München - Kriegs- und Nachkriegsverluste (Galerie)

  • Noch eine ältere Aufnahme zum Törring-Palais.


    Blick vom Max-Joseph-Platz in die Residenz- und Dienerstraße (Aufnahme von 1875), links das von Leo von Klenze 1836 zur Hauptpost umgebaute Törring-Palais.
    Auf der rechten Seite stand noch das Palais Wahl, zu dem ich bisher noch keine Aufnahme finden konnte.


    München - Maximilianstraße 2 u.a., Residenzpost


    Interessieren würde mich ja auch mal, wie viel mittelalterliche Bausubstanz es unmittelbar nördlich des Neuen Rathauses im Bereich der Landschaftstraße vor 1945 noch gab...



    @ D. Pedarnig: Das mit dem Buchprojekt klingt natürlich sehr interessant.
    Beschäftige mich seit einiger Zeit intensiver mit dem alten München und habe entsprechend sehr viel – ähnlich wie bei Augsburg auch – an aktuellen eigenen sowie zahlreichen älteren Aufnahmen zusammengetragen.

  • Hab lange gesucht bis ich zum Wahl was gefunden hab ... Gibts eine Fotografie im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, aber auch nicht frontal. Irgendwie war wohl immer das Törring wesentlich interessanter. Das Foto ist super schön, weil es noch die Straßensituation zeigt. Woher ist es? Bin gerade dabei die Innenaufnahmen aus den 1950er-Jahren zusamenzutragen, mit dem Portal in der Schalterhalle.

  • Das freut mich von Ihnen persönlich hier zu lesen, Frau Pedarnig! Vor einigen Jahren hatte sich Herr Köppelmann auch schon hier im Forum gemeldet und ich hatte via email etwas Kontakt mit ihm, bei der er mir enthusiastisch von dem Buchprojekt berichtete.
    Anfang des Jahres kam mir dieser email-Wechsel wieder in den Sinn und ich war neugierig ob es erschienen war. Da habe ich ein bisschen nachgeforscht und zuerst die sehr traurige Nachricht entdeckt. Danach dachte ich, dass das Buch wohl nicht mehr erscheinen wird. Sobald habe ich das Buch dann aber auf der Webseite des allitera-Verlags entdeckt und hätte es bald auch hier gepostet, da stand noch ein Veröffentlichungsdatum im Juli auf der Seite.
    Einige Fragen hätte ich noch im Zusammenhang mit dem Buch: viele der historischen Bilder müssten doch eigentlich gemeinfrei sein, d.h. dafür darf doch eigentlich keiner mehr Geld verlangen oder? Insbesondere bei den öffentlichen und von Steuern finanzierten Einrichtungen wie Stadtmuseum, BLfD etc wäre es doch problematisch wenn dort horrende Summen für die Nutzung der Bilder anfallen sollten... Zum anderen: hatte von den großen finanzstarken Verlagen wie Prestel, Schnell+Steiner etc. keiner Interesse an so einem wichtigen Werk? Könnte man evtl zur Finanzierung Stiftungen mit ins Boot holen, wie Ernst-von-Siemens-Kunststiftung, Hypo-Kulturstiftung, Messerschmitt-Stiftung, Edith-Haberland-Wagner-Stiftung, Stadtsparkasse etc?
    Ich wünsche Ihnen jedenfalls viel Erfolg mit der Finanzierung über Startnext und werde auch meinen kleine Teil dazu beitragen um dann hoffentlich im September diesen Prachtband in Händen zu halten! :)


    Hier schon ein sehr interessantes Interview: https://www.machdeinradio.de/r…ber-muenchner-palais.html

  • Eine sich mir nicht erschließende Aufnahme aus dem Bildindex.



    Richtig beschriftet?? Überhaupt München ?? Kriegs-/Nachkriegsverlust??


    Vielleicht weiß jemand etwas dazu oder hat Lust nachzuforschen...

  • Brienner Str. 34 (ehem. 45), Palais Barlow, bekannt als Braunes Haus




    Bildarchiv Foto Marburg


    Das ehemalige Palais Barlow 1829/30 erbaut, ab 1930 Zentrale der NSDAP.
    Links einer der beiden 1935 erbauten und 1947 abgebrochenen Ehrentempel an der Königsplatz-Ostseite.



