Bilder vom alten Dresden

  • Nein, das ist einfach eine klassische Gliederung in Rustica, Kollossalgeschoss und eine teilweise erhöhte Attika. Bauten von z.B. John Nash in England folgen genau diesem Prinzip.

  • @Naumburg


    Ich vermute, dass sich Dein Beitrag auf meinen gestrigen bezieht, in dem ich den Verdacht äußerte, bei dem Hochhaus der Girozentrale Sachsen am Maximiliansring könnte es sich um einen aufgestockten und im Erscheinungsbild veränderten Gründerzeitler handeln.
    Tatsächlich ist in dem von mir im selben Beitrag verlinkten Hochhauswettbewerb in Bezug auf die Girozentrale von einer Aufstockung die Rede, was den Umbau eines Bestandsgebäudes und nicht einen Komplett-Neubau suggeriert. Auch die Tatsache, dass - wie es unter selbem Link heißt - kein Architekt für den Hochhausbau bekannt ist, spricht eher für ein Umbauprojekt als für ein gänzlich neugeschaffenes Werk. Es war schließlich der einzige Hochhausbau im Bereich der Altstadt(ringe), da sollte man erwarten, dass der Name des Architekten überliefert ist, wenn es sich um einen dergestalt prominenten Neubau handelte.
    Zugegebenermaßen sind das jetzt keine zwingenden Schlüsse.
    Aber ich habe weiter recherchiert.
    Und auf folgendem Luftbild kann man das ursprüngliche Erscheinungsbild durchaus erahnen:


    https://fotothek.slub-dresden.…_hauptkatalog_0305747.jpg


    Wenn man vom Kaiserpalast ausgehend eine Linie schräg nach rechts unten zieht, also entlang des baumbestandenen Maximiliansrings, findet man das betreffende Bauwerk an der Kreuzung dreier Straßen; das Gebäude links daneben mit dem Dreiecksgiebel wieder die Treuhandbank. Auch wenn das Haus nur en miniature zu sehen ist, erkennt man doch die abgeschrägten Ecken, die Rundbogenfester im Sockelgeschoss, auch die doppelt gereihten Fenster Richtung Maximiliansring.

    Hier nochmal zum Vergleich das Gebäude nach Umbau und Aufstockung und Erweiterung Richtung Treuhandbank:


    http://altesdresden.de/pics/pirn/mori0215.jpg


    https://www.das-neue-dresden.d…achsen-maximilianring.jpg


    Der Umbau folgt einem Prinzip, das auch an einem anderen Dresdener Beispiel zu beobachten ist:


    http://fs5.directupload.net/images/160905/sn4lqenb.jpg


    Ich denke, damit dürfen wir die Frage Umbau oder Neubau? abhaken.

  • Höchst interessant. Vor allem das letztgenannte Beispiel. Woher kam der Trend zur Versachlichung von Gründerzeitlern in Dresden? Not kann es kaum gwesen sein.

  • Soll das hier http://altesdresden.de/pics/pirn/mori0215.jpg , also die Girozentrale Sachsen, "Neue Sachlichkeit" sein? Hab ich das richtig verstanden?


    Falls ja, wäre ich sofort für eine Rekonstruktion dieser neuen Sachlichkeit - denn das Gebäude sieht eigentlich eher aus wie ein Altbau.

    "Die Modernisten sollten sich endlich eingestehen, dass sich die Qualität einer Stadt konventioneller Architektur verdankt" - (H. Kollhoff).

  • OK überzeugt auf dem Luftbild sieht man es gut. Beim klassischen Neo-R Altbau kommen bei einer abgeschrägten EckSituation eigentlich immer rechts und links zwei Risalite. Hier kommt er in der Mitte, das lässt sich auf dem Luftbild gut sehen. Ist aber wie auch immer ein toller Neo Klassik Umbau und erinnert mich wie gesagt stark an englische Vorbilder der 1820 und eben auch 1920iger Jahre. Tolles Gebäude.

  • @Henry


    Dresden war ja eines der deutschlandweit wichtigsten Zentren der Neuen Sachlichkeit, zumindest im Bereich der Bildenden Künste, und es entstanden einige bedeutende architektonische Vertreter dieser Stilrichtung (Hochhaus am Albertplatz, Hygienemuseum). Das dürfte eine Atmosphäre geschaffen haben, die solche Umbauprojekte – wenn auch nur vereinzelt - beförderte.



