Bad Aibling

  • Die oberbayrische Kurstadt hat wieder ein neues Rathaus. Das historische brannte 1940 aus, danach gab es am zentralen Marienplatz einen zeitgemäßen Neubau, der jetzt wiederum vor 2 Monaten durch einen ebenso zeitgemäßen ersetzt wurde.
    http://www.rosenheim24.de/news…-rosenheim24-2544571.html


    Ansonsten gibt es dort seit neuestem Iglu-Architektur (Therme) und ein 8-stöckiges Holzhochhaus ("Holz 8") in der Nullenergiestadt Mietraching (ehem. US-Geheimdienstgelände).
    http://de.wikinews.org/wiki/Ba…olz-Hochhaus_Deutschlands

  • Jede Stadt hat das Rathaus, das sie verdient...

    Die Welt muss romantisiert werden! - Novalis

  • A** D* S****** dachte ich spontan und das heißt hier nicht Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. Ich bin selten so erschrocken wie bei dem ersten Anblick dieses Neubaus. Kaum bis nie gesehen, dass sich ein kleiner Ort so eine optische Guillotine ins Zentrum baut. Man fühlt sich in die 60-70er Jahre zurückversetzt, wobei die wenigstens noch als innovativ zu bezeichnen waren.
    Dieses Gebäude ist allerdings einfach nur ignorant, selbstherrlich und äußerlich völlig losgelöst von seiner Bestimmung oder seinem Bauort. Ist es prophetisch, dass hier nun die Stadtverwaltung schaltet und waltet? Ein Wahnsinn....


    Baunetz bietet noch mehr Bilder http://www.baunetz.de/meldunge…9.html?source=google-news

  • Hier mal noch die anderen Seiten des Oablinger Marienplatzes (Februar 2011):



    Ostseite mit dem Romantikhotel Lindner, ehem. Freihof Prantshausen und Sankt Sebastian


    die Nordseite ist auch nicht so toll, nun ja Sparkasse eben:

    die Aufnahme ist irgendwie leicht schief geworden...



    auf der Südseite: das ehem. Kurhotel und Gasthof Duschlbräu (den Namen kennt man auch aus einer anderen Stadt), offensichtlich wie auch in LA aus dem Denkmalschutz genommen worden (?), heute Schlecker und Mamahuana, die Zeiten ändern sich...


    und das war der Rathaus-Vorgänger ("Vorabrissrathaus") auf der Westseite des Marienplatzes:


    Rathaus-W-Seite zur Glonn mit der Pfarrkirche erhöht im Hintergrund:


    Hier noch eine Luftaufnahme des Marienplatzes mit dieser furchtbar grausligen Flachdachkiste:
    http://www.rosenheim24.de/news…-rosenheim24-2474603.html



    Zwischen Oabling und Rosenheim liegt Kolbermoor, auch das hat sich ein neues Rathaus gegönnt (dort ist es "wurscht, da gibt es nichts zum kaputtmachen"):
    http://www.rosenheim24.de/news…-rosenheim24-2502685.html

  • das ehem. Kurhotel und Gasthof Duschlbräu (den Namen kennt man auch aus einer anderen Stadt), offensichtlich wie auch in LA aus dem Denkmalschutz genommen worden (?)


    Kann natürlich sein, dass sich der Eigentümer erdreistet hat, das Haus der Nachwelt zu erhalten und es demzufolge nicht verfallen hat lassen, sondern renoviert hat. Wenn bei so einer Renovierung aber dann unvermeidlicherweise einiges an Originalsubstanz verlorengeht, quittiert der Denkmalschutz das dann damit, dass er dem Haus dann den weiteren Schutz versagt. Das bedeutet z. B., dass die Eigentümer, die ihre Häuser erhalten, vom Denkmalschutz im Regen stehengelassen werden. Wenn man aber das Haus lange genug "erfolgreich" verfallen lässt, darf man es irgendwann abreißen. Dann wird die alte Bausubstanz vollständig beseitigt. Das ist dem Denkmalschutz wohl lieber, als wenn man bei einer Renovierung 20 % austauscht, damit das Haus nicht zusammenkracht.


