Verden (Aller)

  • Fachwerkhäuser Ritterstraße 2 und 4


    In Verden an der Aller gammeln seit Jahren 2 historische Fachwerkhäuser, abgestützt und mit Planen notdürftig vor Witterungseinflüssen geschützt, vor sich hin. Die Gebäude befinden sich in der Ritterstraße (Nr. 2 und 4).


    Hoffentlich sind die Gebäude, die zu den bauhistorisch interessantesten Verdens zählen, noch zu retten:


    http://www.weser-kurier.de/reg…in-Sicht-_arid,66006.html


    http://www.kreiszeitung.de/lok…t-sichtweite-2511394.html


    http://www.weser-kurier.de/reg…Haeuser-_arid,465949.html

  • Übrigens gibt es zu dem in der Mitte verlinkten Presseartikel auch einen für ländlichere Regionen nicht untypischen Online-Leserkommentar. Offenbar haben gerade in Deutschland die Leute ein Problem damit, wenn es mal eine Ecke gibt, die nicht quadratisch, praktisch, gut ist, am besten noch mit gefliester Hausfassade, da besser abwaschbar. Für historische Baukunst existiert keinerlei Bewusstsein. Stattdessen gilt alles in die Jahre gekommene nur als "Schandfleck" (womit ich den gegenwärtigen Zustand des Gebäudes natürlich nicht gutheißen will). Und vor allem sollen keine Steuergelder für Kulturobjekte verwendet werden. Vermutlich hätte er aber nichts gegen Steuergelder zur Subventionierung von Urlaubsreisen, damit er im Ausland Fotos von alten Häusern schießen kann...


    Zitat:

    Quote

    Ich warte schon seit Jahren darauf, dass hier mal der Blitz einschlägt und dieser Schandfleck endlich aus der Innenstadt verschwindet. Ich hoffe nur, dass nicht ein Euro Steuergelder in dieses "Projekt" fließt.


    Ich will das Wort wirklich nicht überstrapazieren, aber da fällt mir leider doch nur das alte Schlagwort des "deutschen Spießers" ein...

  • Interessant, das Ensemble Ritterstraße 2-4. Die Taubandknaggen und Schiffskehlenschnitzereien lassen darauf schließen, dass das Gebäude in der Spätgotik - so um 1520 - errichtet wurde. Wenn alle Stricke reißen, gibt es nur eine Lösung: Die baugeschichtlich wertvollen Teile vor dem Abriss ausbauen, restaurieren und in den Neubau an passender Stelle wieder integrieren.

  • Leider ist das in Niedersachsen nicht nur in den ländlichen Regionen eine häufige Haltung - "Schandfleck", "bloß abreißen", "olle Bude" etc. Und wenns dann saniert wird, dann am besten "besser als neu". Die Denkmalbehörden werden m.W. gerade im Raum Oldenburg (Old.) häufig mit Verwaltungsleuten besetzt, die keine Ahnung von der Materie haben und nach Aktenlage entscheiden - das ist wohl auch so gewollt, damit die Denkmalbehörden bloß nicht unbequem werden und womöglich die nächste seelenlose Einkaufsmeile oder die nächste Hühner- oder Schweinefabrik verhindern. Ich vermute, dass die Häuser, sobald was runterfällt, am nächsten Tag auf dem Container liegen.

  • In der Innenstadt soll aus vier Häusern zukünftig ein Haus werden. In der Ostertorstraße sollen die Häuser Nr. 4, 6, 8, 10 abgerissen werden für ein neues Geschäftshaus.


    Hier ein Bild der Häuserzeile, beginnend rechts mit der N°4 bis zum Giebelhaus mit der N°10. Aber auch das anschließende Haus N°12 (hier mittig abgebildet) ist noch im Gepräch, in das Projekt einbezogen zu werden.