    @Petersburg


    Die Bezeichnung 'Neue Sachlichkeit' fiel ja in den Beiträgen auf der vorangegangenen Seite, weil das Hochhaus auf den ersten Blick, wie ihn die Filmsequenz gewährte, genau dieser Stilrichtung zu entsprechen schien. Im Grunde genommen ist das Gebäude der Girozentrale aber ein Zwitter, weil es eben kein reiner Neubau im Stil der Neuen Sachlichkeit ist, sondern offenkundig ein Umbauprojekt. Wie bei einem Palimpsest scheint die Handschrift des ursprünglichen Gründerzeitentwurfs noch durch die gestalterische Überformung hindurch. Vermutlich sind es genau diese Elemente, rustizierter Sockel, Rundbogenfenster, dezent vorspringende Risalite, Gesimsbänder, die Dein Gefallen erregen. Bedingt durch den Verbleib der Ursprungsstruktur wirkt das Gebäude auch sehr glücklich proportioniert, wobei man allgemein konstatieren muss, dass die Architekten der Neuen Sachlichkeit aufgrund einer meist noch klassisch-orientierten Ausbildung die Kunst der Proportion wie selbstverständlich beherrschten.

  • Wieso "hätten"? Berlin hat wahnsinnig viele wunderschöne und beeindruckende Ecken. Es ist oft auch genügend 60er Jahre -hässlichkeit dazwischen, klar - aber nicht überall. In Charlottenburg z.b. oder in Schöneberg findest du riesiges Gebiete ohne irgendwelche Modernismen, und der Stuck ist auch oft dran ;)


    In Pberg etc vermutlich noch mehr, aber da kenn ich mich nicht so aus , da bin ich zu selten.


    Eigentlich hasse ich die Stadt manchmal abgrundtief, grade eben wieder als ich nach Hause komme, nur geschimpft über dieses Dreckloch. Überall machen die Hu.....ach nee ich sag nichts.


    Ist aber schwer hier loszukommen von der Stadt, sie hat einfach Architektonisch viel zu viel zu bieten. Inzwischen finde ich sogar die Gegend um den Potsdamer Platz gut.

    "Die Modernisten sollten sich endlich eingestehen, dass sich die Qualität einer Stadt konventioneller Architektur verdankt" - (H. Kollhoff).

  • Re #650 vom 7. Januar 2019


    Von dem Gebäude habe ich in einem Eisenbahnforum ein Foto entdeckt: Klick. Falls der Link irgendwann nicht mehr greift, nach dem Forum "[DD] Wertmarken der Städtischen Straßenbahn Dresden" suchen. Das Foto ist ziemlich weit unten auf der Seite zu finden (Nr. 5 von unten).


    PS: Ohje, auf das Bild wurde schon in #662 verwiesen. Asche auf mein Haupt!

  • Ich habe bei einem Restaurator eine wunderschöne Bilderuhr entdeckt und abfotografiert. Einige Gebäude darauf sind mir bekannt, andere leider nicht und das lässt mir keine Ruhe!


    Entstanden dürfte das Bild so um 1820 herum sein - wunderschön:


    eigenes Foto


    Mir fehlen noch die Gebäude:


    1.
    2.
    3.
    4.
    5.


    ad 1: Hier habe ich überhaupt keine Ahnung und auf alten Plänen auch nichts dazu gefunden. Schaut irgendwie wie ein Kirchenschiff aus?


    ad 2: Eventuell der Turm vom Zwingertor?


    ad 3: Ev das kleine Hoftheater?


    ad 4: Ev das kleine Hoftheater oder die ehem Zuckerraffinerie?


    ad 5: keine Ahnung


    Auf Wikipedia habe ich auch noch ein Bild vom selben Maler gefunden - auch sehr schön und das sind mache Gebäude näher darauf abgebildet:


    Wikipedia


    Eventuell macht Euch das Enträtseln ja auch so viel Spaß wie mir!?

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

    Edited once, last by Exilwiener ().

  • Zunächst stellt sich die Frage, wo der Standort des Malers gewesen sein könnte. Hier erscheint mir das Wiesentor, direkt neben den später abgerissenen Militärrequisitenschuppen, als der einzig mögliche Ort.


