Schweinfurt - Wiederaufbau eines Turmes am Höpperle

  • In Schweinfurt gibt es Überlegungen einen ehemaligen Turm der Stadtmauer, den Höpperle, wiederaufzubauen. Dieser Turm wurde im Krieg zerstört und anschliessend nicht wieder aufgebaut. Besonders löblich ist die breite Unterstützung durch verschiedene Privatpersonen und Unternehmen.


    Quote

    „Nach den Todsünden in der Vergangenheit“, schreibt Hofmann – und nennt als eine solche den Abriss der Stadtmauer mit Türmen am Westwall (heute Galeria Kaufhof) – „hat in der Stadtpolitik eine lobenswerte Kehrtwendung stattgefunden“. Es werde jetzt „Erhaltenswertes wirklich erhalten“. Weiter schreibt er: „Man sollte künftig auch Wiederaufbau beziehungsweise Rekonstruktionen ins Auge fassen“.


    http://www.mainpost.de/regiona…einen-Turm;art742,7532734


    Fotos des Höpperle:


    http://www.schweinfurtfuehrer.…pezial-das-h%C3%B6pperle/

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.


    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.

  • Wieder ein kleiner Hinweis auf einen Mentalitätswandel in Deutschland. Danke für die Information! :smile:

    "Willst du eine Stadt vernichten, baue Kisten, Kisten, Kisten!"

  • Als Schweinfurter freue ich mich natürlich sehr über die Aktion und hoffe inständig, dass es sich zum Katalysator für andere Projekte in dieser Richtung entwickeln wird. So wären z.B. die im zweiten Weltkrieg zerstörten Renaissance-Fassaden der Stadt lohnende Wiederaufbauprojekte.

  • BAUPLAN Kupfer hat sich sehr wohl mit dem wieder aufzubauenden Turm und seinem Standort beschäftigt.


    Um eine tatsächlich reale Wiedergabe der historischen Fakten aufzuführen, muss hier erstmal klargestellt werden, dass es KEINEN sogenannten „Höpperles-Turm“ gab. Aus den historischen Unterlagen des Stadtarchivs und der von Herrn Andreas Hedler ermittelten Fakten zum Standort und den Türmen entlang der westlichen Stadtmauer – wird in keinem Dokument ein „Höpperles-Turm“ benannt.


    Dies wird auch von innerhalb der Dokumentation auf der Seite von BAUPLAN Kupfer, deutlich herausgehoben.


    Aus den historischen Fakten sind entlang der Stadtmauer zwischen Neutorstraße (nördlich) bis hin zur Kunsthalle (Ernst-Sachs-Bad - westlich) drei ehemalige Stadttürme bekannt. Diese können sogar durch aktuelle Lagepläne belegt werden.


    Der nördlichere Turm (der sogenannte „Ausfall“) liegt direkt neben der heutigen Neutorstraße und weist in der Stadtmauer noch seine „Umrisse“ auf.


    Der mittlere Turm (der sogenannte „Schweinehirten-Turm“) liegt eher westlich und direkt links neben dem Durchgang der Stadtmauer, südlich des Theaters – dem sogenannten „Messeplatz“.


    Ein weiterer Turm stand auf Höhe der jetzigen „Villa Rosa“ der JVA weiter südlich der beiden vorab beschriebenen Türme.


    Bei dem wieder aufzubauenden Turm handelt es sich um den sogenannten „Ausfall“. Dieser Standort wurde gewählt, da hier an der Stadtmauer noch deutliche Spuren eines Turmes vorhanden sind und daher eine Rekonstruktion am ehesten Sinn macht.


    Woher kommt dann „das Höpperle“


    Höpperle kommt aus den Alt-Schweinfurter Dialekten . Zwar besaß früher fast jede Straße ihren eigenen kleinen Dialekt. Was man also in der Wolfsgasse verstand, konnte man in der Kirchgasse nicht wirklich verstehen... Alles war aber fränkisch, jedoch immer irgendwie anders.


    Höpperle bezeichnet einfach einen kleine Steigung, einen Hügel (oder besser gesagt Hügelchen). Weitere fränkische Bezeichnungen Hüppel, Hüppela, oder im Schweinfurter Dialekt Höpperla.


    In diesem Bereich existierten früher zwei Stadtmauern – ein äußerer und ein innerer Ring – im Bereich zwischen beiden Mauern befand sich ein Fußweg. Zu den einzelnen Türme existierte ein kleiner Anstieg („Höpperla“).


    Da keiner der beiden Türme wirklich einen Eigennamen besaß und früher auch von der Schweinfurter Jugend den Bereich als Schlittenhügel genutzt wurde (Zeitzeugen berichteten hiervon), dass das Höpperle einfach nur „a Höpperla wor“ und sich daher der Name begründet.


    Viele Grüße aus Schweinfurt...
    BAUPLAN Kupfer

  • Laut dieses Zeitungsartikels geht es langsam aber zäh mit dem Wiederaufbauprojekt weiter. Der Bauausschuss hatte letztens mit nur zwei Gegenstimmen für den Wiederaufbau gestimmt, obwohl die Denkmalpflege erwartungsgemäß massiven Gegenwind erzeugt:


    Quote

    ... Der Bau- und Umweltausschuss befasste sich in seiner letzten Sitzung mit dem Thema und signalisierte Zustimmung. Aufgeweicht ist das frühere strikte Nein aus dem Rathaus zur Bauträgerschaft. Die Stadt werde der Bauherr, wenn man keine andere Lösung finde, hieß es nicht nur von Baureferent Jochen Müller.
    ...
    Das Landesamt für Denkmalpflege sieht die Sache „kritisch“, spricht von einem Neubau, der die Denkmalpflege nur sekundär berühre. Eine Rekonstruktion sei ein Fantasieentwurf, weshalb das Amt „dringend von einer weiteren Verfolgung des Projekts“ abrät. Bedenken meldeten mittlerweile auch die Stadtheimatpflege, das Baureferat und die Untere Denkmalschutzbehörde an.
    ...
    Letztendlich gab es nur zwei Gegenstimmen bei der grundsätzliches Zustimmung für den Wiederaufbau (von Boberg und Christian Michal-Zaiser, proschweinfurt) Beschlossen ist: „Dem Wiederaufbau wird unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Grabungen und vorbehaltlich der erforderlichen Genehmigungen grundsätzlich zugestimmt.“ Den Baugrund stellt die Stadt kostenfrei, die auch die archäologischen Grabungen bezahlen wird. Die finanziellen Aspekte werden den Finanzausschuss des Stadtrates beschäftigen, der zudem prüfen wird, ob die Stadt als Bauherr auftreten soll.