St. Louis, Missouri (Galerie)

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    • St. Louis, Missouri (Galerie)

      St. Louis, Teil I von III

      Auch wenn ich mir nicht ganz sicher bin, inwieweit USA-Beiträge in diesem Forum aktuell gefragt sind, will ich mal Bilder aus St. Louis einstellen. St. Louis ist für die kleine Schwester von Detroit mit exakt gleich gelagerten Problemen. Nachdem St. Louis um 1900 als Handelsknotenpunkt und Tor zum Westen eine sehr hohe Bedeutung hatte, ging dann bergab und die Einwohnerzahl sank von 850.000 um 1950 auf 320.000 (!!) 2010. Die Folgen waren die gleichen wie in Detroit: Eine zunehmend leblose Innenstadt mit zunehmendem Leerstand und vor allem Außenbezirke ohne Einwohner und folgend Abrisse.


      1 Wir beginnen mit dem 192 m hohen Gateway Arch, einer komplizierten Stahlkonstruktion, 1961-1965 von Eero Saarinen gebaut. Direkt hinter dem Betrachter fließt der Mississippi.



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      3 Durch das Tor schauen wir auf die östliche Downtown zum Old Courthouse, man beachte die völlig misslungene 1960er Bebauung rechts.



      4 Wenn wir uns minimal nach links bewegen, sehen wir am Old Courthouse vorbei zum Civil Courts Building mit seiner an das Mausoleum von Halikarnassos angelehnten Spitze. Das Gebäude wurde 1930 von den Architekten Klipstein & Rathmann gebaut, auch St. Louis blickt zurück auf eine deutlich deutsche Vergangenheit.



      5 Hier (gemeinfreie Postkarte) sehen wir die Situation zwischen Bogen und Civil Courts House mehr oder weniger aktuell ...



      6 ... und hier auf einem Stadtplan. Der Arch ist ganz unten, das Civil Courts House als Kreis darüber. Links unten habe ich den Standort des Railway Exchange Buildings markiert, darüber die Public Library, beide Gebäude finden wir auf dem folgendem Bild wieder. In der Bildmitte habe ich mit einem Rechteck einen relevanten Bereich der 6th Straße markiert. Rechts der gelbe Weg geht die Washington Avenue hoch, die wir später mehrfach sehen. Achtung: In der Karte geht Richtung Norden nach rechts!



      7 Diese Postkarte grob aus der Zeit um 1920 verschlägt einem bei näherer Betrachtung fast die Sprache. Ohne die Markierungen fiel es mir lange schwer, mich zu orientieren. Wir sehen denselben Bereich wie zuvor, nur aus einer anderen Perspektive hin zum Mississippi. Den Gateway Arch habe ich markiert, ebenso den Bereich der heutigen Grünfläche zwischen Arch und Civil Courts House. Hier im Bereich der sogenannten Gateway Mall wurde vor allem in den 1940ern-1960ern eine riesige bebaute Fläche zwischen Arch und Union Station rasiert (Reste in den frühen 1980ern, siehe Bild Nr. 19). Im Zwischenraum bleib nur das Old Courthouse stehen, dessen Verbleich aber zwischenzeitlich auch auf der Kippe stand. In der Bildmitte habe ich wieder das Railway Exchange Building markiert, links unten die Public Library.



      8 Jetzt sind wir am südlichen Ende der Washington Avenue, unweit der Interstate 70 (siehe Bild 6), die die Downtown vom Mississippi trennt. Wir sehen gelungene Architektur aus der Zeit um 1910



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      11 Eingetreten in den parallel zu Fluss verlaufenden Broadway nimmt der Anteil neuerer Architektur deutlich zu. Das einzige ältere Gebäude, das hier stehen geblieben ist, ist das Marquette Building, 1913 von Eames& Young gebaut.



      12 Jetzt sind wir wieder am Old Courthouse von 1928 angekommen, nur diesmal parallel zum Mississippi, Richtung Süden ...



      13 ... und Richtung Norden.