    Aktuelle Berichterstattung:
    In der Ostertorstraße sollen Wohneinheiten entstehen - Kreiszeitung


    Abriss zum Jahresende - Kreiszeitung


    Quote

    Leere Schaufenster zieren derzeit die Häuserzeile an der Verdener Ostertorstraße. Auch das Café Engelhardt steht seit mehreren Jahren leer. Jetzt will Investor Carsten Flügge die Gebäude abreißen lassen und neu bauen.[...] Auch wenn die Gebäude nicht unter Denkmalschutz stehen, so geht mit ihnen doch ein weiteres Stück historischer Bausubstanz verloren. Der Verdener Häuser-Experte Heinz Riepshoff kritisiert das Vorgehen der Stadt. „Investoren bestimmen das Stadtbild, weil die Stadt selbst keinen Plan hat“, sagt er. In anderen Städten und Gemeinde gebe es einen Baudezernenten, der langfristig plane und die Stadt in ihrer Struktur erhalte. „Das Verdener Bauamt ist offenbar chronisch überlastet – da ist man froh, wenn einer mit ein paar Millionen um die Ecke kommt“, findet der Denkmalschützer klare Worte. Bei dem Haus mit der Nummer 12 handele es sich um ein Fachwerkhaus, das wahrscheinlich noch aus dem 16. Jahrhundert stamme.

    Aus alt mach neu - Verdener Nachrichten

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Vor allem die SPD erweist sich mal wieder als die Partei der ästhetischen Verunstaltung und als Diener ihres seelenlosen materialistischen Weltbildes. (Die Leute bekommen eben, was sie wählen.)


    Zitat:

    Quote

    Die Erleichterung darüber, dass nach jahrelangem Leerstand nun endlich etwas an der Ostertorstraße passiert, war den Ausschussmitgliedern deutlich anzumerken. „Ein toller Impuls“, kommentierte Rasmus Grobe (Grüne) das Vorhaben. Und Thomas Gern erklärte: „Ich habe die Vorlage gekriegt und mich richtig gefreut.“ Eines ließ dem SPD-Ratsherren aber keine Ruhe: „Hätten Sie die Nummer 12 nicht auch noch dazu nehmen können?“, fragte er Carsten Flügge. Der lächelte nur und sagte: „Wir sind im Gespräch.“


    Quelle: http://www.kreiszeitung.de/lok…ertorstrasse-4790232.html


    Quote

    Bei dem Haus mit der Nummer 12 handele es sich um ein Fachwerkhaus, das wahrscheinlich noch aus dem 16. Jahrhundert stamme.


    Quelle: http://www.weser-kurier.de/reg…ch-neu-_arid,1072401.html


    Und ein solches bald 500 Jahre altes Haus würde der SPD-Ratsherr dem Investor offenbar am liebsten auch noch in den Rachen schieben, damit dieser nur rasch irgendwie seine Shopping-Zeile mit einigen Wohn-Apartments hochziehen kann? Wenn dem so ist, und es nicht um eine denkmalgerechte Sanierung geht: Man kann nicht so viel essen wie man kotzen möchte.
    Ich bin zwar kein Baugutachter, aber nach dem Foto zu urteilen, kommen mir die Gebäudes keinesfalls nicht sanierungsfähig vor. Da werden im Osten Deutschlands ganz andere Ruinen wieder hergestellt. Abgesehen von dem Fachwerkhaus, das er hoffentlich nicht für seine Abrisspläne erhält, ist es um das weiße und das rosa Haus schade. Würde man zumindest ihre Fassaden erhalten und das neue Erdgeschoss diesen anpassen, könnte man kleine Schmuckstücke daraus zaubern. Aber das mag vielleicht nicht im kurzfristigen Renditedenken vorkommen.

  • Offenbar haben die Grünen und die SPD so einen Hass auf das historische Stadtbild, dass sie nicht genug von der Zerstörung kriegen. Anders lässt sich diese Ausdrucksweise wohl nicht erklären. Das ist einfach widerlich.

  • Hat jemand zufällig Fotos von dem Haus Nr. 12, das er hier posten könnte? Im Internet finden sich nur wenige Bilder von dem Gebäude, so dass man sich keinen wirklichen Eindruck verschaffen kann. Es wirkt allerdings keineswegs baufällig. Der hohe Dachstuhl deutet in der Tat auf ein hohes Alter hin, der Krüppelwalm dürfte erst aus dem 19. Jh. stammen.

