München - Kriegs- und Nachkriegsverluste (Galerie)

  • Jetzt (nach der Änderung der Hausnummern 1992) immer noch Sendlinger Straße 33.

    Ja, nur leider steht da jetzt eines der schiachsten Häuser der ganzen Sendlinger Straße...

  • ja das reist einen echt runter, besonders der Marien platz ist ein Schlag in die Margen gegend das tut echt weh.
    Weist Du zufällig, warum so viele Häuser um 19 abgerissen wurden? Ich tippe auf Straßen Verbreiterung oder verpönung des Barocks durch die gz

    Ich nehme an hauptsächlich gestiegene Anforderungen an Raum und Komfort, außerdem sicher auch der Wunsch nach "modernerer" und "modischerer" Architektur. Allerdings hat man in München um die Jahrhundertwende vor dem Abriss solch alter Häuser meistens Fotos sowohl von außen als auch von innen gemacht, um die Stilelemente und Ornamente nachher beim Neubau wieder zu verwenden, Stichwort Heimatstil (vor allem der Münchner Architekt und Stadtbaumeister Hans Grässel hat damals eine große Sammlung an Fotos von Häusern vor ihrem geplanten Abriss angelegt). Sie wollten oft also nicht etwas komplett Modernes, sondern nur etwas den damaligen Erfordernissen Angemesseneres. Das macht die Abrisse aus heutiger Sicht natürlich nicht besser, allerdings zeigt es, dass man um die Jahrhundertwende die alte Architektur durchaus wieder als schön empfand (sonst hätte man sie ja nicht in Neoformen wieder neu aufgelegt). Die Verpönung von Barock und Rokoko war damals ja eigentlich schon vorbei - das war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, also zur Zeit von Klassizismus und Biedermeier, die Mode gewesen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es eine Rehabilitierung der Barock- und Rokokoarchitektur, ausgehend z.B. von den diversen Studien von Cornelius Gurlitt zur Geschichte des europäischen Barock und Rokoko.
    Ein Beispiel für die damalige Wiederverwendung von alten Stilelementen ist z.B. das Hotel Peterhof am Marienplatz Südseite, ein Neorokoko-Bau (übrigens auch ein Kriegsverlust):







    Auf dem letzten Foto ist das zweite Haus von rechts übrigens das "Kaufhaus zum Merkur" Marienplatz 28, welches Markus hier schon vorgestellt hat, links davon das Hotel Peterhof.
    Wenn man sich jetzt die vorherige Bebauung an dieser Stelle anschaut (und zwar auf dem Foto, das ebenfalls schon von Markus präsentiert wurde, welches ich hier aber nochmal in höherer Auflösung zeige) -




    dann sieht man, dass das einfachere Haus direkt hinter der Mariensäule, welches dem Neubau des Hotels Peterhof weichen musste, mit dem links angrenzenden Haus vereint wurde und trotz neuem Giebel und ein paar Balkonen, die auf dem linken Haus nicht existierten, dessen grundsätzliche Fassadenelemente übernahm, nämlich die Fensterformen und die Stuckierungen. Das Ergebnis fügt sich also durchaus harmonisch in die bestehende Situation ein, wie ich finde.
    Das heißt jetzt natürlich nicht, dass die Nachfolgerbauten generell eine gleichbleibende Qualität aufwiesen oder gar eine Verbesserung darstellten, in den meisten Fällen handelte es sich sicher um die damals übliche historistische Architektur, die nicht an die Grazie und Ausgewogenheit der Vorgängerbauten herankam. Ich möchte nur sagen, dass zumindest öfters ein paar Elemente der alten Barock- und Rokokobebauung übernommen wurden und versucht wurde, diese mit den damals modernen Erfordernissen in Einklang zu bringen.

  • Danke für die eingestellten Aufnahmen und speziell für die Antwort auf die Theresienstr. 34. Bezüglich der Ledererstr. 2 habe ich letztens auch mal länger gegrübelt, wo das war. Wieder zwei mir unklare Fälle weniger. Ein paar weitere unbeschriftete Aufnahmen finden sich im Bildindex zu M noch, mit denen ich bisher nicht klar gekommen bin. Vielleicht stelle ich die demnächst mal noch ein.

  • Ein kleiner Nachtrag zum Kreittmayr-Haus in der Burgstraße.