      14 Im Vergleich zu Bild 13 erkennen wir, dass sich das Bild der Stadt hier deutlich gewandelt hat. Außer dem Old Courthouse ist hier kein Gebäude stehen geblieben



      15 Die Position der Wainwright Building findet Ihr im Stadtplan in Bild 6 ganz links im markierten Rechteck. Das Gebäude ist einer der amerikanischen Klassiker der sog. Chicago-Schule, zusammen mit einigen Gebäuden (natürlich) aus Chicago oder etwa dem Guaranty Building in Buffalo. Gebaut hat es 1890 Louis Sullivan, absolut eine der amerikanischen Architektur-Legenden. Das Wainwright Building stand um 1970 tatsächlich vor dem Abriss, wurde allerdings erhalten, erweitert und enthält heute so etwas wie eine Verwaltungsstelle der örtlichen Polizei.



      16 Outstanding, red team, outstanding.



      17 Jetzt schauen wir die 7th Straße (den markierten Kasten aus Bild 6) in Richtung Norden und erkennen ein einziges relevantes Gebäude, das heute unter dem Namen „705 Olive Street“ firmiert,



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      19 Auf dieser Postkarte (um 1910?!) sehen wir frontal auf die damaligen Hochhäuser der 7th Straße und erkennen in der Mitte nur noch das Wainwright Building und ganz rechts, 705 Olive Street, damals noch Missouri Trust Building benannt. Man beachte die Beschriftung der Postkarte englisch und deutsch. St. Louis hatte vor dem ersten Weltkrieg einen sehr hohen Anteil deutschsprechender Bevölkerung und muss fast zweisprachlich funktioniert haben. In jedem Fall wurden hier leider sehr viele Gebäude entfernt, von links das Missouri Pacific Building (implodiert 1984) oder das Lincoln Trust Building (abgerissen 1983). Rechts vom Wainwright Building wurden das Fullerton Building 1976 sowie das Holland Building (mit der Spitze und der Fahne), 1973 abgerissen.



      20 705 Olive Street gefällt mir außerordentlich, noch besser als das Wainwright Building. Ebenfalls gebaut von Louis Sullivan 1893 finde ich es deutlich origineller als das nur drei Jahre ältere Wainwright Building. Warum das Wainwright ein bekannter Klassiker ist, aber 705 Olive Street weitgehend unbekannt (ohne eigenen Wikipedia-Eintrag) erschließt sich mir nicht.



      21 Hier sehen wir die Situation noch einmal auf einer Postkarte um 1910, das rötliche Gebäude links neben 705 Olive steht heute ebenfalls noch, weiter links mit dem spitzen roten Dach haben wir das mittlerweile abgerissene Holland Building.



      22 Herausragend.



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      24 Schräg gegenüber schauen wir kurz zum Gill Building in einer Art Rokoko, 1923 von Louis Curtiss aus Kansas City. Das Gebäude steht seit 2002 leer.



      25 Jetzt sind wir am Railway Exchange Building (siehe Bild 6+7) von 1913. Hier waren in den vergangenen Jahrzehnten verschiedene US-Kaufhäuser ansässig, zuletzt hat hier die hiesige Macy’s-Niederlassung am 06.08.2013 ihre Pforten geschlossen, Macy‘s als das amerikanische Gegenstück zu Karstadt oder Kaufhof. Fünf Wochen später waren wir da. Das Aus für Macy’s ist symptomatisch und zugleich ein schwerer Schlag für die Downtown von St. Louis. Nennenswerte Einzelhändler habe ich vor Ort nicht mehr gesehen, in der Downtown von St. Louis einen Anzug, ein paar Sportschuhe oder einen Träger Bier zu bekommen, würde schwierig.



      26 Es gibt noch ca. zwei Dutzend Macy’s-Filialen in US-Großstädten, in den letzten Jahren hat im Mittel eine pro Jahr dicht gemacht.



      27 Hier sehen wir noch einen vergessenen roten Stern als Symbol von Macy’s, die aktuell ihren Sitz in Cincinatti haben. Der Sinn des roten Stern wäre ein klasse Frage für gängige Quiz-Show Formate. Der Firmengründer Howland Hussey Macy (1822-1877) hatte sich einen roten Stern auf den Rücken einer Hand tätowieren lassen.



      28 Jetzt sind wir am Old Post Office in unmittelbarer Nähe, 1873-1884 von Alfred B. Mullett im Second Empire Style (zu erkennen am hohen Mansarden-Dach).



