schloss in Sachsen wieder bestaunen dürfen, wenn auch die Mobilien entweder verheizt oder geraubt oder billig verkloppt wurden. Gerade noch rechtzeitig vor dem geplanten Flächenabrissen in Görlitz und anderen Altstädten kam noch die Revolution - spät, aber nicht zu spät.

      Danke jedenfalls für diesen traurigen Artikel. Mögen diesen doch alle Schüler Sachsens lesen...
      "Man kann einen gesellschaftlichen Diskurs darüber haben, was Meinungsfreiheit darf. Oder man hat Meinungsfreiheit."
    • Saxonia schrieb:

      bilderbuch schrieb:


      Meiner Ansicht nach vermengst du hier Kultur- und Baupolitik.


      Kann man das überhaupt trennen? Das Grundprinzip eines totalitären Systems ist es ja alle Bereiche zu durchdringen. Die SED steuerte die Kulturpolitik und damit auch die Baupolitik. Sicher unterlag das Schwankungen und war gegen Ende nicht mehr so restriktiv wie noch in den 50er und 60er Jahren aber völlig unabhängig voneinander waren diese Bereiche nie.


      Ein guter Einwand!
      Vor allem in der kurzen Periode der Nationalen Tradition war Architektur ein Mittel der politischen Kommunikation. U.a. über die Architektur versuchte sich die DDR als der deutsche Kulturträger zu gerieren und damit den Gegensatz zur BRD zu pflegen, deren anbiedernder Kosmopolitismus als spalterisch gebrandmarkt wurde.
      Allein die poltischen Transaktionskosten überschritten die Mittel der ausgeplünderten DDR, sodass das Bauwesen sehr schnell wieder zu einem normalen Teil der Zentralverwaltungswirtschaft wurde. Ganz im Sinne der Zeit baute man einen fabrikmäßigen Bausektor auf, bei dem die Produktion neuen standardisierten Raumes im Vordergrund stand, da die Erhaltung nicht als wirtschaftlich angesehen wurde. Als sich dies als Irrtum herausstellte, war ein nennenswertes Umlenken nur noch schwer möglich.
      Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe
    • @Saxonia:
      In dem genannten Artikel steht nichts von den 240 Schlösser und Herrenhäusern? Der Artikel ist schon aus dem Jahr 1949. Interessanterweise nennt der Artikel einen weiteren Grund die Gewinnung von Baumaterial um die Landwirtschaft voran zu bringen. Sicher eine wichtige Sache nach dem Krieg.

      In dem Artikel steht zudem nur das man dies vorhabe. Nicht ob dies auch erfolgt ist.


      @Exilwiener:
      Die bundesdeutsche Vernachlässigung ist in vielen Teilen noch schlimmer. Wir haben wohl kaum einen Grund auf die DDR herabzusehen.
    • Argon schrieb:

      In dem genannten Artikel steht nichts von den 240 Schlösser und Herrenhäusern? Der Artikel ist schon aus dem Jahr 1949. Interessanterweise nennt der Artikel einen weiteren Grund die Gewinnung von Baumaterial um die Landwirtschaft voran zu bringen. Sicher eine wichtige Sache nach dem Krieg.

      Was so gut wie nicht erfolgt ist. Was kann man bitte groß mit dem Bauschutt eines Herrenhauses anfangen? Mir ist auch kein anderes im Krieg zerstörtes Land bekannt, dass auf die Idee kam, auf die schon existierenden Zerstörungen mit neuen zu reagieren. Und das die Kollektivierung der Landwirtschaft eine Katastrophe war, ist auch kein Geheimnis.

      In dem Artikel steht zudem nur das man dies vorhabe. Nicht ob dies auch erfolgt ist.

      Dann lies doch noch mal richtig.

      400 durch die Bodenreform der Beschlagnahme verfallen. 200 dieser kulturell wertvollen Bauten wurden bis heute zum Abbruch bestimmt.


