Essen - Rückkehr des alten Rathauses?

  • Interessant ist auch, das soweit ich das an dem Pressephoto ausmachen kann an Stelle des ehemaligen alten Rathauses ein sehr qualitätvoller postmoderner Bau steht nach dem man sich in einigen Städten nach sehnen würde. Natürlich steht die architektonische Qualiät des Rathauses über der jetzigen Bebauung und ich würde einem Wiederaufbau unbedingt zustimmen, sein Abriss war ein Kulturverbrechen erster Güte, aber dennoch ist es fraglich, gerade am Bespiel der heutigen Bebauung an dieser Stelle zu argumentieren dass zeitgenössische Architektur es nicht schaffe, lebenswerte urbane Räume zu schaffen, meiner Meinung nach kann das Bebauung in der Art der jetzt dort bestehenden es noch am ehesten. Vielleicht war die Aussage etwas allgemeiner und unspezifischer gemeint und nicht explizit auf die dortige Bebauung, oder aber was recht fatal wäre, es wäre die jetzige Bebauung an dieser Stelle gemeint und wenn das so wäre, hat man meiner Meinung nach Architektur einfach nicht begriffen.

    "Schönheit wird die Welt retten" - Dostojewski

  • (...) Vielleicht war die Aussage etwas allgemeiner und unspezifischer gemeint und nicht explizit auf die dortige Bebauung, oder aber was recht fatal wäre, es wäre die jetzige Bebauung an dieser Stelle gemeint und wenn das so wäre hat man meiner Meinung nach Architektur einfach nicht begriffen.

    Ja natürlich ist die Aussage allgemein auf "moderne", "zeitgenössische", "heutige", wie auch immer, Architektur zu beziehen. Der heutige Platzhalter ist schon ganz in Ordnung. Aber verglichen mit dem alten Rathaus , ist er absoluter Schrott. Entschuldigung.


    Zwar ist der Wiederaufbau erst eine Vision. Doch ich wäre wahnsinnig begeistert, wenn der Plan Realität werden würde.

  • Die jetzt an der Stelle des alten Rathauses stehende Bebauung ist schon die zweite, nach dessen Abriss - zuerst stand da ein ekelhaftester Betonklotz von "Wertheim"... Das jetzige Gebäude gehört in der Tat nicht zu den hässlichsten in der Essener Innenstadt - es kommt auf dem Foto aber auch besser daher, als es in realiter ist - sooo qualitätvoll ist der Bau nicht ausgeführt.


    Man wird sehen, ob dieser immerhin mal öffentlich geäußerte Gedanke aufgenommen oder von der im Artikel beklagten Kleingeistigkeit im Keim erstickt wird. Ich bin gebürtiger Essener und kann nur bestätigen, dass das fehlen eines etablierten Bürgertums sich in der Tat ungünstig auf die Entwicklung der Städte im Ruhrgebiet auswirkt. Hauptsache der xte Förderturm bleibt stehen - ein anderes Thema als die Industrialisierung gibt es für viele Essener nicht, wenn sie von "Geschichte" reden...


    Mich hat diese "Nein-was-haben-wir-unter-Tage-malocht-Mentalität" schwer ange***zt - hab die Stadt und Region daher auch ohne Wehmut verlassen - wünsche ihr aber dennoch, dass solche Projekte zu einem Stimmungswandel beitragen.

  • Sehr erfreulich, dass so etwas überhaupt angedacht wird. Umso befremdlicher wieder das übliche Dagegen-Geseier. Macht keinen Spaß mehr in diesem Land.


    Wenn ich das schon lese, nee echt...keine Ahnung von Geschichte und von Rechtschreibung auch nicht...


    "keinen Bock auf so´n idealisiertes Mittelalterhaus zur Verherrlichung des verbrecherischen Systems des Adels und der Aristrokratie. Wat haben denn unsere Vorfahren zu der Zeit hier gelitten und gehaust!"

  • Interessant ist auch, das soweit ich das an dem Pressephoto ausmachen kann an Stelle des ehemaligen alten Rathauses ein sehr qualitätvoller postmoderner Bau steht nach dem man sich in einigen Städten nach sehnen würde.


    Also wenn sich eine Stadt nach sowas sehnt, dann muss sie aber ganz schön auf dem Hund sein eek:)
    Mal ganz im ernst: Das Teil ist bestimmt keine Bausünde aber tausendmal schlechter als alles was da vorher jemals gestanden hat, vom alten Rathaus ganz zu schweigen. Der Wertheim-Betonklotz war bestimmt schlimm und das jetzige Gebäude sicher eine Verbesserung, aber nur weil ein Gebäude noch nicht alt und einigermassen gefällig ist, darf es nicht gleich als sakrosant erklärt werden. Man könnte dich sicher nach Weseler Vorbild, zunächst die alte Fassade vorblenden, der Turm könnte nach und nach kommen. Das Gebäude müsste dann auch nicht abgerissen werden. Wichtig fände ich in diesem Zusammenhang auch über eine wiederherstellung der vollkommen verstümmelten Marktkirche nachdenken.
    Früher:
    http://www.bildindex.de/bilder/MI10605a04a.jpg
    Heute:
    http://commondatastorage.googl…tos/original/19394434.jpg

    Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.