      Jetzt findet ihr als Link eine Karte des Bereichs der Downtown, in dem wir uns aktuell befinden.

      builtstlouis.net/opos/downtown.html

      Wenn man sich die Mühe genauer Betrachtung macht, ist der Link fabelhaft. Die abgerissenen Gebäude sind rot markiert, wir erkennen die Verluste am Broadway (zweite Straße von rechts) und in der 7th Straße, das Railway Exchange Building ist „Famous Barr“ benannt, links davon ist sehen wir das Old Post Office, um dessen gut erhaltenen Umfeld ich in den nächsten Bildern herumgelaufen bin.

      29 Zunächst stehen wir an der Ecke 8th/Pine und schauen rechts auf drei erhaltene Gebäude aus der Zeit um 1915, von Links Paul Brown / Arcade / und Wright Building. Sämtliche drei Gebäude stehen seit längerem leer, das Wright Building seit den 80ern. Aktuell wurden zumindest Teile des Komplexes instandgesetzt und waren leider nicht zugänglich.



      30 Das ist der Bereich des L-förmigen Arcade-Building zur Ecke 8th/Olive, eines der ältesten US-Kaufhäuser, innen (nomen est omen) in Arkaden-Form.



      31 Das ist die Ecke 10th/Pine. Rechts wieder das Paul Brown Building, links das weiße Syndikate Trust Building von 1907. Daneben wurde leider das Century Building von 1896 in 2004 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.



      32 Noch einmal das Syndikate Trust Building ...



      33 ... und das Thaxton Building in Art Deco, 1009 Olive Street. Gebaut haben es Klipstein und Rathmann 1925 als Eastman Kodak Building.



      34 Hier sehen wir in der 9th Straße von links das Maryland Hotel (1907), das Frisco Building von Eames & Young (1903), sowie den Nachfolger des Century Building. In der Art dieser Bilder hier hätte ich um das Old Post Office noch einige interessante Gebäude einstellen können, die Gegend sieht eigentlich ganz gut aus, aber es steht doch sehr vieles leer. Ich habe auch nicht viele Leute herumlaufen sehen.



      35 Als letztes Bild aus der konkreten Downtown als ehemaligem Geschäftsviertel stelle ich dann noch diesen Schocker ein, 6th/Pine.

    • Ein sehr informativer Rundgang mit feinen Bildern. Vielen Dank bis hierhin, Erpel.
      Irgendwie schon bemerkenswert, dass viele (wie auch immer) historisch gewachsene Städte z. B. in Michigan, Ohio, Missouri vergehen, während im SW in Texas, Nevada, Kalifornien, Arizona und auch im SO in Florida, Alabama etc. relativ neue Städte entstehen und stark wachsen.

      Das von dir geschätzte Hochhaus 705 Olivenstraße (Union Trust) ist wahrlich ein Schmuckstück. Ich habe mal eine alte Frontalansicht, aufgetrieben.

      Bildquelle: Missouri History Museum

      Die von dir schön eingefangenen Spitzohrlöwenköpfe (?) unterhalb des formenreich gestalteten Dachgesimses sind die Entsprechung zu gewaltigen Löwenskulpturen am Sockel des Gebäudes, welche leider in den 20er Jahren beseitigt wurden. Sehr gut zu sehen in dieser groß(form)artigen Aufnahme von ca. 1900.

      Zu Louis Sullivan existiert übrigens auch eine kleine Fotogruppe bei Flickr.
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
    • Schön, dass wir jetzt zwei St. Louis-Stränge haben (Ironie).

      Aber danke für die Ergänzung. Die abgenommenen Löwenfiguren an 705 Olive Street sind natürlich zu bedauern. Erdgeschoss und erster Stock wurden irgendwann deutlich vereinfacht, es ist nicht zu glauben.


      St. Louis, Teil II von III


      36 Jetzt gehen wir minimal südlich und kommen zur Grünfläche westlich (in Bild 6 „über“) dem Gateway Arch und sehen das Southwest Bell Building in Neo-Gothik, 1926 mit 121m von Mauran, Russell & Crowell.



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      38 Das Thomas F. Eagleton United States Courthouse von 2000 gefällt mir ziemlich gut.