    So führt sich der Denkmalschutz immer wieder selbst ad absurdum. Er nimmt sich selbst die Daseinsberechtigung.


    Wenn ich auch noch nie in Bad Aibling war (!), so muss ich doch sagen, dass dieses Haus ganz offensichtlich absolut wertvoll für das Ortsbild und demzufolge unbedingt erhaltenswert ist, tradiert es doch die Bauweise des alten Aibling. Wenn dieses Haus entbehrlich ist, dann ist der Denkmalschutz insgesamt entbehrlich. An anderer Stelle habe ich ja bereits geschrieben, dass ich erwarte, dass der Denkmalschutz schließlich ganz untergeht, wenn er so weitermacht. Weil er die Rückendeckung der Bevölkerung dann nämlich endgültig verliert und nur noch als ungerechte Schikane empfunden wird. Denkmalschutz in der Kritik

  • Mir ist es auch völlig unverständlich, wie man landauf landab viele stadtbildprägende Gebäude aus dem Denkmalschutz rausschmeißt, so hat der Denkmalschutz auch m.E. keine Zukunft mehr...


    Nach 1940 stand dort wohl erstmal nichts, habe aber bisher dazu nichts gefunden.

  • Also prinzipiell ist der Rathausneubau deutlich besser als der alte Bunker, der mal stand. Und wenn man direkt davor steht, schauts auch gar ned mal so schlimm aus. Ursprünglich war ja keine Holzverkleidung geplant, sondern Sichtbeton. Des wurde nur aufgrund des Protests der Einwohner geändert.


    Zum Duschl-Bräu: Klar ist des nicht mehr in der Denkmalliste enthalten. Der gesamte Komplex wurde abgerissen. (Betrifft nicht nur das Gebäude auf dem Foto, sondern alle rechts daneben und im Innenhof) und komplett neu aufgebaut. Da einzige was stehen geblieben ist, sind die Außenmauern. Man hat also einen Neubau hinter die alte Fassade gestellt. Die stand ein halbes Jahr nur durch Stützen gesichtert einsam in der Gegend rum :wink:


    Die Fassade blieb ja auch nur stehen, weil 1832 Therese ihren Sohn Otto, als der König von Griechenland wurde, bis Bad Aibling begleitet hat, und die Abschiedsszenen auf der Fassade in Bildern festgehalten wurden.

  • Toll toll. Das neue Rathaus ist in meinen Augen Schrott. Und das Holzhochhaus hat für mich, rein ästhetisch, auch keinen Sinn. Es sieht kein Stück besser aus als die herkömmliche Betonbauweise. :thumbdown:


    Mei, des Gebäude steht auf einem Standort ungefähr 3 km von der Ortsmitte entfernt in einem ehemaligen Kasernengelände der US Army bzw. der NSA. Außer typischen Soldatenwohnheimen ist da eh nix. Man versucht halt jetzt nach Abzug der US-Streitkräfte das Gelände einigermaßend sinnvoll zu nutzen...

  • Duschl-Bräu [...] nicht mehr in der Denkmalliste enthalten. [...] abgerissen [...] und komplett neu aufgebaut.


    Ja wenn das so ist, dann ist das natürlich was anderes und verständlich, dass es nicht mehr in der Denkmalliste steht. Die Frage ist nur, ob nicht die Wand eintragungswürdig wäre. Denn wenn sie damals als erhaltungswürdg betrachtet und dementsprechend erhalten wurde, sollte sie auch künftig erhalten bleiben.


    Der Fall zeigt aber auch, dass der Neubau absolut vorbildlich und damit wertvoll ist. Sein Wert besteht freilich nicht im Vorhandensein der Originalsubstanz (von der Fassade mal abgesehen), sondern darin, dass er mit seiner Gestalt, die die historische Bauweise tradiert, das Ortsbild bereichert und den Menschen das ihnen vertraute Bild der Heimatstadt bewahrt.