    Das 1909 abgerissene Haus, hier nochmal die Fassade -



    wurde 1909 durch dieses, noch heute bestehende Gebäude ersetzt:




    Es ist zwar nicht so graziös wie der Vorgängerbau, aber durchaus ansehnlich. Der Flacherker mit seinen seitlichen schmalen Guckfensterln, den sogenannten Spionen, nimmt Bezug auf das spätgotische Münchner Bürgerhaus. Man hat sich also bei Neubauten teilweise durchaus Mühe gegeben, etwas zu schaffen, was zur lokalen Tradition und zum umliegenden Bestand gepasst hat (aber natürlich wär's mir lieber, wenn der alte Bau noch stehen würde, die alten Fensterumrahmungen fand ich viel eleganter).


    Hier nochmal die Ansicht der Straßenseite mit dem alten Haus und dem Cuvilliéshaus in der Mitte:



    Und hier eine Ansicht vom jetzigen Ensemble (Burgstraße 8 (Cuvilliéshaus) bis vor zum alten Rathaus):



    Das breitere rötliche Haus rechts von der Burgstraße 6 ist ein Nachkriegsbau, der anstelle von drei im Krieg zerbombten Bürgerhäusern entstand, ein recht ansehnlicher Bau, der sich gut einfügt, wie ich finde.



    Hier noch ein Blick in die andere Richtung zum Alten Hof (links angeschnitten befindet sich das bekannte Haus Burgstraße 5, die ehemalige Stadtschreiberei, mit Renaissance-Fassadenmalereien vom Hofmaler Hans Mielich):


  • Ich kenne es noch als Armeemuseum. Es war ja im Krieg beschädigt worden und war dann jahrzehntelang so rumgestanden. In den 80er-Jahren wurde es dann zur Staatskanzlei. Seitdem hat es in meinen Augen seinen Charakter verloren, denn das Gebäude entspricht nicht mehr dem früheren Zustand. Wenigstens besitzt es als Staatskanzlei eine adäquate Nutzung, die gut zu dem Großbau passt.

  • Quote from Zeno

    (...) Seitdem hat es in meinen Augen seinen Charakter verloren, denn das Gebäude entspricht nicht mehr dem früheren Zustand.(...)


    Natürlich nicht. Da genügt doch ein Blick. Diese seitlichen gläsernen Gewächshäuser sind fette Fremdkörper.


    Zeno, Du kennst den Bau noch als Armeemuseum? Wie alt bist Du denn?

  • Habe mir schon fast gedacht, dass so eine Reaktion kommt :D . Das Gebäude, das vor dem Krieg irgendwann mal das Armeemuseum war, hat man natürlich auch nach dem Krieg noch so genannt. Will heißen, ich kenne es unter der Bezeichnung "Armeemuseum".

  • Die Synagoge wurde aber 1938 zerstört und ist entsprechend auch kein Kriegsverlust. Die ursprünglich durch ein Bauverbot gesperrte Freifläche wo die Synagoge stand wurde 2005 durch den Karstadt-Bunker überbaut.

    Ein unglaublicher Verlust ist die Synagoge noch heute. Besonders mit Blick auf den Neubau, der ähnlich schlecht, wie die Synagoge in Dresden geworden ist.

  • Servus Forumsgemeinde,


    die Recherche im Interner hat mich hierher geführt und ich danke für die zügige Aufnahme als Neunutzer.
    Als gebürtiger Münchner mit Hang zu Architektur und vergangenen Zeiten ist es mir in Spass, die Rätsel
    zu knacken, die alte Fotos aufgeben.


    Nicht immer komme ich zum Ziel weswegen ich an dieser, hoffentlich richtigen Stelle um Hilfe bitte.


    Das Foto wurde 1911 als Ansichtskarte an Dr. Schnell in der Sendlinger Str. 42 geschickt.
    Der Stempel ist vom Postamt München 2, wohl Hopfenpost.
    Ganz links im Haus ist gemäss den Beschilderungen wohl ein Notar ansässig gewesen.
    Die Notare im 1910er Stadtadressbuch habe ich durchgeschaut und komme da nicht weiter.
    Die Fassade ist spätbarock(isierend) gestaltet, die Bauweise scheint Pavillion-artig zu sein.
    Es gibt recht markante Speicherfenster unter der Traufe bzw. im Kniestock.


    Ich meine, es müsste sich um ein verlorenes Gebäude in einer Vorstadt handeln.
    Ich bin für jeden weiteren Hinweis dankbar!


