Bilder vom alten Dresden

  • Kindvon2dresdnern schrieb

    Quote

    Nun muss ich Dich etwas korrigieren: Der Gänsediebbrunnen stand bis in die 50er nicht in der Weißen Gasse wie heute, sondern auf dem Ferdinandplatz (zwischen Ring und Prager Straße - ungefähr Nähe Rundkino)


    Danke für die Korrektur.
    Auf die Bilder der Weissen Gasse 2 sieht man auch das das schöne Portal fast unbeschädigt war.Ist es noch da, z.B. ins lapidarium oder wurde es auch gesprengt?Weiss jemand ob es damals schon organisierte Versuche gab Teile zestörter Gebäude zu retten oder kam das erst später?

  • Lerm schreibt, daß die Weiße Gasse das einzig noch erhaltene Renaissancehaus war, Ebeling 1949 anordnete, das Haus keinesfalls zu sprengen, und wenn es nicht mehr gehalten werden könnte, die Fassaden zu vermessen. Trotzdem wurde es beseitigt.

  • Quote from "Kindvon2dresdnern"

    Andere Frage: ich weiß wohl, dass es schon damals durch bürgerliches Engagement das einzig unversehrte Haus gerettet wurde. Um ein Haar wäre es für den Hotelneubau abgerissen worden. Aber, wurde dieser Bau dann komplett entkernt, sodass nur noch die Außenmauern stehen, oder gibt es noch originale Innenausstattung?


    Die Frage kann ich nicht umfassend beantworten, aber ein paar Zusatzinformationen zu diesem Komplex möchte ich euch nicht vorenthalten.
    Weil nachfolgend oft von Elb- bzw. Straßenseite die Rede ist: Zur Einordnung des gesamten Komplexes hier zunächst ein Luftbild. Das Hotel Bellevue mit dem integrierten Bürgerhaus erscheint dort in der linken oberen Ecke.


    http://fotothek.slub-dresden.de/fotos/bidok/df_0749858.jpg


    Das nächste Bild soll die Gebäudestruktur verdeutlichen. Es handelt sich um einen palaisartigen Barockbau mit zwei Innenhöfen. Zur Einordnung: Die Straße liegt am oberen Bildrand.



    Der Komplex beinhaltet zwei Schauseiten, die zur Elbe (hinterer Flügel) bzw. zur Straße weisen. Hier die prächtige Fassade zur Straße hin (Geht Euch hier der gleiche Gedanke wie mir durch den Kopf? – Mein Gott, was wäre das heute für ein Straßenzug :( ).


    http://www.dresden-und-sachsen.de/dd2/xpics_dd/barockh.jpg


    http://www.dresden-und-sachsen…sden/pics/barockh_det.jpg


    Quote

    Beschreibung der Straßenfassade:


    Die reich geschmückte Straßenseite wird durch einen zweifenstrigen Mittelrisalit, aufgesetzte Spiegel und Vasen zwischen den Fenstern gegliedert. Dieser Mittelrisalit ist durch einen Dreiecksgiebel abgeschlossen, der eine Namenskartusche trägt. Das Untergeschoss hat geputzte Rustikastreifen, während die oberen zwei Stockwerke durch Pilaster gefaßt sind.
    Seit 1736 war das Haus Sitz von Ministerien, weswegen der Bau auch die Beinamen »Die Regierung« bzw. »Kollegienhaus« trug. Erst 1904 verließ das Justizministerium das Gebäude.


    Und hier die zur Elbe gerichtete Schauseite. Von dort aus hat man einen phantastischen Blick auf die Altstädter Silhouette, daher auch der Name des hier befindlichen Restaurants *Canaletto*.


    http://www.dresden-und-sachsen.de/dd2/xpics_dd/barockh3.jpg


    Der online zugängliche Bestand der „fotothek“ enthält einige Fotos aus dem Jahr 1981. Die Aufnahmen sind ganz offensichtlich kurze Zeit vor Beginn der Bauarbeiten zum Neubau des Hotels entstanden. Sie verdeutlichen ganz gut den schäbigen Zustand. Nachfolgend habe ich diese Serie verlinkt und dabei zum Teil aktuelle Vergleichsansichten ergänzt.