      39 Das 1928 gebaute ehemalige Hauptquartier der Missouri Pacific Railroad sollte eigentlich acht Stockwerke höher werden, fiel dann aber während der großen Depression kleiner aus. Ebenso sollte das Gebäude nach Osten hin wesentlich großer werden, deswegen hat die Ostseite keine Art Deco Verzierungen.



      40 Das ist noch einmal das Civil Courts Building mit seiner an das Mausoleum von Halikarnassos angelehnten Spitze. Überhaupt wurde das Mausoleum von Halikarnassos in den USA sehr oft nachgebaut, ebenso wie die Giralda, der Turm der ehemalig großen Moschee in Sevilla.



      41 Jetzt haben wir uns am Civil Courts Building vorbei weiter vom Mississippi entfernt und stehen vor der City Hall von 1893, inspiriert vom Hotel de Ville in Paris. Die Architekten hießen Eckel & Mann. Deutsche Namen ohne Ende.



      42 Vor dem Rathaus sehen wir eine Statue von Pierre Laclede, des Stadtgründers von St. Louis.



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      44 Jetzt schauen wir auf einer Vorkriegspostkarte Richtung zum Mississippi, vorbei an City Hall (in der Mitte) und Civil Courts Building links. Vor dem Betrachter verläuft auf der heutigen Market Street die ehemalige Route 66 schnurgerade quer durch die Stadt.



      45 Dieser Blick hat sich zu heute nicht so ganz viel geändert, abgesehen vom sehr hohen Thomas F. Eagleton United States Courthouse und dem Gateway Arch ganz hinten.



      46 Im Poelker Park gegenüber sehen wir eines der wenigen erhaltenen deutschen Relikte in der Stadt, abgesehen von den großen Brauereien. Um 1900 sollen ca. 30 % der Einwohner der Stadt Deutsche oder Deutschstämmige gewesen sein.



      47 Wenig weiter sehen wir auf die Public Library, die ich in den Bilder 6 und 7 markiert hatte. Gebaut hat das Objekt 1912 der große Cass Gilbert, der um 1910 in Nordost-Nordamerika extrem viel extrem Sehenswertes gebaut hat, first of all das Woolworth Building in Manhattan.



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      49 Auf der Rückseite des Gebäudes befinden sich die sogenannten Sunken Gardens, die im Vergleich heute zu historischen Postkarten wenig Veränderung aufweisen.



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      52 Links haben wir das Shell Building von 1926, rechts die Christ Church Cathedral, 1867 durch Leopold Eidlitz, geboren 1823 in Prag. Sein Sohn (irgendwoher kam mir der Name bekannt vor) Cyrus W. Eidlitz hat später das bekannte „One Times Square“ am hiernach benannten New Yorker Platz gebaut.



      53 Jetzt haben wir uns minimal in nördliche Richtung bewegt und stehen wieder an der Washington Avenue auf der Höhe 14th Straße und blicken Richtung Mississippi. Die Washington Avenue bietet in Ihrem kompletten Verlauf vom Mississippi aus kilometerlang viel Sehenswertes und wäre eine genauere Betrachtung wert. Hier ist die Straße auch noch halbwegs belebt.



      54 Keine 500m weiter vom Mississippi weg ändert sich das Bild (gleich Blickrichtung wie im Bild zuvor) allerdings dramatisch. Die Architektur bleibt spektakulär, aber die Straße ist menschenleer und die Gebäude stehen komplett leer.



      55 Das ist 1509 Washington Avenue, 1910 von Theodore C. Link, das den Gedanken des Wainwright Building aufnimmt.



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      57 Hier dürfte Bürofläche preiswert zu mieten sein. Im Dunkeln würde ich hier nicht herumlaufen und nur wenig weiter von der Straße weg in nördliche Richtung könnte es zumindest nachts tatsächlich gefährlich werden.



