Bilder vom alten Dresden

  • BautzenFan


    Du bist echt ein Quantensprung für dieses Forum! Deine Ausführungen sind weltklasse und gehörten vielleicht einmal publiziert, wenn ich da ans Dresdener Schloss denke - überlegs Dir doch noch einmal?


    @Wissen.de


    Das habe ich mir auch gedacht. Erst einmal der Neumarkt und in ein paar Jahren sollte dann die Neustadt folgen. Im Gegensatz zum Neumarkt, wo hinter diesem bereits die Wüste anfängt, besteht hier noch ein bauhistorisches Hinterland, welches nur auf seine bauliche Anbindung hin zum Georgenbau wartet. Auch das Narrenhäusel sollte gefordert werden!

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • BautzenFan


    Großen Dank und Anerkennung. Schön, statt zum Schloß nun auch über ein größeres Dresdner Stadtgebiet durch Deine differenzierten reich bebilderten Beiträge Einblicke zu erhalten.


    Leider halt ein trauriges Thema. Die Meissner Gasse ist mir erst wieder bewußt geworden, als ich die Fotokarte dazu im Dezember hier präsentierte. Am meisten traurig finde ich die Beseitigung der aufbaufähigen Ruinen fassaden durch deutsche/dresdner Hände... :(
    Was ideologische, fundamentalistische Verblendung doch an Schaden für unsere kulturelle Umwelt verursachen kann... :kopfschuetteln:

  • Quote from "Wissen.de"

    Danke, die kannte ich echt noch nicht. Schade, dass es nicht mehr Außenaufnahmen gibt.


    Außenaufnahmen waren bei dieser Aktion sogar explizit verboten. Warum, ist klar - hätte ja jedem auf der Straße vor Auge geführt, dass sogar der NS-Parteiführung klar war, dass auf kurz oder lang jede Großstadt zerstört werden würde und sie das billigend in Kauf nahm.


    In Frankfurt war übrigens der bekannte Leica-Fotograf Dr. Paul Wolff für die Umsetzung dieser Dokumentation zuständig, der es wohl irgendwie geschafft hat, dabei ein paar der ultra-raren AGFA-Farbfilme abzuzweigen. Die Bilder wurden aber bis heute nur einmal im Kleinformat in einer Zeitung vor vielleicht ~ 5 Jahren gezeigt, und nie im Rahmen einer Publikation veröffentlicht. Vielleicht, weil der Unterschied zu heute gerade im zubetonierten Frankfurt so entsetzlich ist.

  • Aber das hätte man doch auch verdeckt machen können. Oder waren Fotoapparate damals noch so selten, dass man zwangsläufig Aufmerksamkeit auslöste. Aber die Qualität der Bilder ist für ihr Alter bemerkenswert.

    APH - am Puls der Zeit

  • Quote from "Wissen.de"


    ich habe mal in einer Doku gesehen, dass Hitler persönlich angeordnet haben soll und das schon 1940, dass alle wertvollen Baudenkmäler fotografiert und dokumentiert werden sollten. Da müssen doch auch Farbaufnahmen bei sein, oder?


    :schockiert:


    Weit wars es wohl schon 1940 mit dem 1000jährigen Reich nicht her.

  • BautzenFan


    Kann ich mich den Lobeshymnen nur noch anschließen. Empfinde beim Anblick der Gr. Meißner Straße immer wieder beinahe physische Schmerzen. Die Nr. 1 könnte ja durchaus wieder aufgebaut werden. Hoffentlich erleben wir noch einen Politikwechsel in Dresden, der sich den Wiederaufbau alter Strukturen und Quartiere auf die Fahnen schreibt. Nicht wie die vermalledeite CDU, die ja dreisterweise von sich behauptet, immer für traditionelle Werte einzustehen! Welch Hohn! :boese:

    "Willst du eine Stadt vernichten, baue Kisten, Kisten, Kisten!"

  • Wissen.de hat Folgendes geschrieben:


    Quote

    ich habe mal in einer Doku gesehen, dass Hitler persönlich angeordnet haben soll und das schon 1940, dass alle wertvollen Baudenkmäler fotografiert und dokumentiert werden sollten. Da müssen doch auch Farbaufnahmen bei sein, oder?


    Diese Aufhahmen wurden in schwarz/weiss und farbe zwischen 1940 und 1944 gemacht. Wurden in der Schwarzwald in Stollen gelagert und sind in 1945 von der Französen beschlagnamhmt worden. Heute Eigentum von Paris Match. Deutschland hat sie nie zurückgefordert, weil die Städte ganz anders gestalltet werden müssten.


    Ich finde es noch immer nicht zu fassen das hier nichts passiert ist. Z.B. beim Wiederaufbau der Frauenkirche oder Neumarkt hätten diese Bilder bestimmt helfen können.

  • Der Bereich östlich des Neustädter Marktes weist größtenteils weniger hochwertige Architektur auf als der westliche. Einige Bauten in der Großen Klostergasse und ein Bau im Alleegässchen verdienen dennoch eine Erwähnung. Alle Bauten sind zumindest oberirdisch restlos verschwunden.