    Bildtitel der Fotothek: Erster Hof gegen das Vordergebäude, 1981;
    Soll heißen: Blick von Süden (die Elbe im Rücken) in den vorderen Innenhof. Bei dem schmalen Trakt, auf den wir frontal blicken, handelt es sich um das Gebäude direkt an der Straße.
    http://fotothek.slub-dresden.d…df_0190001/df_0197454.jpg


    Und hier 2 aktuelle Vergleichsfotos für die gleiche Blickrichtung. Der Hof wird als Freisitz eines Restaurants genutzt.
    http://www.starwoodhotels.com/…dia/1106/eu1106ex2_md.jpg
    http://www.starwoodhotels.com/…dia/1106/eu1106re1_md.jpg


    Bildtitel der Fotothek:
    Hoffassade des Mittelflügels zum zweiten Hof (Teilansicht), 1981


    Das ist vielleicht etwas missverständlich formuliert, also der Fotograf stand im hinteren Hof, Rücken wieder zur Elbseite und blickte auf die Giebelfront des Mittelbaus, auf die Fassade, die in den Hof weist. Auf dem kleinen Luftbild am Anfang des Beitrages ist dieser Giebel und damit die Blickperspektive gut auszumachen.
    http://fotothek.slub-dresden.d…df_0190001/df_0197456.jpg


    Gleiche Fassade wie im voran stehenden Bild:
    Hoffassade des Mittelflügels zum zweiten Hof (Teilansicht), 1981
    http://fotothek.slub-dresden.d…df_0190001/df_0197457.jpg


    Und ein akteuelles Vergleichsfoto:
    http://www.starwoodhotels.com/…06/wes1106lo.34116_md.jpg


    Bildtitel der Fotothek:
    Arkadengliederung im zweiten Hof westl. Seitenflügel, 1981
    http://fotothek.slub-dresden.d…df_0190001/df_0197458.jpg



    In Bezug auf die Frage von Kindvon2dresdnern (wieviel ist "entkernt" worden - wirst gleich sehen, zum Teil ganz schön viel) habe ich eine interessante Information in der Anfang 1989 erschienenen Baubroschüre zum Dresdner Schloss gefunden. Ich möchte darauf verweisen, dass diese Zeilen zeitnah zu den Geschehnissen geschrieben worden sind – und von Leuten, die es wissen mussten (VEB Gesellschaftsbau). Das ist folglich keine „Ente“.


    Quote

    …Die Einordnung der Bürgerhäuser des 17. und 18. Jahrhunderts in den Neubau des Hotels Bellevue ist ein weiteres Beispiel. Zu beachten dabei ist, dass der zur Elbemagistrale dominierende Baukörper der Bürgerhäuser (Pöppelmann/Adam, 1733734 als Kanzleihaus errichtet) aufgrund von Standsicherheitsproblemen gesprengt und mit industriellen Bauverfahren wiederaufgebaut wurde.


    *mit industriellen Bauverfahren*
    Das heißt also a al Baywobau weitgehend mit Beton.


    Um welche Teile geht es hier (ich habe extra wörtlich zitiert)?
    * der zur Elbemagistrale dominierende Baukörper der Bürgerhäuser…wurde gesprengt*
    Damit ist wohl der elbseitige Flügel gemeint. Das Gebäude direkt an der Straße ist nicht gesprengt worden, das weiß ich.


    Zur baulichen Gestaltung innen noch 2 Fotos. Sieht ja ganz manierlich aus:
    http://www.starwoodhotels.com/…06/wes1106lo.34120_md.jpg
    http://www.starwoodhotels.com/…06/wes1106re.34122_md.jpg



    In diversen Quellen findet sich außerdem noch folgende Auskunft, jeweils fast wortgleich, da ist wohl immer „abgeschrieben“ worden.