      58 Vermutlich kennt der eine oder andere den Film „Die Klapperschlange“ mit Kurt Russell. Ich bin jetzt kein großer Fan des Films und habe ihn überhaupt vor einen halben Jahr erstmalig gesehen, genau genommen ist der Film ziemlicher Schrott. Die deutsche Übersetzung des Originaltitels „Snake“ beginnt mit einer Panne, Kurt Russell‘s Bauch ziert im Film gut sichtbar die Darstellung einer Kobra. Mit Blick auf St. Louis ist der Film allerdings äußerst interessant, entstand er doch in großen Teilen in St. Louis. Der Film wurde 1981 von John Carpenter gedreht und spielt in der fernen Zukunft des Jahres 1997. Manhattan ist eine eingezäunte Gefängnisinsel, in die das Flugzeug des US-Präsidenten abstürzt, Kurt Russell aka Snake bekommt die Mission, ihn zu retten. Nun war es, gerade für eine Low-Budget-Produktion, viel zu teuer und überdies generell schwierig, in Manhattan zu drehen. Man suchte einen geeigneten, möglichst verwahrlosten Drehort und kam nach kurzer Recherche auf St. Louis, die Stadt präsentierte in einigen Straßenabschnitten und in/an einigen Gebäuden den Endzeitcharakter des Films perfekt. Es wurde an gut 50 Tagen im Jahr 1980 in St. Louis gedreht. Besonders gut eignete sich der Bereich um die Kreuzung 21th/Locust, der am 02.04.1976 durch ein Feuer verwüstet wurde, Spuren des Feuers sind noch heute im unteren Bereich der Gebäude zu sehen. Exakt in diesem Bereich stehen wir hier, es reichte einfach, während der Dreharbeiten Müll, Autowracks und brennende Ölfässer auf die Straße zu stellen und fertig war die Endzeitstimmung.



      59 Offenbar gibt es für die Gegend viele Pläne, die aber noch nicht hundertprozentig zünden..



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      61 Jetzt sind wir an der ehemaligen Union Station, einem der zahllosen großen US-Bahnhöfe, die nach dem zweiten Weltkrieg dramatisch an Bedeutung verloren hatten. Die St. Louis Union Station wurde 1978 geschlossen, verwahrloste dann in kurzer Zeit vollständig, um dann 1985 als Hotel neu eröffnet zu werden. Gebaut wurde der Bahnhof 1892-1894 von dem in Deutschland geborenen Theodor Link in einem wilden Mix aus Richardsonian und French Romanesque. Der Bahnhof soll äußerlich an die Stadtbefestigung von Carcassonne erinnern, ich hatte auch an anderer Stelle gelesen, dass der Turm des Gebäudes an das bekannte Schloss in Neuschwanstein angelehnt ist. Direkt vor dem Bahnhof verläuft wieder die Route 66.



      62 Das Innere des Bahnhofs ist heute natürlich chic, muss aber um 1980 unglaublich ausgesehen haben. Teile des Films „Die Klapperschlange“ wurden hier aufgenommen. Der Bahnhof musste in einem fiktiven New York ernsthaft als Grand Central Station herhalten, obwohl die nun zweifellos völlig anders aussieht. Kurt Russell’s Gegenspieler „Duke“ hat hier seinen Hauptsitz und es kommt zu einem dramatischen Kampf Russell’s gegen einen Terminator „Slag“ (tatsächlich ein Catcher namens Ox Baker), den Russell dann stilecht mit einer nagelbewehrten Keule liquidiert. Um 2:45 der beigefügten Sequenz sind Bilder aus dem Bahnhof zu sehen.

      youtube.com/watch?v=BlIscEyV2UQ

      Auf der Empore rechts sitzen der Duke und sein Gefolge während des Kampfes Snake vs. Slag.



      63 Auch diese Fenster sind im Film deutlich zu sehen, sie symbolisieren New York, St. Louis und San Francisco, die drei größten US-Bahnhöfe der 1890er.



      64 Die ehemaligen Gleisanlagen hinter dem Bahnhof wurden in einen Entertainment-Bereich umgebaut, mit Hardrock-Cafe und allem, was man braucht. Optisch ist das sehr gelungen, wird aber leider nicht angenommen. Hier ist einfach zu wenig Publikum unterwegs.

    • Erpel wrote:

      49 Auf der Rückseite des Gebäudes befinden sich die sogenannten Sunken Gardens, die im Vergleich heute zu historischen Postkarten wenig Veränderung aufweisen.
      Bis auf die mittlerweile größtenteils im Asphalt versunkenen Gärten.. :lockerrot:


      Sehr schöne Sachen dabei:
      flickr.com/photos/mohistory/with/3290002817/

      Gutes Blog:
      bygonestlouis.blogspot.de/

      Informative Seite zum 250. Stadtjubliäum im nächsten Jahr:
      stl250.org/history-overview.aspx
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
    • Dass ausgerechnet dann, wenn ich ankündige, in drei Teilen Bilder aus St. Louis zu zeigen, jemand anderes anfängt, Bilder aus der gleichen Stadt einzustellen, finde ich nicht sehr höflich, aber was soll es.