  • Offenbar haben die Grünen und die SPD so einen Hass auf das historische Stadtbild, dass sie nicht genug von der Zerstörung kriegen. Anders lässt sich diese Ausdrucksweise wohl nicht erklären. Das ist einfach widerlich.

    Zeno & Heimdall: als Vor-Ort-Kundige kann ich dies für Verden so nicht bestätigen. Wie auch aus dem hier verlinkten Artikel der "Verdener Nachrichten" hervorgeht, ist außerdem die CDU gleichermaßen positiv angetan von diesem Projekt.
    Die Stadt Verden an der Aller hat ja einiges an historischer Bausubstanz zu bieten, da im 2. Weltkrieg unzerstört geblieben. Dies ist übrigens Alexander Fürst zu Dohna-Schlobitten, der nach der Flucht aus Ostpreußen mit seinem Treck mit über 300 Personen im hiesigen Landkreis gelandet war, mit zu verdanken. Der vor Ort verantwortliche General Brauer hatte wenige Tage vor Kriegsende den Befehl erhalten, die Stadt bis auf die letzte Patrone zu verteidigen und daraufhin den erfahrenen Fürsten um Rat gebeten. Dieser hatte ihm die Kapitulation empfohlen und so blieb Verden inkl. der Aller-Brücke verschont.
    Ich werde gerne in nächster Zeit ein wenig mehr aus Verden berichten, denn in der Stadt gibt es durchaus positive Ansätze, aber leider auch einige Negativ-Beispiele. Priorität genießt seit einiger Zeit die Belebung der Innenstadt und es ist anzunehmen, dass das genannte Vorhaben eines Investors vor allem aus diesem Grunde so positiv beurteilt wird.
    Ravensberger: ich bin heute ohnehin noch in der Verdener Innenstadt unterwegs und werde aktuelle Fotos vom Haus Nr. 12 "schießen".
    Kaline

  • Herzlich willkommen im Forum, Kaline!


    Leute, die direkt vor Ort sind und aktuell berichten können, sind immer gut.


    Mich wundert, daß das Haus aus dem 16. Jahrhundert nicht unter Denkmalschutz steht. Bestimmt weil in den letzten 400 Jahren mal eine Veränderung vorgenommen wurde und es nicht mehr original ist. Na ja. Selbst der Denkmalschutz würde hier aber sicher nicht helfen. - Sanierung nicht rentabel = Abrissreif.


    Hoffentlich kann wenigstens dieses eine Haus erhalten werden.


    Edit: Gerade habe ich im Wikipedia-Artikel über Verden dieses Bild gesehen. Da scheint in der Altstadt schon so manches historische Haus ersetzt worden zu sein. Hier ein Haus und da ein Haus,... und bald sind historische Bauten, trotz Kriegsverschonung, Mangelware.

  • Das, Kaline, ist ja alles schön und gut. Aber momentan geht es nicht darum, wie Verden durch den Krieg gekommen ist, sondern um die Frage, ob die Häuser Obertorstraße 4 - 10 und vor allem 12 erhalten werden können. Und wenn schon der Verlust der Häuser 4 - 10 droht, dann hört es sich geradezu zynisch an, wenn da jemand "keine Ruhe findet", weil er sich die Einbeziehung des Hauses Nr. 12, will heißen dessen Zerstörung, wünscht. Hat der Mann schlaflose Nächte, solange in der Altstadt ein Fachwerkhaus wohl des 16. Jahrhunderts steht, das möglicherweise bei der Neubebauung der Nachbargrundstücke nicht auch gleich mit auf die Bauschuttdeponie gefahren wird? Ich höre da überhaupt kein Abwägen heraus. Solange so über dieses Haus geredet wird, kann ich nicht den Eindruck kultivieren, diejenigen, die so daherreden, hätten ein Interesse an der Bewahrung des Verdener Stadtbildes.


    Und das Bauvorhaben findet auch gleich allgemeine Zustimmung, um nicht zu sagen Begeisterung, obwohl schon erklärt wurde, es würde "nicht historisierend" gebaut. Wo bitte soll ich da den Sinn für ein gutes Stadtbild erkennen?