    Quote

    Zum restaurierten Gebäudekomplex zählen auch das Haus Zum Blauen Stern an der Elbseite und das Wohnhaus des bedeutenden klassizistischen Malers Carl Christian Vogel von Vogelstein.


    Das *Haus des Malers Carl Christian Vogel von Vogelstein* konnte ich – mangels Ortsbezeichnung (keine Hausnummerangabe) nicht orten. Aber bleiben wir mal beim * Haus zum blauen Stern*. Wie letztens ausgeführt, trug die Nr. 11 der Großen Meißner Straße diesen Eigennamen. Meine Bemerkung *abgeschrieben* habe ich deshalb verwendet, weil diese – dann eben mehrfach übernommene Formulierung etwas irreführend ist. Der Hauptteil des betreffenden, ebenfalls aus mehreren Trakten bestehenden Komplexes der Nr. 11 wurde ja bekanntlich 1950 gesprengt. Überlebt hat aber offenbar ein kleineres Nebengebäude im ehemaligen Gartenbereich nahe der Elbe. Ich habe es auf dem nächsten Luftbildausschnitt mit Pfeil markiert. Zusätzlich sind dort die ungefähren Grundstücksbreiten angedeutet. Im Vergleich mit dem Vorkriegszustand könnte das so hinkommen.


  • Für DDR-Verhältnisse finde ich die Ergänzungsbauten übrigens ganz erstaunlich.

    Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
    Jesus ist mein Herr und Retter!

  • @ Harmonica


    Danke, für das beeindruckende Triptychon, das Du uns da angefertigt hast. Ja, das Dritte hat noch gefehlt: die Wiederauferstehung!!!


    Wäre schön, Du könntest uns noch weitere Bildpaare ergänzen, je nach Deiner Zeit und Lust! :)
    Ich präsentiere demnächst wieder einen Schwung Bilder aus dem "Bilddokument".

  • ...da hast Du natürlich auch wieder Recht.

    Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
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  • Quote from "youngwoerth"

    Für DDR-Verhältnisse finde ich die Ergänzungsbauten übrigens ganz erstaunlich.


    War ja auch keine DDR-Architektur. Als federführender Projektant und Architekt für das Hotel Bellevue fungierte die japanische Baugesellschaft Kajima Corporation.
    Weitere Projekte dieser Gesellschaft im Osten:
    - Internationales Handelszentrum in Ostberlin (Hochhaus nahe Bahnhof Friedrichstraße),
    - Grand Hotel Berlin,
    - Hotel Merkur in Leipzig.

  • Das ist ja hochinteressant! Bei allen von Dir aufgezählten Bauten hatte ich mich immer gewundert. Also doch nur Platten im Kopf...

    Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
    Jesus ist mein Herr und Retter!

  • Weiter geht's mit der Fortsetzung von:


    "Bilddokument Dresden 1933-1945", Teil 2



    Blick von der Frauenkirche übers Schloß zur Hofkirche




    Ruinenlandschaft, vermutlich vom Kreuzkirchenturm zum Polizeipräsidium Richtung Nordost




    Luther und die Frauenkirche






    Das Haus Dinglingers, Goldschmied August des Starken





    Dresdens Maler
    (Unter der Carola-Brücke)



    An der Ruine der Frauenkirche




    Das Palais der Gräfin Cosel





    Der Altmarkt vom Kreuzkirchenturm aus gesehen





    Die Sophienkirche





    Ende 2.Teil. Fortsetzung folgt, dann mit Rathaus und Schloß.

  • SchortschiBähr
    teilweise völlig abgefahrene Aufnahmen! Freue mich schon auf den nächsten Teil.

    "Willst du eine Stadt vernichten, baue Kisten, Kisten, Kisten!"

  • da fallen einem doch direkt noch Sachen auf, die rekonstruiert werden müssen.