      St. Louis, Teil III von III

      65 Ehe wir weiter machen, schauen wir kurz auf eine Übersichtskarte vom Tourismusamt der Stadt. Den Gateway Arch neben der Downtown habe ich rechts markiert, links daneben sehen wir die Metro-Station „Union Station“. Als nächstes zeige ich Bilder aus dem Bereich Grand Center in der Bildmitte, dann geht es kurz an den Rand des Forest Park (im Bild links). Zum Abschluss zeige ich dann noch eine Zugabe aus einer völlig zerschossenen Ecke knapp nördlich der Downtown, im Bild rechts markiert, um den Bereich von Cass Avenue und St. Louis Avenue.

      Leider führt nur eine einzige Metro-Linie durch die Stadt. Dazu gibt es Buslinien, die aber nach einem nicht erkennbaren Zeitraster verkehren und deren Verlauf nirgends dokumentiert ist. St. Louis ist die einzige größere Stadt, in der ich bislang war, wo ich gerne komplett ein Auto gehabt hätte.



      66 Jetzt stehen im Bereich Grand Center auf dem Grand Boulevard und schauen auf die Olive Street, die wenig weiter links in den Lindell Boulevard übergeht. Links sehen wir das Continental Life Building in Art Deco von 1930 (William B. Ittner). In der Mitte sehen wir flacher das hiesige Woolworth Building in schlichtem Art Deco, das aber bereits die Moderne andeutet.



      67 Direkt daneben stehen wir neben dem Fox Theatre, 1929 von Howard C. Crane mit 4500 Sitzen, leider bin ich nicht reingekommen. In Detroit steht ein Zwilling, den ich schon mal eingestellt hatte. 1986 hat der Rock’n’Roller Chuck Berry (der aus St. Louis stammt und heute noch im Umfeld wohnt) hier seinen Film „Hail, hail, Rock’n’Roll“ gedreht. Hintergrund war, dass er als kleiner Junge einmal (aufgrund seiner Hautfarbe?) aus dem Theater geflogen war. Auch das Fox Theatre war um 1980 verlassen und verwahrlost und wurde so ebenfalls in den Film „Die Klapperschlange“ aufgenommen. Kurt Russell betritt es als namenloses New Yorker Broadway-Theater, dabei ist der Namenszug „Fox Theatre“ deutlich zu lesen.



      68 Sehenswerte Gebäude gibt es hier genug, etwas das University Club Building von 1917.



      69 Dieser komplette Komplex ist das ehemalige Gebäude der Carter Carburetor Corporation, das leer zu sein scheint oder zumindest lange leer stand. Gebaut wurde es 1928 für den Geheimbund „Knights of Phythias“ (?) und das Gebäude hat auch etwas von einer futuristischen Festung.



      70 Jetzt sind wir an der Powell Symphony Hall, gebaut 1925 von den Gebrüdern Rapp & Rapp, von denen ich schon so manches Theater eingestellt habe.



      71 Jetzt haben wir den konkreten Bereich Grand Center verlassen und befinden und Richtung Forest Park am Lindell Boulevard vor der Scottish Rite Cathedral, 1924 von William B. Ittner.



      72 Hier sehen wir rechts den St. Louis Club, 1899 gebaut und im Innern 1925 durch ein Feuer zerstört. Links haben wir den hiesigen Masonic (Freimaurer) Temple, 1926 von Albert Groves.



      73 Der St. Louis Masonic Temple wird ebenfalls in „Die Klapperschlange“ verewigt, „Snake“ und seine Gang verlassen den Eingang vertretend für die New York Public Library.



      74 Gleich nebenan steht das Hotel Coronado, einer der hiesigen Hotel-Klassiker.



      75 Jetzt sind wir am Rand des Forest Park am Chase Park Plaza Hotel angekommen, gebaut kurz vor der großen Depression als Symbol der großen Zeit der Stadt. Im Turm links befinden sich heute Apartments, rechts ist das eigentliche Hotel.