    Bildarchiv Foto Marburg


    Nach 1946 die Überreste abgebrochen. Längere Zeit unbebaut.



    Statt einer Rekonstruktion, die wie ich finde einen überaus geeigneten Rahmen für das NS-Dokumentationszentrum dargestellt hätte, steht jetzt bekanntermaßen dieses bestens in ein Gewerbegebiet passende, unförmige Etwas. Einmal mehr eine verpasste, eigentlich notwendige Stadtbildkorrektur an sensibler städtebaulicher Stelle. Einmal mehr provokativ genau das Gegenteil...



    Königsplatz, Ostseite mit Führerbau (heute Musikhochschule), rechts das Braune Haus, die Ehrentempel 1947 entfernt.

  • Brienner Str. (ehem. 15, heute unbebaut), Päpstliche Nuntiatur



    Ehem. Palais Degenfeld, 1944 ausgebrannt und später abgebrochen. Stand auf der Südseite gegenüber dem Palais Barlow. Die Nuntiatur gegenüber der Denunziatur...

  • Weiter geht es wiederum unmittelbar benachbart, am Karolinenplatz, nach Nuntiatur und Denuntiatur mit dem Amerika-Haus...


    Karolinenplatz 3, ehem. Palais Asbeck-Lotzbeck, jetzt Amerika-Haus


    Das Palais Asbeck-Lotzbeck (Aufnahme vor 1945) wurde 1944/45 beschädigt, die Ruine 1955 zugunsten des Amerika-Hauses abgebrochen. Die beiden Nebengebäude verändert erhalten.



    Das Amerika-Haus wurde zwischenzeitlich unter Denkmalschutz gestellt.



    Links und rechts die verändert erhaltenen und ebenfalls unter Denkmalschutz stehenden Nebengebäude des abgerissenen Palais. Rechts im Hintergrund die Propyläen.

  • Danke für die Bilder ! Gebäude sind eben Zeitzeugen der jeweiligen Epochen, deswegen verwundert mich heute der sterile, monotone Baustil der Moderne nicht, weil sie perfekt den Großteil unserer Gesellschaft widerspiegelt...

  • Hallo Markus, das ist schon in München und zwar in der Theresienstraße 34. Hier noch ein anderes Foto des Hauses von 1910:



    Das ist übrigens mein erster Beitrag hier im Forum, ich lese allerdings schon länger mit :-) vielen Dank für all die tollen Informationen und Diskussionen!

  • Hier noch ein paar weitere Fotos nicht mehr existierender Häuser aus der Innenstadt, vor allem aus der Zeit des Rokoko, die in diesem Thread noch nicht gezeigt wurden:


    Fangen wir an mit dem in meinen Augen unglaublich noblen und eleganten Palais Piosasque de Non in der Theatinerstraße 16, erbaut im Jahre 1726 von François de Cuvilliés (es wurde hier zwar schon erwähnt, aber noch nicht gezeigt). Zerstört im 2. Weltkrieg.



    (Quelle: Wikimedia Commons; Autor: Joseph Albert; aus "Otto Aufleger (Hrsg.): Münchener Architektur des 18. Jahrhunderts, Werner Verlag, 1897.")



    Dann das Palais Kuen-Belassy in der Theatinerstraße 19, erbaut um 1725, wahrscheinlich von Joseph Effner. Zerstört im 2. Weltkrieg.




    Weinstraße 10, erbaut ebenfalls um 1725, abgerissen 1914.



    Weinstraße 10 Portal:



    Kaufingerstr. 15 Kaffeehaus Schimon, erbaut 1750, abgebrochen 1898:




    Ledererstraße 2, erbaut 1738, abgebrochen 1897:


  • Residenzstr. 21, Palais Lerchenfeld, erbaut 1735, im 2. Weltkrieg zerstört:



    Marienplatz 4, um 1760, abgerissen 1899:



    Salvatorstraße 20, Palais Vacchiery, später Waldkirch, im 2. Weltkrieg zerstört:




    Burgstraße 12 (heute 6), Kreittmayr-Haus, abgerissen 1909, Detail Fassade:





    Burgstraße 12, Kreittmayr-Haus innen:




    Burgstraße 11, 12, 13, das vorher gezeigte Haus ist das 2. von rechts. Das angeschnittene Haus ganz rechts wurde im 2. Weltkrieg zerstört. Das Haus groß in der Mitte ist das Cuvilliés-Haus, welches noch existiert.