  • Wenn ich dieses Bild sehe:
    http://img141.imageshack.us/img141/3345/dresden1945jg2.jpg


    (Im Hintergrund erkennt man auch noch die Reste der von der SS gesprengten Albertbrücke.)


    fällt mir sofort diese Buch ein:
    http://ecx.images-amazon.com/i…I/61EVXBDP3PL._AA240_.jpg


    Es ist immer wieder Wahnsinn wie vollständig und weitläufig die Dresdner Innenstadt ruiniert war. Dennoch wäre es theoretisch möglich gewesen ca. 60-70% wieder aufzubauen. Allerdings fehlte dazu das Geld,die Wohnungen und der politische Wille. Angesichts dieser Bilder bin ich froh über jedes wiederaufgebaute und neugebaute historische/historisierende Gebäude

  • Das Buch habe ich auch. Davon kann ich immer nur kurze Abschnitte lesen, sonst krieg ich ´ne depressive Phase. :(

    "Willst du eine Stadt vernichten, baue Kisten, Kisten, Kisten!"

  • Quote from "Henry"

    Allerdings fehlte dazu das Geld,die Wohnungen und der politische Wille.


    ...und die Menschen.


    Von 630000 Vorkriegseinwohnern waren
    neben soundsoviel Bombenangriffstoten auch 30-40000 im Krieg in der Wehrmacht gefallen, hunderttausende Obdachlose in alle Winde verstreut,
    die gesamte Ober- und Teile der Mittelschicht vor den Sowjets und Kommunisten in die Westzonen flüchen müssen.
    Dafür kamen nun zehntausende Heimatvertriebene aus Schlesien und Böhmen.
    Die 400000 Einwohner von 1945 stiegen dann hauptsächlich durch Eingemeindungen wieder auf max. 522000, auf einer mittlerweile fast dreimal so großen Stadtfläche.

  • Quote from "Miwori"


    ...und die Menschen.


    Aber der Wiesenweidauer hat doch gesagt : "Menschen haben wir..." :zwinkern:

  • Selbst da hat dieser Unhold die Unwahrheit verbreitet...sein Geistesverwandter behauptete doch auch..."Niemand hat die Absicht eine Mauer...". Nur gut, dass diese Leute nun in der Hölle schmoren, aber dass sie Dresden "schöner den je" wiederaufgebaut haben, darauf hätten wir dann doch verzichten können.
    :boese:

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Quote

    Es wäre toll, wenn Du es evtl. einscannen könntest! Ich besitze dieses Buch nämlich leider nicht.


    Ich habe es probiert:


    http://rcswww.urz.tu-dresden.de/~fs1/aph/grm2b.jpg


    Quelle: "Schicksale deutscher Baudenkmale im zweiten Weltkrieg", Bd. II, Henschelverlag, Berlin, 1980, S.435


    Löffler schreibt dazu: "Nr. 2 (Ecke Markt): Nach 1724 von A. Adam errichtet. Untergeschoß mit drei Obergeschossen, sieben Achsen gegen den Markt, elf gegen die Straße. Die drei Mittelachsen nach dem Markt mit Bedachung und reichem Kartuschenschmuck. Dreigeschossiger Eckercker mit Altan, Ecklisenen mit Kapitellen. Ursprünglich ausgebautes Mansarddach, Ende des 19. Jh. verändert."


    Gruß Frank

  • Weiter geht's mit Teil 3:


    BILDDOKUMENT DRESDEN 1933-1945




    Das neue Rathaus




    und 1945







    Eingangsfront des neuen Rathauses



    und danach




    Der Stallhofgang im Dresdner Schloß





    Schloß, Englische Treppe
    (Im Buch bezeichnet als: Der Aufgang zum Schloß)




    Trümmer im Schloßhof 1945




    Im Großen Schloßhof



    und 1945




    Der Altmarkt




    1945





    Die Fortsetzung folgt mit dem 4-ten und letzten Teil im Februar. Dann ua. mit Bildern aus Dresdner Neustadt.