      76 Von der Terrasse des Chase Park Plaza hat man einen klasse Blick zur Stadt ...



      77 ... und zum Forest Park. Hier fanden 1904 zeitgleich (!) Weltausstellung und Olympiade statt. Leider konnten wir den Park mit zahlreichen Baudenkmälern nicht besuchen, da der Park ohne Pkw im Wesentlichen nicht zu erreichen ist. Immerhin sehen wir von hier noch das heutige St. Louis Art Museum als Relikt der Weltausstellung, gebaut von dem bereits genannten Cass Gilbert und erkennbar der Caracalla-Therme in Rom nachempfunden.



      78 Im Umfeld des Chase Park Plaza befindet sich USA-untypisch ein sehr angenehmes innerstädtisches Wohngebiet mit Restaurants und netten Häusern.



      79 Sehenswert ist hier noch die katholische „Cathedral Basilica of St. Louis“, gebaut 1907-1914 in einem Mix aus Neo-Byzantinisch und Neo-Romanisch. Pabst Paul II hat hier 1997 eine Messe gehalten. Die in der Kirche enthaltenen Mosaiken sind mit 7.700 m² gewaltig und sollen die größten der Welt sein.



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      82 An unserem letzten Tag in St. Louis haben wir vom Flughafen unseren Wagen abgeholt und vor unserer Weiterfahrt Richtung Osten noch eine Runde durch den Nordteil der Stadt gedreht, grob durch den Quadranten oben rechts in der Karte aus Bild 65. Hier sehen wir die Lücken, die durch die reduzierte Bevölkerung entstanden sind, ein bizarres Stadtbild voll Leerstand und Ruinen. Unsere Rundfahrt war wie immer zu kurz, aber immerhin haben wir von St. Louis schon mehr gesehen als von Detroit vor zwei Jahren.



      83 An der Fourth Baptist Chuch (Ecke 13./Sullivan) wird es ganz dramatisch. Hier wohnt kein Mensch mehr. Das Innere der Kirche sieht furchtbar aus (natürlich war ich nicht drin). Um Kirchen tut es mir besonders leid. Hier haben Menschen viel Herzblut investiert und das hier bleibt dann irgendwann über.

      flickr.com/photos/faeriecat/sets/72157612521780833/



      84 Abschließend waren wir dann an der Cass Avenue Bank an der gleichnamigen Straße, markiert in Bild 65 oben rechts. Hier ist das Ende der Welt eingetreten. Die erhalten gebliebene massiver gebaute Infrastruktur deutet an, dass die in Holzbauweise errichteten Wohnbauten bereits komplett abgetragen wurden. Teilweise sieht man hier auch Strommasten auf grünen Wiesen, die den ehemaligen Verlauf der Wohnhäuser markieren. Tres bizarre. Dabei handelt sich bei dem verlassenen Bereich in North St. Louis nicht nur um ein paar Straßenzüge, sondern um einen kompletten Stadtteil, in dem nur hier und da noch Leben existiert, ab und an gibt es neuere Häuser. Teile von South St. Louis und vor allem East St. Louis in Illinois müssen genauso aussehen.



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      87 So sieht das dann aus der Luft aus, diese Häuser werden vermutlich schon nicht mehr stehen, die Google Maps Aufnahmen sind ja auch schon meist ein paar Jahre alt. Das war’s.

    • Sehr interessante und toll kommentierte Beiträge. Vielen Dank, Erpel!

      Wenn ich an US-Architektur denke, denke ich wie viele zuerst an Hochhäuser und neoklassizistische Architektur. Trotz US-typischer umfangreicher und bedenkenloser Abrisswut scheint es aber auch in St. Louis durchaus noch viele ansehnliche Hochhäuser zu geben, die traditionelle Baustile in oft überraschender Weise verarbeiten. Besonders auffällig ist auch, dass diese historistische Welle dort sehr viel länger als meist in Deutschland gedauert hat. So wurde dort (wenn es auch eine andere Bauaufgabe betrifft) selbst im Jahre 1929 noch ein solch durch und durch historistisches Gebäude wie das prächtige an hinduistische Architektur angelehnte Fox Theater erbaut. Zu diesem Zeitpunkt wäre ein solches Gebäude in Deutschland sicherlich nicht mehr errichtet worden.