  • Also wenn sich eine Stadt nach sowas sehnt, dann muss sie aber ganz schön auf dem Hund sein


    Auf dem Pressephoto sah das Gebäude besser aus als auf den Photos hier, vermutlich weil ich auf eine erhöhte Ecke gehofft habe, ich weiß auch nicht wie es in Natura dort aussieht, deswegen ziehe ich meine Aussage teilweise zurück.Allerdings ist das Gebäude immer noch besser als 80% der Neubauten heute, deswegen wünsche ich mir an mancher Stelle lieber so ein (sicherlich verbesserungswürdiges und vollkommen im Schatten des alten Rathaus stehenden) Bau.

    "Schönheit wird die Welt retten" - Dostojewski

  • Man könnte doch sicher nach Weseler Vorbild, zunächst die alte Fassade vorblenden, der Turm könnte nach und nach kommen. Das Gebäude müsste dann auch nicht abgerissen werden.


    Derselbe Gedanke kam mir auch spontan. Wäre zumindest ein klein wenig realistischer als ein Abriß und Neubau. Und wenn das tatsächlich gelingen sollte, dann fällt mir sofort eine weitere deutsche Großstadt, eher südlich gelegen, ein, die ihr altes Rathaus mitsamt Turm auf ähnliche Weise zurückbekommen könnte. :zwinkern:


    Aber bis jetzt ist das Ganze ja nur eine Idee, mehr nicht. Also eigentlich fast nichts. Andererseits hat auch die - in Teilen leider fragwürdige - Rekonstruktion des Palais Thurn und Taxis in Frankfurt auch mit einer Idee begonnen...

  • Aber bis jetzt ist das Ganze ja nur eine Idee, mehr nicht. Also eigentlich fast nichts.


    Aber so fängt's an. Wenn jeder gleich gesagt hätte: "Das ist eh nicht realistisch..." gäbs keinen Neumarkt, keinen Hildesheimer Marktplatz, keinen Samstagsberg, die Frankfurter Altstadt bestünde bald aus Glas und Sichtbeton, vom Potsdamer Stadtschloss und dem Berliner Schloss ganz zu schweigen, der Alte Markt in Potsdam wäre nur noch eine Platzkante. Bei der Auflistung fällt mir auf, wie groß der Liste der "Großrekos" in Deutschland bereits ist, von den vielen kleineren Einzelgebäuden mal zu schweigen. das macht Hoffnung!
    Platzrekos werden in Deutschland schon fast normal.

    Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.

  • Also, dieses Projekt wäre ein ganz großer Gewinn für die Stadt. Klar gibt es immer noch falsche Vorbehalte gegenüber historistischer Architektur, aber das ist wirklich irrational und nicht mehr zeitgemäßes Denken.


    Bezüglich des derzeit stehenden Gebäudes kann ich nur "Pfälzer Bub" zustimmen. Das ist ein Kaufhausbau der etwas besseren Sorte, aber ansonsten x-beliebig und in fast jeder Fußgängerzone ähnlich anzutreffen. Kein Verzicht angesichts dieser tollen Idee zur Aufwertung Essens. Nun müssten sich eben nur Bürger und Politiker finden, die das auch tragen und mit einem attraktiven Nutzungskonzept unterlegen.

  • Hat sich seit dem kurzen Strohfeuer vergangenen Juni irgendetwas getan? Wird in die Richtung ernsthaft etwas unternommen?


    Ich traue das Essen gar nicht so recht zu, würde mich aber riesig freuen. Wäre ein sehr positives Signal für das gesamte Ruhrgebiet, zur dringend nötigen Stadtreparatur allerorten.


    Zur Ergänzung noch zwei Fotos vom imposanten alten Essener Rathaus, das von 1888 bis 1964 bestand:



    https://commons.wikimedia.org/…torRathaus1900_detail.jpg



    https://commons.wikimedia.org/…Rathaus_Essen_um_1920.jpg
    https://commons.wikimedia.org/…egory:Altes_Rathaus_Essen


    Tolle Neogotik, die wunderbar die ökonomische Potenz der Region zur Erbauungszeit symbolisierte.
    Ein Hauch von kaufmännisch-entschlossener Hanseluft umwehte diesen Bau! :thumbup:

  • Leider hat sich seit dem Strohfeuer nichts getan. Es handelte sich allerdings auch mehr um die Idee eines Architekten und leider nicht um einen konkreten Vorschlag. :sad:


    Bin allerdings Optimistisch, dass die Reko-Welle in den nächsten Jahren auch ins Ruhrgebiet kommen wird. Denn inzwischen ist man sich in Essen einig, dass der Abriss des Rathauses ein riesengroßer Fehler war. Zudem fehlt es gerade in der Innenstadt, wie im Gesamten Ruhrgebiet, an einer gemütlichen Atmosphäre.