    Nun aber zu deinen anderen Fragen:


    1. ist eindeutig die Gartenseite und damit ein Bestandteil des Palais Brühl
    2. kann ich nicht zuordnen
    3. Morettisches Opernhaus
    4. Calberlasche Zuckersiederei
    5. Rückgebäude der Klostergasse am Wiesentor (Mönchswiesen)

  • @bilderbuch


    Vielen Dank!


    ad 1: Ja, das hatte ich auch vermutet, wobei ich keine Ansicht des Palais Brühl fand, das so wie hier auf dem Bild wie ein "Kirchenschiff" aussah?


    ad 2: Wenn man beim Wiesentor stünde und hier in die Richtung Hofkirche schaut, dann könnte das meiner Meinung eigentlich nur der Turm vom Zwingertor (beim Graben) sein. Zumindest auf alten Plänen habe ich in diese Richtung keinen sonstigen Turm ausfindig machen können.


    Jedenfalls vielen Dank für Deinen guten Input!!!

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Diese Bilderuhren aus dem Wiener Biedermeier sind sehr hübsch. Der Künstler ist Carl Ludwig Hofmeister. Die Stadtansichten erreichen nicht die Wirklichkeitstreue der Veduten von Bernardo Bellotto.


    Zu dem Uhrenbild oben:


    Coselpalais: Von der Lage her würde es einigermaßen stimmen, von der Dachform her nicht.


    Ad 1: Ja, es sieht aus wie der Chor einer Kirche, obwohl dort keiner sein kann. Ich würde es auf künstlerische Freiheit bzw. mangelnde Wirklichkeitstreue schieben. Der Gebäudekomplex müsste - wie bilderbuch schreibt - das Palais Brühl sein.


    Ad 2: Die hochgelegenen Bäume rechts von der Hofkirche könnten nur auf dem Zwingerwall stehen. Die Darstellung ist auch hier nicht topografisch genau. Der Teil vom Zwinger, den du meinst, heißt "Kronentor". Den könnte man dort aber nicht sehen. Ich denke, hier hat der Künstler Versatzstücke des realen Dresden bildräumlich neu arrangiert.


    Auf dem unteren Uhrenbild sieht man auch ganz gut, dass hier kein naturgetreues Bild der Realität gegeben wird.

  • Das Staatliche Fernheiz- und Elektrizitätswerk, erbaut 1899-1900 nach Entwurf der Architekten Lossow und Viehweger, Turm um 1935 abgetragen, 1945 zerstört (Info: Wikimedia)


    in vollem Betrieb, Aufnahme 1925

    Quelle: archive.org


    Kein Wunder, dass man den Turm irgendwann so nicht mehr genutzt hat. Weiß jemand, ob stattdessen ein Kraftwerk in den Aussenbezirken errichtet und das Gebäude danach für andere Zwecke genutzt wurde? Als Umspannwerk, Trafostation o.ä.? Für die Ästhetik der Jahrhundertwende an sich hatte man in den 30er Jahren wohl auch keinen Sinn und Erbarmen mehr, daher der Abbruch des Turms.

  • Immer wieder faszinierend, wie schön selbst solche Zweck- und Industriebauten damals waren. Die Städte waren geschmückt und ausgestaltet bis in den letzten Winkel. Davon können wir heute nur noch träumen.

    Wieso träumen?

    Schau Dir doch mal den Postplatz oder die Neubauten der Südseite des Altmarktes an: "Geschmückt und ausgestaltet bis in den letzten Winkel"!

  • Sehr empfehlenswert (falls nicht schon einmal hier erwähnt) ist das Kartenforum der Deutschen Fotothek. Dort lassen sich u.a. solche Schätze finden, wie der Atlas zur Geschichte Dresdens : Pläne und Ansichten der Stadt aus den Jahren 1521 - 1898. Das Dokument enthält neben herrlichen handgezeichneten Karten einige wunderschöne Ansichten der Stadt, seiner Vorstädte und weiteren Umgebung. Ein paar Beispiele:

  • Gestern sah ich den Film "Midnight in Paris". Hier reist einer in die Vergangenheit von Paris - ganz guter Film.

    Am Ende stellt er allerdings fest, dass zu jeder Zeit von vergangenen Zeiten geträumt wurde.


    Dennoch - was würde ich geben, Dresden um 1900 erleben zu dürfen ...

  • Nein, ich will keine Stadt um 1900 erleben. Es gab viel Elend, Schmutz und Grau. Der Neumarkt sah wahrscheinlich zu keiner Zeit vor seiner Zerstörung so herausgeputzt aus wie heute. Wahrscheinlich würden wir uns ganz schnell wieder ins Jahr 2020* zurückwünschen. Ich würde stattdessen gerne das intakte historische Stadtbild von Berlin, Dresden, Nürnberg, Stuttgart erleben können, aber in der Gegenwart.


    *Vielleicht doch lieber ins Jahr 2021, nach Corona