    Und das Totschlagargument der "Belebung der Innenstadt" muss mal wieder herhalten. Erst sorgt man dafür, dass sich - wie fast überall - an den Stadträndern der ganze Einzelhandel niederlässt, dann stellt man völlig überrascht fest, dass die Innenstadt immer mehr verwaist, um schließlich denjenigen, der möglichst viele Häuser plattmacht, zu bejubeln. Das ist doch eine perfide Logik.


    Und dass ein Haus nicht in der Denkmalliste steht, heißt doch gar nichts. Man sieht das u. a. daran, dass Häuser nachträglich in die Listen aufgenommen wurden, obwohl man das hohe Alter und den städtebaulichen Wert der Häuser auf den ersten Blick hat erkennen können. Gerade die ältesten Häuser werden nicht selten völlig unterschätzt.

  • Neußer: vielen Dank für die nette Begrüßung.


    Hier nun die angekündigten Bilder zum Haus Nr. 12 in der Ostertorstraße:
    Seitenansicht
    }
    }
    Giebel/Seitenansicht von hinten
    }
    Von vorn
    }
    }
    }
    Hoffe, die Bilder helfen weiter.
    Kaline

  • Ja, die Bilder sind schon aussagekräftig!


    Etwas befremdend ist, wie ungepflegt das untere Ende der seitlichen Wand an der Straße Sandberg ist. Aber ansonsten macht das Haus doch einen sanierungsfähigen Eindruck. Einfach so mirnichtsdirnichts zu sagen, kann man das Haus nicht auch gleich abbrechen, wenn auf dem Nachbargrundstück neugebaut wird, das scheint mir schon sehr voreilig. Da kriegt man halt den Eindruck, dass hier sehr großzügig mit den Altbauten in der Stadt umgegangen wird.

  • Danke für die Bilder.


    Auf mich macht das Haus gar keinen sanierungswürdigen Eindruck. Die Fenster sind intakt und das Dach sieht sogar noch relativ neu aus. Höchstens ein frischer Anstrich könnte nicht schaden. Es wäre einfach nur schlimm, wenn dieses Haus verschwindet. Da wünsche ich mir, daß der Investor bei den Hausbesitzern abblitzt und diese das alte Gebäude nicht für ein paar schnelle Euros opfern.
    Übrigens sieht die angeschnittene Ostertorstraße 14 auf dem Bild auch nicht mehr ganz taufrisch aus. Könnte man dieses Haus nicht auch mit einbeziehen und abreissen? Besser auch noch dessen Nachbarn, dann ist wenigstens die gesamte Straßenseite weg. :cool:

  • Ganz genauso scheint es zu sein, Zeno. Im Vordergrund steht derzeit in Verden, wie ich schon schrieb, die sogenannte Belebung der Innenstadt, heißt: u. a. mit neuen Geschäften, die sich wohl offensichtlich in den alten Gebäuden nicht realisieren lassen, hofft man, Menschen in die Stadt zu locken zu können.
    Es finden sich zum Glück aber mittlerweile immer häufiger auch private Investoren, die Sanierungsprojekte anpacken, aktuelles Beispiel Projekt "Alte Dekanei" in der Nähe des Doms. Der als Kontrast gedachte moderne Anbau (siehe Link) wurde von der Stadt übrigens nicht genehmigt. Der Investor will dafür nun den noch an dieser Stelle befindlichen grottenhässlichen Anbau aus den 1970er Jahren aufhübschen. Was die neuen Anbauten an der Rückseite des Hauses betrifft, kann man durchaus geteilter Meinung sein.


    http://www.kreiszeitung.de/lok…erraschungen-3354787.html
    http://www.planeins.net/geschi…egenwart-und-neues-leben/
    http://www.kreiszeitung.de/lok…bald-beendet-4561936.html

  • Der als Kontrast gedachte moderne Anbau (siehe Link) wurde von der Stadt übrigens nicht genehmigt.


    Und geht die Stadt jetzt dagegen vor? Einfach die Beseitigung verlangen! Ohne Wenn und Aber. Oder macht sich die Stadt zur Lachnummer und signalisiert, dass man schön blöd ist, wenn man sich sein Bauvorhaben genehmigen lässt, wenn man doch genausogut schwarz bauen kann und das dann einfach toleriert wird, selbst wenn es nicht genehmigungsfähig war?