    Eine Rekonstruktion des Essener Rathauses würde der Stadt und der gesamten Region sehr gut tun. Man könnte es sicherlich auch wieder als Sitz der Stadtverwaltung und des Standesamts gut Nutzen. Vielleicht könnte man dann auch das Umfeld zumindest teilweise Rekonstruieren, damit das Rathaus besser Eingerahmt wird. Eventuell könnte die Krupp-Stiftung den Wiederaufbau finanzieren, die das neue alte Rathaus dann für Kulturelle zwecke wie Ausstellungen gebrauchen könnte. Oder man Sammelt Spenden wie bei der Dresdener Frauenkirche oder dem Berliner Stadtschloss.


    Bislang ist alles nur eine Vision, aber eine, die Realität werden könnte, nicht nur in Essen. Etwa auch in Dortmund, wo man das älteste aus Stein gebaute Rathaus nördlich der Alpen 1955 trotz Wiederaufbaufähigkeit abgerissen hat. Oder auch das Gelsenkirchener Rathaus, dass ähnlich schön war wie das Essener, allerdings auch der Abrissbirne zum Opfer fiel. Man sieht also: Im Ruhrgebiet gäbe es viel zu tun, was Rekonstruktionen und Stadtreparatur angeht.

  • Na, ich denke nicht, daß die Stadtverwaltung in das wiederaufgebaute Rathaus ziehen würde. Schließlich gibt es ein großes neues Rathaus. Ich könnte mir eher vorstellen, daß das Gebäude einfach als Geschäftshaus genutzt werden könnte. Zumindest teilweise. Ein Restaurant auf den oberen Etagen könnte auch funktionieren. Die Stadt sollte aber die Finger davon lassen.
    Erst kürzlich war ich noch in Essen und dachte an die Rekonstruktion. Das Rathaus würde schon enorm weiterhelfen, um die Innenstadt attraktiver zu machen. Im derzeitigen Gebäude scheint nur noch ein Laden (Esprit) zu sein. Wenn der noch auszieht, könnte der Bau abgerissen werden. :engel:


    Der Abriss im Jahre 1964 ist schon fast vergleichbar mit dem der Leipziger Paulinerkirche. Aus heutiger Sicht unfassbar.

  • Da der letzte Post von 2015 ist, wollte ich das Thema mal wieder aufgreifen und fragen, ob sich in der Zwischenzeit etwas in Richtung Rekonstruktion des alten Essener Rathauses getan hat. Weiß da jemand vielleicht etwas (mehr) zu?


    Liebe Grüße

  • Denke das jede D. Stadt (> 100.000 Einw.) dringend einige oder mehrere Reko's aus der Zeit 1900-1914 brauchen kann: es gibt heute viel zu viel glatten Neubauten ohne viel Details. Könnten Bereichen gigantisch aufwerten. Mann kann anfangen mit fehlende Stuck und Dächer (fast überall), Giebel, Turmspitzen oder Laternen.
    Es soll ein Nationales Programma geben mit Subsidierung um Fassaden und Dächer nach historischen Vorbild zu gestalten.

  • Aktueller Stand scheint mir, dass die ganze Sache im Sand verlaufen ist. Die verlinkten Artikel sind ja immerhin zwei Jahre alt, seither hört man nichts mehr von dem Thema.

  • Das Bittere ist, dass die Verantwortlichen in Essen das wiederaufgebaute Gebäude 1964 ohne jede Not für ein Kaufhaus haben abreissen lassen. Wieder trägt die Partei mit dem "S" im vorderen Namensteil die Schuld. Heute einen solchen wilhelminischen Prachtbau wieder zu rekonstruieren, würde einiges kosten. Und das auszugeben ist - womöglich schon aufgrund der dortigen Ruhrpott-Mentalität - in Essen kaum jemand bereit bzw. in der Lage. Wir sehen ja, dass es schon in Berlin beim Hermannplatz bei einer weit weniger aufwändigen Fassade eines solventen Investors bedarf und sogar dagegen Widerstände existieren. Sehr, sehr bitter für Essen. Aber, sie haben diese Leute einst gewählt.


    Womöglich wäre es einfacher, den gotischen oder klassizistischen Vorgängerbau zu rekonstrieren. (Siehe hier)