    Große Klostergasse 2: 1715
    M.D. Pöppelmann zugeschrieben, Hertzig bezweifelt dies trotz weitgehend stilistischer Übereinstimmung in Gliederung und Schmuck.


    http://www.bildindex.de/bilder/MI09726g05b.jpg


    Große Klostergasse 4: 1711
    3. OG seitlich des Zwerchhauses noch im 18. Jh. aufgestockt.


    http://www.bildindex.de/bilder/MI09726g06b.jpg



    Große Klostergasse 5: 1735
    Erstmals hält der strenge Knöffelsche Lisenenstil in Dresden Einzug, laut Herzig S. 194 "eindeutig kein Werk Knöffels"


    http://www.bildindex.de/bilder/MI09726g09b.jpg




    Große Klostergasse 8: 1710/20


    http://www.bildindex.de/bilder/MI09726g10b.jpg



    Alleegässchen 2: 1720
    Fünfachseiges, viergeschossiges Haus mit gestalterisch hochwertigem Mittelrisalit ganz in der Art Pöppelmanns, diesem auch einhellig zugeschrieben.


    http://www.bildindex.de/bilder/MI09690d13b.jpg



    Quelle: Stefan Hertzig: Das Dresdner Bürgerhaus in der Zeit Augusts des Starken, GHND e.V., Dresden 2001


    Nachgereicht noch die Überarbeitete Karte von BautzenFan:


  • @ Alexander


    danke für deine ausführungen. Leider können die bilder bei mir nicht angezeigt werden. Liegt das an mir oder ist das ein allgemeiner Fehler?

    APH - am Puls der Zeit

  • Quote from "Wissen.de"

    Leider können die Bilder bei mir nicht angezeigt werden. Liegt das an mir oder ist das ein allgemeiner Fehler?


    Ich seh´ auch nichts! :(

    Der Wind gedreht
    Albtraum verweht
    Zum Schluss jetzt das Glück
    Das Schloss kommt zurück!

  • Quote from "BautzenFan"


    Das ist ja der helle Wahnsinn, die Große Meißner Straße! Vielen Dank, BautzenFan, für die ausführliche Vorstellung eines Gebietes, welches hier im APH-Forum noch nie vor Augen geführt worden ist. Der Dank gebührt auch Alexander für seine Ergänzungen.


    Mich fasziniert an dieser Strassenansicht der unregelmässig geschwungene Verlauf der Häuserflucht, gleich wie jenem an der Rampischen Gasse, nur ist die Strasse hier viel Breiter. Hervorgerufen wurde diese zufällige Wirkung im Nebeneinander von vornehmen barocken Bauten auf spätmittelalterlichen Grundrissen. Eine im Barock gänzlich neu erbaute Stadt hätte exakt gerade Baufluchten hervorgebracht, und eine so individuell gestaltete Fassadenvielfalt vermieden. Die Strasse hat gleichzeitig eine repräsentative, als auch gemütliche Wirkung auf mich.

  • Nach 1945 standen diese Häuser bis zur Traufkante noch... :boese:

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker


  • Dafür hätte ich mal gerne eine Quelle. Und bitte eine seriöse. Denn bei Bildindex finden sich Tonnen dieser Aufnahmen, meist versehen mit dem Datum 1942/44, die genau aus dieser Kampagne stammen. Insofern erscheint mir die Geschichte der Beschlagnahmung doch etwas merkwürdig bzw. klingt nach "Dolchstoßlegende 2.0"... :augenrollen:


    Quote

    Man muss den kompletten Pfad kopieren und in die Adresszeile einfügen, z.B. hier bis zu "=14"
    http://www.bildindex.de/rx/apsisa.dll/ortezoom?sid=


    Du musst die Bilder direkt verlinken, nicht den dynamisch vom Server erzeugten Pfad. Deine Pfadangabe enthält eine Session-ID, die nach einigen Minuten Inaktivität gelöscht wird, daher sind deine Pfadangaben leider allesamt unbrauchbar und irreparabel.

  • Däne schrieb

    Quote

    Nach 1945 standen diese Häuser bis zur Traufkante noch...


    Und was zu denken von der Weisse Gasse, da standen noch die Volutgiebel der Weisse Gasse 2.



    Und so sah es dort mal um der Gänsediebbrunnen aus


  • Nun muss ich Dich etwas korrigieren: Der Gänsediebbrunnen stand bis in die 50er nicht in der Weißen Gasse wie heute, sondern auf dem Ferdinandplatz (zwischen Ring und Prager Straße - ungefähr Nähe Rundkino)


    Was mich mal interessieren würde: gibt es überhaupt Fotos von der Großen Meissner, welche die Häuser der anderen Straßenseite zeigen, also die mit den geraden Hausnummern?
    Andere Frage: ich weiß wohl, dass es schon damals durch bürgerliches Engagement das einzig unversehrte Haus gerettet wurde. Um ein Haar wäre es für den Hotelneubau abgerissen worden. Aber, wurde dieser Bau dann komplett entkernt, sodass nur noch die Außenmauern stehen, oder gibt es noch originale Innenausstattung?

  • Quote from "Kindvon2dresdnern"


    Was mich mal interessieren würde: gibt es überhaupt Fotos von der Großen Meissner, welche die Häuser der anderen Straßenseite zeigen, also die mit den geraden Hausnummern?


    In "Schicksale deutscher Baudenkmale im zweiten Weltkrieg" Bd. 2 (Hentschelverlag 1980) gibt es auf S. 435 noch ein Bild der Hausnummer 2. Auch die Nr. 4 ist auf diesem Foto erkennbar.


    Gruß Frank

  • Es wäre toll, wenn Du es evtl. einscannen könntest! Ich besitze dieses Buch nämlich leider nicht.


    Generell scheint mir es jedenfalls ähnlich der Rampischen zu sein, bei der auch fast ausschließlich die eine Seite auf Fotos festgehalten wurde.

  • Damit nicht immer nur gemeckert wird, wie sehr zum Nachteil sich die Stadt entwickelt hat, habe ich zu SchortschiBährs FK-Bildern mit den Ansichten von vor und nach der Zerstörung ein Vergleichsbild von heute gemacht.