    Gruss aus München,
    Monaco.


  • Wenn man das, was über dem Hauseingang steht, lesen könnte, würde es vielleicht weiter helfen. Vorstellen könnte ich es mir z.B. in der Isarvorstadt. Aber bei den Unmengen an Gründerzeithäusern...

  • Hallo Monaco


    Zuerst einmal herzlich willkommen im Forum von Stadtbild-Deutschland!


    Mir macht es auch viel Spass, historische Ansichten aus meinem Wohnort zu enträtseln; hierfür werde ich auch vom Historischen Museum und diversen Archiven angefragt. Bei deiner Ansicht handelt sich um eine Fotopostkarte, die du hochaufgelöst eingescannt hast. Nebst dem Schriftzug über der Türe gibt es am 1. Obergeschoss ganz links diese zwei Tafeln. Könnte es sich auch um was anderes als Schilder von Notaren handeln. Man sollte sich nicht zu früh darauf festlegen. Vier Fenster weiter rechts - ganz ungewöhnlich für ein Gründerzeitgebäude - gibt es eine (Madonna?)-Figur. Wenn jemand das Haus als solches nicht erkennt, führten vielleicht diese Details weiter. Versuch doch mal, diese Details mit der grösstmöglichen Auflösung einzuscannen, oder den Schriftzug mit einer Lupe zu entziffern.

  • Frauenplatz 9


    Frauenplatz 9 beherbergt seit 1893 das Nürnberger Bratwurstglöckl, in zwei Jahren steht die 125-Jahr-Feier an. Wie schön wäre es, wenn das im 2. Weltkrieg weitgehend zerstörte Gebäude wieder seine ursprüngliche Gestalt bekäme. Wäre eine enorme Aufwertung des heutzutage, von der Frauenkirche abgesehen, denkmalfreien Platzes. Noch dazu im Anbetracht der vielen verlorenen Barockfassaden im unmittelbaren Umfeld, sei es an der Weinstraße, Kaufingerstraße oder der Löwengrube.



    Aufnahme von 1904


    Heute:


    Frauenplatz 9 und 8:



    Immerhin existiert das Bratwurstglöckl noch, in München heutzutage auch alles andere als selbstverständlich...

  • An und für sich ein erstaunlich guter Bau der 50er Jahre (sogar mit Denkmalwert), der so ganz gut auch in Rothenburg hätte stehen können. Nur steht es hier genau an einer völlig falschen Stelle (wie üblich...).

  • Frauenplatz 9


    Bau der 50er Jahre? Dachte schon, die unteren Geschosse wären original.


    Frauenplatz 10



    Das einstige Ridler´sche Reiche Almosenhaus auf der Ostseite des Frauenplatzes mit Blick in die Sporerstraße (links die Frauenkirche). In der Sporerstraße stand seinerzeit noch ein wunderbares Altmünchner Bürgerhaus mit zwei Ohrwaschln (Aufnahme von 1905).



    Der Nachkriegsbau vom ehem. Reichen Almosenhaus heute.

  • Salvatorstraße


    Salvatorstr. 20, Palais Waldkirch (letztes Viertel 18.Jh.) auf der Nordseite der Straße
    Eines der vielen in den vergangenen Jahrzehnten völlig vernichteten Münchner Palais (ehemals gab es davon 54). 1944 weitgehend zerstört, die Reste abgetragen, die Stelle bis heute zumindest teilweise unbebaut.


    Wohl in etwa der gleiche Blickwinkel heute:




    Salvatorstr. 5, Gasthaus zum Kühbogen (Aufnahme von 1908)
    Gegenüber vom Palais Waldkirch auf der Südseite der Straße


    Auch längst Vergangenheit wie sooo vieles andere von der einstmaligen Münchner Altstadt ist dieses reizvolle Ensemble. Es war einmal und wird nie mehr sein...



    Salvatorstraße und Salvatorkirche 1910, vorne links heute ein denkmalgeschütztes und preisgekröntes Parkhaus...

  • Frauenplatz 9


    Bau der 50er Jahre? Dachte schon, die unteren Geschosse wären original.

    Soweit ich weiß, ist das Erdgeschoß und der 1. Stock original, die darüber liegenden Stockwerke wurden im Krieg zerstört. Ich hab das in irgendeinem Buch gelesen, weiß aber nicht mehr in welchem...