  • Portal des Palais Tattenbach in der Theatinerstraße 6, erbaut 1770, abgebrochen 1910:




    Palais Törring, Treppenhaus, zerstört im 2. Weltkrieg:





    Rindermarkt 20 (heute 16,17), erste Hälfte 18. Jhd, im 2. Weltkrieg zerstört:





    Palais Lamberg, Kaufingerstr. 10, erste Hälfte 18. Jhd, im 2. Weltkrieg zerstört:





    Palais Lamberg, Kaufingerstr. 10, Stiegenhaus:



  • Palais Porcia, Kardinal-Faulhaber-Str, Kleiner Saal: erbaut 1693 von Enrico Zuccalli, Fassadenumgestaltung 1731–37 durch François de Cuvilliés. Die Fassade blieb bei den Bombardements des 2. Weltkriegs stehen und wurde restauriert, das eigentliche Haus dahinter hingegen zerstört und neu errichtet.




    Palais Porcia Stuckdetail kleiner Saal:





    Das Café Perzel am Marienplatz (heutiges Kaufhaus Beck) wurde zwar schon vorgestellt, aber noch nicht in einer Gesamtaufnahme:




    Rosental 15, Höchl-Haus, frühklassizistisch, abgebrochen 1909:




    Sendlingerstr. 33, kleinbürgerliches Haus, im 2. Weltkrieg zerstört:





    Herzogspitalstraße Nordseite: nicht alles wurde zerstört, aber der Gesamteindruck der Straße ist heute leider ganz anders...






    Eine Ansicht vom Marienplatz Richtung Südosten:





    Zum Schluss noch der gotische, nicht mehr existierende südliche Anbau des alten Rathauses:





    Und noch ein Luftbild von der östlichen Situation des Marienplatzes um das alte Rathaus herum:


  • Es gäbe noch vieles, was man noch zeigen könnte aus der Innenstadt, es ist sehr, sehr traurig zu sehen, was um 1900 schon alles abgerissen wurde und was im 2. Weltkrieg und danach noch verloren ging... ich finde diese Rokoko-Stuckfassaden absolut himmlisch, ich könnte mich ewig in den ganzen Details verlieren! Was könnte München heute für eine großartige Stadt sein, wenn das noch alles existieren würde... wenn man dann noch zusätzlich die ganzen Vorstädte mit einbezieht, wenn man anschaut, was gerade in der Maxvorstadt alles verloren ging, die ganzen klassizistischen und historistischen Villen mit den vielen Gärten drumherum und die großbürgerlichen Mietshäuser mit ihren teilweise ein bissl gspinnerten aber künstlerisch und handwerklich immer anspruchsvollen Fassaden aus der Gründerzeit und vor allem aus dem Jugendstil... dann kann man nur traurig sein.


    Wie auch immer, die hier gezeigten Gebäude standen alle in der Innenstadt und stammten (mit Ausnahme des alten gotischen Rathauses) aus dem 17./18. Jahrhundert, teilweise waren es auch ältere Häuser, die in der Barock- und Rokokozeit stuckiert wurden. Für mich als Bayer ist diese Barock- und Rokokozeit die schönste Epoche in der mitteleuropäischen Baugeschichte, sie strahlt Heiterkeit, Verspieltheit und Eleganz aus, vor allem im Profanbau.
    Das ist Heimat :-)

  • ja das reist einen echt runter, besonders der Marien platz ist ein Schlag in die Margen gegend das tut echt weh.
    Weist Du zufällig, warum so viele Häuser um 19 abgerissen wurden? Ich tippe auf Straßen Verbreiterung oder verpönung des Barocks durch die gz