      Deine Skepsis scheint mir etwas nach Krümelkackerei zu riechen. Ich hab mir das nicht ausgedacht. Du kannst gerne durch Sachsen laufen und die abgebrochenen Gebäude nachzählen.
    • @Argon

      Keine Sorge, vermutlich hat es nie einen demokratischeren und kulturvolleren Staat als jenen der DDR auf deutschem Boden gegeben. Weidauer und Ulbricht und die ganzen anderen proletarischen Geistesgrößen sind doch nur falsch verstanden worden. Das ruhig mit der chinesischen Mauer zu vergleichende Pendant in Berlin wurde immerhin dazu gebaut, damit nicht zu viele Bundesdeutsche in die DDR einwandern können. Herabschauen - mitnichten lieber IM, da fielen mir ganz andere Begriffe ein ;-))))
      "Man kann einen gesellschaftlichen Diskurs darüber haben, was Meinungsfreiheit darf. Oder man hat Meinungsfreiheit."
    • Unerwarteter Geldsegen für das barocke Schloss Bothmer, West-Mecklenburg

      Frontansicht von Schloss Bothmer

      (Quelle Wikipedia, Urheber: Podracer)
      .
      Die berühmte Allee zum Schloss Bothmer

      (Quelle Wikipedia, Urheber Pagenkopf)
      .
      Das Schloss Bothmer im nordwestmecklenburgischen Klütz kann dank einer EU-Förderung sofort als Gesamtanlage restauriert werden. Aus dem EFRE-Fonds für die regionale Entwicklung und aus Landesmitteln würden 7,7 Millionen Euro zusätzlich bereitgestellt, sagte die Kuratorin Heike Kramer von der Verwaltung der Schlösser und Gärten am Donnerstag der dpa in Schwerin. Zuvor war geplant, zunächst das Haupthaus zu sanieren und darin 2014 eine Dauerausstellung über den Bauherrn Hans Caspar von Bothmer (1656-1732) und die Geschichte der Güter im alten Mecklenburg zu eröffnen. Jetzt soll die gesamte Anlage 2015 fertig werden. Dann sollen auch die Seitenflügel mit Gastronomie, Tagungs- und Veranstaltungsmöglichkeiten sowie einem Shop wiederhergestellt sein.
      :daumenoben: Quelle: Focus.
      .
      Kurz zur Geschichte dieses wunderschönen Schlosses:
      Das Schloss Bothmer befindet sich am Rande der nordwestmecklenburgischen Kleinstadt Klütz. Der denkmalgeschützte Komplex aus mehrflügeligem Schloss und rechteckiger Garteninsel bildet die größte erhaltene Barockanlage Mecklenburg-Vorpommerns. Die zum Schloss führende Festonallee ist ein in Deutschland einzigartiges Gartendenkmal. Das Schloss wurde nach englischen und niederländischen Vorbildern für den in Diensten des englischen Königshauses stehenden Reichsgrafen Hans Caspar von Bothmer von 1726 bis 1732 als Stammsitz seiner Familie erbaut. Zusammen mit zahlreichen benachbarten Gütern befand es sich über zweihundert Jahre im Eigentum der Bothmer. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Besitz enteignet und das Schloss in der Zeit der DDR zu einem Altenheim umfunktioniert. Nachdem ein privater Investor ein geplantes Nutzungskonzept nicht umsetzen konnte, ist es heute Eigentum des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Nach einer Zeit des Leerstands und Verfalls wird es gegenwärtig saniert. Unter dem Dach der Deutschen Stiftung Denkmalschutz wurde eine treuhänderische Stiftung gegründet, die das Land Mecklenburg-Vorpommern bei der Sanierung und Restaurierung des Schlosses unterstützt. Das Land wird bis 2014 mehr als 20 Millionen Euro aus verschiedenen Quellen für die Sanierung von Schloss und Park aufwenden. (Quelle: Wikipedia)

      Das Bothmer ist in der Tat ein barockes Juwel, es vermittelt auch durchaus das Idealbild eines typischen ostelbischen Gutshofes der Vorkriegszeit; 2007 wurde hier das Drama "Die Flucht" gedreht und damit das Schloss kurzerhand einfach mal so in das ehemalige Ostpreußen "verlegt" (hier zu sehen im Trailer >> youtube.com/watch?v=Stqm5pXe80w )

      Mehr zu Schloss Bothmer >>
      de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Bothmer
      ndr.de/regional/mecklenburg-vorpommern/bothmer255.html
      focus.de/regional/mecklenburg-…-saniert_aid_1034323.html